0

[Rezension] Welche Farbe hat die Angst

Buchcover Welche Farbe hat die Angst Barbara RoseWelche Farbe hat die Angst – Barbara Rose
Boje
Hardcover,
ISBN 978-3-41482409-7
270 Seiten
12,99 Euro

Worum es geht

Eigentlich hatte Katta nicht daran geglaubt, dass sie es schafft, doch eines ihrer Bilder gewinnt einen Platz in einem Malkurs bei einem ihrer Idole, dem Künstler Josef Wild. Eine ganze Woche darf sie dort Techniken lernen und ihr Talent ausarbeiten. Doch schon im Vorfeld träumt Katta von einem Mädchen und einem Wasserfall.
Im Ort des Malers angekommen erfährt die 15-Jährige, dass sich vor einiger Zeit ein Mädchen selbst ertränkt hat. Die damals Jugendliche hatte einen sehr ähnlichen Stil wie Katta, und obwohl sie nur Interesse an der Malerei haben möchte, erfährt Katta, dass es vielleicht gar kein Selbstmord war.
Dass auch noch ihr Schwarm Alex und der andere Malschüler Pascal irgendwie Neugier an dem Fall zeigen, hilft auch nicht. Nach und nach stellen die Jugendlichen fest, dass es vielleicht wirklich kein Selbstmord war – und der Mörder noch immer ganz in der Nähe ist!

Welche Farbe hat die Angst“ ist ein Jugendthriller, der ja schon durch den Titel sagt, worum es geht. Malerei und Angst sind die beiden Hauptthemen, die sehr gut ineinander verflochten werden.

Die Hauptfigur Katharina, genannt Katta, drückt in Malerei ihre Gefühle aus, und auch jedes Kapitel ist entsprechend so benannt. Das war eine schöne Idee, die dadurch alles abgerundet hat.
Die Figuren Alex, Josef, Pascal und weitere werden gut eingeführt und eingeflochten. Besonders aber durch die angenehme Schreibweise der Autorin ist das Buch sehr lesbar. Es fesselt, erzählt und zaubert Bilder vor Augen.

Da es ein Jugendbuch ist, lässt es sich sehr schnell lesen. Für die Altersklasse 11 bis 14 Jahre ist es sicher ein Abenteuer, für mich war vor allem die Aufklärung schnell offensichtlich, aber dennoch spannend zu lesen.

Ich vergebe vier von fünf Sternen für dieses Jugendbuch.

★★★★☆

Kurzmitteilung
0

Cover Die besten Smoothies – Gabriele Redden
Bassermann
Hardcover, März 2015
ISBN: 978-3-8094-3446-780 Seiten
7,99 Euro

„Die besten Smoothies“ ist eine Sammlung von Smoothie-Rezepten, die Obst und Kräuter, Gemüse und Superfoods kombiniert. Kleine Tipps am Rand geben Hinweise, wie man den Smoothie mit Eis, anderen Geschmäckern oder Varianten abwandeln kann.

Es geht los mit bunten Smoothies, bei denen wirklich jeder sein Lieblingsobst findet und eine tolle Kombination bekommt! Es gibt einige Smoothies die nur aus Obst bestehen, aber auch tolle Rezepte und Ideen für weitere Zutaten wie Sellerie, Paprika, rote Beete und Mandelmilch.
Die grünen Smoothies haben natürlich viel grünes Gemüse, aber auch Obstanteile, um es weiterhin sehr geschmackvoll zu halten.

Ganz toll finde ich, dass es auch viel um Farbe geht. So entstehen keine Smoothies, die hinterher wie braune Brühe aussehen, sondern Kombinationen verwendet werden, die knalliges Gelb, sattes rot und leckeres Grün fördern.

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich besonders viel bei den grünen Smoothies geschaut habe und die Fruchtsmoothies erstmal außen vor gelassen wurden… dabei klingen die Rezepte nun bei genauerem Hinsehen richtig toll!

grüner Smoothie mit MüsliAusprobiert habe ich den „Spinat-Avocado-Smoothie“ von Seite 62, aber mit Müsli zum Frühstück.

Außerdem haben mich die Kiwis in den Rezepten inspiriert, sodass ich einen Kiwi-Mango-Orangen-Smoothie gemacht habe.gelber Smoothie

Smoothie-Rezepte sind ja sowieso leicht, daher sind die Rezepte auch einfach. Die Gestaltung des Buches finde ich auch sehr ansprechend und durch die bunte Aufmachung bekommt man gleich richtig Lust aufs Mixen!

