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[Rezension] Sternschnuppenträume

Sternschnuppenträume – Julie Leuze
Egmont INK
Hardcover, 2014
ISBN: 978-3-86396-065-0
352 Seiten

14,99 €

Eine Insel an der Nordsee. Der Sommer bisher war ein einziger Alptraum, und Sven darf sich eigentlich nichts anmerken lassen. Nur ihre beste Freundin weiß bisher um ihr Geheimnis.
Doch als die Schule wieder anfangen soll und Svea sich ihren Mitschülern wieder stellen muss, gerät sie in Panik. Am letzten Partyabend vor dem neuen Schuljahr flüchtet sie am Nordseestrand in die Dunkelheit und trifft ausgerechnet – Nick!

Nick ist der Frauenschwarm schlechthin, hat eine On/Off-Freundin und lässt nichts anbrennen. Doch als er und Svea sich kurz zu einem Kuss hinreißen lassen hört die Erde auf, sich zu drehen. Etwas ist anders als vorher, und so sehr Svea und Nick auch voneinander lassen wollen… sie können es nicht.

Sternschnuppenträume“ ist ein Buch, das man gut weglesen kann. So leicht und locker es aber geschrieben ist, so sehr geht es hoch her zwischen den Zeilen.

Svea ist rastlos, eine junge Frau, die ihr Leben eigentlich endlich leben möchte aber auf der Insel wortwörtlich festsitzt. Ihre Familiendramatik ist sehr heftig und man leidet quasi sofort mit, wenn man erfährt worum es geht.
Bei Nick ist es genauso. Manchmal steckt hinter den Sunnyboys der See auf dem Surfbrett eben doch sehr viel mehr als es den Anschein erweckt! Dass das Buch teilweise aus seiner Perspektive erzählte, hat das Ganze noch packender gemacht.
Die Szenen sind auch aus der Ich-Perspektive geschrieben und wechseln manchmal so rasant, dass man nicht weiß, wer gerade erzählt.

Dass Svea und Nick sich für eine ganze Weile versuchen zu widerstehen, baut in der Geschichtung eine enorme Spannung auf. Als die beiden dann zueiander finden geschieht das in einer so heftigen Explosion der Gefühle (fand ich), dass ich einfach total mitgenommen war. Irgendwie auf eine schöne Art, obwohl hinter allem eine Tragik stand, die die Geschichte nicht so richtig strahlen lassen konnte.
Wie schon bei „Der Geschmack von Sommerregen“ schafft Leuze es, mit ihren Worten etwas einzufangen, das es einem ans Herz geht.

Es war auch nicht permanent ein Herzskasper, denn durch kleine Atempausen, zum Beispiel in der Robbenstation, konnten Svea und Nick aufatmen und man als Leser auch. Das machte das Buch noch gelungener.

Die Autorin hat sich vom ersten Buch deutlich gesteigert. Ich gebe dem Buch fünf Sterne für eine schlaflose, packende Nacht voller Emotionen und Gedanken.

Hier einige Impressionen der Autorin zum Buch!

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[Rezension] Wenn Liebe die Antwort ist…

Wenn Liebe die Antwort ist, wie lautet die Frage? – Mara Andeck
Boje
Hardcover, Februar 2014
ISBN 978-3-41482378-6
224 Seiten

12,99 €

Achtung: Lilias Tagebuch, Teil 3

Rezension zu Teil 1
Über Teil 2

Die Sommerferien sind fast vorbei, der Abenteuerurlaub mit dem wunderbaren Ende liegt hinter Lilia. Und sie kann sich fast auf das neue Schuljahr freuen, denn sie ist nun fest mit Tom zusammen. Doch zuhause warten neue Probleme, denn seit ihre Mutter nicht zuhause ist, packt Lilias Vater den Erzieher aus. Und er ist der Meinung, seine Tochter wäre zu jung für einen Freund, also verpasst er ihr Hausarrest.
Lilia fühlt sich aber nicht wie ein kleines Kind, das man mit Hausarrest an das Zimmer fesseln kann und trifft sich trotzdem mit Tom. Was widerum zu Streit zuhause führt.
Doch als die Schule wieder anfängt, hat Lilia ganz andere Probleme als den Hausarrest. Denn ihre Klasse soll einen Spendenlauf organisieren, auf den niemand Lust hat. Und Tom unterhält sich mal wieder auffallend oft mit Vicky. Und nicht mit Lilia.
Wieso kann im Leben nicht einmal etwas leicht sein?

