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[Rezension] Eine Braut von stürmischer Natur

Eine Braut von stürmischer Natur – Lynsay Sands
Egmont Lyx
Klappenbroschur, Juli 2013
ISBN 978-3-8025-8946-1
380 Seiten

9,99 €

Als Waise kam die junge Murie an den Königshof. Sie ist so wunderschön, dass sich jeder Mann in sie verlieben muss. Doch leider ist sie ein widerborstiger Teufelsbraten und bekommt durch Schrei- und Heulkrämpfe immer ihren Willen bei ihren Pateneltern.
Als der König verfügt, dass sie unbedingt heiraten muss, findet sich der verarmte Balan Gaynor, der dringend die Mitgift von Murie zur Ausbesserung seiner Festung braucht.
Überraschenderweise entpuppt sich Murie nach der Hochzeit aber nicht nur als ziemlich leidenschaftlich, sondern auch als eine durchsetzungsstarke und gute Herzogin.
Doch das Glück von Balan und Murie hatte von Anfang an einen Riss. Denn Murie sollte einen anderen heiraten. Seit sie sich für Balan entschieden hat, ist das Paar vom Pech verfolgt…

Eine Braut von stürmischer Natur“ ist ein weiterer Roman von Lnysay Sands, nachdem ich gerade „Das wilde Herz der Highlands“ (demnächst unter „Die Jungfrau aus den Highlands“ als Taschenbuch) von Cora/Mira beendet hatte. Letzterer war besonders zum Ende hin sehr zäh und langweilte mich ziemlich. Es gab nur hin und her, ein Liebespaar, um das es aber nicht so richtig ging, und eine Handlung die verwaschen und seltsam war. Oh man, meine Erwartungen an den Lyx-Roman waren ziemlich niedrig. Die Historicals haben mir bisher zwar ziemlich gut gefallen, aber man weiß ja nie.

Aber je mehr ich las, desto begeisterter war ich von dem Buch. Nicht nur zur 7-Tage-7-Bücher Woche habe ich das Buch so sehr schnell durchgelesen, sondern auch weil es einfach lesenswert war!

Dieses Buch verdient für verschiedene Dinge ein Lob. Zum einen fand ich es immer doof, dass Mann und Frau sich verliebten, aber dann das ganze Buch nicht zueinander fanden. Also bei den Historicals ist das in diesem Fall die Hochzeit.
Nicht so hier. Die Hochzeit passiert so holterdipolter und entscheidend ist, was drumherum passiert.
Dann fand ich es immer blöd, wenn der Sex nach der späten Hochzeit im wahrsten Sinne des Wortes ein Höhepunkt zum Ende des Buches ist. Man erfährt zwar, wie Braut und Bräutigam sich kennen lernen, auch im Bett, aber dann ist das Buch vorbei. Und selten geht es mit dem gleichen Pärchen weiter (nur wie z.B. bei Maya Banks und ihren Highländern erfährt man nebenbei weiteres).
Hier wiederum gab es den Hochzeitssex sehr früh, und Murie (süße, naive Murie) war so begeistert von der Liebe (wie wohl alle Protagonistinnen in den Historicals), dass sie nicht genug davon bekam.

UND mein großes Highlight in diesem Buch, was es für mich einfach wunderbar machte: Murie hört an einer Stelle ein Gespräch zwischen Balan und seinem Cousin. Und statt dass sie etwas falsch versteht (wie bei der Jungfrau aus den Highlands“ *rolleyes*), hört sie endlich mal das richtige! JAAAAA!!!! Sonst nervt es mich immer unbeschreiblich, wenn die Frauen etwas hören, dass aus dem Kontext gerissen ist und etwas ganz anderes meinte.

Ein bisschen Kritik muss ich an den Ausführungen der Sexszenen äußern. Wie ich bereits mehrfach gelesen habe, ist die Übersetzerin nicht so… talentiert dafür. Mich störte die irgendwie irreführende Umschreibung, auch wenn Muries Sichtweise zu Anfang wirklich erheiternd war. Aber als es um Muries „Schatzkiste“ ging, war ich etwas irritiert. Mich fällt auf Anhieb nicht ein, wie man es dezenter umschreiben kann, aber an manchen Stellen hätten klare Worte auch nicht geschadet. Immerhin war es später nicht mehr Balans „Stab“, sondern eine Erektion. In dieser Hinsicht fielen der Übersetzerin also keine komischen Synonyme ein… zum Glück!

