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[Rezension] Diskobushaltestellenhierarchie

Diskobushaltestellenhierarchie – Erik Brandt-Höge
Knaur
Taschenbuch, 2014
ISBN 978-3-42642287-8
304 Seiten

10,99 €

Vom Land in die Stadt – nicht wenig Jugendliche wollen endlich aus dem öden Kaff und in ein richtiges Leben. So auch Hannes, der endlich aus seinem Kuhdorf nach Berlin will. Sein bester Freund Arndt kann das nicht nachvollziehen, aber Hannes muss raus. Die Wohnung ist nicht besonders hübsch, und das Zivi-Jahr im Kindergarten wird auch kein tolles Leben, aber es ist besser als im Kaff abzuhängen.

 Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag direkt zugeschickt. Passend gab es eine Lesung vom Autor in Hannover, zu der ich es aber leider nicht geschafft habe – schade, ich hätte den Kopf hinter der Geschichte gerne kennen gelernt. Aber ich finde es unfair, bei einer Lesung das Buch gar nicht zu kennen.
Jetzt durfte mich das Buch zwei Arbeitstage auf dem Weg zur Arbeit und zurück begleiten und hat mich leider nur mittelmäßig begeistert.
Hannes weiß nicht, was er mit seinem Leben anfangen soll, nach der Schule. Statt den Zivildienst zu nutzen, um Berlin kennen zu lernen, besäuft er sich ständig und kommt immer zu spät. Keine Einstellung, wie ich sie mag.

Wie der Autor das Landleben beschreibt, fand ich noch am besten. Das war authentisch und wirklich gut lesbar. Das brachte mich zum Schmunzeln und ich habe die Szenen gerne gelesen. Vor allem mit Leenke mochte ich das, obwohl Hannes und Leenke für mich überhaupt nicht zueinander gepasst haben.

Sehr gut nachvollziehen konnte ich die Einsamkeit von Hannes. Ich bin selbst in eine Stadt weit weg von zuhause gezogen, und dort war es mit den Freunden alles andere als leicht. Dass Hannes sich dann mit dem Imbissbudenbesitzer anfreundet fand ich witzig – und traurig.

Die Schreibweise des Autors war bei diesem kurzen Buch eher schlicht. Die Sätze sind typisch männlich und Gedanken werden nicht sehr weit getragen. Die Sprünge sind recht groß, und die Sprüche derb. Es las sich aber gut.

Insgesamt hat mich das Buch mit der Story aber nicht so richtig überzeugt. Bei Amazon schreibt ein Rezensent, dass Hannes nach den Zivi nichts gelernt hat – empfand ich auch so. Und dann die Sache mit der Zeitung war mir irgendwie zu viel, zu unrealistisch. Klar, es ist nur eine Geschichte, aber insgesamt nahm die Handlung dadurch so eine krasse Wende, die aber meiner Meinung nach nicht konsequent weitergesponnen wurde, dass ich nicht gerne weitergelesen habe.
Daraus ergeben sich bei mir drei Sterne, für die Schreibweise, die Einsamkeit und das Landleben. Der Handlungsturn zieht leider zwei Sterne von fünfen ab.

★★★☆☆

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[Rezension] Studium emotionale

Uni-Sex: Studium emotionale – Lina Barold
eRiginals Feeling
E-Book, 2014
ISBN: 978-3-426-43300-3
ca. 470 Seiten (nach Amazon)

4,99 €

Die Germanistikstudentin Sira steht kurz vor ihrer Masterarbeit. Und zu ihrem letzten Semester soll auch noch ein renommierter Goethe-Professor dozieren – wer könnte besser ihre Arbeit über ihren Lieblingsdichter betreuen?
Doch das Semester beginnt mit einem Schrecken: Der angekündigte Dozent kommt nicht, stattdessen ein verstockter, aber sehr attraktiver Dozent: Silvan Heinrich von Lengenfeld. Während Siras Freundin Vika sofort ein neues Opfer für ihre kurzweiligen Affären sieht, will Sira das Beste aus der Situation machen und ihm ihre Masterarbeit zur Betreuung vorlegen.
Gemeinsam mit Freundin Ama kann sie kaum ertragen, wie sich Vika dem neuen Dozenten an den Hals wirft, obwohl er offensichtlich nichts von ihr will. Stattdessen zeigt er unter vier Augen deutlich körperliches Interesse an Sira…

Studium emotionale“ ist ein Buch über ein Verhältnis zwischen Dozent und Studentin. Es liest sich zunächst ganz gut, und die erste Sex-Szene kommt etwas überraschend. Dadurch erfährt man aber viel über Siras Verhältnis zu ihrem Freund Daniel.

