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[Rezension] Löffelchenliebe

Löffelchenliebe – Julia Kaufhold
Page and Turner
Taschenbuch, Juli 2013
ISBN 978-3-44220425-0
286 Seiten

14,99 €

Anna ist 35 Jahre alt und wäre gerne Mutter. Zumindest denkt sie das, wenn sie ihre Singlenachbarin mit ihren Zwillingen sieht, oder die eigene Mutter mal wieder Salz in die Wunde streut, weil Anna ja nun auch nicht mehr viel Zeit bleibt.
Und andere Frauen haben in diesem Alter ja nun auch schon Kinder – aber wie soll man schwanger werden wenn noch nicht mal ein Mann in der Nähe ist? Nach drei sehr unangenehmen Dates will Anna eigentlich mal etwas anders machen… und trifft David, 25 Jahre alt, Student. Es ist Liebe auf den ersten Blick und endlich kann Anna wieder eine Beziehung genießen.
Doch das Ticken der Fruchtbarkeitsuhr wird lauter und lauter, und David macht nicht den Eindruck, als ob er sich auf Kinder einstellen könnte, schließlich ist er noch mit den in der Findungsphase. Anna will sich dem Thema vorsichtig nähern – aber ihre Mutter ist da weniger subtil. Und was Anna erfährt, stellt ihre Welt auf den Kopf. Wieso sollte es auch einfach sein?

Löffelchenliebe“ beginnt wie ein typischer Frauenroman. Frau Mitte 30 sucht Mann für Liebe und Kinder, Dates missraten und alles läuft katastrophal. Nach den ersten Seiten war ich zwar amüsiert, aber etwas enttäuscht, weil diese Art von Bücher irgendwie nicht meins sind. Dafür bin ich nicht in der Situation und möchte auch nicht stääääändig über diese Panik von Singelfrauen über 30 lesen, weil es mich nicht betrifft.
Aber weil Julia Kaufhold irgendwie ansprechend schrieb habe ich dem Buch eine Chance gegeben (und es ist mein Must-Read einer Challenge 😉 ).
Was dann kam, hat mich echt überrascht, denn das Buch verbirgt eine tolle Geschichte hinter dem ersten Eindruck.

Es geht zwar um die Suche nach einem Mann, der einem am besten sofort seinen Samen einsetzt damit die arme Frau mit dem fortgeschrittenen Alter endlich das Ticken verstummen lassen kann, aber Anna war nicht diese Frau, die alles für ein Baby tut. Bzw. doch, aber auf sehr charmante Art.

Als sie David kennen lernt, ist natürlich diese Situation, dass die Frau Zeit verliert und der Mann eigentlich noch viel viel mehr Zeit hat. Andersherum ist die Konstellation immer besser – weiß ich aus eigener Erfahrung ;).
David ist auch nicht nur typischer Student in einer WG sondern auch Aktivist mit verschiedenen politischen Meinungen. Anna mit ihrer zerrissenen Art war das genaue Gegenteil. Ich fand aber gut, dass sie sich nicht einfach angepasst hat, sondern ihren eigenen Weg gesucht hat.

Und genau das war es, was mir die Geschichte und die Figur Anna so ansprechend gemacht hat: Anna ist so hin- und hergerissen in ihrer kleinen Welt. Die Nachbarin liegt ihr in den Ohren mit dem Kinderwunsch, die beste Freundin rät zu dem Auf-das-Herz-hören und die Mutter drückt ordentlich auf die Wunde, damit Anna möglichst bald Enkelkinder produziert. Einige Überlegungen von Anna fand ich dann richtig sympathisch und absolut richtig. Dass sie auch versucht hat, sich selbst zu finden (obwohl sie sich gerne verkleidet) war absolut verständlich und hat eine wunderbare Geschichte daraus gemacht.

Das Buch habe ich in einem Rutsch verschlungen. Es zeigt Realität, keinen Kitsch und eine tolle Liebesgeschichte. Hamburg-Fans kommen ebenfalls auf ihre Kosten. Julia Kaufhold hat genau ins Schwarze getroffen und bekommt von mir volle Punktzahl für ein sehr lesenswertes Buch über das Leben, die eigenen Wünsche und die knallharte Realität, wunderbar eingefasst mit einer tollpatschigen aber liebeswerten Protagonistin.

