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[Rezension] Salat muss durchs Kaninchen

Salat muss durchs Kaninchen – Ulrike Renk und Silke Porath
Amelie Verlag, im Schwarzkopf und Schwarzkopf Verlag
Taschenbuch,  Amelie Band 14, 2013
275 Seiten
ISBN 978-3-8626-5254-9
9,95 €

Seit dem Kindergarten sind sie die besten Freundinnen, Silke und Maja. Sie wohnen in einer Wohngemeinschaft und teilen das Los einer Fernbeziehung. Beide Partner haben auch noch ein Kind aus einer früheren Beziehung, Silkes Freund Oliver eine pubertierende Tochter und Majas Freund Zoran einen süßen Grundschuljungen. Doch Maja hätte gerne ein eigenes Kind, was aber Zoran nicht so prickelnd findet.
Nach turbulenten Wochen, in denen Silke vermeintlich vom vielen Essen zugenommen hat, stellt sich heraus, dass sie schwanger ist. Olivers Tochter findet das scheiße und haut erstmal ab – doch Oliver freut sich sehr.
Während Maja sich zunächst damit abfinden muss, dass sie eventuell kein eigenes Kind mehr bekommt, wirft Silkes Schwangerschaft alle Planungen und Fernbeziehungen über den Haufen.

Doch eines ist klar: Maja und Silke bringt so schnell nichts auseinander!

Die turbulente Geschichte über Freundschaft sprang mich auf der Buchmesse sofort an. Der Titel klingt zunächst seltsam, aber durch das flauschige Kaninchen vorne muss man sich das Buch wenigstens anschauen.

Die Geschichte beginnt wie ein klassischer Frauenroman. Frau mit Liebeskummer, Schokolade und Wein allein zu hause. Simst mit der besten Freundin.
Freundin hat den perfekten Mann, aber der hat eben doch seine Fehler, nämlich den Sohnemann.

Aber ganz ehrlich? Das Buch gab überhaupt nicht das her, was ich erwartet habe. Es war am Anfang recht schwer zu lesen, weil das Buch oft in den Orten und vor allem der Zeit hopste, und man an manchen neuen Absätzen erstmal verwirrt nachlesen musste, ob man eine Seite übersprungen hat. Dieses Nachblättern war lästig. Ich hätte wenigstens sowas wie „zwei Tage später“ oder „am übernächsten Tag“ eingebaut. Später sprang die Handlung nicht mehr so stark, oder ich habe mich daran gewöhnt.
Am Anfang konnte ich auch nicht so gut nachvollziehen, wer mit wem zusammen ist und wer nun welches Kind hat. Es passierte viel, mit so vielen Ausführungen der Damen, dass man echt aufpassen musste beim Lesen.

Nachdem ich einige Bücher von amerikanischen Autorinnen wie Susan Mallery gelesen hatte, war dieser Roman richtig erfrischend. Großer Pluspunkt natürlich: Es spielt alles in Deutschland (bis auf die Kreuzfahrt…). Entfernungen waren also nachvollziehbar und Lokalitäten verständlich.
Die Handlung ist auch nicht so kitschig, Oliver und Zoran sind keine Bilderbuch-Modekatalog-Männer, sondern einfach Menschen. Männliche Menschen. Sie machen Fehler, verstehen ihre Frauen nicht, sind nicht immer sofort liebevoll einsichtig. Sie haben ihre Standpunkte. Das machte die Männer total sympathisch.

Auch Silke und Maja sind mir mit ihren Eigenarten sehr ans Herz gewachsen. Sie haben beide ihren eigenen Charakter (toll geschrieben von den zwei Autorinnen 🙂 ) und versuchen noch immer, ihren Weg zu finden.

Bis auf die wie oben schon kritisierten Zeitsprünge ließ sich das Buch richtig gut lesen. Je weiter die Ereignisse fortschritten, desto aufgeregter wurden Maja und Silke und das war auch im Schreibstil zu erkennen.