Sira ist eine Musterstudentin. Sie lernt viel, bereitet sich gewissenhaft vor und arbeitet zielstrebig auf ihre Masterarbeit hin. Ihre Ansichten zur Uni sind gut lesbar, man erkennt auch deutlich die Affinitäten zu Goethe und seinem Umfeld. Szenen aus den Seminaren werden nur oberflächlich angerissen, es sei denn es geht um die Stunden bei Lengenfeld. Dann wird diskutiert und konkreter Inhalt vorgestellt. Für diese Stunden, besonders zu Anfang als Silvan und Sira sich kennen lernen, wird viel Platz genutzt. Dennoch war es nicht Uni-Niveau, sondern auch für Nicht-Goethe-Kenner gut lesbar (ich weiß, um welche Werke es ging, habe mich aber nie so intensiv damit beschäftigt wie die Figuren im Buch es scheinbar taten).

Der Dozent Silvan ist natürlich die graue Schemengestalt. Man weiß überhaupt nicht, wie man ihn einschätzen soll. Die Geschichte ist komplett aus Siras Sicht geschrieben, wodurch man auch nicht mehr erfährt als sie.

Die Freundinnen Vika und Ama kommen relativ kurz, es geht natürlich viel um Sira und Silvan. Dennoch erfährt man besonders durch die Szenen in der Mensa, was in deren Leben vorgeht. Das wird immer in Verhältnis zu Sira gesetzt, sie denkt viel über Parallelen nach (zum Beispiel bei Ama und ihrem fast-Freund Jonas) und nimmt die Gespräche mit nach Hause.
Daniel ist, wie wahrscheinlich gewollt, nicht so der Hit, ich fand ihn aber weder doof noch spektakulär.

Da das Buch ein Emotionsroman, genauer gesagt ein Roman über Uni-Sex sein sollte, war ich teilweise sehr überrascht, wie wenig Sex eigentlich vorkam. Ich habe nach dem Titel deutlich mehr erwartet. Die Sex-Szenen mit Silvan sind eigentlich auch sehr prickelnd, aber meistens viel zu kurz. Als Sira ein Wochenende bei ihm verbringen durfte haben sie nur ein- oder zweimal Sex (das weiß ich sogar gar nicht mehr genau, weil so viel Beschreibung drumherum war). Wenn ein Mann auf eine Frau scharf ist, will er ihr dann nicht zumindest an so einem heimlichen Wochenende permanent an die Wäsche? Bei dem Ausflugswochenende habe ich es verstanden, weil die beiden nicht ständig auf ihr Zimmer verschwinden konnten. Aber sonst? Ehrlich gesagt habe ich mich irgendwann bei ca. 60% gefragt, wo das ganze hinführen soll. Sira wird sich über einige Lebensdinge klar, aber was hat das mit Uni-Sex zu tun? Vielleicht wäre es dann doch besser gewesen, weiter über Sira und Daniel zu schreiben, denn das hätte einen weiteren Sex-Charakter bedeutet…