★★★★★
1

[Interview] Alexander von Eisenhart Rothe


Vor einigen Tagen habe ich euch das Buch „Die Wunschmaschine“ rezensiert: LINK.
Nun hat mir der Autor freundlicherweise ein paar Fragen dazu beantwortet!
Alexander Rothe, geboren 1968, ist Autor, Regisseur und Cartoonist.
Mit vollständigem Namen heißt er „Alexander von Eisenhart Rothe“, was sich aber für Signaturen nur schwer eignet, weswegen er seinen Künstlernamen verkürzt hat.
Schon seit vielen Jahren arbeitet er als Cartoonist für den Bastei Lübbe Verlag – was lag also näher seine eigenen Comics in das Buch zu bringen?
Bevor Alexander Rothe richtiger Autor wurde, hat er bereits als Regisseur einige tolle Formate ins Fernsehen gebracht. Die aktuell laufende Sendung „Nicht Nachmachen“ (ZDF) oder die Serie „Pastewka in…“ (RTL) stammen aus seiner Feder.

Seit 2006 schreibt er zudem über seine verrücktesten Reiseerlebnisse eine Kollumne in der Berliner Zeitschrift „Das Magazin“.

Die nun auch in der „Wunschmaschine“ vorkommenden Länder hat Alexander Rothe selbst bereits, unter anderem für seine Dokumentationsreisen für Voxtours, Wolkenlos, etc.

Der Autor lebt heute in Ibiza mit seinen Hunden und vertreibt sich gerne seine Zeit bei Facebook.
Readandbeyourself: Wie bist du auf die Idee gekommen, ein Kinderbuch zu schreiben?

Was reizt dich an Kinderbüchern?

 Alexander Rothe: Ich glaube, das liegt an meiner Art zu schreiben und welche Art von Geschichten mir selbst gefallen. Ich mag es lustig, phantasiereich, leicht abgedreht und spannend. Ich möchte mit einem Buch Abenteuer erleben können, ich möchte lachen und in meinen Gedanken auf Reisen gehen. Schreiben ist für mich, als würde ich mir gleichzeitig eine Geschichte ausdenken, sie durchleben, sie gestalten und erzählen. Ich bin Erschaffer und Publikum gleichzeitig und die lange Zeit, die es braucht um ein Buch zu schreiben, würde ich nicht durchstehen, wenn ich mich nicht währendessen selbst bestens unterhalten würde. Ernste, nachdenkliche Bücher liegen mir nicht besonders, ich denke dass man auch Abstraktes oder Informatives durch Unterhaltung, Spannung und Humor viel besser vermitteln kann. Die Leser, die „Die Wunschmaschine“ lesen, sollen im besten Falle erst hinterher – nachdem sie eine spannende und lustige Geschichte erlebt haben – bemerken, dass sie gerade sehr viel über den Islam, das alte und neue Ägypten und vieles anderes gelernt haben. Ganz leicht, ohne Zeigefinger, ohne stupides Fakten-Aufzählen.
Ich bin sehr viel gereist in meinem Leben und habe viel über andere Menschen und Kulturen gelernt und ich glaube, dass es für die Zukunft sehr wichtig sein wird, dass die Menschen einander vorurteilsfrei begegnen. In einer Welt, die immer kleiner wird sollten wir einander verstehen, wissen, warum andere Menschen anders denken und handeln. Das Wissen, dass das Fremde nicht zwangsläufig bedrohlich sein muss, ist etwas was wir lernen können.
Das eine fremde Kultur spannend und wertvoll sein kann, war etwas, was ich den Kindern gerne mitgeben wollte. Daher die Idee, fremde Länder für Kinder zu beschreiben. Und weil ich das, wie oben bereits erwähnt, in einem Rahmen tun wollte, der Spaß macht und spannend ist, wurde daraus eine Abenteuergeschichte.
Übrigens sehe ich mein Buch gar nicht als ausschließliches Kinderbuch. Die Freigabe ab 10 Jahre, bedeutet für mich lediglich den Startschuss. „Die Wunschmaschine“ ist für alle Altersklassen gedacht und jede soll dort etwas für sich finden.