Salat muss durchs Kaninchen“ ist ein Roman, der aus dem Leben gegriffen ist. Er könnte so in Deutschland spielen, ist absolut realistisch und sehr humorvoll. Silke und Maja sind zwei starke Frauen mit haufenweise Problemen, in denen sich jeder irgendwie wiederfindet. Von mir gibt es vier von fünf Sternen.

★★★★☆
Mehr von den Autorinnen: www.amelie-verlag.de
 
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[Rezension] Die einen sagen Liebe, die anderen sagen nichts

Die einen sagen Liebe, die anderen sagen nichts – Susann Pásztor
KiWi Verlag
Taschenbuch, 2013
244 Seiten

8,99 €

Warum auch immer sie sich dafür entscheidet: Mila macht sich auf zu einem Schweigeseminar. Dass sie dort Simon kennen lernt, mit dem sie drei Tage in einem Hotelzimmer verbringt, hätte sie auch nicht gedacht.
Doch die drei Tage sind viel zu schnell vorbei, und vom Seminar hat Mila auch nur mitgenommen, dass sie ihren Eltern nicht verzeihen kann. Simon und Mila haben eigentlich beschlossen, einfach auseinander zu gehen, ohne Nummern, ohne Nachnamen.
Aber geht das? Kannst du jemanden so nahe an dich lassen, und dann abrupt abstoßen?

Lieber erst gar nicht was wollen, das reduziert die Fallhöhe. Man kann nicht scheitern, wenn man nichts will.“ (S.200)

Diese recht dünn amutende Buch beginnt mit einem Gedankenschwall von Protagonistin Mila. Sie ist auf einem Schweigeseminar, und lenkt sich durch Gedankengespräche ab. Das fand ich sehr witzig und geistreich, vor allem ihre Ideen, wie sie die Stille umgehen will und doch eigentlich das Atmen fokussieren soll.
Das Vorwort verrät bereits, dass Mila auf der Suche nach Simon ist, aber während des Seminars wird darauf kein Bezug genommen? Wann lernen sich die beiden kennen?
Schön fand ich Milas Umschreibungen, und wie das Seminar sie verändert hat (ist ja meistens so, dass man nach 48 Stunden total beeindruckt von etwas ist 😉 ).
Leider ist dieses Seminar viel zu schnell rum. Trotz der dünnen Buchdicke hatte ich erst ein paar Seiten gelesen, und dachte „das war es jetzt schon? Worum geht es denn weiter hinten???“.
Dann kam Simon ins Spiel, und er und Mila verschwanden im Hotelzimmer. Dort verliert die Sprache ihre Gültigkeit. Es werden kurze Sätze gebildet, sich simpel unterhalten oder einfach ver geschwiegen. Mila ist sich in dieser Situation total sicher, aber nach den drei Tagen Liebe wird sie in ihre altes, kaltes Leben katapultiert und kommt damit nicht mehr klar. Sie hat wunderbare, warme, freundliche Liebe kennen gelernt und möchte nicht mehr einsam sein. Absolut nachvollziehbar.
Der Leser lernt dann ihren Bruder Marek kennen, von dem Mila bereits viel erzählt und ihn erwähnt. Ich mochte Marek, und wie Mila ihn beschreibt. Sie merkt es selbst nicht, liebt ihren Bruder aber sehr.
Diese Szenenwechsel waren etwas krass. Vom Schweigeseminar zum Hotel zur Einsamkeit zu Marek waren es vier tolle Situationen, aus denen man hätte mehr machen können. Auch wenn Mila sich dabei entwickelt, fand ich die Fäden jedoch nicht gut verknüpft.