Abgesehen von den wenigen Sex-Szenen hat mich die Beschreibung sehr beeindruckt. Das ist mir immer wieder aufgefallen. Nicht nur das Drumherum um Sira und die Uni und ihre Freundinnen, sondern auch die Wahl der Worte in den Sex-Szenen war sehr gelungen. Man kennt ja so erotische Übersetzungen, die eher vulgär und seltsam sind (das fängt an bei Titten und Ständer z.B., oder „sein aufgerichteter Turm“, „ihr feuchter Schatz“, etc.), hier waren die Szenen sehr stilvoll und vor allem anregend geschrieben, fand ich. Genau wie auch Silvan und Sira vom Typ her zu sein scheinen, wurde nicht wahllos und hemmungslos gevögelt sondern eher „Liebe gemacht“. Auch wie gesagt, auch die anderen Szenen (ohne nackte Körper) waren wirklich gut beschrieben. An manchen Stellen wäre aber vielleicht mehr Sex und weniger Uni schön gewesen 😉 Vielleicht ist der Titel auch nur zu spektakulär gewählt, denn ich finde, die Gesamthandlung des Buches könnte man mit einer anderen Erwartung genießen, wenn man nicht Uni-Sex erwarten würde…

Das Ende war unvorhersehbar und wirklich spektakulär. Für alle, die es bereits kennen (Achtung, Spoiler!): Ich habe mit einem positiven Ende gerechnet. Dass es sich so wendet, war mir wirklich ein Graus und ich habe sehr mit Sira gelitten. Als auch noch Schreiber zeigte, dass er mit drinhing, war für mich alles zuende.
Ich hoffe sehr, dass es einen Folgeband gibt, in dem wir Sira weiter begleiten können, weil es scheinbar noch viel viel zu erleben gibt. Aber bei Amazon hat jemand geschrieben, dass dieses Ende auch ok wäre. Es ist offen, aber ich könnte auch damit leben.

Weil ich insgesamt sehr gut unterhalten wurde, zwar durch den Titel „Uni-Sex“ mehr Erotik erwartet habe aber nach einer Weile wusste, wie es zumindest mit den Sex-Szenen läuft, ziehe ich keinen Stern ab. Ich gebe volle Punktzahl, weil das Buch großartig geschrieben wurde. Die Goethe-Kenntnisse sind wunderbar, als ehemalige Germanistik-Studentin konnte ich mich gut einfühlen. Die Schreibweise hat ein hohes Niveau und die Geschichte ist gut durchdacht.

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[Rezension] Das Geheimnis der Maurin

Das Geheimnis der Maurin – Lea Korte
Knaur Verlag
Taschenbuch, Dezember 2012
573 Seiten

9,99 €

Teil 2 des historischen Epos‘ um die Maurin Zahra!

Ende des 15. Jahrhunderts: Die maurische Familie as-Sulami, mit Zahra und ihren Kindern, ihrem Geliebten Jaime und einigen Bediensteten, sind noch immer auf der Flucht. Weg von Granada, weg von den das Land übernehmenden Christen.
Doch sie kommen nicht weit, denn berittene Soldaten greifen die Gruppe an und verschleppen Zahras Tochter Chalida.
 
Den Fliehenden bleibt nicht anderes übrig, als nach Granada zurückzukehren. Die Situation soll sich dort entspannen, doch für die Mauren wird es nicht besser.
Während die Jahre vergehen, verändern sich nicht nur die Umstände, sondern auch Sichtweisen…

Lea Korte schafft es nicht nur, Bücher zu schreiben bei denen man gar nicht mehr aufhören kann, sondern auch wahnsinnig mitfiebert. Es gab duzend „OchnöOchnöOchnö!“-Momente – so viele, dass ich der Autorin zwischendurch wutentbrannt eine Nachricht bei Facebook schreiben musste und im Anschluss meinen Freund noch die halbe Nacht mit Gesprächen über Inquisition und blöde, aufregende Handlungen wachgehalten habe.
Also aufregende Handlungen im Sinne von „Hallo? Wie kann sie das der Figur jetzt antun? Ist die noch bei Sinnen? Das kann sie doch nicht machen?!“

„Das Geheimnis der Maurin“ beginnt mit einer kleinen Entführung, die sich zu einer großen Geschichte ausdehnt. Die as-Sulami-Familie wird dabei stets von mehreren Seiten bedroht: von den neuen katholischen Herrschern, alten Feinden und dem immerwährenden Streit der Religionen. War es zu Beginn der Liebe zwischen Zahra und Jaime kein Problem, dass sie unterschiedliche Götter anbeten, wissen die Kinder nicht immer, wem sie nun vertrauen sollen. Sie sind Muslime? Oder Christen? Wer ist Nichtgläubiger und was ist richtig?

