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[Rezension] Das wirst du bereuen

Das wirst du bereuen – Amanda Maciel
Boje bei Bastei Lübbe
Hardcover, Juli 2014
ISBN: 978-3-41482406-6

300 Seiten

14,99

Es sollte ein Denkzettel sein, und keine Anstiftung zum Selbstmord. Sara und ihre Freundin Brielle wollen Emma nur ein wenig ärgern. Doch was als Streich gedacht war, entwickelt sich schnell zu einem groß angelegten Mobbing – Sara gleiten die Dinge aus der Hand.
Das hinterher alle Emma in den Himmel loben kotzt sie allerdings an, denn Emma war keineswegs völlig unschuldig. Sie hat an der neuen Schule reihenweise Jungs angemacht und Dylan umgarnt. Dabei ist Dylan Saras Freund. War Saras Freund.
Waren die Streiche für Emma tatsächlich Mobbing oder nur etwas größere Denkzettel? Musste sich das Mädchen deswegen umbringen?

„Das wirst du bereuen“ steigt sofort bei einem Gespräch von Sara mit ihrer Anwältin ein, kurz nach dem Selbstmord. Als Leser wird man einfach ins kalte Wasser geschubst, sich ein Bild zu machen. Das ist einerseits sehr spannend, andererseits kennt man ja quasi das Ende schon.
Aber Frau Maciel hat sich etwas interessantes ausgedacht. Man erlebt mit Sara die Zeit bis zur Gerichtsverhandlung, Sara muss wieder zur Schule und erlebt das Mobbing am eigenen Leib (wenn auch etwas anders als Emma). Gleichzeitig gibt es Rückblicke, welche die Aktionen gegen Emma zeigen (aus Saras Perspektive).
Man lernt dadurch nicht nur die Motive sondern auch die Wahrheit kennen.

In einigen Punkten kann ich Sara verstehen. Sie hat sich falsch behandelt gefühlt, etwas übertrieben zurückgeschlagen, aber dann ist sie alleine schuld. Klar, keiner kann Emma mehr fragen, aber das Emma einfach nur ein Opfer war, machte mich auch wütend. Dass Sara jedoch dann einfach nicht die Wahrheit sagt, machte mich auch rasend. Wenn sie sich so missverstanden fühlt, warum sagt sie es nicht einfach?

Wie Amanda Maciel die Geschichte geschrieben hat, fand ich sehr beeindruckend. Sara ist eine Jugendliche, und so ist die Geschichte erzählt. Es hat mich sehr authentisch berührt, es war keineswegs hochgestochen oder irgendwie zu „erwachsen“ geschrieben. Auch die Sichtweise ist klar und deutlich die einer Jugendlichen mit wenig Erfahrung des Lebens, wenig Berührung mit tragischem Unglück und der Ich-weiß-doch-schon-wie-das-Leben-zu-laufen-hat-ich-bin-fast-erwachsen-Perspektive. Aus sprachlicher Sicht (und auch durch die sehr gute Übersetzung) habe ich das Buch wirklich gerne gelesen.

Deswegen gebe ich diesem Buch fünf Sterne.

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5

[Rezension] Lost Land # 1

Lost Land Die erste Nacht – Jonathan Maberry
Lost Land # 1
Thienemann Verlag
Hardcover, 2012
ISBN 978-3-52220151-3
528 Seiten

16,95 €

Zu seinem 15. Geburtstag muss Benny sich einen Job suchen – denn nun muss er als Teil der Gesellschaft einen Beitrag leisten. Das müssen alle in Mountainside, dem umzäunten, sicheren Stadtgebiet inmitten vom Leichenland. Doch Benny will weder am Zaun Zombies vertreiben noch Zombies verbrennen oder gar ständig durch die Stadt laufen – körperliche Arbeit ist gar nicht seins.
Er könnte bei seinem Bruder ins Geschäft einsteigen. Denn Tom Imura ist Kopfgeldjäger im Leichenland, dort spürt er Tote, jetzt Zombies, auf und beendet ihr Dasein. Aber Benny weiß, dass nur Charlie und der Hammer wirklich coole Kopfgeldjäger sind. Draußen im Leichenland haben sie bergeweise Zombies vernichtet und die Gegend sicherer gemacht.
Doch als Benny schließlich mit Tom ins Leichenland muss, verändert das alles. Und dann geschehen die Ereignisse Schlag auf Schlag, sodass Benny keine andere Wahl hat, als mit dem Leben fertig zu werden…

