2

[Rezension] Dancing Jax – Auftakt

Dancing Jax – Auftakt – Robin Jarvis
Script5
Taschenbuch, 2012
ISBN 978-3-83900134-9
544 Seiten

14,95 €

Bisher ist im kleinen Örtchen Felixtow nicht viel passiert. Lehrer Martin ist an der örtlichen Oberschule einfach nur noch resigniert, weil die Schüler immer weniger Interesse an seinem Unterricht zeigen. Schulleiter Barry kann auch gegen Gewalt bei Schulspielen nicht viel machen.
Währenddessen wird in ein uraltes Haus eingebrochen, weil Jezza dort seiner kriminellen Bande Reichtum verspricht. Reichtum finden sie dort auch – aber mehr der geistigen Art.
Was danach geschieht, setzt nicht nur die Stadt in Entsetzen. Auch die Welt erfährt nach und nach davon, was dort geschieht… und eigentlich sollte man zu seinem eigenen Besten nicht davon erfahren. Am allerwenigsten nicht vom Buch „Dancing Jacks“…

 Die Handlung war etwas gewöhnungsbedürftig. Ich weiß nicht, ob es ein Thriller sein soll oder ein Fantasyroman, es war eine Mischung aus beidem. Die Mischung ist erst nach einer Weile sehr gut gelungen.
Die Spannung baut sich auch erst auf, wenn man so Stück für Stück die Leute kennen lernt und in die Geschehnisse reinfindet. Wenn die Vorgänge langsam einen Sinn ergeben. Man erfährt auch viel durch das Wechseln der Perspektiven.

Die Figuren im Buch sind sehr klar gekennzeichnet, auch wenn bei allen ein Hang zum Gesellschaftshass durchkommt – Schulleiter Barry ist enttäuscht über die Jugend, Jezza verteufelt die schlimme neue, rollenlose Welt und Martin versteht die faulen Jugendlichen nicht. Dennoch konnte man sehr gut unterscheiden, wenn die Perspektiven wechselten. Vor allem Emma in ihrer gefangenen Art fand ich gut und ich fand es SCHRECKLICH, dass sie sich nicht unendlich wehren konnte…

Das Ende fand ich absolut nicht absehbar. Wohin sollte das gehen, wenn jeder umgewandelt wird? Wie geht der Weg weiter? Wie kann man sich in irgendeiner Weise dagegen wehren?
Bestimmt Fragen interessieren mich auch. Wer ist der Prinz der Dämmerung? Welche Rolle spielt Martin und welche Gerald? Wenn es den Hofstaat eigentlich schon vollständig gibt, welche
Und warum ließ sich Labella so leicht ersetzen?

Ich werde also weiterlesen, auch wenn das Buch nicht zu hundertprozent so geschrieben ist, dass es mich packt. Es ist fesselnd, ohne Frage, aber nicht unendlich.

Für „Auftakt“ der Dancing Jax-Reihe gebe ich vier von fünf Sternen.

★★★★☆
1

[Rezension] Stigmata

Stigmata Nichts bleibt verborgen – Beatrix Gurian
Arena Verlag
Hardcover mit Schutzumschlag, 2014
ISBN 978-3-40106999-9
384 Seiten

16,99 €

Emmas Mutter Agnes ist ein bisschen seltsam, aber trotzdem sind Mutter und Tochter jahrelang sehr gut ausgekommen. Emma fragte nie nach der Vergangenheit ihrer Mutter. Doch als das Auto von Agnes in einem Fluss gefunden wird, von der Fahrerin aber jede Spur fehlt, gerät Emmas Welt ins Wanken. Sie erhält ein seltsames Fotoalbum mit abstrakten Fotografien.
Angeblich wurde ihre Mutter ermordet – und Emma erhält die Möglichkeit, etwas über die Mörder herauszufinden: In einem Camp in einem Schloss, weit abgelegen in den Bergen. Dort sind noch vier andere Jugendliche, die scheinbar aus ganz unterschiedlichen Gründen im Camp sind.
Wem kann Emma trauen? Und wer schiebt ihr immernoch heimlich Fotos zu, die offensichtlich etwas mit ihrer Mutter zu tun haben?