Bei weiteren Büchern von Lynsay Sands werde ich wieder zugreifen (ein weiterer Romantic History- Roman ist ja auch schon erschienen), denn nach dem ersten Desaster hat mich dieser Roman hier wieder milde gestimmt. Gut und zügig lesbar, eine tolle Liebesgeschichte und überraschende Wendungen! Volle Punktzahl für diesen tollen historisch fast korrekten 😉 Roman.

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[Rezension] Das Lied von Eis und Feuer Band 1+2

Neues Cover aus dem Blanvalet-Verlag

Das Lied von Eis und Feuer – George R.R. Martin
Blanvalet
Taschenbuch

Band 1: Die Herren von Winterfell (11. Auflage 1997)
544 Seiten
Jetzt erhältlich mit 576 Seiten, in Neuauflage von Dezember 2010
15 €

Band 2: Das Erbe von Winterfell (11. Auflage 2010)
544 Seiten
Jetzt erhältlich in Neuauflage von März 2011
15 €

Bisher war das Leben auf Winterfell ruhig und normal. Jon Schnee, der Bastard von Lord Eddard Stark, träumt von einem Leben auf der Mauer bei den Grenzern, die Tochter von Burgherrin Catelyn Arya wäre so gerne lieber ein Schwertkämpfer, Sansa möchte einmal eine feine Dame sein und Brandon kann die höchste Zinne erklimmen. Lord Stark, ihr Vater, ist zufrieden mit seinem Leben. Lange gab es keinen Krieg mehr – doch dann kündigt sich der König mit seinem Gefolge an. Die Hand, des Königs nahster Berater, ist tot. Ned (Eddard) weiß, dass König Robert ihm den Posten anbieten wird. Und er nicht ablehnen kann…

Neues Cover aus dem Blanvalet-Verlag

Weit weit über dem Meer derweil verkauft Viserys Targaryen seine Schwester Daenerys an den dothrakischen Kriegsherren Khal Drogo, damit dieser ihm eine Armee gibt, um die sieben Königsländer zu erobern. Doch Khal Drogo lässt sich nicht hetzen und führt seine Gefolgschaft zunächst quer durch das Grasmeer. Daenerys lernt ihren neuen Mann zu schätzen, und fürchtet sich weniger vor dem Drachen, den Viserys in sich glaubt…

Nachdem ich die Serie „Game of Thrones“ gesehen habe, hab ich entdeckt, dass ich Band 1 schon im Regal stehen hatte. Und ich habe mich wirklich gefragt, warum ich so lange gewartet habe, die Bücher zu lesen. Die Serie ist großartig umgesetzt, weil auch die Bücher einfach richtig klasse sind. Die Sprache ist einfach, die Figuren lebendig und, wie ich finde, die richtigen Sätze und Wörter geschrieben.
Weil natürlich die Seiten gut gefüllt sind, dauert das Lesen etwas länger, aber ich finde, es lohnt sich allemal.

Wer die Serie nicht vorher kennt und nur die Bücher liest, (schaut die Serie, sie ist es absolut wert! Und in Blu-Ray am besten!!!), wird beim Lesen nicht ins kalte Wasser geschubst, sondern an die Hand genommen und zu mehreren Schauplätzen geführt. Aus der Sicht von Ned, Jon, Bran, Arya, Sansa, Catelyn, Daenerys und dem Gnom Tyrion werden die Situationen teilweise doppelt beleuchtet, aber nie mehr als nötig. Man erfährt von einer Figur mehr als von einer anderen, und wird in unterschiedliche Reiche des Landes mitgenommen. Die Kapitel sind nicht zu kurz, um Verwirrung zu stiften, und die Überschriften sagen einem deutlich, wo man gerade ist.

Die sieben Königslande sind groß, und man lernt Stück für Stück mehr davon kennen. Zunächst Winterfell, die Heimat der Starks, dann geht man mit Ned und dem König über den Königsweg quer durchs Land bis nach King’s Landing und erfährt von Daenerys, wie es jenseits des Meeres aussieht. Tyrion, der Bruder der Königin, geht mit Jon Schnee an die Mauer oberhalb von Winterfell, die den Winter noch fernhält.