Was geht nur in den Köpfen der Christen vor? Ihre Wissenschaft kann der unseren nicht das Wasser reichen, und dann wollen sie eine solche geballte Masse an Wissen verbrennen?“ (S. 308)

Christen (vor allem Katholiken) sind in der Geschichte teilweise nur furchtbar brutal und nervig, und als sie in der Handlung auch noch rücksichtlos und idiotisch versuchen, die Muslime zu unterdrücken, war ich einfach nur noch sauer.
Dass das auch noch ein historischer Roman ist, macht alles nur schlimmer – denn solche schrecklichen religiösen Vorfälle gab es ja wirklich!
Zu gerne hätte ich das Buch in die Ecke geworfen oder sogar drauf rumgetrampelt. Aber das hätte weder die Handlung noch die Geschichte geändert oder meinem Lesefluss gedient ^^

Interessanterweise habe ich alleine aufgrund des Namens der Autorin meine aktuelle Abneigung gegen fast alle historischen Romane abgelegt und mich auf das Buch gestürzt. Ja, zu Anfang war es etwas schwer, wieder in die Geschichte hineinzukommen, weil so viele arabische Begriffe und Namen fielen, die Familie außerdem sehr groß ist und die Geschichte ziemlich an den Vorgängerband anschließt.
Nicht zuletzt der tolle Schreibstil hat aber dazu geführt, dass ich das Buch dann einfach nicht mehr aus der Hand legen konnte.

Nachdem die beiden Männder sich gewaschen und Raschid, wie es die Sitte vorschrieb, sich den Mund ausgespült hatte, rief dieser die Familie zum Essen.“ (S.256)

Hin und wieder fand ich die muslimischen Sitten ein bisschen zu deutlich erklärt. Die Handlungen der Figuren in ihrer Tradition hätte ein bisschen selbstverständlicher ausgeführt werden können, aber das ist eben die Note der Autorin 😉

Man kann es gut finden oder nicht, aber ich fand Zahra sehr bockig. Natürlich habe ich ihren Standpunkt verstanden, und konnte durch die häufigen Gedanken von ihrer Seite und Ausführungen darüber auch ihre Gefühle nachvollziehen, aber ich hätte sie ein weniger nachgiebiger gemacht. Jaime ist ein toller Held, und er liegt seiner Frau zu füßen. Nicht mal nach der Zwangstaufe möchte sie ihn heiraten, obwohl das vieles vereinfachen würde – nein, Zahra tritt mit Händen und Füßen seine Versuche, es für sie und die Familie sicherer zu machen. Stattdessen wird sie krank und weißt einfach alles von sich.

Umrahmt wird das Buch wie auch beim letzten Mal mit einer Personenliste zu Beginn (zum Glück ohne Sterbedaten) und einem Glossar, sowie Karten und einem Stammbaum im Anhang.

Was könnte ich anderes, als dem Buch ebenfalls 5 Sterne zu geben? Ein großartiger historischer Roman, der die Geschichte der Mauren vertieft, anschaulich wiedergibt und sehr lesenswert ist.
Lea, bitte schreib noch mehr über die maurische Familie!

Weitere Bücher der Autorin:
– Die Nonne mit dem Schwert (Rezension)
– Die Maurin (Rezension)
– Sommernacht auf Mallorca (Rezension)

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[Rezension] Sex and the Kitty


Sex and the Kitty – Nancy the Cat
Knaur Taschenbuch
Januar 2012
256 Seiten

9,99 €

Die Tage können so EINTÖNIG sein, wenn man eine Katze ist. Schlafen, Fressen, Putzen, Vögel jagen, die Nachbarschaft besuchen… Nancy, das kleine schwarze Kätzchen, weiß, sie ist zu Höherem berufen!
Also stromert sie durch die örtlichen Pubs, schaut sich viele Häuser (und auch Autos) von Innen an, aber wird nicht mehr als eine kleine lokale Berühmtheit.
Irgendwie muss man doch berühmt werden!
Also macht sich Nancy auf, verschiedene Talente auszuprobieren. Doch bei einer Katzenschau wird sie missachtet, ihr Schauspieltalent endet im blutigen Massaker und eine Gesangseinlage führt zu Beschwerde von den Nachbarn.
Was macht Katze dann? Richtig – sie sucht sich eine Agentin. Doch ob damit das Glück gefunden ist…

