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[Rezension] Erbarmungslos

Erbarmungslos – Mark Henshaw
Goldmann
Taschenbuch, Februar 2014
448 Seiten

9,99 €

Nach einem misslungenen Treffen in Venezuela wird die Agentin Kyra Stryker aus dem Außendienst in die Rote Zelle zu Jonathan Burke versetzt. Dort soll sie eigentlich eine Zeit lang von der Bildfläche verschwinden. Doch als kurz darauf ein chinesischer Spion enttarnt wird und aus dem Land geholt werden soll, bietet sich Kyra an, das zu erledigen.
Doch während Pioneer, der chinesische Spion, um sein Leben bangt, gehen in der Welt noch ganz andere Sachen vor: China will die Insel Taiwan angreifen. Amerika macht sich bereit, im Falle eines größeren Krieges einzugreifen…

Von „Erbarmungslos“ habe ich eine Menge erwartet. Letztes Jahr, als die Vorschau kam, habe ich mir das Buch vormerken lassen und war dann ganz gespannt, als es endlich im Briefkasten lag.
Ich bin kein Thrillerexperte – aus meinen Statistiken wisst ihr, dass ich höchstes Jugendthriller lese und dann schon fast einem Herzkasper erliege – und die Beschreibung klang so spannend, dass ich das Buch am liebsten wieder zurückgegeben hätte.

Der Anfang war super zu lesen. Es werden nacheinander drei Orte beschrieben, an denen etwas heftiges, actionreiches passiert, man lernt drei Figuren kennen und es kribbelt beim Lesen ordentlich vor Spannung. Und dann? Kyra Stryker, eine der Hauptfiguren, wird bei der CIA zu einem Analysten versetzt. Ab da wurde es theoretisch und für mich nur schwer lesenswert.

Von mir gibt es also Punktabzug: für die mangelhafte Beschreibung durch den Titel und den Klappentext, das allerdings nur Goldmann anzukreiden ist. Die originale Beschriebung ist etwas detaillierter und nicht so um Spannung heischend. Man wird im Original besser darauf vorbereitet, worum es im Buch geht.
Unter dem Titel „Erbarmungslos“ habe ich im Zusammenhang mit dem Klappentext mehr Action, Folter und vor allem Drohungen erwartet. Dass China eine kleine Insel angreift und dann die Reaktionen abwartet, nenne ich nicht „Erbarmungslos“. Höchstens, dass der eine Flugzeugträger zerstört wurde, aber das war nur ein kleiner Teil…

Dann ziehe ich einen Stern ab für die vielen theoretischen Ausarbeitungen. Klar, um die Spannung zu erhöhen muss man Details kennen. Aber welche Person nun mit welcher befreundet, mal ein Intermezzo oder eine Feindschaft hatte, ist nur bis zu einem gewissen Punkt lesbar.

Und ein weitere Stern geht ab für die fehlende Spannung. Es werden zwar Spaziergänge in Peking beschrieben, bei denen Amerikaner oder Pioneer verfolgt werden, das geht aber irgendwie immer gut aus und ist dadurch nach dem zweiten Mal ermüdend. Die Befreiungsaktion durch Kyra ist viel zu schnell vorbei und keinesfalls spannend oder actionreich. Im Gegenteil.
Und einen Großteil des Buches habe ich mich gefragt, worauf die Geschichte eigentlich rauswill. Die angekündigte Befreiungsaktion wird nämlich angedeutet, geplant und vorbereitet und dann geht es ganz schnell. Aber sonst habe ich mich echt gefragt, was alles soll – das dauert wirklich fast 350 Seiten, bis es den Aha- Moment gibt.

Es bleiben zwei Stern übrig. Einen weiteren muss ich wegnehmen, weil ein Buch, dass über 350 Seiten seiner insgesamt 400 fassenden Seiten braucht, um dann endlich mal interessant und spannend zu werden, kann ich nicht mit zwei Sternen bewerten.