Das Ende des Buches war so ein „WTF?“ Moment, hart ausgedrückt. Ganz ehrlich, das hatte für mich grad gar nichts mit der Geschichte zu tun und wirkte, als müsste die Geschichte irgendwie schnell zufriedenstellend enden. Aber ich war nicht zufrieden. Dieses abrupte Ende hat für mich leider die schöne Geschichte irgendwie ein bisschen kaputt gemacht.
Mila habe ich nicht ganz verstanden. Wenn ich meinte, zu wissen was sie tut, hat sie wieder eine Wendung gemacht. Um sie vernünftig kennen zu lernen war die Seitenzahl dann doch nicht ausreichend…

…aber ich kenne Mareks Eistellung zu meiner Weigerung, Karriere als Künstlerin zu machen, mein geld zu vermehren oder wenigstens beim Nichtstun gut auszusehen…“ (S.200)

Dennoch blieb das ganze Buch über ein sehr schöner Schreibstil. Mila erzählt, Anführungszeichen werden nicht benutzt. Die Formulierungen sind direkt, Mila wählt teilweise tolle Vergleiche und manchmal waren die Sachen so dermaßen einfach auf den Punkt gebracht, dass ich am liebsten tausend Zitate aufgeschrieben hätte. Schön fand ich dieses hier:

Wenn ich an die Tage mit dir denke, werde ich immer denken: wir beide. Und ich bin so froh, dass wir den Mut hatten, uns zu erfinden.“ (S.150-151)

Ich schwanke bei der Bewertung nun zwischen drei und vier Sternen… Netterweise gebe ich mal vier, weil ich mich überwiegend beim Buch amüsiert habe. Meine Kritik habe ich ja aufgeführt 😉

★★★★☆

Vielen Dank für dieses Exemplar an 
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und

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[Rezension] Die fünf Leben der Daisy West

Die 5 Leben der Daisy West – Cat Patrick
Boje, Bastei Lübbe
Hardcover, Herbst 2012
301 Seiten

14,99

Daisy West hat keine Angst vor dem Tod. Denn wenn ihr etwas passiert, kann sie dank des Medikaments „Revive“ wiederbelebt werden. Obwohl sie einst Daisy McDaniel war, und nach jedem „Tod“ umziehen muss, hat die 15-jährige kein Problem damit.
Bis sie nach Omaha zieht, wo sie Audrey und deren Bruder Matt kennenlernt. Plötzlich gewinnt das Leben an Gewicht – denn Daisy möchte um keinen Preis wieder wegziehen.

Audrey ist ihre erste beste Freundin, und plötzlich weiß Daisy nicht mehr, warum ihr Revive vorher so sinnvoll erschienen ist…

Trotz einiger etwas negativer Rezensionen habe ich mir das Buch zugelegt und gelesen. Es ließ sich nicht ganz so schnell lesen, wie erhofft, weil es einige Stolpersteine in der Handlung gibt.

Daisy ist keine normale Jugendliche. Das merkt man, dass sie reifer spricht und sich anders verhält. Sie weiß, dass ihre „Familie“, die keine ist, etwas verbergen muss. Und lange Zeit glaubt sie, dass es zum Wohle der Wissenschaft und der Menschheit geschieht.
Dass das anders ist, merkt sie, als ihr ein echtes Leben geschenkt wird. Sie hat eine Freundin, ist verliebt und sieht an den Leben der anderen Revive-Kids, dass es auch besser geht. Diese Wandlung fand ich gut und nachvollziehbar.

Nicht nachvollziehbar dagegen war für mich, wie die Handlung fortschreitet. Manchmal setzt sich die Autorin seitenweise mit Details auseinander, die überhaupt nichts zur Handlung bringen (Matt leiht sich den Ipod seiner Schwester – so what?), und man wird beim Lesen vom roten Faden fortgerissen.

Die Idee hinter dem Revive und der Wiederbelebung war spannend. Ich habe mir mehr Informationen darüber gewünscht, aber die Handlung und Erklärungen diesbezüglich bleiben schwammig. Daisy weiß nicht mal, wie es angewandt wird. Das fand ich schade, basiert doch die ganze Handlung auf dieser Idee.
Ich hätte auch gerne noch mehr Revive-Kids kennen gelernt. 

Die Agenten Mason und Cassie sind gut ausformulierte Figuren, die ich verständlich fand.  Nur wurde mir recht früh klar, welches Spiel sie spielen.