Ist es schwer, die entsprechende Sprache für Kinder und Jugendliche zu finden?
 Nein. Im Gegenteil. Ich versuche so zu schreiben, wie man (also nicht nur Kinder) im Alltag sprechen. Da fällt dann schon mal der eine oder andere Kraftausdruck und dafür habe ich durchaus auch schon Kritik geerntet… aber ich schreibe nunmal wie man spricht und nicht wie man sprechen sollte. Und das gilt auch für Kinder. Mal ehrlich, welcher Zwölfjährige schreit nicht mal irgendwann „Scheisse!“? Und wäre ja auch schlimm wenn nicht.
Möchtest du auch noch Bücher in anderen Genres schreiben?
 Hab ich schon. Ich habe unter meinem vollständigen Namen „Alexander von Eisenhart Rothe“ ein reines Erwachsenenbuch namens „GoldenBiker“ geschrieben. Eine sehr lustige Drugs & Crime Story die in Indien spielt. Für die Zukunft plane ich aber erstmal ein paar weitere Teile der Wunschmaschine.
War es schwer, deine eigenen Zeichnungen im Buch unterzubringen?

 Überhaupt nicht, ganz im Gegenteil. Beim Verlag wusste man, dass ich auch zeichne und schlug mir vor, mein Buch selbst zu illustrieren. Ich muss gestehen, zuerst war ich dagegen, weil ich fürchtete, über die Zeichnungen dem Leser zuviel von der eigenen Vorstellung zu rauben. Aber schließlich habe ich mich doch breitschlagen lassen und es nicht bereut.
Was hat dich zur Wunschmaschine gebracht?

 Ursprünglich hatte ich ja die Absicht, eine Geschichte zu schreiben über vier Kinder, die auf einem Schiff um die Welt segeln um Abenteuer zu erleben. Nur ging das natürlich nicht ohne ein plausibles Motiv. Ziemlich schnell war mir klar, dass die vier irgendetwas suchen mussten, irgendetwas einsammeln was über die ganze Welt verstreut war. Und es musste etwas sein, dass auch andere haben wollen würden, denn jede gute Story braucht ja schließlich auch ein paar ordentliche Gegenspieler. Und so entstand, Stück für Stück die Idee zu dieser zerbrochenen Maschine. Eine Maschine die Wünsche erfüllt, wer würde sowas nicht haben wollen? Ich finde das Thema des Wünschens und vor allem zu wissen was man wünschen soll sehr spannend. Viele Menschen in unserer Gesellschaft haben scheinbar alles und versuchen doch ein ständiges Gefühl des Unerfülltsein mit noch einem neuen Handy, einem neuen App, ein größeres Auto oder wasweißich zu kompensieren. Solange man nicht weiß, was man wünschen soll, wird man niemals glücklich und den richtigen Wunsch für sich zu finden ist viel schwerer als man denkt.
Wieso gibt es 4 Kinder – und nicht nur 2 oder 3?

 Die vier Hauptdarsteller meines Buches sollen nicht nur lernen, mit fremden Kulturen umzugehen, sie müssen auch lernen mit ihren eigenen Schwächen zu leben und sich selbst so akzeptieren wie sie sind. Sie sind alle vier extrem unterschiedlich und wenn das Schicksal sie nicht aneinandergeschmiedet hätte, wären sie wohl niemals befreundet. Aber so befinden sie sich in einer Situation, wo jeder von ihnen, so verschieden sie auch sind, Teil der Lösung ist und sie nur zum Ziel gelangen, wenn sie lernen einander zu vertrauen. Ich wollte möglichst unterschiedliche Charaktere und für das was sie stehen benötigte ich vier Personen.
Warst du selbst schon in Kairo?
 Na klar! Man kann zwar wirklich ne Menge im Internet recherchieren, aber wirklich beschreiben und kennen kann man einen Ort nur, wenn man dort war.
Wird in der nächsten Geschichte nur eine Stadt besucht?
 Ich verrate zwar nicht so gerne was aus dem nächsten Teil, aber das es nach Portugal und Marokko geht gebe ich schon mal preis…