Lost Land # 1″ ist eine Dystopie, die vom Grundgerüst ziemlich ähnlich zu allen Zombiegeschichten ist. Irgendwie über Nacht werden Tote zu Zombies. Wer gebissen wird stirbt und ersteht ebenfalls wieder auf. Das Setting ist ein bisschen wie „World War Z“, nur dann schon Jahre später nach dem Ausbruch (14 Jahre später).
Die Einführung in die Geschichte fand ich gelungen, man weiß ziemlich schnell worum es geht und wie sich alles Entwickelt hat (bis auf eben Details der ersten nacht).
Einen Großteil des Buches habe ich mich gefragt, warum das Buch „Die erste Nacht“ heißt. Später wird das deutlich, aber da es 14 Jahre später spielt, war für mich da kein großer Zusammenhang – es ergibt aber alles einen Sinn.

Benny ist erst ein typischer Jugendlicher, und ich mochte die Schreibweise von Maberry aus seiner Sichtweise. Er sieht Tom in einem bestimmten Licht und kann seine Meinung nur schwer ändern. Tom ist eine Figur, die man eben nicht einschätzen kann, weil man durch Bennys Erzählungen geprägt ist.
Die Stadtbewohner sind eigen, Charlie und der Hammer eben ganz spezielle Gesellen. Man sieht alles durch die Augen des fünfzehnjährigen Bennys, der stark beeinflussbar ist. Das fand ich gut.
Durch die anfängliche Jobsuche gibt der Autor seinen Lesern auch die Möglichkeit, die Umstände und die Gegend sehr genau kennen zu lernen.

Die Beschreibungen der Stadt und des Umlandes waren sehr klasse. Man hat förmlich die Stille gehört und die Zombies gerochen. Schon alleine durch Bennys Hingerissenheit, wie er die neue Umgebung wahrnimmt und endlich mehr sieht als von der Stadt aus, war man als Leser auch gefesselt.

Ein weiteres Highlight waren die Begegnungen mit Zombies und Kämpfe. Maberry schafft es, einen förmlich zwischen die Wörter zu ziehen und direkt in das Geschehen zu holen. Er schreibt anschaulich und sehr zackig, sodass ich nach einem Kampf auch völlig fertig (mindestens mit den Nerven) war. Und was er passieren lässt, lässt einem die Haare zu Berge stehen, so actionreich ist das. Ich habe einen Großteil des Buches im Zug gelesen und war immer völlig gebannt und hätte gerne teilweise das Buch in die Ecke geworfen vor Frust über den Verlauf.

Phantastikcouch (Quelle) hat es schön beschrieben:
Unterhaltung ist Trumpf; literarische Ansprüche sollte der Leser dieser schnellen, actionbetonten und betont salopp formulierten Pageturner lieber ausblenden.

Insgesamt fand ich die Handlung schlüssig und sehr spannend.

Die Ausstattung von Thienemann finde ich passend. Die Krähe ist zwar eigentlich kein Bestandteil, die Farbe und vor allem die Überschrift passen aber sehr gut.

Spannend, mitreißend, wunderbar ausgedacht und absolut lesenswert geschrieben konnte ich das Buch nur schwer beiseitelegen. Den Folgeband kann ich gar nicht erwarten und gebe dem Auftakt selbstverständlich fünf Sterne.

★★★★★

Fortsetzungen
Lost Land # 2 Der Aufbruch
Lost Land # 3 Die Finsternis (erscheint am 16.7.2014)

Auf Englisch sind bereits weitere erschienen.