Der Trailer der Serie hat unglaublich liebevoll und detailreich diese Städte aufgenommen, und nimmt den Zuschauer genauso mit. Der Trailer verändert sich, je weiter die Serie voranschreitet. Das ist mir allerdings erst nach Schauen des Making Offs aufgefallen 😉

Die Reihe heißt ja „Das Lied von Eis und Feuer“. Obwohl sich viel in der Mitte des Landes abspielt besonders als Krieg ausbricht, weiß man doch als schlauer Leser ungefähr, worauf es hinausläuft (allerdings erst zu Ende des zweiten Buches 😉 ). Auf die weiteren Bände bin ich total gespannt. Die lese ich aber bevor ich viel von der Serie weiterschaue, weil es zwischendurch doch etwas öde war, wenn man alles schon wusste.

Am Ende der Bücher gibt es Stammbäume und Karten des Landes. Das war äußerst hilfreich.
Unangenehm fand ich, dass von der alten Fassung zur neuen der Name LAnnister in LEnnister geändert wurde. Allerdings war Buch 1 bei mir so eine alte Fassung (auch noch in alter Rechtschreibung), dass sicher noch mehr geändert wurde, was mir nicht auffiel. Seit 2010 gibt es die neue Fassung, die

Für die Serie gebe ich volle Punktzahl!

Die Folgebände:

Band 3: Der Thron der Sieben Königreiche
Band 4: Die Saat des goldenen Löwen
Band 5: Sturm der Schwerter
Band 6: Die Königin der Drachen
Band 7: Zeit der Krähen
Band 8: Die dunkle Königin
Band 9: Der Sohn des Greifen
Band 10: Ein Tanz mit Drachen

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[Rezension] Dämonenzeit

Dämonenzeit – Stephan Russbült
Bastei Lübbe
Dezember 2011
575 Seiten

14,00 €

 Nachfolgeband von Dämonengold

Brisenburg die zweite. Baazlabeth sitzt immernoch in der Stadt fest, und hat schlechte Laune. Er hat 5000 Goldstücke gesammel – wo bleibt denn nun die Erfüllung der Prophezeiung???

Zur selben Zeit beim großen Buch des Schicksals: Der Sündenvater Amez, Bruder des Septs, überprüft den Fortschritt des Weltuntergangs. Aber etwas läuft gewaltig schief – und Schuld kann nur sein blöder Sohn, der Horde Baazlabeth sein!

Zurück in Brisenburg. Seibot Nell, Taschendieb und Halunke, wollte nie wieder zurück in die Stadt, von der es heißt, sie sei von den Göttern erbaut worden. Irgendwie spürt er, dass sie sein Tod sein wird.
Und ganz unrecht hat er nicht. Als er eines Tages auf Baazlabeth trifft, explodiert sein Kopf fast. Zurück bleiben nur blutende Ohren – keine Garantie für eine lange Lebensdauer.

Baazlabeth ist genervt: Ihm fehlen noch 6 andere Sünden, und von den 7 Tugenden, gegen die er kämpfen soll, hat er noch kein Stückchen gesehen. Außerdem muss es irgendwo einen Fehler geben, das spürt er. Bisher hat er alles so gemacht, wie die Prophezeihung es vorausgesagt hat. Doch plötzlich sagt ihm ein kleines Mädchen noch viel mehr – und Baazlabeth erkennt seinen Fehler. Jetzt hilft nur noch ein blutiger Mord…

Dämonenzeit“ ist zwar der Nachfolger von „Dämonengold“, aber auch gut als Einzelband zu lesen. Die Geschichte knüpft (nach anderen Aussagen) nahtlos an das vorherige Geschehen an, doch davon ist im zweiten Band (ohne Vorwissen) nichts zu merken. Es dauert nur ein bisschen länger, bis man drin ist, und einen Überblick hat, wer nun wer ist.
Dazu kommt erschwerend, dass der Klappentext des Buches mit dem Dämon Baazlabeth wirbt, das Buch jedoch mit Amez beginnt, und im 2. Kapitel Seibot Nell vorgestellt wird. Als im 3. Kapitel dann der Dämon die Dinge aus seiner Sicht beschreibt, ist die Verknüpfung schwer.