Sex and the Kitty“ ist mal ein etwas anderer Roman. Geschrieben aus der Sicht von Nancy selber  erfährt der Leser von Geburt an alles mit. Eine Autobiografie bis zum Jetzt-Zeitpunkt sozusagen.
Leider muss ich sagen, war das teilweise weniger erheiternd. Nancy schreibt locker und versucht witzig zu sein, aber oft konnte ich mich einfach nicht zurecht finden. Ich kenne einige Katzen, jahrelang haben wir oft die Nachbarskatze gehütet, aber mittlerweile bin ich wohl zu sehr beim Hund. Ziemlich oft war ich nämlich sehr dankbar, keine so abenteuerlustige Katze zu haben…

Die Abenteuer, die Nancy erlebt, klingen glaubwürdig. Sicher ist an manchen Stellen etwas geschummelt worden (keine Katze kann Fahrpläne UND die Uhr lesen), aber Katzen haben bekanntermaßen schon so manche sehr intelligente Idee gehabt. Warum dann nicht auch der Besuch bei einer Schönheitsschau? Oder die Teilnahme an einem Theaterstück?
Irgendwie kam mir Nancy dann doch mehr vor wie ein Hund. Oder eine Hundkatze. Sie hörte aufs Wort, ließ sich nicht unterkriegen und versteht Befehle (kennt jemand Catdog, die Serie?).

Den im Buch beschriebenen Katzenblog gibt es übrigens wirklich. Anders als im Buch beschrieben scheint sich Nancy im „realen Leben“ aber etwas zurückgezogen zu haben. Die Facebook Homepage scheint etwas zu ruhen, ebenso wie das Blog.

Für dieses etwas skurrile Buch mit der schrägen aber irgendwie doch nicht ganz so neuen Idee vergebe ich drei Sterne. Hundebücher sind mir doch lieber (zum Beispiel Herkules).

Übrigens finde ich das Originalcover viel viel toller!

1

[Rezension] Silberlicht

Silberlicht – Laura Whitcomb
März 2011
Übersetzt von Sabine Thile.
Pan Verlag
Gebundene Ausgabe
 320 Seiten

14,99 €
(TB 8,99 €, 1. Juni 2012

Eines Tages war Helen tot. Wie genau das passiert ist, weiß sie nicht mehr. Nur irgendwas hält sie in einer Hölle aus kaltem, schlammigen Wasser fest.
Bis sie eine klare, wunderschöne Stimme hört, an der sie sich festklammern kann.
Und seit diesem Tag spukt die tote Helen als unsichtbarer Geis an der Seite von Poeten. Zuerst bei einer Frau, dann bei mehreren Männern.
Zuletzt begleitet Helen Mr. Brown, der an einer Schule Englisch unterrichtet. Und dann geschieht das Unfassbare: Ein junger Mann lächelt Helen an!

Helen ist außer sich. Keiner kann sie sehen! Wie konnte der Junge sie ansehen? Das musste Zufall sein!
Doch James, der junge Mann, ist kein Zufall. Er ist eine spukende Seele, wie Helen, der sich einen Menschenkörper genommen hat.