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[Rezension] Der Anfang von Danach

Der Anfang von Danach – Jennifer Castle
Carlsen
Hardcover, 2014
ISBN 978-3-551-58266-9
416 Seiten

18,90 €

Nach einem wirklich langweiligen Abend will Laurel nur noch nach Hause, doch ihre Familie fährt noch zu einer Eisdiele. Laurel wartet daheim, doch als es später klopft stehen keine vertrauten Gesichter vor der Tür, sondern ein Polizist. Laurels Familie hatte einen Autounfall…

Es beginnt das Danach, die Zeit der Trauer und Abkapselung. Laurels Großmutter zieht zu ihr ins Haus, doch sie trauert ebenso. Eigentlich kann Laurel die Geschehnisse gar nicht so richtig nachvollziehen, und es nervt sie tierisch, dass alle sie wie eine Figur aus Glas behandeln. Jeder schaut sie schief an und hat Angst, etwas Falsches zu sagen. Außer David, dem Nachbarsjungen, dessen Mutter ebenfalls im Unfallauto gesessen hat und umgekommen ist. Er weiß etwa, was Laurel fühlt. Doch er flieht vor der Gegend, reist quer durch Amerika.
Laurel versucht, Alltag einkehren zu lassen. Sie arbeitet in einer Tierklinik und möchte gerne einen Freund haben. Doch kann sie so für immer weitermachen? Muss es nicht ein besseres Danach geben?

Der Anfang von Danach“ ist kein Roman voller Trauer und Schmerz, zumindest nicht vordergründig. Laurel leidet und es zerreißt einem das Herz, wenn sie sich eigentlich mal ordentlich ausheulen sollte, es aber nicht kann. Wenn man selbst nicht viele Todesfälle in der Familie hatte, kann man das auch nicht so richtig nachvollziehen, aber Jennifer Castle kann schon sehr gut beschrieben, wie es Laurel geht.

Manchmal hatte ich das Gefühl, Laurel verdrängt und kämpft sich einfach durch ihren Alltag. Das fand ich teilweise etwas ermüdend. Als Außenstehender weiß man die Dinge ja oft besser, und teilweise wäre ich gerne in das Buch gesprungen und hätte Laurel geschüttelt.
Es las sich zwischendurch irgendwie wie ein Jugendbuch, das behandelt, wie jemand etwas blödes erlebt, aber weitermacht. Laurel verhielt sich so normal und so jugendlich, als hätte der Unfall nichts geändert.
Aber das ist nur ein kleiner Teil, und als Laurel endlich akzeptiert und verarbeitet, wurde es eine richtig tolle Geschichte.

Denn Laurel kann es nicht ertragen, dass alle sie mit Samthandschuhen anfassen. Sie erfährt, wie man sie normal behandeln kann und muss sich überlegen, welche Variante ihr lieber ist: Normal sein oder bemitleidet werden. Ihre Wahl zwischen Joe und David war dabei genauso. Joe hatte Angst, etwas falsch zu machen. David war ehrlich, denn auch er hatte mit dem Verlust zu kämpfen – und sogar noch mehr!
Laurel verhält sich dann überwiegend wie ein ganz normaler Teenager, der noch unsicher im Leben ist. Das fand ich sehr sympathisch.

Jennifer Castle hat es geschafft, einen Roman zu schreiben (und auch noch als Debüt), der einem ans Herz geht. Es ist keine positive Geschichte, aber es hat positive Seiten und schöne Entwicklungen. Aus dem fast bodenlosen Tief kämpft sich die Figur Laurel wieder bis ans Licht – und das hat die Autorin richtig schön beschrieben.
Zwischendurch hatte ich ein paar Hänger, aber das dauerte höchstens ein-zwei Kapitel. Überwiegend war ich ziemlich gefesselt und wollte wissen, ob es vorangeht oder Laurel wieder einen Rückschlag erleiden muss.

Carlsen hat sich für ein Cover entscheiden, was genau zur Situation der Geschichte passt. Man sieht ein Mädchen, das nach unten blickt und eine Sonnenbrille – zum Schutz? – trägt. Das Hardcover ist mit einem Schutzumschlag mit den Titeldaten gebunden, der aus dünnem, grau-durchsichtigem Papier ist und erst den schwarzen (Trauer-)Rahmen gibt. Das fand ich eine schöne Idee.