Ehrlich gesagt: Leseeindrücke sind immer subjektiv. Das Thema klang für mich total spannend und ich bin schwer enttäuscht. Vielleicht trifft die Geschichte jemand anderes Geschmack auf den Punkt, für mich war es keine Freude das Buch zu beenden und ich werde die weiteren Teile des Autors erstmal abwarten.
Ihr wisst, ich suche mir sonst fast immer nur Bücher raus, die mir sehr gut gefallen, aber manchmal mache auch ich einen Fehlgriff…

☆☆☆☆
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[Rezension] Artikel 5

Artikel 5 – Kristen Simmons
ivi im Piper Verlag
Klappenbroschur, 2013
430 Seiten

16,99

Mit den neuen Statuten ist alles anders. Das erlebt Ember am eigenen Leib, als sie von ihrer Mutter getrennt wird. Denn Embers Mutter ist alleinerziehend – ein Verstoß gegen die Regeln! Laut Artikel 5 besteht eine Familie aus Mann und Frau, mit mindestens einem Kind.
Ember wird in ein Heim gebracht, in welchem den Mädchen mit strengsten Methoden Zucht und Ordnung beigebracht werden soll. Aber Ember muss ihre Mutter finden, und sie bekommt unerwartete Hilfe durch ihren damaligen Freund und heutigen Soldat Chase.
Doch ist Chase Soldat oder Freund? Kann Ember ihm vertrauen? Und wo ist ihre Mutter?

Artikel 5″ ist eine Dystopie, wie wir sie kennen. Alles ging den Bach runter, es gibt eine neue Regierung und neue, strengere und vor allem kontrollierendere Regeln. Der Anfang erinnerte mich ein wenig an „Die Bestimmung“, aber der Verlauf der Geschichte war dann doch ganz anders.
Die Idee der neuen Regierung, der Artikel und der Durchsetzungsart der neuen Gesetze war spannend mitzuverfolgen. Durch Embers Perspektive erlebt der Leser die neue Welt.

In Rückblicken erfährt man auch die Geschichte von Ember und Chase. Chase hat sich verändert, doch Ember will das nicht wahrhaben.

Ein wirklich gravierender und für mich damit niederschmetternder Grund war, dass ich Ember nicht mochte. Sie handelte für mich naiv, zu impulsiv und absolut unverständlich. Sie verbringt mehrere Tage mit Chase und kann ihn dennoch nicht verstehen. Was für mich aus IHRER Sichtweise offensichtlich war, kam ihr nicht in den Sinn – und ständig heulte sie, wollte weglaufen, verstand die Welt nicht mehr und überhaupt.
Teilweise war das nachvollziehbar, aber manchmal wollte ich einfach wegblättern und dieses kindliche Gehabe überlesen.
Zum einen hat sie alleine mit ihrer selbstbewussten Mutter gelebt und deren prügelnde Männer vertrieben, zum anderen war es für sie zu viel, mal mutig in einem Auto zu sein?

Leider hat ein Großteil des Lesens diese Abschnitte ausgemacht, sodass ich mich bestimmt die Hälfte des Buches über geärgert habe. Wiedergutgemacht wurde das allerdings durch das Setting, die vielen Details der Rahmengeschichten, die Überlegungen zu den Aufständischen und die anderen Figuren. Vor allem Chase hatte es mir angetan. Denn er handelte verständlich und konsequent (Alle anderen Menschen außer Ember = Feind).

Artikel fünf“ ist ein Buch voller Überraschungen, realistischem Endzeitszenario und einer interessanten Welt. Trotz der für mich mangelhaften Figur Ember vergebe ich vier von fünf Sternen. Bei den Fortsetzungen warte ich auf die ersten Kritiken, dann lese ich vielleicht auch weiter.

★★★★☆

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[Rezension] Feindkontakt – Republic Commando 01

Star Wars Republic Commando 01 
Feindkontakt – Karen Traviss
Panini Books
Taschenbuch, 4. Auflage 2005
331 Seiten
Aus dem Englischen von Jan Dinter

9,95 €

Zu etwas Höherem geboren, extrem ausdauernd und brutal trainiert, und doch ersetzbar. Das sind die Clonetrooper der Republik. Gezüchtet um im Krieg für eine Welt zu sterben, die sie nicht einmal kennen lernen dürfen.
Nach ihrem allerersten realen Einsatz auf Geonosis mit Einbruch der Klonkriege kommen Darman, Fi, Niner und Atin in einem neuen Schwadron zusammen. Bisher hatten sie jeweils vier eigene Schwadrone, doch bei allen gab es drei Verluste. Alle vier sind die einzigen Überlebenden.
Ihr gemeinsamer Einsatzort ist Qiilura, auf dem eine Wissenschaftlerin einen geheimen Virus speziell gegen die Klone herstellen will. Beschützt wird sie durch den Mandalorianer Hokan, der nicht nur skrupellos sondern auch sehr gerissen ist.