Zwischen ihnen entbrennt die Liebe, und Helen wünscht sich nicht sehnlicher, als ihren James berühren zu können. Dafür muss sie sich ebenfalls einen Körper suchen.
Das Mädchen, in dessen Leben Helen sich schließlich einklinkt, ist jedoch nicht ohne Grund so willensschwach geworden…

Silberlich“ besticht in allererster Linie mit dem Cover. Obwohl es Silberlicht heißt, überwiegt ein goldener Schimmer. Die leicht raue Oberfläche fühlt sich ganz verzaubert an, und im Leselampenlicht schimmert der Umschlag verführerisch. Die Ornamente in Gold lassen den Frauenkopf (den ich erst jetzt sehe ^^) im Hintergrund durchscheinend und unwirklich glänzen.
Genau wie der Umschlag ist auch die Geschichte. Federleicht, glänzend und verschlungen flog der Inhalt vor meinen Augen nur so dahin. Ich kenne die Geschichte in der Originalsprache nicht – deswegen hat die Übersetzerin hier für mich ganze Arbeit geleistet! So wunderbar flüssig und verträumt geschrieben war das Buch sehr angenehm zu lesen.

Helen erzählt aus ihrer Perspektive, und man weiß nur soviel wie sie weiß. Dass sie rückblickend erzählt, lassen einige Kommentare wie „das hätte ich besser nicht getan“ erahnen.

Die Familien, in die James und Helen hineingeraten sind offensichtlich sehr liebevoll gestaltet (bzw.fies ^^). Laura Whitcomb muss sich etwas überlegt haben, dass die verschreckte, unter Höllenqualen leidende Helen ausgerechnet in einer streng christlichen Familie landet.
Die Abschlussszenen, die die letzten Minuten des jungen Pärchens zeigen, ist sehr schön geschrieben.

Obwohl ich im Großen und Ganzen sehr zufrieden mit dem Buch war, störte mich ein wenig die Oberflächlichkeit. Helen und James treffen sich und ZACK lieben sie sich. Wahre Liebe hin oder her, an dieser Stelle ging es mir zu schnell. Auch nölt Helen ziemlich viel rum, und hat ihr Leben herzlich wenig im Griff.
Im Vergleich mit der „Mercy“-Reihe von Rebecca Lim, die ich gerade gelesen habe, schwächelt „Silberlicht“ für mich, deswegen gibt es nur vier von fünf Sternen.

★★☆
2

[Rezension] Das geheime Leben der Bücher

Das geheime Leben der Bücher – Régis de Sá Moreira
Taschenbuch Knaur.
176 Seiten
Dezember 2009
 
Der Buchhändler und seine Bücher. Gemeinsam wohnen sie in der Buchhandlung, hin und wieder kommt ein Kunde, nimmt ein Buch mit, aber der Buchhändler ist immer da.
Und die Buchhandlung ist immer geöffnet. Essen braucht der Buchhändler nicht, denn er lebt vom Lesen und Kräutertee.
Liebevoll hütet er seine Bücher, ordnet sie, liest aus ihnen vor, stellt sie um, und hin und wieder reißt er eine Seite aus einem, legt es dann in seine Wohnung oberhalb der Buchhandlung, und schickt die eine Seite dann an eins seiner 10 Geschwister. Diese sind in der ganzen Welt verteilt, und antworten mit einem Brief.
Dieses Buch habe ich nach der Rezension eines anderen Blogs gekauft, und ich muss ehrlich sagen, dass ich ein wenig mehr erwartet habe – wenn ich auch trotzdem nicht enttäuscht bin.
„Das geheime Leben der Bücher“ ist eigentlich kein Buch über das geheime Leben, vielmehr ein Buch über die Liebe zu ihnen.
Der Buchhändler ist fast zu belächeln, so personifiziert er seine Schätze, baut eine Bindung zu ihnen auf und preist ihren Wert an, er tut es aber mit einer solchen Hingabe und Zuversicht, dass es einfach nur schön und besonders ankommt.
Einige Szenen sind leider unverständlich – allen voran der Pro- und Epilog, und es wird sich nicht vermeiden lassen, das Buch erneut zu lesen (was mich persönlich ja nicht stört). Hierbei muss der Inhalt auch mit anderen Lesern besprochen werden, bevor er sich vollständig erschließt. Den anderen Lesern überlasse ich es aber selbst, ob sie das positiv oder negativ finden.

Für Bücherfans kann ich das Buch auf alle Fälle nur wärmstens empfehlen, denn es bestätigt unsere wundervolle Beziehung 🙂 Bücher müssen gelesen werden!