Die Übersetzung fand ich gut. Es ist eine junge Sprache geworden, die leicht zu lesen ist. Keiner der Jugendlichen spricht seinem Alter nicht entsprechend. 

Das Rundherum-Zufrieden-Gefühl hat sich bei diesem Buch nicht eingestellt. Der Fokus war auf seltsame Details gerichtet, ich wusste früh, wie es ausgeht und war nicht sonderlich gespannt wie es ausgeht. Dementsprechend gebe ich bloß 3 von 5 Sternen.

Und schaut euch dieses süße Video dazu an:

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[Rezension] Spiel des Lebens

Spiel des Lebens – Veit Etzold
Egmont Ink
Softcover, September 2012
349 Seiten

14,99 €

Empfohlenes Alter vom Verlag 14 – 17 Jahre

Es soll ein Neustart sein, ein neues Leben, das Emily an der Universität in London endlich beginnen will. Von zuhause ausgezogen, mit einer Freundin im Wohnheim wohnen und die Freiheit genießen.
Doch schon am ersten Tag erlaubt sich jemand einen bösen Scherz mit Emily, und das ist kein Einzelfall. Ein seltsamer Psychopath offenbart sich Emily, denn angeblich hätte sie sein Leben gestohlen. Nun will er ihres stehlen.

Emily soll zwischen Tod und Leben entscheiden. Aber nicht bei sich selbst – zuerst bei anderen…

Ink bringt bisher wirklich nur nächteraubende Romane heraus. „Spiel des Lebens“ ist genau aus dieser Kategorie: packend, furchterregend, gruselig, realitätsnah und super durchdacht.
Wer ist der geheimnissvolle Erpresser, wer hat die Fäden in der Hand? Kennt Emily ihn?

Angefangen beim Cover sieht das Buch wirklich toll aus. Das Mädchen, dass scheinbar durch den Tunnel läuft (läuft sie wohin, läuft sie vor etwas weg?), die kalten Farben die man bei Emilys Albträumen wiederfindet, machen den Umschlag schonmal zu einem Gruseleffekt.

Die Handlung startet auch sehr krass, nach einem einführenden Prolog folgt eine recht gemütliche Einführung in das Studentenleben und die Situation. Das war sehr angenehm.

Emily ist eine tolle Figur, mit der man sich gut identifizieren kann. Ihre Mutter klammert und sie möchte gerne ihr eigenes Leben führen. Sie hat seltsame Dinge in ihrer Kindheit erlebt, die sie selbst nicht so recht zuordnen kann. Als Leser sieht man die meisten Kapitel aus ihrer Sicht (bis auf die Kapitel aus der Sicht des Killers) und weiß so alles, was in ihrem Kopf vorgeht.

Nicht ganz so gut hat mir gefallen, dass ich recht schnell wusste warum der Killer Emilys Leben haben will. Sehr dezente Hinweise waren mir wohl zu offensichtlich. Es dauert sehr lange, bis man weiß wer ER nun ist, aber das war dann nebensächlich. Die Auflösung der Geschichte war nicht ganz so spannend wie ich es mir gewünscht hätte.

Der Schreibstil des Autors ist sehr interessant. In eiligen Szenen las es sich rasch und ohne Holperstellen, es wurde nur auf das Wesentliche eingegangen. Wenn Emily Panik bekam wiederholten sich Wörter mehrfach oder sogar ganze Sätze. Hin und wieder war das etwas anstrengend, aber nicht störend.
In ruhige Szenen konnte Emily beschreiben, kombinieren und die Ruhe bewahren. Zum Lesen sehr angenehm.

Die Idee von dem Buch fand ich gelungen. So schnell werde ich mir wohl kein anderes Buch von Veit Etzold kaufen, aber sollte noch ein weiteres bei INK erscheinen gehe ich nicht daran vorbei.
Für das Lesevergnügen, dass noch eine weitere Prise Spannung und Länge vertragen hätte, vergebe ich 4 Sterne.