Nach den vorhergehenden zwei Bänden über Lilia, ihre chaotisch sympathische Familie und den pubertären Freundeskreis habe ich mich sehr auf den dritten Band gefreut, mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Lachend, denn es geht endlich weiter, Lilia und Tom sind endlich zusammen und alles könnte doch so gut werden. Weinend, denn es soll der letzte Band über Lilia sein.
Wobei Mara Andeck noch mehr Bücher schreiben wird, die bestimmt auch alle so zauberhaft sind.

Lilia ist im ersten Band noch 16 und ungeküsst und in den Folgewochen ändert sich so ziemlich ihr ganzes Leben. Wie auch in den ersten Bänden gibt es in diesem Buch immer mal Einschübe mit E-Mails und Texten von anderen Figuren, wobei die E-Mails weniger werden weil der angeschriebene Felix wiederkommt und Tom ihm dann natürlich immer alles direkt erzählen kann. Andeck löst das Problem aber auf geschickte Weise, denn sie lässt die Figuren Texte an die Zukunft über ihre aktuelle Situation schreiben, was ganz andere Einblicke gibt als E-Mails. Das war witzig und super geschrieben.

Lilia hat sich auch verändert. Ich fand sie am Anfang naiv, aber sie entwickelte sich zu einer richtigen jungen Frau. Während in den ersten Büchern viele Zeichnungen waren, wurden diese hier sehr sporadisch und es tauchten kleine Skizzen auf, die man fast als „Über das Leben nachdenken“ bezeichnen konnte.
Irgendwie krönt der Herbstball in diesem Buch ihre Entwicklung total toll, und ich habe sie echt nur unwillig gehen gelassen. Das Ende ist aber richtig klasse geworden, und nachvollziehbar.

Mara Andeck schreibt sehr, sehr liebevoll. Weil Lilia sehr verliebt ist und ihre erste richtige Beziehung mit einem Jungen hat, denkt sie anders über ihr Leben. Das merkt man in der Wortwahl und den Überlegungen, die Mara Andeck ihr in den Mund legt. Es kam mir sehr bekannt vor, dass plötzlich das echte Leben mehr an Bedeutung gewann und das Tagebuch zunehmend in der Ecke lag. Ich will damit nicht behaupten, dass man irgendwann zu alt fürs Tagebuchschreiben ist, nein, aber manche Dinge sollte man erleben und nicht darüber philosophieren.

Beeindruckt hat mich die Fantasie zu den Liebeswörtern, und ich wünschte, davon würden Wörter echt übernommen werden. Das war wirklich gelungen! Auch die Idee zu den Ratgebern für Lilias Vater war grandios und hat mich oft zum Lachen gebracht.

Runderhum ist dieser Band ein ganz ganz toller Abschluss der Trilogie und verdient die volle Punktzahl. Liebe Frau Andeck, bitte schreiben Sie mehr von diesen Büchern!