Der Anfang von Danach“ ist tiefgründig, einfühlsam und sehr bewegend zu lesen. Laurel und ihre Geschichte nimmt einen gefangen. Nach dem Tod von Nahestehenden geht für einen selbst das Leben weiter – Jennifer Castle hat das genau richtig eingefangen und aufgeschrieben. Von mir eine volle Leseempfehlung.

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[Rezension] Heller als ein Stern

Heller als ein Stern – Celia Bryce
Bloomoon
Hardcover, 2013
224 Seiten
ISBN 978-3-76079940-7

12,99 €

Es trifft die vierzehnjährige Megan wie ein Schlag, als sie erfährt, dass sie einen Tumor im Kopf hat. Das kann nicht sein, schließlich ist ihr nur ein bisschen schwindelig. Und deswegen will man ihr gleich den Kopf aufschneiden?
Ihre Eltern sind sehr besorgt, vor allem als Megan ins Krankenhaus für die Chemo muss.
Doch dort lernt Megan den wenig älteren Jackson kennen. Jackson hält sich nicht an Regeln, und kann Megan so erfolgreich ablenken. Gemeinsam lässt sich die Therapie und die Krankheit aushalten.
Bis Megan wieder nach Hause muss…

Heller als ein Stern“ ist ein Jugendbuch mit einem sehr ernsten Thema: Krebs. Es beschönigt nicht, es redet nicht drumherum und Celia Bryce bringt behutsam eine schwere Zeit näher. Der Verlag empfiehlt das Buch ab 14 Jahren, ich finde aber, auch jüngere und besonders ältere können die Geschichte gut lesen. Ich kenne persönlich keine Kinder, die Krebs hatten oder haben, aber könnte mir gut vorstellen, dass dieses Buch Mut macht und Klarheiten schafft.

Es war sehr bedrückend zu lesen, wie Megan im Krankenhaus erst gar nichts versteht und dann akzeptiert, was passiert. Sympathisch ist dabei natürlich Jackson, der ihr hilft und den man als Leserin in den Arm nehmen will, um auch ihm Halt zu geben.

Ein bisschen gestört hat mich die fehlende Kommunikation zwischen Megan und ihren Eltern, aber auch darin zeichnet sich die Hilflosigkeit der Erwachsenen aus. Da alles aus Megans Perspektive geschrieben ist, bleibt die Erzählung bei ihren Problemen und Sichtweisen. Man weiß also um die Beweggründe der Eltern nicht.

Da das Buch nicht sehr dick ist, passiert nicht allzuviel. Ich hatte vor dem Lesen gehofft, dass es kein schmalziges Happy End gibt und alle überleben, aber das ist nicht passiert – sonst wäre ich auch enttäuscht gewesen.
Ich kann euch diese Geschichte nur ans Herz legen, selbst wenn ihr keine Krebskranken kennt. Es geht einem nahe und lässt einen Dinge verstehen. Von mir volle Punkzahl für eine schöne Geschichte mit bitterem Inhaltsgeschmack.

★★★★★
2

[Rezension] Weil ich Layken liebe

Weil ich Layken liebe – Colleen Hover
DTV
Taschenbuch, November 2013
ISBN 978-3-42371562-1
352 Seiten

9,95 €

Layken, kurz Lake genannt, hat vor kurzem ihren Vater verloren und muss nun auch noch von Texas ins kalte Michigan ziehen.
Direkt dort angekommen begrüßt der Nachbar Will sie freundlich und Lake und er sind sofort Feuer und Flamme füreinander.
Doch sie sollen es nicht lange gut haben, und obwohl sie ein wundervolles Date haben, wird am nächsten morgen das Schicksal wie ein Eimer kalten Wassers über sie ausgeschüttet: Layken ist die Schülerin von Will!
Die aufkeimende Liebe muss unterbunden werden, doch weder Will noch Layken können der heftigen Liebe einfach ein Ende setzen…

Eigentlich hatte ich dieses Buch bereits als „Teenie-Schmonzette“ abgeheftet und wollte es nicht lesen. Aber dann habe ich so positive Rezensionen gelesen, dass ich doch noch zugreifen musste.
Und es hat sich sehr gelohnt!!!

