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[Rezension] Schmetterling aus Staub

Schmetterling aus Staub – Anna Palm
Herzklopfen Fantasy im Schwarzkopf&Schwarzkopf Verlag
ISBN 978-3-86265251-8
2013
344 Seiten

14,95 €

Nach einem tödlichen Virus, der Deutschlands Bevölkerung stark dezimiert hat, werden die Überlebenden aufgeteilt – zu ihrer eigenen Sicherheit. Mit 8 Jahren werden alle Kinder bei einer Selektion aufgeteilt und den Gruppen zugeordnet, deren Charakter sie entsprechen. Mika lebt bei ihrer Familie bei den Harmonie-Menschen. Dort scheint immer die Sonne, alles ist schön und friedlich, es wird viel Kuchen gebacken und nie gestritten. Doch Mika hatte schon bei der Selektion das Gefühl, da müsste noch viel mehr sein. Sie will nie zu den Risiko-Menschen gehören, oder bei den Ehrgeizigen leben. Auch ein Machtmensch kann sie nicht sein. Aber als eines Tages ein Risikojunge auf der Mauer vor ihrem Haus sitzt, ist sie fasziniert. Aaron, der Junge, hat sich Mika ausgesucht, weil er in ihr einen Funken Rebellion in ihr sieht – und diesen Funken will er mit ihr anfachen.
Denn die Welt, wie sie ist, kann so nicht bleiben…

Ganz anders als so manche Dystopie auf dem aktuellen Markt kommt dieses Buch nicht nur von einer deutschen Autorin, es spielt auch in Deutschland. Anna Palm erschafft aus dem zerstörten Deutschland den Staat Alemania, der vom Cesar geführt wird. Beide Begriffe schließen auf einen römischen Hintergrund hin, der auch nicht ganz abwegig ist.
Allerdings werden die Menschen zur besseren Kontrolle in vier Bereiche eingeteilt: Harmonie, Macht, Ehrgeiz und Risiko. Die Wahl dieser Bereiche fand ich interessant und hätte mir gerne mehr Informationen dazu gewünscht. Immerhin sind Macht, Ehrgeiz und Risiko nicht sonderlich positive Charakterwünsche, und nur mit Harmonie als reinem positivem Gegenspieler fand ich das ein bisschen wenig.

Dieses Buch beschäftigte mich einige Tage. Es war auf der einen Seite ganz angenehm, dass mal eine Dystopie in einem Band ausgelesen ist und man nicht ewig auf Band 2 und/oder 3 warten musste. Auf der anderen Seite hätte ich gerne noch viel mehr gelesen von der seltsamen Welt, die Anna Palm da schafft. Es fehlte mehr zur Selektion, es hätte noch mehr über die Städte sein können und die Reise ist mir viiiel zu kurz. Zum Beispiel bei der „Auslese„, da wurde etwas über die Welt erzählt, aber Band 1 war erst der Auftakt. 

Ich war hin- und hergerissen, wie ich das Buch finden sollte. Ganz klasse fand ich die Sprache, die eben mal so richtig deutsch war. Keine durch Übersetzung eingeschlichenen amerikanischen Gedanken, sondern urdeutsche Sprache. Dadurch waren viel mehr umgangssprachliche Sätze dabei, was natürlich durch das junge Alter der Autorin auch noch geprägt ist.
Die Sprache insgesamt ist eigentlich ganz schön gewesen. Manchmal bin ich vielleicht zu pingelig, aber es wurden hin und wieder kleine Gedankensprünge im Text gemacht, die man im Lektorat hätte ausbügeln können. Aber vielleicht ist das auch der Stil der Autorin. Dazu muss ich mir ihre anderen Bücher mal anschauen.

Insgesamt fand ich das Buch toll. Die Welt ist klasse und spannend, die Idee (wenn auch nicht ganz neu) faszinierend und die Umsetzung gut überlegt. Weil ich hier und da etwas zu meckern hatte, muss ich einen Stern abziehen, aber sonst war das Buch definitiv vier Sterne wert!