Wieviele Bücher wirst du vermutlich brauchen, um die Wunschmaschine wieder vollständig zu machen?
 Im Augenblick plane ich sechs Bücher. Ich habe sie eigentlich schon komplett im Kopf, aber bis es soweit ist hab ich vielleicht noch die eine oder andere Idee mehr. Letztendlich hängt es natürlich davon ab, wie lange meine Leser Lust haben, mit mir auf die Reise zu gehen.
Vielen Dank für das Beantworten der Fragen 🙂
Hier noch ein Auszug aus einem Interview des Autors mit Denk.Mal:
DENK.MAL: Warum Ägypten als Schauplatz? Alexander Rothe: Ägypten ist ein großartiges Land für Abenteuergeschichten. Nicht umsonst spielte ja z.B. der erste „Indiana Jones“ hier. 6000 Jahre Geschichte, geheimnisvolle Monumente, die Exotik zwischen Wüste und Nil, die Religion und Kultur… das alles bietet einen optimalen Hintergrund um dort eine spannende Geschichte zu erzählen. Außerdem muss man ja bedenken, dass „Im Zeichen der grünen Sonne“ Teil 1 einer Serie ist. Der erste Teil des Buches erzählt zunächst die Ausgangssituation, die Vorgeschichte und stellt die Hauptdarsteller vor. Erst nach einem guten Drittel des Buches reisen die Kinder los. Ich brauchte also einen Schauplatz, der exemplarisch alle Möglichkeiten mitbringt, um dem Leser zu vermitteln wohin – im wahrsten  Wortsinn – die Reise geht. Mit Ägypten fand ich das optimale Einstiegsszenario, weil ich hier alle Facetten am besten demonstrieren konnte und jeder Leser sofort ein Gefühl für die Serie bekommt, zumal selbst diejenigen, die noch nicht dort waren, zumindest eine ungefähre  Vorstellung von Land und Leuten haben.

DENK.MAL: Woher hast du dein Wissen über Ägypten?
Alexander Rothe: Ich bin immer schon viel gereist. Zuerst privat, dann beruflich. Ägypten gehörte natürlich auch dazu. Gewisse kulturelle Eigenheiten sind sich in allen Maghreb-Staaten ähnlich, andere wieder sehr ägypten-typisch. Viele Erfahrungen kann man nur durch Reisen machen, um bestimmte Stimmungen einzufangen, muss man einfach vor Ort gewesen sein. Andere Dinge, meist historische und kulturelle Fakten recherchiert man im Gespräch mit Fachleuten, aus Büchern und Internet. Dabei halte ich mich stets an die goldene Regel, die ich von meiner TV-Tätigkeit kenne: „Du sollst nicht langweilen!“ Ich freue mich sehr, wenn die Leser meines  Buches, nach der Lektüre das Gefühl haben, etwas erfahren zu haben, was sie vorher noch nicht wussten. Doch der „Lernwert“ muss sich stets dem  Unterhaltungswert unterordnen.

DENK.MAL: Verrätst du schon ein paar Details zu Band 2 und 3?

Alexander Rothe: Da mache ich gerne ein großes Geheimnis draus. Generell kann ich aber  verraten, dass Band eins wirklich nur der Auftakt ist. Mit jedem Buch wird die Geschichte etwas  düsterer. Wir erfahren, dass die Kinder in eine viel größere Geschichte verstrickt sind, als sie  bislang ahnten und sie in eine Verschwörung geraten sind, die umfangreicher ist, als alles was sie  sich vorstellen können. Was wie eine lustige Abenteuerfahrt begann, wird bereits in Band zwei zu einem Kampf auf Leben und Tod und – so viel sei bereits verraten – einer der Hauptdarsteller verliert in Band zwei diesen Kampf. 

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[Rezension] Die Wunschmaschine Im Zeichen der grünen Sonne

Die Wunschmaschine: Im Zeichen der grünen Sonne – Alexander Rothe
Baumhaus, Bastei Lübbe
Hardcover, Herbst 2012
332 Seiten