★★★★

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[Rezension] Libellenfänger

Libellenfänger – Katja Brandis
Piper/ IVI
Taschenbuch, Oktober 2012
ISBN 978-3-49270276-8
368 Seiten

14,99 €

Mitten auf der Tanzfläche bricht die junge Antonia zusammen. Ricky und Schulfreund Marek versuchen noch lebensrettende Maßnahmen, doch es ist zu spät. Ricky macht sich heftige Vorwürfe, schließlich hat sie Antonia kurz zuvor seltsam aufgelöst getroffen – aber die Mitschülerin hat sich generell abgeschottet, sodass Ricky ihr einfach nicht näher kommen konnte.
Als die Polizei den Vorfall mit Herzversagen als natürliche Todesursache abtut, kann Ricky das nicht so recht glauben. Mit Antonia hat sie bei nec.tv, dem Schulsender, gearbeitet und hätte sicher gemerkt, wenn Antonia krank gewesen wäre.
Da muss mehr dahinter stecken, denkt sich Ricky und versucht auf eigene Faust zu ermitteln. Doch sie muss vorsichtig vorgehen, denn niemand darf erfahren, woher Ricky kommt. Dann würde der Verdacht sicher schnell auf sie fallen…

Katja Brandis hat einen Platz in meinem Herzen durch ihre „Kampf um Daresh“-Bücher. Libellenfänger war 2012 ein neues Buch von ihr, was kurz nach Erscheinen in mein Regal gewandert ist – leider erst nur ins Regal 😉
Jetzt endlich habe ich die Jugendbuchchallenge genutzt, auch diese Geschichte zu schmökern. Gleichzeitig habe ich ja noch „Feuerblüte“ angefangen, und muss sagen, die Autoren hat einen sehr guten Schreibstil, der sich in all ihren Werken wiederfindet.

„Libellenfänger“ ist ein Jugendthriller ganz nach meinem Geschmack. Ich mag es weder blutig noch sonderlich spannend, sondern bitte seicht und nachvollziehbar. In „Libellenfänger“ kommt zwar ordentlich Spannung auf, aber nicht so Nägelkauenspannung wie z.B. bei „Ashes“.
Ricky hat eine düstere Vergangenheit, bzw. ihre Mutter. Sie schämt sich nicht unbedingt deswegen, sondern weiß einfach um die Wirkung, die diese Vergangenheit hat. Ich fand es gut, wie das eingebaut wurde und wie souverän Ricky damit umgeht.
Irreführend ist dahingehend allerdings der Klappentext. Ricky aktiviert keinesfalls Kontakte aus der Unterwelt, also zumindest keine alten. Das hat sonst nur einen kleinen Stellenwert in der gesamten Geschichte.

Ich mochte die Idee, wie und warum alles passiert ist und wie Ricky selbst ermittelt. Die Schreibweise war dazu genau richtig, es gab passende Perspektivenwechsel und interessante, tiefgründige Figuren. Manchmal hätte ich mir ein bisschen mehr gewünscht, z.B. zu Marek und Melanie. Aber teilweise wurde das auch aufgegriffen und verarbeitet, nur eben nicht so tiefgehend.
„Libellenfänger“ ist kein herausragendes Werk von Brandis, und ein richtiger Nervenkitzel war der Thriller auch nicht. Aber 2012 waren die Jugendthriller vielleicht gerade anders, und die Autorin selbst sagt über das Buch auch, dass es nicht ihr absolutes Lieblingsbuch ist. Sie hat ja bessere – zum Glück!

Weil man selber gut mitraten kann, wer der Täter oder die Täterin ist, hat mir das Buch ganz gut gefallen. Es hat mich aber spannungsmäßig nicht so aus den Socken gehauen wie manch anderes Buch in letzter Zeit, weshalb ich stabile vier Sterne gebe.

★★☆

Infos und Leseprobe hier.