Da das Buch jedoch ein paar Seiten mehr hat, und das Format auf den vielen Seiten auch noch viel Inhalt zulässt (immerhin eine Buchhöhe vonmehr als 21 cm), hat auch der Leser genug Zeit, alles mitzuverfolgen. Zwischendurch sogar ein bisschen zu viel, wie mir schien. Es passierte nichts halbes und nichts ganzes, der Autor versuchte seinen Horden lustig und spöttisch zu charakterisieren – manchmal saß der Dämon aber nur in einer Kneipe. Über Seiten hinweg. Diese Szenen sind zu 2/3 meiner Meinung nach überflüssig…

Einzelne Kapitel sind aus der Sicht der anderen Sündenkinder. Die meisten enden mit dem Tod des Erzählers – der Autor nutzt diese Perspektive jedoch auch dafür, den Blick aus der Stadt zu bringen. In der Geschichte einen anderen Winkel aufzuzeigen. Was mich anfangs etwas irritierte, fand ich am Ende sehr nützlich.

Wirklich schön gemacht finde ich dagegen das Cover. Der Hintergrund ist in roten und braunen Tönen gehalten, sodass die goldenen geprägten Buchstaben des Titels klar hervorstechen. Wie schon „Dämonengold“ sieht man eine Kreatur der Finsternis im Hintergrund, diesmal mit einer Sanduhr – passend für die ablaufende Zeit der Stadt Brisenburg.

Das Setting ist sehr gelungen. Die Stadt Brisenburg hätte genauso im Mittelalter stehen können. Es wird mit Goldstücken bezahlt, als Lasttiere werden Pferde genommen, die Medizin ist gerade am Reifen und Magier und Alchemisten erfreuen sich hoher Beliebtheit. Eine Mischung aus Mittelalter und Fantasy also (vor allem, da ja Dämonen etc. mitspielen).

Der Spannungsbogen dauert etwas länger, das Ende kommt rasch und ein bisschen unbefriedigend. Es wirkt, als hätte der Autor ein paar Seiten kürzen müssen.

Ich vergebe 4 von 5 Sternen, weil ich den Schreibstil von Russbült mag, auch wenn es etwas gezogen war diesmal. Von dem Autor werde ich auch weitere Bücher lesen!

Weitere Bücher des Autors:
– Die Oger (meine Rezension)
– Der Rubin der Oger
– Blutiger Winter
– Dämonengold
Besucht den Autor auf seiner Homage: http://russbuelt.net/
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[Rezension] Die Henkerstochter

Die Henkerstochter – Oliver Pötzsch

1. Auflage 2008
Ullstein Verlag, Taschenbuch

512 Seiten

8,95 €

Gerade 60 Jahre ist es her, dass die Hexenprozesse in Schongau vorübergegangen sind, da wird eine Hebamme erneut der Hexerei beschuldigt. Und irgendwie scheint es auch diesmal nicht mit rechten Dingen zu zugehen, denn kleine Kinder werden ermordet, ein Söldner mit Knochenhand und Hinkefuß läuft durch die Stadt, und den toten Kindern sind magische Symbole unter die Haut geritzt worden.
Henker Jakob Kuisl würde der Hexenprozess weniger nahe gehen, wenn nicht die Hebamme seine Kinder alle zur Welt gebracht hätte – und er nicht felsenfest von ihrer Unschuld überzeugt wäre.
Zusammen mit dem Medicus-Sohn Simon, welcher der Henkerstochter Magdalena schöne Augen macht, versucht er die Unschuld der Hebamme zu beweisen.
Viel Zeit bleibt ihnen allerdings nicht mehr, denn der Landgraf ist bereits von der Hexe informiert worden, und auf dem Weg nach Schongau, um weitere Frauen auf den Scheiterhaufen zu stellen.
Bei der Suche nach der Wahrheit stoßen die Männer und Magdalena auf eine viel größere Verschwörung, die ganz anders foranschreitet, als sie es je vermutet hätten.

Genau wie der bereits gelesen Teil 3 der Henkerstochter-Reihe war auch der Debutroman von Oliver Pötzsch ein Meisterwerk. Liebevoll wird die Stadt und die Familie Kuisl eingeführt, und historische Fakten eher nebensächlich erwähnt, sodass sie nicht stören.

Ganz wunderbar sind die Beschreibungen. In einem Wirbel zwischen Eindrücken und Fakten wird der Leser durch die Geschehnisse geführt, die aber nie aufdringlich wirken oder etwas missen lassen. Flüssig zieht die Erzählung dahin, es ist leicht zu folgen und die Geschichte stockt an keiner Stelle.