14,99

Die Nachbarskinder Pit, Alex, Möhre und Tom mögen sich eigentlich nicht besonders. Schon gar nicht in diesem heißen Sommer, und die Geschwister Alex und Möhre wollten beleibe nichts zusammen unternehmen! Doch bei einer Rauferei im Innenhof ihres Hauses entdecken sie eine geheime Tür, die sie zur Lagerhalle des seltsamen Professor Aurelius Grünspan, der Maschinen sammelt, die nutzlos sind. Zwischen all den wundersamen Apparaten finden die Kinder aber einen seltsamen Kasten, der sie zum Schiff Kah führt. Die Kah hat eine Aufgabe für die Kinder: Vor langer, langer Zeit haben Kinder einer Insel eine Wunschmaschine gefunden, die allerdings von den Erwachsenen gestohlen und auseinander genommen wurde. Nun sollen Pit, Möhre, Alex und Tom die einzelnen Teile wiederfinden. Und ihre Reise geht zuerst nach Kairo…

Vom Autor angesprochen war ich sehr neugierig auf das Buch „Die Wunschmaschine“. Sobald ich das Päckchen in den Händen hatte, fing ich an zu lesen – und fand schon den Anfang brüllend komisch! Der Prolog ist aus der Sicht eines Sterns geschrieben, der durchs All zur Erde rast. Bis auf den Innenhof, wo Tom sich langweilt und in der Hitze schwitzt. Dieser Fade-In hatte schon etwas 🙂
Nacheinander werden dann die vier Kinder vorgestellt, was ich sehr angenehm fand, weil man jedes Kind für sich kennen gelernt hat.

Die Überleitungen und Erklärungen sind sehr kindgerecht und niedlich geschrieben. Bei jeder neuen Szene war ich beeindruckt durch die Ideenvielfalt und die Kreativität des Autors. Manchmal ist die Sprache ein bisschen derb, aber an vielen Stellen wird Interessantes und Neues erklärt. Besonders durch die Figur der Pit erfährt man viel, auch wenn es sie nur klug und nervig darstellen soll. Aber genau dadurch lernt man sehr viel – auch über sozialen Umgang und Mut und Freundschaft.
Das Lesen ging sehr schnell (zumindest bei mir), aber die etwas jüngeren Leser dürften einige tolle Lesestunden damit haben.

Die Kinder sind genau ihrem Alter entsprechend. Möhre ist manchmal ein bisschen reifer, Alex dagegen etwas kindischer und alberner. Tom entdeckt seine Hormone und Pit wächst etwas über sich hinaus. Dabei werden sie aber in keine Kostüme gesteckt, die ihnen nicht passen. Nein, sie sind bloß Kinder, handeln so und bringen sich dadurch ganz normal in Schwierigkeiten… aber auch wieder hinaus.

Am Ende gibt es ein Rezept, das während der Fahrt auf der Kah erwähnt wird. Auch dieses ist kindgerecht geschrieben und läd zum Nachkochen ein!

Sehr schön, wenn auch mit eigenwilliger Art, fand ich die Zeichnungen zwischendurch. Der Autor hat sie selbst gemalt, und somit den Figuren ein Gesicht gegeben. Es ist allerdings eine Frage des Geschmacks, ob man knollennasige Figuren mag, aber Charme hat es auf jeden Fall 😉

Insgesamt fand ich die Story sehr unterhaltsam, und freue mich auch auf die weiteren Abenteuer. Die Kinder auf der Kah haben das Potential, mit ihrer Lesergeneration älter zu werden. Ich drücke Herrn Rothe die Daumen, dass ihm auch noch viele weitere Bücher in der Art gelingen!
Von mir bekommt das Buch 4 von 5 Sternen!

Ein bisschen schade, dass die im Buch angekündigte Website die-wunschmaschine.de noch nicht viel Inhalt hat 😉

Lest in den kommenden Tagen auch ein Interview mit dem Autor!

4

[Rezension] Katzenjagd

Ingrid Lee – Katzenjagd
Chickenhouse
Hardcover, Juni 2012
Aus dem Englischen von Gerda Bean
208 Seiten

11,95€

Empfohlenes Alter: 10 bis 12 Jahre
Wärme, Familie, Schatz!

In der kleinen Stadt, in der Billy lebt, sind Katzen ein großes Problem. Eine alte Damen hatte unzählige Katzen zu Hause, die nach dem Tod ihrer Besitzerin durch die Gegend streifen.
Eine davon ist die Kätzin Conga, die nach einem Kampf mit dem Grauen schwer verletzt Zuflucht sucht – und Billy begegnet.
Dieser kann an der kranken Katze nicht vorbeigehen und versteckt sie bei sich daheim, denn seine Eltern mögen keine Katzen.