Unterstützung finden das Omega Squad in der Padawan Etain Tur-Mukan, die Pläne von den Gebäuden hat. Zuerst trifft sie auf Darman, der bei der Bruchlandung auf dem Planeten von seinen Brüdern getrennt wurde. Zu zweit versuchen sie, die anderen Männer wiederzufinden. Aber sie dürfen weder über Comms Hilfe rufen noch auf die Hilfe der Einheimischen vertrauen. Denn jeder verrät hier jeden…

Zum dritten Mal nun habe ich mein zerfleddertes (Schäm dich, Vergangenheits-Ich!) Exemplar von Republic Commando gelesen. Bereits in diesem Artikel über Liebesgeschichten habe ich das Buch und meine daraus resultierenden Fanfictions erwähnt. „Feindkontakt“ ist allerdings nur der Anfang, und Karen Traviss ist eher dafür bekannt, militärische Stimmung einzufangen.

Nach und nach lernen wir alle sechs Hauptcharaktäre kennen, wie sie in die Situationen hineingeraten und wie sie denken. Darman, Fi, Niner und Atin sind Soldaten, die als einzige überlebt haben. Sie machen sich permanent Gedanken um Vergänglichkeit, Skrupellosigkeit und Krieg. Etain dagegen ist zunächst hilflos und vor allem schutzlos, sie weiß nicht, wem sie vertrauen kann. Schon im ersten Band dagegen macht sie eine große Entwicklung durch.
Hokan, der Gegenspieler, ist der nützliche Teil um auch die andere Seite zu sehen. Sonst wäre die einseitige Schreibweise etwas fad – Traviss lässt uns in seine Pläne, Denkweise und Vorstellungen hineinschauen.

Bildquelle

Dieser Wechsel der Perspektiven ist aber nicht anstrengend. Man sieht auf alle hinab, und huscht kurz in den Kopf eines Einzelnen, das war sehr angenehm. Die Schreibweise ist sehr locker und interessant, und in der deutschen Übersetzung ist es auch mit den militärischen Begriffen nicht so schwer (auf Englisch leider schon eher).

Das Buch habe ich nach der Lektüre eines anderen Klonkriegsromans gekauft. Und ich hatte das Spiel gespielt. Die Klonkrieger haben es mir definitiv seit Star Wars Episode II angetan – was lag also näher, als die Bücher dazu zu lesen? Das sogenannte Expanded Universe bietet eine Fülle an weiteren Geschichten.

„Feindkontakt“ ist ein Teil des EU (wie es in Fachkreisen heißt), die Art, wie Karen Traviss ihre Klone denken lässt. Der erste Roman hat mich sehr überzeugt – und ich freue mich schon auf Band 2,3,4 und die Imperialen Fortsetzungen – im Frühjahr wird es endlich doch noch einen weiteren Band geben! (Bei Band 5 dazu mehr).

Übrigens hat das Buch bei Amazon 26 von 30 5-Sterne-Rezensionen (bald 27 von 31 ^^). Nicht umsonst ist es wohl schon in der vierten Auflage.
Ein Rezensent schreibt (2005), dass der Übersetzer scheinbar Probleme mit der Kommasetzung gehabt hat. Das war wirklich wirklich nervig, und ich hoffe, in den Folgebänden ist das nicht mehr so. Seltsam gespaltene Sätze sind für meine Korrektorenaugen echt anstrengend.

Nichtsdestotrotz habe ich dieses Buch wieder verschlungen und bin mir sicher, dass ich es auch ein viertes Mal lesen würde. Dafür müssen aber nicht wieder 6 Jahre vergehen 🙂
Volle Punktzahl für den Auftakt zu den Republic Commando-Romanen und dem Glücksgriff zur Autorin Karen Traviss.

Folgebände:
Republic Commando 02: Triple Zero
Republic Commando 03: True Colours
Republic Commando 04: Order 66
Imperial Commando 01: Die 501st. 
Sowie weitere Romane der Autorin