Beatrix Gurian schreibt Jugendthriller, die unter die Haut gehen. Ich habe mich sehr über Stigmata gefreut, denn bisher hat mir Beatrix Gurian immer Gänsehaut verursacht. Thriller lese ich eigentlich nicht so gerne, aber die Jugendthriller von Arena sind immer genau richtig.

In „Stigmata“ geht erst alles drunter und drüber. Man lernt Emma und ihre Mutter kennen, und dann wird alles verändert. Es gibt Zeitsprünge und seltsame Rückblicke. Die Fotos sind in grünen und Schattentönen gedruckt, sodass man immer weiß, wovon Emma spricht.
Die Idee mit den Fotos finde ich total toll. Man hat also nicht nur von einem gruseligen Bild gelesen, sondern die Bilder vor Augen gehabt. Die Geschichte hat dadurch enorm an Dichte gewonnen.

Emma fand ich am Anfang etwas anstrengend. Egal, was ihr passiert, sie hat sich irgendwie immer gedacht „oh man, das war hart, aber ich will wissen, wer die Mörder sind“. Sie ist immer und immer wieder aufgestanden – dumm oder hartnäckig? Ich weiß es nicht. Es hat zum Schluss dahin geführt, wo es hinsollte, und irgendwie passte dann alles. Das war dann ok – ich muss mich ja nicht mit Emma anfreunden.

Teilweise war die Geschichte so geschrieben, dass man vor Spannung Nägel kauen und bloß Licht anhaben musste. Beatrix Gurian schafft es, den Fokus so zu legen, dass man irgendwie Hinweise bekommt, aber es eine Weile dauert, bis sich das Bild fügt. Ich hatte die ganze Zeit über eine Vermutung, die aber leicht falsch lag.

Das Setting war großartig. Die Burg war gruselig, super beschrieben und besonders mit den Rückblicken zu Agnes hatte man permanent eine Gänsehaut. Ich hätte mich NIE da hineingetraut, schon gar nicht in den Keller zu den Duschen…

Allerdings fand ich das Ende dann ein bisschen kurz. Während sich vorher so viel Zeit für Ereignisse genommen wurde wird es zum Ende hin ein bisschen gerafft. Und das Rätsel wird für meinen Geschmack etwas zu leicht gelöst. Es war so zack zack, der weg, die weg…. wer es gelesen hat, weiß vielleicht, was ich meine. Das fand ich etwas schade.

Das Finale war faszinierend. Die Idee dahinter ist heftig und die Überlegungen gut durchdacht. Für mich schien alles schlüssig und ich fand die Gesamthandlung damit sehr ansprechend.
Beatrix Gurian hat mich wieder gut unterhalten. Bis auf den kleinen Knackpunkt las sich alles gut, und das Buch verdient vier Sterne.

★★★★☆
0

[Rezension] Erbarmungslos

Erbarmungslos – Mark Henshaw
Goldmann
Taschenbuch, Februar 2014
448 Seiten

9,99 €

Nach einem misslungenen Treffen in Venezuela wird die Agentin Kyra Stryker aus dem Außendienst in die Rote Zelle zu Jonathan Burke versetzt. Dort soll sie eigentlich eine Zeit lang von der Bildfläche verschwinden. Doch als kurz darauf ein chinesischer Spion enttarnt wird und aus dem Land geholt werden soll, bietet sich Kyra an, das zu erledigen.
Doch während Pioneer, der chinesische Spion, um sein Leben bangt, gehen in der Welt noch ganz andere Sachen vor: China will die Insel Taiwan angreifen. Amerika macht sich bereit, im Falle eines größeren Krieges einzugreifen…

Von „Erbarmungslos“ habe ich eine Menge erwartet. Letztes Jahr, als die Vorschau kam, habe ich mir das Buch vormerken lassen und war dann ganz gespannt, als es endlich im Briefkasten lag.
Ich bin kein Thrillerexperte – aus meinen Statistiken wisst ihr, dass ich höchstes Jugendthriller lese und dann schon fast einem Herzkasper erliege – und die Beschreibung klang so spannend, dass ich das Buch am liebsten wieder zurückgegeben hätte.