Volle Empfehlung daher für dieses tolle Smoothie-Buch!

 ★★★★★

Kurzmitteilung
2

Keen_Lustige Tiere_4c_HiresLustige Tiere vom Lande stricken – Sarah Keen
mvg Verlag kreativ
Klappenbroschur, August 2015
ISBN 978-3-86882621-0
128 Seiten
12,99 Euro

Da ich ja jetzt offiziell Patentante bin möchte ich natürlich meine kreativen Phasen auch für das Patenkind ausleben. Passend dazu kam dieses Buch vom mvg Verlag, das Anleitung für Bauernhoftiere bietet.
Eigentlich hatte ich das Stricken für mich wieder abgeschrieben, weil die Nadeln und die Wolle einfach nicht so wollten wie ich, aber ich bin ja immer neugierig. Und so richtige Anleitungen sind etwas anderes als „mal versuchen“. Das kann ich beim Häkeln, aber beim Stricken brauche ich eben noch jemand, der mir genau sagt wie es geht.

In diesem Buch gibt es die klassischen Tiere Kuh, Pferd, Schwein und Huhn, aber auch tolle Ideen wie einen Hütehund, ein Rind und ein Lama. Und weil es Schweine und Hühner als Kuscheltiere bestimmt auch zu kaufen gibt, wollte ich ein Lama machen.
Ich bin keine Freundin vom akribisch an die Anleitung halten geht, zumindest was die Wolle betrifft. Daher habe ich auch hier einfach Wolle genommen, die mir gut gefiel, nämlich die headnut surf Farbe 408 braun, weil ich davon noch genug hatte. Fotografier aus dem Buch

So wie links sieht normalerweise ein Lama aus.

Und im Buch sieht das Muster so wie rechts aus.

Eigentlich ganz gut, mein Ergebnis seht ihr unten.

Grundsätzlich zu den Anleitungen: Beim ersten Durchschauen kam mir nichts spanisch vor, es sah erstmal nach vielen Zahlen und Zählarbeit aus, aber machbar. Es wurden keine Wunderwaffen oder Zaubergegenstände gebraucht. Ich hab einfach losgelegt und mich dann überraschen lassen.

Nach den Anleitungen gibt es im Buch noch einen Abschnitt mit Bildern zu bestimmten Techniken und Tipps sowie das Abkürzungsverzeichnis. Es wird nicht das Rad neu erfunden und das Stricken von der Pike auf erklärt, sondern einfach noch mal die Handgriffe in übersichtlicher Form aufgeführt. Man braucht hier nur Rechts und Links und ein bisschen Feinarbeit, das fand ich gut. Für mich als Strickanfängerin waren aber noch ein paar Stolpersteine drin, die eventuell an meiner etwas übereilten Arbeitsweise liegen können. Fakt ist, man sollte immer genau lesen.

So gibt es zwei Details, die ich erstmal per Videoanleitung im Internet nachschauen musste: Maschen zu- oder abnehmen.

Das eine wird abgekürzt mit verschr und das andere mit zusstr. Die Verwechslung, dass ich erst dachte, das eine würde eine „Zunahme“ bedeuten, führte zu einem sehr breiten Lamahals, sodass ich nochmal neu anfangen musste. „Zusstr“ bedeutet aber „Zusammenstricken“ und bedeutet also eine Abnahme von Maschen.

Nachdem ich das nun wusste, konnte eigentlich dem Rest nichts mehr im Weg stehen.Anstricken

Ich kann noch nicht so gut mit der Festigkeit der Maschen arbeiten, bzw. eine sehr gleichmäßige Fadenspannung halten. Außerdem hatte ich zu kleine Nadeln für die Wolle – aber das ist mein Fehler.

Die Anleitung jedenfalls war sehr einfach, wenn man alles genau angeschaut hatte, und auch die Tipps waren sehr hilfreich. Das Aneinandernähen war noch etwas knifflig, weil ich nicht genau wusste, wo was genau hinsoll, aber letztlich ist mein Ergebnis doch ganz hübsch geworden, oder?