Die Geschichte um Layken ist keineswegs positiv, sie ist ein einziges Drama. Aber die Autorin Colleen Hover hat so passende, ergreifende Worte gefunden, dass man nur heulen kann bei diesem Buch! Teilweise auch vor Glück, aber überwiegend, weil es einfach so mitreißt.
Ganz besonders werden diese Worte eingefangen in Slam-Texten, die natürlich besonders nahe gehen und Gefühle auf eine ganz andere Art transportieren, als es ein stinknormaler Text oder eine Beschreibung könnte. Deswegen leidet man doppelt mit Layken und Will mit – bei mir sehr sehr tränenreich.

Weil ich das Buch nicht zur Seite legen konnte, die Geschichte weder übertrieben noch seltsam war, und ich oft mit den Gefühlen intensiv mitgerissen wurde, gibt es natürlich volle Punktzahl!

★★★★★

Und es geht weiter: Die Antwort, aus Wills Sicht, erscheint bereits im Sommer 2014!

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[Rezension] Ich lebe lebe lebe

Alison McGhee – Ich lebe lebe lebe
dtv Roman
Taschenbuch, 2012
157 Seiten

12,90 €

Wenige Monat ist es her, dass der schreckliche Unfall geschah. Ivy fuhr, Rose saß auf dem Beifahrersitz. Winter war es, als der blaue Truck um die Kurve geschossen kam und nicht mehr ausweichen war. In den Adirondacks erlitt Ivy so schwere Verletzungen, dass sie nun im Koma liegt.
Rose nicht. Rose ist gesund. Äußerlich. Innerlich ist sie genauso gelähmt wie ihre Schwester, die dort im Bett im Krankenhaus liegt und schläft…

Ein kurzer Roman über ein heftiges Thema ist „Ich lebe lebe lebe„. Rose hat den Unfall überlebt, und wie man das immer hört, wenn jemand überlebt und der andere im Auto nicht (oder nicht vollständig), macht der Gesunde sich Vorwürfte. Rose hat das Gefühl, sie dürfte nicht mehr weiterleben, müsste genauso stagnieren wie ihre Schwester im Krankenhausbett. Also fährt sie jeden Nachmittag hin, sitzt stundenlang bei ihrere Schwester und lebt nicht.
An ihrer Seite hat sie einen Nachbarn, der schon früher für sie und ihre Schwester da war, weil ihre Mutter nicht mehr dazu in der Lage ist. Sie arbeitet viel, zieht sich zurück – und hat Ivy so gut wie nie besucht. Rose fühlt sich verpflichtet, für alle da zu sein, doch der Nachbar, William T., unterstützt sie. Und versucht, das junge Mädchen ein bisschen aus dieser Verpflichtung herauszuholen.

Rose sucht sich eine Art, mit dem Schmerz in ihrem Inneren umzugehen. Dass sie damit andere verletzt, erkennt sie erst später. Die Art, wie die Autorin das anreißt und doch nicht beschreibt, fand ich faszinierend. Dadurch, dass Rose einzelne Details nennt, denkt man sich selbst den Rest, und wird doch nicht alleine gelassen beim Lesen.

Im Gesamten fand ich die Idee gut, auch fand ich die Ansätze wieder, die die Autorin im Nachwort beschreibt (warum sie das Buch geschrieben hat). Allerdings fand ich die Geschichte zäh und langsam, was natürlich zur Thematik passt, mir aber nicht so gefiel. So direkt weiterempfehlen möchte ich das Buch also nicht. Wer selbst schon einmal einen Verlust erlitten hat, bei dem es einen selbst hätte treffen können, findet sich hier wieder. Wer jemanden kennt, den es fast getroffen hätte, findet hier den Inhalt wieder. Aber für mich, die weder jemanden kennt noch selbst knapp verschont wurde, war es schwer zu lesen und schwer, mich damit zu identifizieren.

Als subjektiven Leseeindruck kann ich also nur drei Sterne vergeben. Nicht für den Inhalt und die Thematik, sondern für die Umsetzung und schleppende Erzählung.