Die Figuren sind weder einseitig noch langweilig, sondern haben ihre Charakteristika und sind schön ausgearbeitet. Die Charaktäre entwickeln sich nicht groß, was aber in der kurzen Zeit, in der die Geschichte spielt, zu viel gewesen wäre. Sie werden so dargestellt, wie sie zu dem Zeitpunkt sind. Zart noch bandeln Magdalena und Simon an, vordergründig steht aber die Suche nach der Wahrheit um die Hebamme zu entlasten. Die Liebe ist kein großes Thema in der „Henkerstochter“ – aber es fehlt auch nicht, so spannend ist die Geschichte.

Bis zum Ende schafft Pötzsch es, den Spannungsbogen aufrecht zu halten, gibt immer nur so viele Details, dass der Leser sich selbst keinen richtigen Reim machen kann, und auf das weitere Vorankommen der Protagonisten angewiesen ist. Das Buch liest sich dadurch umso mehr in einem Rutsch und sehr zügig.

Es ist eine Freude, dass bereits zwei weitere Teile erschienen sind, denn auch Teil 2 „Die Henkerstochter und der schwarze Mönche“ wird mit Sicherheit ein Lesegenuss werden.

Vielen herzlichen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

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[Rezension] Die Henkerstochter und der König der Bettler


Die Henkerstochter und der König der Bettler – Oliver Pötzsch

Ullstein Verlag, Taschenbuch

592 Seiten, € 9,95 (D)

Erstmalig erschienen am 13. August 2010

Inhaltsangabe des Verlages:

Der Schongauer Henker Jakob Kuisl ist in eine Falle getappt: Bei einem Besuch in Regensburg findet er seine Schwester und den Schwager tot in der Badestube.
Die Stadtwache verhaftet ihn als Verdächtigen und wirft ihn in den Kerker. Nun drohen ihm, dem Henker, selbst Folter und Hinrichtung. Fieberhaft suchen seine Tochter Magdalena und der Medicus Simon Fronwieser nach dem wahren Täter und stoßen dabei auf ein Komplott, bei dem die Zukunft des Kaiserreichs auf dem Spiel steht.

Meinung:

Wie bereits im Leseeindruck beschrieben, führt Oliver Pötzsch direkt auf seinen ersten Seiten ein in die schmutzige, stinkende Welt der Henkersfamilie Kuisl, die aber schöner beschrieben nicht sein könnte! Ohne etwas zu beschönigen geht es in die Stadt Regensburg, mit ihren finsteren Ecken, ihren Bettlern und durchtriebenen Stadtführern.

Die Handlung baute sich schön auf, und auch wenn es Hinweise zur Verschwörung und den Tätern gab, war ich doch immer nur genauso schlau wie Magdalena und ihr Vater. Das Ende kam sehr überraschend, mit Personen, die ich ganz anders eingeordnet hätte.

Eric, Magdalena und Jakob waren immer sehr authentisch beschrieben, ihre Sichtweisen einleuchtend und das Vorgehen menschlich.

Erst ganz am Ende erklärt sich auch die Anfangsszene, die einen tollen Prolog darstellte.

Oliver Pötzsch hat seinem Buch einen historischen Stadtführer von Regensburg angefügt, was seiner Detailverliebtheit nur noch mehr Gewicht gibt.

Das Buch „Die Henkerstochter und der König der Bettler“ ist ein lebendiges und gut recherchiertes Buch, das auch ohne Kenntnis der ersten beiden Bände sehr schön zu lesen ist.

Insgesamt hat mir das Buch wirklich sehr gut gefallen, und es erfüllt mich mit Vorfreude, dass ich noch zwei weitere Bücher über die Familie Kuisl lesen kann!

Mehr über die Henkerstochter und ihren Erfinder könnt ihr hier nachlesen.

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[Rezension] Der Minnesänger



Der Minnesänger – Tim Pieper

Historischer Roman

Heyne Verlag

477 Seiten, Taschenbuch

Inhalt:

Schon in seiner Kindheit war die beste Freundin Hartmanns von Aue die hübsche Judith. Da Hartmann aber nur der zweitgeborene Sohn war, schickten seine Eltern ihn in eine Klosterschule, damit er dennoch eine Lebenschance neben dem Bauerndasein hatte. Als er endlich zurückkehren kann, muss er feststellen, dass seine Jugendliebe mit dem freien Bauern August verheiratet ist. Nach und nach finden aber beide heraus, dass der andere die Liebe ihres Lebens ist.