 
2

[Rezension] Wunschkonzert

Bevor ihr diese Rezension lest, unbedingt das Video anmachen 🙂

Wunschkonzert – Anne Hertz

Ersterscheinung 01.10.2011

Droemer Knaur
Taschenbuch

384 Seiten

14,99 €

In einer Hamburger Plattenfirma lebt Stella Wundermann eigentlich ein sehr gutes Leben. Sie hat ein gutes Gehör für neue Bands, ist zufrieden mit ihrer Arbeit und scheint nichts zu missen.
Bis zu dem Tag, als einer ihrer potentiellen Kunden mit ihr essen gehen möchte. Tim Lievers ist der Sänger der Band Reeperbahnjungs, die gerne in Stellas Firma unter Vertrag kommen möchte. Und Jan sieht auch noch verdammt gut aus – Stella ist nicht abgeneigt.
Doch ungelücklicherweise wurde ihre Firme gerade aufgekauft, ausgerechnet vom Konkurrenzunternehmen aus der Nachbarschaft. Und bis die Zukunft geklärt ist, dürfen keine neuen Verträge angeboten werden.
Zu allem Überfluss möchte der Chef seine beiden Teams auch noch näher zusammen bringen. In einem Seminar, mitten in der Lüneburger Heide. Stella sieht sich nicht nur mittem im Nirgendwo, sondern gerät auch in ein Liebeschaos der Extraklasse – denn das Seminar entpuppt sich zunehmend als Klassenfahrt…

Der neue Roman von Anne Hertz hat diesmal einen neuen Gipfel erklommen – gekonnt werden immer wieder Liedtexte von Jan Sievers eingebunden (die im Buch von Tim Lievers stammen sollen). Und diese Lieder sind bereits vertont, bieten also einen optimalen Lesesoundtrack – die Hörbuchfassung dieses Romans wird sicher ein besonderer Leckerbissen!
Wie gerne wäre ich bei der Lesung dabei!

Die Protagonistin Stella entwickelt sich auf sehr symphatische Weise. Wie bei Anne Hertz üblich, gibt es eine tolle Geschichte, und im Anschluss (und auf den letzten Seiten) ziehen die Figuren endlich ihre Schlüsse – auf sehr lesbare Weise.
Diesmal erfährt man relativ wenig über die anderen Figuren, es gibt leider viel zu wenig klärende Gespräche, wie das eben manchmal so im Leben ist – das Leben ist halt kein Wunschkonzert!

Auch in diesem Buch ist die Handlung und die Sprache sehr unterhaltsam und leicht zu lesen. Man stolpert an keiner Stelle, und für mich nahm die Geschichte ein sehr rundes Ende. Es war ein schönes Gefühl nach dem Lesen, dass ich gerne sofort in den nächsten Roman übertragen würde 😉

Die Nähe der Autorinnen zu ihren „Drehorten“ war wieder interessant. Wenn man selbst in Hamburg auf dem Pflaster flaniert, baut sich eine zusätzliche Nähe zu den Geschehnissen auf, und meiner Meinung nach sollten viel mehr Autoren ihren Heimvorteil nutzen!

Statt jetzt ganz viel zu schreiben, was ich noch alles ganz toll am Roman fand, schreibe ich nur: Kauft es selbst! Lest es selbst! Genießt es selbst!

Insgesamt finde ich den Roman sehr gelungen, und halte ihn für den besten Anne Hertz Roman bisher (und ich habe hiermit erst den 3. Band gelesen 😉 ).
Ich vergebe 5 Sterne für die Idee, das Lesevergnügen und als Motivation an die Autorinnen, bitte bitte noch mehr zu schreiben!

Ich bedanke mich herzlichst beim Verlag für das Rezensionsexemplar!

Und für alle Anne Hertz Fans, die diese Rezension jetzt lesen und dringend zur Lesung wollen:
SIE IST AM VIERTEN OKTOBER!!!
Also auf zur Prinzenbar, Katanienallee 20 in Hamburg – um 19.30 Uhr geht es los. Der Eintritt liegt bei simplen 12 Euro, dafür gibt es aber eine Show der Extraklasse 😉