Den ganzen Sommer über verdient sich Billy Geld, um die nun auch noch tragende Katze zu ernähren und zu verpflegen – bis die Stadtbewohner entschließen, dass die Stadt von Katzen gereinigt werden soll.
Und nicht nur Billys Conga ist in Gefahr…

Katzenjagd“ ist das zweite Buch von Ingrid Lee, das bei Chickenhouse erschienen ist. Genau wie bei „Wunderhund“ geht es um die Kinderliebe zu einem Tier, diesmal einer Katze. Der kleine Billy muss sich um die verletzte Katze Conga kümmern, und sie dabei beschützen und verstecken.

Auch diesmal ist die ganze Stadtbevölkerung gegen die Tiere (bei Wunderhund ging es gegen den Pitbull), denn die Katzen machen in die Gärten, jammern nachts laut herum und verdrecken und schaden dem Ansehen der Stadt.
Auch diesmal müssen die Katzen den Menschen zeigen, dass sie helfen und ein Teil der Welt sind. Wie Conga aber die Menschen zum Andersdenken bringt, verrate ich nicht 😉

In Anbetracht der empfohlenen Altersklasse finde ich toll, das das Buch vermittelt. Viele Kinder wünschen sich ein Haustier, kümmern sich später aber wenig darum (ich war keine Ausnahme). Dass der kleine Billy so verantwortungsbewusst ist, finde ich gut. er macht sich Gedanken, handelt nicht unüberlegt und weiß um das Risiko. Die Nachricht für den Leser ist gelungen.

Die Aufmachung des Buches muss ich auch noch loben. Das Cover ist wieder zuckersüß, und die Titelgestaltung sehr witzig. Die Schrift ist sehr groß und die Seiten recht dick – für ein Kinder- und Jugendbuch (für 10-12jährige) sehr ansprechend. Ich würde das Buch auch nicht als reines Mädchenbuch sehen, sondern auch Jungs empfehlen.

Weil ich „Wunderhund“ noch eine Spur besser fand (ich bin eben Hundefan), vergebe ich nur vier gute Sterne, aber das Buch alleine ist wirklich schön. Das Cover ist sehr liebevoll gestaltet und die Schrift für Leser des angepeilten Alters angemessen. Für Katzenfans und -besitzer ist das Buch auf jeden Fall eine tolle Geschichte fürs Herz.

 ★★★★☆

Bei Chickenhouse von Ingrid Lee bereits erschienen
Wunderhund

Und weitere tolle Empfehlungen aus dem Chickenhouse Verlag, die auch etwas für große Leser sind ^^
Ein Traum und zwei Füße
Isla Schwanenmädchen
Numbers 1: Den Tod im Blick
Wie Zuckerwatte mit Silberfäden
Ziemlich krumme Dinger

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[Buchvorstellung] Tierische Lesegeschichten

Tierische Lesegeschichten (Stachelschweintanz) – Uwe Kullnick
Kindle Edition

3,89 €

Printausgabe: Leopard (Zur Zeit nicht verfügbar, ab Herbst wieder als „Stachelschweintanz“ verfügbar)

Im Ebook gibt es zwei Geschichten:

Ganz dem Titel nach handelt die erste Geschichte von Willy dem Stachelschwein. Willy hat sich in einer Gepardenfalle fangen lassen und will nun nicht mehr heraus. Tierforscherin Linda hüpft auf dem Käfig herum, „tanzt“ über ihm, aber das Stachelschwein findet das scheinbar nur lustig.
Humorvoll erzählt Uwe Kullnick vom Abenteuer mit der Falle, einem Tanz auf dem Käfig und dem total doofen Willy.

Die zweite Geschichte ist über Paulino, den Kraken. Paulino ist in einem Vorbereitungsbecken im Aquarium in Neapel. Dort langweilt er sich tierisch, und reißt regelmäßig aus. Uwe Kullnick ist jedoch vor Ort um die anpassungsfähige Haut des Kraken zu untersuchen. Dass er ihn immer wieder suchen muss ist ganz schön anstrengend. Paulino versteckt sich nämlich gerne dort, wo er Wasser findet: im Klo, in der Spüle und sogar im Haifischbecken!
Wie die Mitarbeiter den Kraken dort wieder herausbekommen erzählt Uwe Kullnick spannend, witzig und wunderbar lehrreich.