Der Anfang war super zu lesen. Es werden nacheinander drei Orte beschrieben, an denen etwas heftiges, actionreiches passiert, man lernt drei Figuren kennen und es kribbelt beim Lesen ordentlich vor Spannung. Und dann? Kyra Stryker, eine der Hauptfiguren, wird bei der CIA zu einem Analysten versetzt. Ab da wurde es theoretisch und für mich nur schwer lesenswert.

Von mir gibt es also Punktabzug: für die mangelhafte Beschreibung durch den Titel und den Klappentext, das allerdings nur Goldmann anzukreiden ist. Die originale Beschriebung ist etwas detaillierter und nicht so um Spannung heischend. Man wird im Original besser darauf vorbereitet, worum es im Buch geht.
Unter dem Titel „Erbarmungslos“ habe ich im Zusammenhang mit dem Klappentext mehr Action, Folter und vor allem Drohungen erwartet. Dass China eine kleine Insel angreift und dann die Reaktionen abwartet, nenne ich nicht „Erbarmungslos“. Höchstens, dass der eine Flugzeugträger zerstört wurde, aber das war nur ein kleiner Teil…

Dann ziehe ich einen Stern ab für die vielen theoretischen Ausarbeitungen. Klar, um die Spannung zu erhöhen muss man Details kennen. Aber welche Person nun mit welcher befreundet, mal ein Intermezzo oder eine Feindschaft hatte, ist nur bis zu einem gewissen Punkt lesbar.

Und ein weitere Stern geht ab für die fehlende Spannung. Es werden zwar Spaziergänge in Peking beschrieben, bei denen Amerikaner oder Pioneer verfolgt werden, das geht aber irgendwie immer gut aus und ist dadurch nach dem zweiten Mal ermüdend. Die Befreiungsaktion durch Kyra ist viel zu schnell vorbei und keinesfalls spannend oder actionreich. Im Gegenteil.
Und einen Großteil des Buches habe ich mich gefragt, worauf die Geschichte eigentlich rauswill. Die angekündigte Befreiungsaktion wird nämlich angedeutet, geplant und vorbereitet und dann geht es ganz schnell. Aber sonst habe ich mich echt gefragt, was alles soll – das dauert wirklich fast 350 Seiten, bis es den Aha- Moment gibt.

Es bleiben zwei Stern übrig. Einen weiteren muss ich wegnehmen, weil ein Buch, dass über 350 Seiten seiner insgesamt 400 fassenden Seiten braucht, um dann endlich mal interessant und spannend zu werden, kann ich nicht mit zwei Sternen bewerten.

Ehrlich gesagt: Leseeindrücke sind immer subjektiv. Das Thema klang für mich total spannend und ich bin schwer enttäuscht. Vielleicht trifft die Geschichte jemand anderes Geschmack auf den Punkt, für mich war es keine Freude das Buch zu beenden und ich werde die weiteren Teile des Autors erstmal abwarten.
Ihr wisst, ich suche mir sonst fast immer nur Bücher raus, die mir sehr gut gefallen, aber manchmal mache auch ich einen Fehlgriff…

☆☆☆☆
0

[Rezension] Libellenfänger

Libellenfänger – Katja Brandis
Piper/ IVI
Taschenbuch, Oktober 2012
ISBN 978-3-49270276-8
368 Seiten

14,99 €

Mitten auf der Tanzfläche bricht die junge Antonia zusammen. Ricky und Schulfreund Marek versuchen noch lebensrettende Maßnahmen, doch es ist zu spät. Ricky macht sich heftige Vorwürfe, schließlich hat sie Antonia kurz zuvor seltsam aufgelöst getroffen – aber die Mitschülerin hat sich generell abgeschottet, sodass Ricky ihr einfach nicht näher kommen konnte.
Als die Polizei den Vorfall mit Herzversagen als natürliche Todesursache abtut, kann Ricky das nicht so recht glauben. Mit Antonia hat sie bei nec.tv, dem Schulsender, gearbeitet und hätte sicher gemerkt, wenn Antonia krank gewesen wäre.
Da muss mehr dahinter stecken, denkt sich Ricky und versucht auf eigene Faust zu ermitteln. Doch sie muss vorsichtig vorgehen, denn niemand darf erfahren, woher Ricky kommt. Dann würde der Verdacht sicher schnell auf sie fallen…

