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[Rezension] Der Anfang von Danach

Der Anfang von Danach – Jennifer Castle
Carlsen
Hardcover, 2014
ISBN 978-3-551-58266-9
416 Seiten

18,90 €

Nach einem wirklich langweiligen Abend will Laurel nur noch nach Hause, doch ihre Familie fährt noch zu einer Eisdiele. Laurel wartet daheim, doch als es später klopft stehen keine vertrauten Gesichter vor der Tür, sondern ein Polizist. Laurels Familie hatte einen Autounfall…

Es beginnt das Danach, die Zeit der Trauer und Abkapselung. Laurels Großmutter zieht zu ihr ins Haus, doch sie trauert ebenso. Eigentlich kann Laurel die Geschehnisse gar nicht so richtig nachvollziehen, und es nervt sie tierisch, dass alle sie wie eine Figur aus Glas behandeln. Jeder schaut sie schief an und hat Angst, etwas Falsches zu sagen. Außer David, dem Nachbarsjungen, dessen Mutter ebenfalls im Unfallauto gesessen hat und umgekommen ist. Er weiß etwa, was Laurel fühlt. Doch er flieht vor der Gegend, reist quer durch Amerika.
Laurel versucht, Alltag einkehren zu lassen. Sie arbeitet in einer Tierklinik und möchte gerne einen Freund haben. Doch kann sie so für immer weitermachen? Muss es nicht ein besseres Danach geben?

Der Anfang von Danach“ ist kein Roman voller Trauer und Schmerz, zumindest nicht vordergründig. Laurel leidet und es zerreißt einem das Herz, wenn sie sich eigentlich mal ordentlich ausheulen sollte, es aber nicht kann. Wenn man selbst nicht viele Todesfälle in der Familie hatte, kann man das auch nicht so richtig nachvollziehen, aber Jennifer Castle kann schon sehr gut beschrieben, wie es Laurel geht.

Manchmal hatte ich das Gefühl, Laurel verdrängt und kämpft sich einfach durch ihren Alltag. Das fand ich teilweise etwas ermüdend. Als Außenstehender weiß man die Dinge ja oft besser, und teilweise wäre ich gerne in das Buch gesprungen und hätte Laurel geschüttelt.
Es las sich zwischendurch irgendwie wie ein Jugendbuch, das behandelt, wie jemand etwas blödes erlebt, aber weitermacht. Laurel verhielt sich so normal und so jugendlich, als hätte der Unfall nichts geändert.
Aber das ist nur ein kleiner Teil, und als Laurel endlich akzeptiert und verarbeitet, wurde es eine richtig tolle Geschichte.

Denn Laurel kann es nicht ertragen, dass alle sie mit Samthandschuhen anfassen. Sie erfährt, wie man sie normal behandeln kann und muss sich überlegen, welche Variante ihr lieber ist: Normal sein oder bemitleidet werden. Ihre Wahl zwischen Joe und David war dabei genauso. Joe hatte Angst, etwas falsch zu machen. David war ehrlich, denn auch er hatte mit dem Verlust zu kämpfen – und sogar noch mehr!
Laurel verhält sich dann überwiegend wie ein ganz normaler Teenager, der noch unsicher im Leben ist. Das fand ich sehr sympathisch.

Jennifer Castle hat es geschafft, einen Roman zu schreiben (und auch noch als Debüt), der einem ans Herz geht. Es ist keine positive Geschichte, aber es hat positive Seiten und schöne Entwicklungen. Aus dem fast bodenlosen Tief kämpft sich die Figur Laurel wieder bis ans Licht – und das hat die Autorin richtig schön beschrieben.
Zwischendurch hatte ich ein paar Hänger, aber das dauerte höchstens ein-zwei Kapitel. Überwiegend war ich ziemlich gefesselt und wollte wissen, ob es vorangeht oder Laurel wieder einen Rückschlag erleiden muss.

Carlsen hat sich für ein Cover entscheiden, was genau zur Situation der Geschichte passt. Man sieht ein Mädchen, das nach unten blickt und eine Sonnenbrille – zum Schutz? – trägt. Das Hardcover ist mit einem Schutzumschlag mit den Titeldaten gebunden, der aus dünnem, grau-durchsichtigem Papier ist und erst den schwarzen (Trauer-)Rahmen gibt. Das fand ich eine schöne Idee.