In der Printausgabe ist bereits eine weitere Geschichte die Abenteuer mit dem Leoparden dabei.

Weitere Geschichten sind in Planung.

Alle drei Geschichten sind mit schönen Fotos der Situationen und vielen Tieren bebildert. Auf meinem Kindle konnte ich die Fotos leider nur in Schwarzweiß sehen, eigentlich sind sie aber alle farbig wie auf dem Cover. Auf einem Emulator für den PC oder Tablets werden also alle Bilder korrekt und wunderschön angezeigt.

Beim Lesen habe selbst ich noch viele interessante Informationen entdeckt, und kann mir gut vorstellen dieses Buch vorzulesen. Uwe Kullnick schreibt einfach und anschaulich, spricht die Kinder an und erklärt Situationen.

Mich beeindruckte der Witz und die Leichtigkeit, mit der Kullnick erzählt, und ich bin selber gespannt auf weitere tolle Tiergeschichten. Gerne würde ich auch mal in Afrika einen Tanz aufführen oder in einem Meeresaquarium einen Kraken suchen.
Volle Punktzahl für dieses tolle Kinderbuch!

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[Themenwoche] Heute: Hans-Christoph Liess

Nicht nur Frauen können Kinderbücher schrieben und veröffentlichen. Nein, auch Männer sind in diesem Genre vertreten. Wenn auch manchmal nur mit Fachliteratur, wie unser Autor heute…

Lieber Herr Liess, stellen Sie sich bitte kurz vor. Wie sind Sie zum Schreiben gekommen – eigentlich sind Sie ja Dozent?

Hans-Christoph Liess: Geboren wurde ich vor vierzig Jahren in Belgien und die ersten dreißig Jahre habe ich mich dann vor allem viel rumgetrieben. Studiert, gelebt und gearbeitet habe ich in Deutschland, Frankreich, England und der Schweiz, inzwischen bin ich allerdings deutlich sesshafter geworden und lebe in Norddeutschland auf dem Land mit meiner Familie und einer sehr begabten Katze namens Minka.

Arbeiten tue ich normalerweise als Wissenschaftshistoriker, was vor allem bedeutet, dass ich ziemlich langweilige wissenschaftliche Texte verfasse. Wie ich dazu kam, ein Jugendbuch über Wirtschaft zu schreiben, ergab sich folgendermaßen: von Wirtschaft wusste ich bis vor ein paar Jahren auch nur, dass sie vermutlich ziemlich kompliziert und ziemlich langweilig ist. Das änderte sich erst, als ich zufällig an einem Forschungsprojekt über die Geschichte von Wirtschaftstheorien mitarbeitete. Dabei fiel mir nämlich auf, dass Wirtschaftstheorien wie große und kompliziert verzierte Sahnetorten sind. Von außen sehen sie fürchterlich raffiniert und kompliziert aus. Aber wenn man sie sich genauer ansieht, stellt man fest, dass nur die oberste Schicht der Verzierung kompliziert ist, der größte Teil darunter besteht ganz einfach aus zwei Tortenböden und viel Sahne und Früchte dazwischen. Genauso ist das mit Wirtschaftstheorien. Wir sehen immer nur die komplizierte mathematische Oberfläche, aber darunter verbergen sich oft ganz einfache Zusammenhänge, die jeder verstehen kann.
Schade ist das vor allem deswegen, weil Wirtschaft und Wirtschaftstheorien viel interessanter sind, als man denken würde! Am besten stellt mich sich das so vor, wie wenn man einen komplizierten Funkwecker geschenkt bekommt, allerdings ohne Gebrauchsanleitung. Man kommt einfach nicht dahinter, warum er manchmal piept und manchmal nicht. Mit der Wirtschaft ist es genauso. Wirtschaftstheorien sind wie Gebrauchsanweisungen für die Wirtschaft und wenn wir sie kennen, verstehen wir plötzlich vieles von dem, was um uns herum jeden Tag passiert, viel besser. Z. B. warum es eine Krise gibt oder warum wir uns andauernd neue Handies kaufen. Und da ich das gerne alles schon als Jugendlicher gewusst hätte, habe ich mich hingesetzt und ein Buch geschreiben, dass für Jugendliche und Einsteiger die Wirtschaft und ihre Theorien verständlich erklärt. Zum Glück kam dann noch der tolle Illustrator Gerd Albrecht dazu, dessen Cartoons das alles noch viel besser verständlich machten.