Katja Brandis hat einen Platz in meinem Herzen durch ihre „Kampf um Daresh“-Bücher. Libellenfänger war 2012 ein neues Buch von ihr, was kurz nach Erscheinen in mein Regal gewandert ist – leider erst nur ins Regal 😉
Jetzt endlich habe ich die Jugendbuchchallenge genutzt, auch diese Geschichte zu schmökern. Gleichzeitig habe ich ja noch „Feuerblüte“ angefangen, und muss sagen, die Autoren hat einen sehr guten Schreibstil, der sich in all ihren Werken wiederfindet.

„Libellenfänger“ ist ein Jugendthriller ganz nach meinem Geschmack. Ich mag es weder blutig noch sonderlich spannend, sondern bitte seicht und nachvollziehbar. In „Libellenfänger“ kommt zwar ordentlich Spannung auf, aber nicht so Nägelkauenspannung wie z.B. bei „Ashes“.
Ricky hat eine düstere Vergangenheit, bzw. ihre Mutter. Sie schämt sich nicht unbedingt deswegen, sondern weiß einfach um die Wirkung, die diese Vergangenheit hat. Ich fand es gut, wie das eingebaut wurde und wie souverän Ricky damit umgeht.
Irreführend ist dahingehend allerdings der Klappentext. Ricky aktiviert keinesfalls Kontakte aus der Unterwelt, also zumindest keine alten. Das hat sonst nur einen kleinen Stellenwert in der gesamten Geschichte.

Ich mochte die Idee, wie und warum alles passiert ist und wie Ricky selbst ermittelt. Die Schreibweise war dazu genau richtig, es gab passende Perspektivenwechsel und interessante, tiefgründige Figuren. Manchmal hätte ich mir ein bisschen mehr gewünscht, z.B. zu Marek und Melanie. Aber teilweise wurde das auch aufgegriffen und verarbeitet, nur eben nicht so tiefgehend.
„Libellenfänger“ ist kein herausragendes Werk von Brandis, und ein richtiger Nervenkitzel war der Thriller auch nicht. Aber 2012 waren die Jugendthriller vielleicht gerade anders, und die Autorin selbst sagt über das Buch auch, dass es nicht ihr absolutes Lieblingsbuch ist. Sie hat ja bessere – zum Glück!

Weil man selber gut mitraten kann, wer der Täter oder die Täterin ist, hat mir das Buch ganz gut gefallen. Es hat mich aber spannungsmäßig nicht so aus den Socken gehauen wie manch anderes Buch in letzter Zeit, weshalb ich stabile vier Sterne gebe.

★★☆

Infos und Leseprobe hier.

1

[Rezension] Boy Nobody

Boy Nobody – Allen Zadoff
Blomoon bei arsEdition
September 2013
Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-8458-0005-9
336 Seiten

Band 1

16,99 €

Niemand kennt ihn richtig. Niemand merkt, wenn er verschwindet. Denn er ist ein professioneller Killer, tauch auf, bringt um und verschwindet wieder.
Meist freundet er sich mit jemandem an, aber nur oberflächlich. Es ist nur ein Mittel zum Zweck.
Doch diesmal ist es anders. Er muss sich mit der Tochter Sam des New Yorker Bürgermeisters anfreunden. Und Sam öffnet sich nicht jedem – ihre schlechten Erfahrungen lassen sie sich verschließen.
Doch er schafft es – aber der Auftrag ist anders als gedacht…

Boy Nobody“ wurde mit großen Kampgnen angekündigt. Folge dem Jungen, finde etwas heraus, lass dich in die spannende Geschichte ziehen…
Vielleicht bin ich an das Buch mit zu wenig Lust herangegangen, aber bei mir hat es nicht gefunkt.