Die Proportionen sind durch die Wolle etwas ungenau (der Kopf hat viel Füllwatte), aber beim nächsten Tier (dem Hochlandrind) halte ich mich genau an die Wollvorgaben.Tiere vom Lande stricken Lama

Das Patenkind jedenfalls war absolut hingerissen und wollte das Lamatier gar nicht mehr hergeben. Auf dem Foto seht ihr, dass das Lama auch gut auf die gehäkelte Schäfchendecke passt – und wer hat schon alles ein Lama im Kinderwagen? 😉Lama im Kinderwagen

Grundsätzlich bin ich jetzt also ganz zufrieden mit dem Buch. Als ganz blutiger Anfänger ohne Handarbeitskenntnisse ist man vielleicht etwas aufgeschmissen, aber wenn man schon Erfahrung mit Häkeln oder zumindest Nähen hat, kann mich auch eine neue Technik, hier z.B. das Stricken damit lernen. Mittlerweile habe ich schon ein weiteres Strickprojekt fertig gestellt, das Buch hat mir also gezeigt, dass ich doch Stricken kann – wenn es vernünftige Anleitungen sind 🙂

Kurzmitteilung
0

Wer zusammenhält ist weniger allein – Northrup / Schwartz / Witte
GoldmannTaschenbuch, Juli 2014
ISBN 9783-442-174454
352 Seiten
8,99 Euro

Bücher mit Statistiken oder so finde ich meist nicht so spannend, es sei denn, es sind lustige Bilder drin. In diesem Buch gibt es tatsächlich Bilder, allerdings sind die zusammengefassten Statistiken doch tatsächlich sehr interessant.

In drei großen Abschnitten stellen die Autoren Themen zur Liebe vor. Es geht um das Kennen lernen, die frische Phase und die langen Beziehungen, Glück, Freude, Streit, Sex und Probleme.
Jedes Kapitel hat dabei einen großen Statistikteil und verschiedene Zitate von Teilnehmern der Studie. Zum Schluss kommen Übungen für das eigene Pärchenleben.

Der Grundgedanke dieses Buches ist es, zu schauen warum glückliche Pärchen glücklich sind, und wie man selbst auch glücklicher werden kann. Tatsächlich habe ich am Anfang mit meinem Mann ein paar Übungen gemacht (zur Kommunikation, Sprache und auch zu Problemen). Grundsätzlich aber denke ich, führe ich eine sehr gute, gesunde Beziehung. Es ist natürlich auch mal schön, so etwas von einem Buch bestätigt zu bekommen.

Was mir in diesem Buch gefehlt hat waren die deutschen Statistiken. Da die Studie in Amerika und nur wenigen europäischen Ländern durchgeführt wurde, können sich die Autoren natürlich nur darauf beziehen. Das macht den Gesamteindruck des Buches aber nicht geringer, denn insgesamt kann ich diesem Buch nur volle Punktzahl geben. Es ist kein Buch für einen Abend, ich habe insgesamt knapp ein Jahr daran gelesen – aber es lohnt sich, weil man so auch mit dem Partner über bestimmte Dinge sprechen kann, und sich – sofern  notwendig – in der Beziehung vielleicht etwas ändern kann.

Kurzmitteilung
2

Bird Box Schließe deine Augen – Josh Malerman
penhaligon
Gebunden, März 2015
ISBN 978-3-7645-3121-8
320 Seiten

19,99 €

Sie ist alleine mit zwei Kindern. Malorie und das Mädchen und der Junge. Die Kinder wachsen damit auf, niemals die Augen zu öffnen, wenn sie rausgehen. Sie lernen, sich blind zurecht zu finden. Sie müssen hören lernen, die Augen vergessen. Denn die Welt draußen ist so schrecklich, dass man nicht mehr hinsehen kann.
Malorie war nicht immer alleine. Bis vor kurzer Zeit war ihr Haus sogar ziemlich bewohnt, vor allem Tom war da. Tom, den Malorie erst so kurz kannte, und der so sehr an sie geglaubt hat, als sie schwanger war. Der auf sie aufpassen wollte.
Die Welt veränderte sich ungefähr zur gleichen Zeit, als Malorie von ihrer Schwangerschaft vor fünf Jahren erfuhr. Unerklärlich wurden Leute mitten auf der Straße verrückt und begingen Selbstmord. Bis heute weiß Malorie nicht, was dort draußen wartet, denn sie öffnet nie die Augen draußen.
Doch für immer können sie und die Kinder nicht in dem Haus bleiben, denn irgendwann müssen sie einen sicheren Ort finden. Und scheinbar ist jetzt dieser Zeitpunkt gekommen…