Wow – das klingt spannend!
Um 12 Uhr heute erfahrt ihr genaueres über das Buch.
Und um 18 Uhr beantwortet Hans-Christoph Liess alle eure gestellten Fragen.

4

[Rezension] MÈTO Das Haus

Méto Das Haus – Yves Grevet
dtv, Reihe Hanser
Übersetzt von Stephanie Singh
Hardcover
224 Seiten

14,95 €

Auf einer Insel liegt ein Haus, in dem Jungen aus vier Alterstufen leben, lernen und trainieren. Sie wissen nicht, woher sie kommen, wann ihre Zeit im Haus vorbei ist und wofür sie überhaupt lernen.
Méto ist einer der Ältesten, und nachdem einer seiner Freunde eines morgens abgeholt wird, weil er zu groß wurde, soll er einen neuen Mitbewohner betreuen.
 Crassus lernt schnell, doch macht auch noch Fehler. Weil Méto für den Jungen in der Anfangszeit verantwortlich ist, muss er auch für dessen Taten einstehen. Vier Tage lang muss er in einem eiskalten Raum verbringen.
Der dort lebenden Romulus erzählt Méto, dass das Leben nach dem Haus nicht schön wird. Méto möchte unbedingt mehr erfahren und stellt fest, dass er nicht der einzige ist, dem es so geht.
Aber die Cesaren, welche die Oberauchsicht führen, überwachen alles. Meist mit Hilfe von Spionen…

Schaut auch den Buchtrailer an, der noch ein bisschen mehr erzählt:

„Méto“ ist für mich seit langem mal wieder ein Roman, der aus dem Französischen kommt. Und von der ersten Seite an ist das Buch spannend.
Gemeinsam mit Méto und seinem Schützling Crassus lernen wir zu Beginn das Haus mit dem Programm, den Vorgehensweisen und Strafen kennen. Diese Einführung fand ich sehr schön, so lernte man die Bewohner kennen.
Bis ziemlich zum Ende musste ich mir immer wieder das System in Erinnerung rufen, nachdem die Jahrgänge geordnet wurden. Zwischenzeitlich ist es also etwas kompliziert, aber man findet sich dennoch gut durch das Buch.

Die Sprache war wirklich einfach. Die Sätze sind sehr flüssig, es gibt keine unnötigen Schnörkel und die Infos kommen dann wenn man sie braucht. Das Buch hat mich in einem Rutsch gepackt – es kann sicher auch langsamer gelesen werden, aber für mich flog es nur so hin.

Achtung Spoiler:

 Mein klitzekleiner Kritikpunkt ist , dass man so GAR nichts von der Insel mitbekommt. Méto geht einmal auf den Turm und blickt weiter, aber sonst erlebt man nur das Haus von innen. Ich hätte mir wenigstens eine Beschreibung (mehr als die Karte) gewünscht. So wird die Spannung auf das nächste Buch noch mehr gesteigert, klar. Aber etwas mehr hätte nicht geschadet.

Spoiler Ende.

Zur Aufmachung des Buches muss ich dem Verlag mein volles Lob aussprechen. Bei Lovelybooks sagte einer, dass das Buch an eine VHS-Hülle erinnert. Schwarzer Buchschnitt, schwarzweiße Zeichnungen und diese schwarzweiße Schlichtheit gaben dem Lesen noch ein besonderes Flair. Die Schrift war etwas größer als ich gewohnt bin, wodurch ich noch ein bisschen schneller lesen konnte.

Der Roman war packend, aufreibend und macht Verlangen nach mehr. Zum Glück erscheint im Oktober schon der zweite Band, denn die Geschichte von Méto hat gerade erst angefangen!
Weil mir der entscheidende Kick aber gefehlt hat, vergebe ich nur 4 Sterne.

★★★★☆

Dieses Buch wurde gelesen im Rahmen der Lovelybooks Leserunde