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[Rezension] Zeitsplitter

Zeitsplitter Die Jägerin – Christin Terrill
Boje Verlag
Hardcover, Februar 2014
332 Seiten

 ISBN 978-3-414-82390-8

14,99 €

Was aus einer Freundschaft wird, muss Marina am eigenen Leib erfahren. Ihr bester Freund und Jugendliebe James ist zu einem abscheulichen Menschen geworden. Gefangen in einer Zelle und nur in Hörweite des Mitgefangenen Finn wird sie regelmäßig gefoltert. Denn Marina hat geheime Aufzeichnungen, die der Schlüssel zu einer Zeitreisemaschine, bzw. ihrer endgültigen Funktion sind.
Doch Marina verrät nichts, und eigentlich will sie nichts mehr, als in der Zeit zurückzureisen und den Plan zu vereiteln.
Doch als sie Aufzeichnungen aus der Vergangenheit findet, erfährt sie, dass es nur noch eine Möglichkeit gibt, um den Wahnsinn aufzuhalten…

Zeitsplitter“ ist ein Buch, mit dem man erst richtig warm werden muss. Der Anfang ist konfus und durch den Perspektivensprung von Marina und Em war es mehr als verwirrend. Doch das macht es mehr als Spannend, sodass man einfach weiterlesen muss.

Sehr schön herausgearbeitet fand ich den Unterschied zwischen Marina und Em. Die eine ist jung und unerfahren, hat kein Selbstbewusstsein und ist noch unschuldig. Em dagegen hat viel erlebt, Unschönes gesehen und musste um ihr Leben kämpfen.

Weil die Perspektiven sehr oft wechseln, ist „Zeitsplitter“ kein Buch, dass man länger zur Seite legen kann. Die Details sind so dicht und verwoben, dass man immer überlegen muss, was vorher passiert ist, und wer nun wer ist und mit wem agiert. Doch irgendwie hat Christin Terrill das so hinbekommen, dass es sich immer weiter aufklärt und man mehr und mehr versteht. Die Geschichte gewinnt sehr an Tiefe und Dichte und Spannung.

Sehr fantasievoll sind die Details ausgearbeitet. Was sich zunächst nach einer schlichten Zeitreise anhörte, wurde schnell zu einer Parallelwelt. Interessant fand ich, dass eine kleine Handlung den ganzen Fortgang verändern kann. Dadurch, dass Em und Finn etwas Gravierendes passieren lassen, verändern sie die ganze Zukunft. Das fand ich besonders spannend.
Auch gut gefallen hat mir, dass meistens kurz und knackig geschrieben wurde, was viel Raum für eigene Vorstellungen ließ. Und da vieles einfach zu technisch geworden wäre, war das Buch genau richtig geschrieben, so wie es war.

Zum Ende hin war es ein echter Pageturner! Viel über die Handlung kann ich leider nicht mehr sagen, weil es sonst echt etwas verraten würde. Ich kann nur meine Empfehlung mit fünf Sternen geben.

2

[Rezension] Schmetterling aus Staub

Schmetterling aus Staub – Anna Palm
Herzklopfen Fantasy im Schwarzkopf&Schwarzkopf Verlag
ISBN 978-3-86265251-8
2013
344 Seiten

14,95 €

Nach einem tödlichen Virus, der Deutschlands Bevölkerung stark dezimiert hat, werden die Überlebenden aufgeteilt – zu ihrer eigenen Sicherheit. Mit 8 Jahren werden alle Kinder bei einer Selektion aufgeteilt und den Gruppen zugeordnet, deren Charakter sie entsprechen. Mika lebt bei ihrer Familie bei den Harmonie-Menschen. Dort scheint immer die Sonne, alles ist schön und friedlich, es wird viel Kuchen gebacken und nie gestritten. Doch Mika hatte schon bei der Selektion das Gefühl, da müsste noch viel mehr sein. Sie will nie zu den Risiko-Menschen gehören, oder bei den Ehrgeizigen leben. Auch ein Machtmensch kann sie nicht sein. Aber als eines Tages ein Risikojunge auf der Mauer vor ihrem Haus sitzt, ist sie fasziniert. Aaron, der Junge, hat sich Mika ausgesucht, weil er in ihr einen Funken Rebellion in ihr sieht – und diesen Funken will er mit ihr anfachen.
Denn die Welt, wie sie ist, kann so nicht bleiben…