Bird Box hat nicht viel Inhalt, nicht allzuviel Handlung. Man lernt Malorie kennen und erfährt ihre Geschichte, stets gewürzt mit dieser allgegenwärtigen Ungewissheit, was da nun draußen wartet.
Die Kapitel sind relativ kurz, und wenn es Zeitsprünge vom Jetzt zur Vorgeschichte gibt ist das meistens an besonders fiesen Stellen. Die Geschichte ist auch so geschrieben, dass man eigentlich nicht weiterlesen will und teilweise nur erleichtert war, als dann ein Rückblick kam. Dennoch entwickelt sich das Buch zum echten Pageturner, weil man unbedingt herausfinden will, was dort ist. Ob Malorie auch verrückt wird. Ob sie es in Sicherheit schafft.

Man merkt, dass Malerman sich mit dem Genre Thriller bereits sehr auseinandergesetzt hat, denn die Spannung und der Nervenkitzel ist greifbar. Es ist weniger die Brutalität oder der Wahnsinn der Leute, mehr diese absolut irre Furcht vor dem Unbekannten. Wir fürchten alle die Dunkelheit und Dinge, die wir nicht sehen könnten. Über Nacht blind werden zu müssen ist brutal. In jeder Szene, in der Malorie ihr Leben riskiert um sich und die Kinder zur retten betet man, dass sie nicht versucht ist, die Augen zu öffnen und bitte bitte einen Weg auf blinde Art findet.

Normalerweise lese ich keine Thriller, weil mir der Nervenkitzel gar nicht so gefällt. Hier war ich aber neugierig, weil es mal anders klang. Nicht mit einem Mörder, nicht so erklärlich. Es war geheimnisvoll, ohne mit Aliens zu tun zu haben (aber wer weiß…). Das Ende könnte auf einen zweiten Band hindeuten, allerdings finde ich es so auch abgeschlossen und brauche nicht mehr. Für die etwas sprunghaften Kapitel und die doch eher oberflächliche Handlung ziehe ich einen Stern ab, aber vier Sterne hat sich das Buch allemal verdient!

★★★★☆

Zur Leseprobe.

3

[Rezension] Mythcia 2: Göttin des Meeres

Göttin des Meeres – P.C. Cast
S. Fischer Verlag
Taschenbuch, Juni 2015
ISBN 978-3-596-19383-7
448 Seiten

8,99 €

Die junge Soldatin Christine stürzt bei einem Flugzeugunglück ins Meer und ertrinkt – doch in letzter Sekunde wird sie von der traumhaft schönen Meerjungfrau Undine, Tochter des Meeresgottes Neptun, gerettet. Der Preis dieser Rettung ist der Tausch der Körper. Ehe sie sich versieht ist Christine als Meerjungfrau im Meer unterwegs, doch der jähzornige Meermann Triton will sich die Prinzession zu eigen machen. Die Mutter von Undine, Göttin Gaea, schickt Christine in eine andere Zeit, damit sie dort die wahre Liebe an Land finden kann um Triton für immer zu entfliehen.
Doch Christines erste Begegnung in der Vergangenheit ist ausgerechnet mit dem attraktiven Meermann Dylan, der ihr fortan einfach nicht aus dem Kopf gehen will…

Auch der zweite Teil der Mythcia-Reihe von P.C. Cast fesselt und bezaubert einen als Leser.
Christine ist eine junge Frau, die nicht so richtig weiß, wo sie hinsoll und was Liebe ist. Durch ihre Verbindung zu Gaia und der Schlichtheit des Klosters, in dem sie in der Vergangenheit landet, kann sie sich richtig besinnen. Bestand das Leben vorher nur aus Arbeit und dem Ausweichen von männlichen Kontakten wird es nun richtig aufregend und Christine muss sich aktiv eine Rolle suchen. Dass sie sich in den Meermann Dylan verkuckt hat, hilft nicht unbedingt ihrer Sicherheit, ist aber sehr schön zu lesen. Auch die ständige Frage, wie Meerleute sich eigentlich paaren, beantwortet P.C. Cast ganz unromantisch.
Der Hintergrund des Märchens ist nicht ganz ersichtlich, weil die Geschichte von Undine, der Meerjungfrau, durch Arielle stark beeinträchtigt wurde und zumindest ich das Original nicht kenne. Dennoch hat P.C. Cast hier wie wahrscheinlich beim ersten Teil auch eine gute Priese ihrer eigenen Geschichte eingebracht, und auch wie den ersten Teil kann man das ganz wunderbar lesen.