Der Anfang von Danach“ ist tiefgründig, einfühlsam und sehr bewegend zu lesen. Laurel und ihre Geschichte nimmt einen gefangen. Nach dem Tod von Nahestehenden geht für einen selbst das Leben weiter – Jennifer Castle hat das genau richtig eingefangen und aufgeschrieben. Von mir eine volle Leseempfehlung.

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[Rezension] Weil ich Layken liebe

Weil ich Layken liebe – Colleen Hover
DTV
Taschenbuch, November 2013
ISBN 978-3-42371562-1
352 Seiten

9,95 €

Layken, kurz Lake genannt, hat vor kurzem ihren Vater verloren und muss nun auch noch von Texas ins kalte Michigan ziehen.
Direkt dort angekommen begrüßt der Nachbar Will sie freundlich und Lake und er sind sofort Feuer und Flamme füreinander.
Doch sie sollen es nicht lange gut haben, und obwohl sie ein wundervolles Date haben, wird am nächsten morgen das Schicksal wie ein Eimer kalten Wassers über sie ausgeschüttet: Layken ist die Schülerin von Will!
Die aufkeimende Liebe muss unterbunden werden, doch weder Will noch Layken können der heftigen Liebe einfach ein Ende setzen…

Eigentlich hatte ich dieses Buch bereits als „Teenie-Schmonzette“ abgeheftet und wollte es nicht lesen. Aber dann habe ich so positive Rezensionen gelesen, dass ich doch noch zugreifen musste.
Und es hat sich sehr gelohnt!!!

Die Geschichte um Layken ist keineswegs positiv, sie ist ein einziges Drama. Aber die Autorin Colleen Hover hat so passende, ergreifende Worte gefunden, dass man nur heulen kann bei diesem Buch! Teilweise auch vor Glück, aber überwiegend, weil es einfach so mitreißt.
Ganz besonders werden diese Worte eingefangen in Slam-Texten, die natürlich besonders nahe gehen und Gefühle auf eine ganz andere Art transportieren, als es ein stinknormaler Text oder eine Beschreibung könnte. Deswegen leidet man doppelt mit Layken und Will mit – bei mir sehr sehr tränenreich.

Weil ich das Buch nicht zur Seite legen konnte, die Geschichte weder übertrieben noch seltsam war, und ich oft mit den Gefühlen intensiv mitgerissen wurde, gibt es natürlich volle Punktzahl!

★★★★★

Und es geht weiter: Die Antwort, aus Wills Sicht, erscheint bereits im Sommer 2014!

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[Rezension] Das Geheimnis der Maurin

Das Geheimnis der Maurin – Lea Korte
Knaur Verlag
Taschenbuch, Dezember 2012
573 Seiten

9,99 €

Teil 2 des historischen Epos‘ um die Maurin Zahra!

Ende des 15. Jahrhunderts: Die maurische Familie as-Sulami, mit Zahra und ihren Kindern, ihrem Geliebten Jaime und einigen Bediensteten, sind noch immer auf der Flucht. Weg von Granada, weg von den das Land übernehmenden Christen.
Doch sie kommen nicht weit, denn berittene Soldaten greifen die Gruppe an und verschleppen Zahras Tochter Chalida.
 
Den Fliehenden bleibt nicht anderes übrig, als nach Granada zurückzukehren. Die Situation soll sich dort entspannen, doch für die Mauren wird es nicht besser.
Während die Jahre vergehen, verändern sich nicht nur die Umstände, sondern auch Sichtweisen…

Lea Korte schafft es nicht nur, Bücher zu schreiben bei denen man gar nicht mehr aufhören kann, sondern auch wahnsinnig mitfiebert. Es gab duzend „OchnöOchnöOchnö!“-Momente – so viele, dass ich der Autorin zwischendurch wutentbrannt eine Nachricht bei Facebook schreiben musste und im Anschluss meinen Freund noch die halbe Nacht mit Gesprächen über Inquisition und blöde, aufregende Handlungen wachgehalten habe.
Also aufregende Handlungen im Sinne von „Hallo? Wie kann sie das der Figur jetzt antun? Ist die noch bei Sinnen? Das kann sie doch nicht machen?!“