★★★★☆
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[Rezension] Der Geschmack von Sommerregen

Der Geschmack von Sommerregen – Julie Leuze
Egmont INK
Hardcover, Juli 2013
ISBN 978-3-86396-062-9
320 Seiten

€ 14,99

Sophie ist eigentlich normal, wie man eben so ist, mit 16 Jahren. Aber sie hat ein Geheimnis: Alle ihre Gefühle sieht sie in Farben vor sich. Glück, Traurigkeit, Einsamkeit, Freude, alles hat seine eigene Kolorierung. Das verbirgt sie aber vor allen außer ihren Eltern, sogar vor ihrer besten Freundin. Und auch ihre Eltern heißen das nicht gut, denn vor langer Zeit hat Sophies Oma etwas Schreckliches getan – und auch sie hat Farben gesehen.
Dann kommt Mattis in die Klasse, und erobert auf einen Schlag die Herzen der Mädchen. Als er sich Sophie zuwendet und scheinbar Gefühle für sie hat, kann es keiner so richtig fassen, erst recht nicht Sophie.
Die anstehenden Pfingsferien werden zu einem Wechselbad der Gefühl, denn Sophie möchte vor allem eins: mit Mattis schlafen!
Doch auch er weiß nicht von den Farben. Und solange er die wahre Sophie nicht kennt, mag sie sich nicht öffnen. Sophie muss endlich herausfinden, was die Farben bedeuten…

Der Geschmack von Sommerregen“ ist kein Teenie-Roman mit platter Liebesgeschichte. Es hat den Beigeschmack eines seltsamen Autismusses, wie ich zunächst vermutete. Das war nicht schlimm, sondern machte die Geschichte besonders. Warum unterdrückten Sophies Eltern jedes Gespräch, warum sollte das Farbensehen etwas schlechtes sein?

Dieser Konflikt mit dem seltsamen Monitor von Sophie und das zarte Anbändlen mit Mattis fand ich richtig toll. Besonders als Sophie ein Bild von Mattis am PC nachbearbeitet hat, und endlich auch „real“ ihre Farben zugelassen hat. Dass Mattis auch „speziell“ ist, war ein kleiner Punkt, der gut zu Sophie passte, aber nicht zwingend notwendig war.

Die Erzählweise von Julie Lueze war dezent, mit Aufregung durch die Farben, und nie langweilig. Sie konnte einen packen und in die Geschichte reißen.

Allerdings gibt es auch mehrere Sachen, die mich störten:
– Der Titel wird im Buch nicht aufgegriffen. Oder ich habe es überlesen, weil es so minimal war.

– Die Geschichte hatte mit der Selbstfindung von Sophie genug zu tun. Zwischendurch gab es eine Art Kleinkrieg mit einem Ex, bzw. der Klassenqueen, was für mich absolut nicht in die Story passte. Es hätte meiner Meinung nach viel weniger dramatisch zum gleichen Ergebnis führen können. Als die Sache passierte, wollte ich das Buch einfach nur in die Ecke schmeißen. Bis zu dieser Stelle war es für mich ein lieber Jugendroman, der auf interessante Weise zwei etwas spezielle Jugendliche zueinander brachte. Dann kam etwas sehr sehr alltägliches dazu, was absolut unnötig war. Sophie brauchte diesen Tritt nicht, um sich selbst zu finden. Ich weiß, wenn eine Geschichte bei einem Gefühle egal welcher Art hervorruft, ist das gut, aber an dieser Stelle habe ich nicht mitgelitten sondern mich total geärgert.

– Von Mattis hätte ich gerne etwas mehr erfahren als sein toller, super gebauter Körper und seine „Krankheit“. Es dreht sich so viel um Sophie, dass sie zwar enorm viel über seinen Körper nachdenkt, aber nicht über sein Wesen. Vielleicht war ich auch so, ich weiß es nicht mehr.