Die Suche nach der Liebe und sich selbst ist auch hier wieder auf einzigartige Art dargestellt und von mir erhält das Buch eine klare Empfehlung!

★★★★★

Die weiteren Teile:

Teil 1: Zur Rezension

Teil 3

Teil 4

1

[Rezension] Die Mitte von allem

Die Mitte von allem – Anna Shinoda
Magellan Verlag
Hardcover mit Schutzumschlag, Juni 2015
ISBN 978-3-7348-5604-4
348 Seiten

17,95 €

Clare ist 17 Jahre alt, als ihr Bruder Luke erneut aus dem Gefängnis kommt. Seit sie ein kleines Mädchen war, ist Luke immer wieder verhaftet worden. Laut ihren Eltern war er „zur falschen Zeit am falschen Ort“. Clare glaubt fest daran, dass Luke unschuldig ist und nie etwas Böses tun könnte. Daran ändert auch eine Erinnerung an zerschlagene Scheiben und Blut nichts. Auch Clares ständiger Begleiter, ein Skelett namens Skel, kann einfach nicht bedeutet, dass Clares Familie etwas zu verbergen hat.

In diesem Sommer will die junge Frau sich für ein College entscheiden und das letzte Mal Geld am örtlichen See als Rettungsschwimmerin verdienen. Das Schwimmen brachte Luke ihr einst bei, als er noch ständig da war, um auf sie aufzupassen. Doch sowohl Lukes Rückkehr als auch die Reaktion der Kleinstadt auf Clares Bruder verhindern einen friedlichen Sommer.

Clare tut alles, um ihren Bruder nicht ins schlechte Licht zu rücken. Aber Luke scheint das nicht zu merken und zieht Clare mit auf die schiefe Bahn, scheinbar ohne sich Gedanken darüber zu machen, was er anrichtet. Irgendwann muss sie erkennen, dass ihr Bruder keinesfalls immer „zur falschen Zeit am falschen Ort“ ist, sondern ein anderer Mensch, als sie und ihre Familie es gerne hätten.

Die Mitte von allem“ ist ein Jugendbuch über eine Familie, die unbedingt ein heiles Bild vermitteln will, obwohl beileibe nicht alles in Ordnung ist.
Clare soll zum einen davor beschützt werden, dass ihr Bruder ihr schadet, zum anderen wollen ihre Eltern dem verlorenen Sohn immer wieder eine Chance geben.
Clare liebt ihren Bruder, egal wie er sich benimmt und wie sehr er immer wieder enttäuscht. Er hat Kontakt zu den falschen Leuten, betrinkt sich obwohl er nüchtern bleiben wollte und kann die Finger nicht von den Drogen lassen. Offensichtlich bestiehlt Luke seine Familie, aber Clare will es zunächst nicht wahrhaben. Die Entwicklung, die sie in der Sicht auf ihn macht, ist langsam aber erkennbar.

Anna Shinoda hat ein ernstes Thema ausgesucht und verantwortungsvoll und jugendgerecht aufgearbeitet. Der Sommer und die darauffolgende Zeit sind nicht friedlich, sondern der erste Ausblick eines Mädchens auf die Realität des Lebens.
Kurze Kapitel zeigen, was in der Vergangenheit passiert ist und warum Clare ihren Bruder eigentlich lieben könnte, denn er hat fast immer versucht, sie zu beschützen. Der Umgang mit Gewalt ist dabei ohne Schönrederei und in klarem Formen beschrieben worden. Als Clare nach und nach nicht mehr unterdrückt, wie ihr Bruder wirklich schon immer war, ist man als Leser tief ergriffen.

Anna Shinoda hat zu Recht den Preis für das Jugendbuch des Monats Juni 2015 von der Jury der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur erhalten. „Die Mitte von allem“ ist ein wichtiges Buch über Entwicklung und Zusammenhalt. Über Familienliebe, die nicht unendlich unerschütterlich ist.