„Das Geheimnis der Maurin“ beginnt mit einer kleinen Entführung, die sich zu einer großen Geschichte ausdehnt. Die as-Sulami-Familie wird dabei stets von mehreren Seiten bedroht: von den neuen katholischen Herrschern, alten Feinden und dem immerwährenden Streit der Religionen. War es zu Beginn der Liebe zwischen Zahra und Jaime kein Problem, dass sie unterschiedliche Götter anbeten, wissen die Kinder nicht immer, wem sie nun vertrauen sollen. Sie sind Muslime? Oder Christen? Wer ist Nichtgläubiger und was ist richtig?

Was geht nur in den Köpfen der Christen vor? Ihre Wissenschaft kann der unseren nicht das Wasser reichen, und dann wollen sie eine solche geballte Masse an Wissen verbrennen?“ (S. 308)

Christen (vor allem Katholiken) sind in der Geschichte teilweise nur furchtbar brutal und nervig, und als sie in der Handlung auch noch rücksichtlos und idiotisch versuchen, die Muslime zu unterdrücken, war ich einfach nur noch sauer.
Dass das auch noch ein historischer Roman ist, macht alles nur schlimmer – denn solche schrecklichen religiösen Vorfälle gab es ja wirklich!
Zu gerne hätte ich das Buch in die Ecke geworfen oder sogar drauf rumgetrampelt. Aber das hätte weder die Handlung noch die Geschichte geändert oder meinem Lesefluss gedient ^^

Interessanterweise habe ich alleine aufgrund des Namens der Autorin meine aktuelle Abneigung gegen fast alle historischen Romane abgelegt und mich auf das Buch gestürzt. Ja, zu Anfang war es etwas schwer, wieder in die Geschichte hineinzukommen, weil so viele arabische Begriffe und Namen fielen, die Familie außerdem sehr groß ist und die Geschichte ziemlich an den Vorgängerband anschließt.
Nicht zuletzt der tolle Schreibstil hat aber dazu geführt, dass ich das Buch dann einfach nicht mehr aus der Hand legen konnte.

Nachdem die beiden Männder sich gewaschen und Raschid, wie es die Sitte vorschrieb, sich den Mund ausgespült hatte, rief dieser die Familie zum Essen.“ (S.256)

Hin und wieder fand ich die muslimischen Sitten ein bisschen zu deutlich erklärt. Die Handlungen der Figuren in ihrer Tradition hätte ein bisschen selbstverständlicher ausgeführt werden können, aber das ist eben die Note der Autorin 😉

Man kann es gut finden oder nicht, aber ich fand Zahra sehr bockig. Natürlich habe ich ihren Standpunkt verstanden, und konnte durch die häufigen Gedanken von ihrer Seite und Ausführungen darüber auch ihre Gefühle nachvollziehen, aber ich hätte sie ein weniger nachgiebiger gemacht. Jaime ist ein toller Held, und er liegt seiner Frau zu füßen. Nicht mal nach der Zwangstaufe möchte sie ihn heiraten, obwohl das vieles vereinfachen würde – nein, Zahra tritt mit Händen und Füßen seine Versuche, es für sie und die Familie sicherer zu machen. Stattdessen wird sie krank und weißt einfach alles von sich.

Umrahmt wird das Buch wie auch beim letzten Mal mit einer Personenliste zu Beginn (zum Glück ohne Sterbedaten) und einem Glossar, sowie Karten und einem Stammbaum im Anhang.

Was könnte ich anderes, als dem Buch ebenfalls 5 Sterne zu geben? Ein großartiger historischer Roman, der die Geschichte der Mauren vertieft, anschaulich wiedergibt und sehr lesenswert ist.
Lea, bitte schreib noch mehr über die maurische Familie!

Weitere Bücher der Autorin:
– Die Nonne mit dem Schwert (Rezension)
– Die Maurin (Rezension)
– Sommernacht auf Mallorca (Rezension)