★★★☆
3

[Rezension] Dylan & Gray

Dylan & Gray – Katie Kacvinsky
Boje Verlag
Hardcover, Herbst 2012
Aus dem amerikanischen Englisch von Ulrike Nolte
240 Seiten

12,99 €

Ein fast normaler Sommer liegt vor Gray. Er besucht Sommerkurse an der Highschool und zieht sich sonst zurück. Denn seinen Eltern möchte er überhaupt nicht begegnen. Seit dem einen Tag ist alles anders. Grays Mutter arbeitet sich in den Schlaf und sein Vater ist nur noch auf Geschäftsreise.
Auf dem Campus der Schule entdeckt er ein Mädchen, die er eigentlich nicht beachten will. Aber weil er weder auf die überstilten Mädchen noch auf eventuelle ehemalige Freunde achten will, beobachtet er halt das Mädchen. Und dieses Mädchen wird seinen ganze Sommer auf den Kopf stellen…

Dylan macht einen Fotokurs über den Sommer, während sie das Haus ihrer Tante hütet. Sie vertreibt ihre Zeit auch auf dem Campus, und beobachtet Gray. Weil sie es sich zum Ziel gemacht hat, Liebe unter die Menschen zu bringen, möchte sie auch Gray aufmuntern. Als die beiden ins Gespräch kommen und sogar mehrere Ausflüge machen, will Dylan irgendwann nur noch ihre Zeit mit Gray verbringen. Und so vergeht der Sommer anders, als sie geplant hat…

„Daraus hat Dylan gelernt, dass man bei Schicksalsschlägen zwei Möglichkeiten hat: Man kann sich als hilfloses Opfer fühlen und einfach aufgeben. Oder man kann hoffen, dass sich das Durchhalten lohnt, weil das Leben bestimmt nch wundervolle Überraschungen bereithält.“ S.142, Dylan&Gray

Nach mehreren sehr positiven Empfehlungen habe ich mir auch dieses Buch geholt. Zunächst war ich ein bisschen enttäuscht von dem Cover und dem Anfang, der so eine typische Zusammenkunft fabriziert hat.

Aber Dylan und auch Gray sind mir sehr ans Herz gewachsen. Diese wirklich außergewöhnliche Liebesgeschichte ist nicht nur niedlich, sondern auch mitreißend und macht einem das Herz so schwer.

Im Nachwort erwähnt die Autorin, dass sie eigentlich eine Liebesgeschichte aus der Sicht eines Jungen schreiben wollte, als Schreibübung. Ich finde, das merkt man sehr. Die Geschichte ist sehr Gray-lastig. Dylan ist zwar auch eine Jugendliche, aber ist mir zu reif und vollkommen. Über sie erfahren wir eher weniger, dafür über Gray umso mehr. Das fand ich ein bisschen schade, hätte ich doch gerne auch über das Mädchen und ihre Gefühle gelesen. Irgendwie wirkt Dylan so ein bisschen kalt und abgehoben. Sie gibt Gray Ratschläge wie eine 90-jährige und  steht über ihrem Liebeskummer.
Als sie erklärt, dass sie jeden Menschen liebt und es vielen Leuten sagt, kann ich Grays Kummer verstehen…

Gray dagegen ist untypisch emotional, finde ich. Die Autorin hat ihm sehr viele Gedanken gegeben, und Entwicklung und vor allem Liebe. Dabei ist er nicht übermäßig erwachsen oder seltsam reif. Er ist unsicher, hormonell gesteuert und seiner Entwicklung entsprechend. Die Beschreibungen, wie er Dylan ansieht und sie bewundert, fand ich großartig. Mehrmals ist mir das Herz schwer geworden von so viel Gefühl, und ich hätte wirklich wirklich gerne viel mehr gelesen.
Was bei Dylan fehlt, wird hundertmal durch Gray wieder wett gemacht.

Dieser seltsame, außergewöhnliche Sommer mit Dylan und Gray (auch wenn er bei mir nur einen Sonntagnachmittag gedauert hat) hat mich tatsächlich beeindruckt und wird mir noch eine Weile in Erinnerung bleiben. Von mir gibt es eine dicke Empfehlung für diese Jugendliebe, die in so wunderbare Worte verpackt ist, dass ich das Buch am liebsten sofort nochmal lesen würde.

Weitere Titel der Autorin:
– Die Rebellion der Maddie Freeman