Mich konnte das Buch, bis auf in der Endszene, nicht richtig packen. Ich habe dem Jungen nicht so richtig abgekauft, dass er zu einer eiskalten Killermaschine ausgebildet wurde. Denn das war er nicht. Er zögerte, er dachte nach, er verlor sich in Gedanken. Wenn ein Killer in Gedanken abschweift ist er nicht konzentriert. Das waren Wiedersprüche, die mich irritierten. Denn dem Jungen wurde zwar eingeprügelt, wachsam und tödlich zu sein, aber dann denkt er über seinen Vater nach und schweift ab.
Vielleicht war das vorher nicht, vielleicht lag das an der ganz besonderen Aufgabe, um die es geht. Aber das wurde mir nicht deutlich genug.

Wenn ich vorher Geschichten über eiskalte Killer gelesen habe, dann wurde denen das Gedächtnis geraubt (man denke nur an Vampire Diaries). Wenn die Erinnerung zurückkam, war das nicht so ein „Ach, damals… *seufz* “ sondern ein Aufblitzen, ein Ablenken und irritierende Szenen. Aber hier war das eher so mild, ein Geruch, ein Bild, es war fast heimelig. Die versprochene Spannung kam nicht so richtig auf dabei.

Wie der Junge am Ende aber damit umgeht fand ich packen. Auch die Verfolgungsjagd war sehr lesenswert. Da hat sich der Autor dann am Riemen gerissen und die Ausbildung durchkommen lassen. Das war ein Killer, kein Junge mehr. Aber das war leider erst am Ende…

Weil mich das Buch also zum Ende total mitgerissen und ich mitgefiebert habe, gebe ich dennoch drei Sterne. Mehr ist leider nicht drin.

 ★★★☆☆

Übrigens, bei der angedachten Verfilmung soll wohl Jaden Smith die Hauptrolle spielen…

0

[Rezension] Spiel des Lebens

Spiel des Lebens – Veit Etzold
Egmont Ink
Softcover, September 2012
349 Seiten

14,99 €

Empfohlenes Alter vom Verlag 14 – 17 Jahre

Es soll ein Neustart sein, ein neues Leben, das Emily an der Universität in London endlich beginnen will. Von zuhause ausgezogen, mit einer Freundin im Wohnheim wohnen und die Freiheit genießen.
Doch schon am ersten Tag erlaubt sich jemand einen bösen Scherz mit Emily, und das ist kein Einzelfall. Ein seltsamer Psychopath offenbart sich Emily, denn angeblich hätte sie sein Leben gestohlen. Nun will er ihres stehlen.

Emily soll zwischen Tod und Leben entscheiden. Aber nicht bei sich selbst – zuerst bei anderen…

Ink bringt bisher wirklich nur nächteraubende Romane heraus. „Spiel des Lebens“ ist genau aus dieser Kategorie: packend, furchterregend, gruselig, realitätsnah und super durchdacht.
Wer ist der geheimnissvolle Erpresser, wer hat die Fäden in der Hand? Kennt Emily ihn?

Angefangen beim Cover sieht das Buch wirklich toll aus. Das Mädchen, dass scheinbar durch den Tunnel läuft (läuft sie wohin, läuft sie vor etwas weg?), die kalten Farben die man bei Emilys Albträumen wiederfindet, machen den Umschlag schonmal zu einem Gruseleffekt.

Die Handlung startet auch sehr krass, nach einem einführenden Prolog folgt eine recht gemütliche Einführung in das Studentenleben und die Situation. Das war sehr angenehm.

Emily ist eine tolle Figur, mit der man sich gut identifizieren kann. Ihre Mutter klammert und sie möchte gerne ihr eigenes Leben führen. Sie hat seltsame Dinge in ihrer Kindheit erlebt, die sie selbst nicht so recht zuordnen kann. Als Leser sieht man die meisten Kapitel aus ihrer Sicht (bis auf die Kapitel aus der Sicht des Killers) und weiß so alles, was in ihrem Kopf vorgeht.