Das Buch ist ein toller Jugendroman für Jugendliche, die ihre erste Liebe erleben, ihrem ersten Mal entgegenfiebern und den ersten Sommer ohne Eltern erleben. Für mich, die nicht mehr bei den Eltern sondern mit dem Freund zusammenwohnt, ist dieser Zauber der ersten Male schon verflogen. Liebe ist noch immer etwas sehr sehr aufregendes, aber der Glaube, der erste Freund ist DER Mann fürs Leben, ist nicht mehr da 😉

Sophie und Mattis wünsche ich noch ein wunderbares Teenie-Leben, mit der Aufregung der ersten Liebe und dem tollsten Sommer ihres Lebens.
Weil ich das Buch überwiegend gut fand, gebe ich 4 Sterne.

 ★★★★☆

Btw, liebes Team von der Herstellung bei INK: Die runden Ecken werten das Buch vielleicht optisch auf, aber beim Lesen knibbelten sie sich wieder auf, sodass es irgendwie gedetscht aussah. Das Geld hättet ihr euch sparen können 😉

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[Rezension] Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod

Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod – Bastian Sick

Verlag Kiepenheuer & Witsch (KiWi)

Erscheinungsdatum August 2004

240 Seiten, Paperback

8,99 €

Inhaltsangabe des Verlags:

Die oder das Nutella – diese Frage hat schon viele Gemüter am Frühstückstisch bewegt. Der, die, das – wieso, weshalb, warum? Ob Nutella nun weiblich oder sächlich ist, ist sicherlich keine Frage auf Leben und Tod, aber eine Antwort hätten wir schon gern. Wir? Ja, wir hilflos Verlorenen im Labyrinth der deutschen Sprache. Wir, die wir unsere liebe Not mit der deutschen Sprache haben. Und leichter, verständlicher oder zumindest nachvollziehbarer ist es nach der Rechtschreibreform auch nicht geworden. In seinen hinreißend komischen und immer klugen Kolumnen bringt Bastian Sick Licht ins Dunkel der deutschen Sprachregelungen und sortiert den Sprachmüll. Ist der inflationären Verwendung von Bindestrichen noch Einhalt zu gebieten, angesichts von Spar-Plänen und Quoten-Druck?
Versinken wir sprachlich gesehen nicht längst im Hagel der Apostrophe, wenn Känguru’s plötzlich in den Weiten Australien’s leben? Derlei Unsinn scheint nicht mehr aufhaltbar, wenn es nicht dieses Buch gäbe. Darauf zwei Espressis!

In Band 1 seiner in Buchform vom „Zwiebelfisch“ veröffentlichten Kolumne beschwert sich Sick Kapitel für Kapitel über die Unfähigkeit der Deutschen, korrektes Deutsch zu benutzen. Aber zwischendurch zeigt er auch gewitzte Sprachspiele und Dialektformen auf, die überraschen und belehren.

Etwas ungünstig fand ich, dass Sick auch die falschen Formen aufzählt. Wie wir in er Schule gelernt haben, merkt sich das Gedächtnis auch falsches – und nach der Hälfte des Buches wusste ich nicht mehr, was denn nun richtig ist und was nicht. Die Tabellen nach einigen Kapitel waren da sehr hilfreich.

Um dem Titel gerecht zu werden, kommt der Autor auch immer wieder auf den Genitiv zurück, mit dem wir scheinbar am meisten Schwierigkeiten haben.

Wirklich spannend waren die Kapitel, in denen Sick sich Gedanken gemacht hat, ob wir jene Ausdrücke in ein paar Jahren noch verwenden. Zum Beispiel chatten. Jeder chattet heute – das kennen sogar viele Senioren! Und wir „laden“ Sachen aus dem Internet, statt sie „daunzuloden“. Da musste ich echt schmunzeln. Schön, dass jemand die Rechtschreibthematik damit dokumentiert hat!

Weil nach 100 Seiten die Thematik etwas ermüdend war, gebe ich nur 3 von 5 Sternen. Band 2 ist definitiv besser.

Mehr zum Zwiebelfisch findet ihr in der Kolumne.