Doch bis sie endlich glücklich sein können, steht noch ein weiter Weg bevor, der sie über Jerusalem, den Kerker, und viele weitere Schwierigkeiten führt.

Meinung:

Das Buch „Der Minnesänger“ fing zunächst sehr gut an. Die Kindheit Hartmanns wurde zwar nicht so sehr beschrieben, da es zunächst aus Sicht seines Vaters geschrieben wurde, dennoch kamen sehr schöne Bilder vom Dorf und den Kampfschauplätzen auf. Nach und nach ließen die Beschreibungen jedoch nach. Die Szenen wurden leider immer kürzer, und ich hatte zunehmend das Gefühl, teilweise das Skript eines Filmes zu lesen. Immer wieder brach das Kapitel an einer „spannenden“ Stelle ab, um dann einen Sprung zum nächsten Kapitel zu machen, wo es leider ohne deutlichen Zusammenhang zum vorherigen Geschehen weiterging. Diese kurzen Szenen waren zunächst nicht störend, zerstörten aber zunehmend den Lesefluss.

Leider konnte das Buch damit auch keine besondere Stimmung aufbauen, auch wenn Tim Pieper sich sichtlich Mühe gegeben hat, die Minnekunst von Hartmann von Aue einzufangen und darzustellen. Einzige die Liebe zur Musik und die Loyalität zum Herzog können beim Lesen nachvollzogen werden, bei den meisten Figuren fehlt aber die Tiefe, und es lesen sich Klischees über die gute Jungfrau, den bösen Dorffiesling, und den träumerischen Musiker heraus.

Die angekündigte „stürmisch-romantische Mittelaltersaga“ enttäuschte mich.

Dieses Buch wurde gelesen für den Rezensionswettbewerb von Herzgedanken.

Vielen Dank an Rici für die Organisation des Wettbewerbs und den Heyne-Verlag für die Bereitstellung des Exemplares!

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[Leseeindruck] Die Henkerstochter

Teil 3 der Henkerstochter-Serie

Die Henkerstochter und der König der Bettler – Oliver Pötzsch

ca. 450 Seiten, € 9,95 (D)

Der Schongauer Henker Jakob Kuisl ist in eine Falle getappt: Bei einem Besuch in Regensburg findet er seine Schwester und den Schwager tot in der Badestube.
Die Stadtwache verhaftet ihn als Verdächtigen und wirft ihn in den Kerker. Nun drohen ihm, dem Henker, selbst Folter und Hinrichtung. Fieberhaft suchen seine Tochter Magdalena und der Medicus Simon Fronwieser nach dem wahren Täter und stoßen dabei auf ein Komplott, bei dem die Zukunft des Kaiserreichs auf dem Spiel steht.
Ullstein Taschenbuch Verlag

Erscheint am 13. August 2010

Eindruck:
November 1673, Dreißigjähriger Krieg. Ein kleiner Reitertrupp hat sich vom Heer entfernt und plündert auf eigene Faust und eigentlich verbotenerweise umliegende Bauerndörfer. Grausam und ohne jegliche Gnade morden sie unter den Bauern, verbrennen die Hütten und vergiften den Brunnen. Zum krönenden Abschluss spielen die Söldner sogar um eine junge Bäuerin.
Bereits der Prolog lässt eine super geschilderte Erzählung vermuten, und auch auf den nächsten Seiten der Hauptgeschichte, 25 Jahre nach dem Bauerndorfüberfall im Prolog, fesselt die Geschichte den Leser. Durch den umgangssprachlichen Ton der Hauptfigur Jakob Kuisl ist das Leseerlebnis sehr nah, und der Henker aus Schongau wird bereits auf den ersten Seiten dem Leser sehr sympathisch.
Oliver Pötzsch hat einen flüssigen, leicht lesbaren Stil, der einen sehr tief in die Geschichte mit hinein nimmt.
Die wenigen Seiten der Leseprobe reichen aus, die Neugierde zu schüren und nach dem gesamten Buch zu verlangen.

Leseprobe von vorablesen.de/historead

Hier werden auch die ersten beiden Teile der Henkerstochter-Serie vorgestellt:
http://www.oliver-poetzsch.de/bucher.php