Nicht ganz so gut hat mir gefallen, dass ich recht schnell wusste warum der Killer Emilys Leben haben will. Sehr dezente Hinweise waren mir wohl zu offensichtlich. Es dauert sehr lange, bis man weiß wer ER nun ist, aber das war dann nebensächlich. Die Auflösung der Geschichte war nicht ganz so spannend wie ich es mir gewünscht hätte.

Der Schreibstil des Autors ist sehr interessant. In eiligen Szenen las es sich rasch und ohne Holperstellen, es wurde nur auf das Wesentliche eingegangen. Wenn Emily Panik bekam wiederholten sich Wörter mehrfach oder sogar ganze Sätze. Hin und wieder war das etwas anstrengend, aber nicht störend.
In ruhige Szenen konnte Emily beschreiben, kombinieren und die Ruhe bewahren. Zum Lesen sehr angenehm.

Die Idee von dem Buch fand ich gelungen. So schnell werde ich mir wohl kein anderes Buch von Veit Etzold kaufen, aber sollte noch ein weiteres bei INK erscheinen gehe ich nicht daran vorbei.
Für das Lesevergnügen, dass noch eine weitere Prise Spannung und Länge vertragen hätte, vergebe ich 4 Sterne.

0

[Rezension] Wenn es dunkel wird

Wenn es dunkel wird – Manuela Martini
Taschenbuch, Juli 2012
Arena X-Thriller
357 Seiten

12,99 €

Es ist ein ganz normaler Tag in Deutschland, zahllose Menschen klicken bei Youtube Videos an, und finden plötzlich mehrere Videos eines jungen Mädchens, die eine seltsame Geschichte erzählt…

Was ein schöner Sommer hätte werden können, wird durch die Eifersucht ruiniert. Claas und seine Freundin Melody sind bei den reichen Schülern Tammy und Julian in Frankfreich im Ferienhaus eingeladen. Doch waren Mel und Claas zuhause ein Paar, haben sie jetzt nur Augen für die Geschwister, die ihrerseits etwas verbergen.
In der sengenden Hitze taucht auch noch ein Irrer auf, der Tammys Ipod klaut,die Stromzufuhr abdreht und sie scheinbar beobachtet. Bei dem Versuch, sich abzulenken, finden die Jugendlichen das Buch des verschollenen Schriftstellers und ehemaligen Hausbesitzers Henry Paige, indem eine Höhle beschrieben wird, nicht unweit des Hauses.
Mel erzählt in ihrem Youtube-Video, dass dies erst der Anfang vom Ende war…

Obwohl ich eigentlich kein Fan von Thrillern bin, fand ich „Wenn es dunkel wird“ total interessant. Und der Verlag hat mich vorab mit der Tarot-Karten-Aktion sehr neugierig gemacht. Am vergangenen Sonntag  dann war es mir hell genug, um einen Thriller zu lesen – und ich konnte erst aufhören mit lesen, als das Buch durch war (was den Seiten unten einen Spinatfleck eingebracht hat -.-).

Manuela Martini schreibt packend, formt ihre Figuren ganz genau und lässt die Charaktere in der Hitze der Handlung und des Wetters hochkochen.

Wirklich gelungen fand ich die Täterauswahl. Ständig dachte ich „der wars!“ und dann war es doch ein anderer. Manuela Martini verflicht gelungen die steigende Spannung mit der qäulend langsamen Auflösung. Obwohl Mel ja die ganze Geschichte erzählt sagt sie nicht zu Anfang, wer stirbt. Nein, sie erzählt wirklich chronologisch. Das fand ich absolut gut.

Bei diesem Buch kann ich nur wärmstens empfehlen, es nicht in diesen brüllheißen Sommertagen zu lesen! Mel erzählt zwischendurch, wie heiß und drückend es in Frankfreich war – und es macht das Lesen nicht leichter, wenn es in meinem Zimmer ebenso heiß und drückend ist.

Dieses Buch war ein totaler Pageturner für mich und ich vergebe volle Punktzahl für die geniale Idee, tolle Umsetzung und spannende Schreibweise!

                                        ★

Weitere Bücher der Autorin:
Sommernachtsschrei
Purpurdrache 

und viele mehr.