Ganz anders als so manche Dystopie auf dem aktuellen Markt kommt dieses Buch nicht nur von einer deutschen Autorin, es spielt auch in Deutschland. Anna Palm erschafft aus dem zerstörten Deutschland den Staat Alemania, der vom Cesar geführt wird. Beide Begriffe schließen auf einen römischen Hintergrund hin, der auch nicht ganz abwegig ist.
Allerdings werden die Menschen zur besseren Kontrolle in vier Bereiche eingeteilt: Harmonie, Macht, Ehrgeiz und Risiko. Die Wahl dieser Bereiche fand ich interessant und hätte mir gerne mehr Informationen dazu gewünscht. Immerhin sind Macht, Ehrgeiz und Risiko nicht sonderlich positive Charakterwünsche, und nur mit Harmonie als reinem positivem Gegenspieler fand ich das ein bisschen wenig.

Dieses Buch beschäftigte mich einige Tage. Es war auf der einen Seite ganz angenehm, dass mal eine Dystopie in einem Band ausgelesen ist und man nicht ewig auf Band 2 und/oder 3 warten musste. Auf der anderen Seite hätte ich gerne noch viel mehr gelesen von der seltsamen Welt, die Anna Palm da schafft. Es fehlte mehr zur Selektion, es hätte noch mehr über die Städte sein können und die Reise ist mir viiiel zu kurz. Zum Beispiel bei der „Auslese„, da wurde etwas über die Welt erzählt, aber Band 1 war erst der Auftakt. 

Ich war hin- und hergerissen, wie ich das Buch finden sollte. Ganz klasse fand ich die Sprache, die eben mal so richtig deutsch war. Keine durch Übersetzung eingeschlichenen amerikanischen Gedanken, sondern urdeutsche Sprache. Dadurch waren viel mehr umgangssprachliche Sätze dabei, was natürlich durch das junge Alter der Autorin auch noch geprägt ist.
Die Sprache insgesamt ist eigentlich ganz schön gewesen. Manchmal bin ich vielleicht zu pingelig, aber es wurden hin und wieder kleine Gedankensprünge im Text gemacht, die man im Lektorat hätte ausbügeln können. Aber vielleicht ist das auch der Stil der Autorin. Dazu muss ich mir ihre anderen Bücher mal anschauen.

Insgesamt fand ich das Buch toll. Die Welt ist klasse und spannend, die Idee (wenn auch nicht ganz neu) faszinierend und die Umsetzung gut überlegt. Weil ich hier und da etwas zu meckern hatte, muss ich einen Stern abziehen, aber sonst war das Buch definitiv vier Sterne wert!

★★★★☆
2

[Rezension] Das mechanische Herz

Die Mechanik des Herzens – Mathias Malzieu
carl’s books
ISBN 978-3-570-58508-5
 Paperback
192 Seiten

12,99 €

Bei seiner Geburt ist es so kalt, dass Jacks Herz nicht alleine schlagen kann. Die verrückte Geburtshelferin Madeleine setzt ihm kurzerhand eine Uhr als Schrittmacher ein, denn sie ist spezialisiert darauf, Körperteile mit Gegenständen zu verstärken.
Jack wird von seiner Mutter zurückgelassen, doch auch Doktor Madeleine kann ihn nicht wieder an eine neue Familie vermitteln.
Also wächst der Junge mit dem Herzen in der skurielen Praxis auf.
In der Stadt sieht Jack eines Tages ein tanzendes Mädchen, das anmutig tanzen aber kaum sehen kann. Er ist sofort hin und weg und will nur noch mit dem Mädchen zusammen sein. Aber die goldene Regel für ein funktionierendes Herz ist: Verliebe dich nie, denn das hält die Uhr nicht aus.

Als das Mädchen die Stadt verlässt, setzt Jack alles daran, sie wieder zu finden. Denn er glaubt, die Liebe macht sein Herz nur stärker…

Die Mechanik des Herzens“ ist ein französischer Roman. Bisher waren alle Geschichten aus Frankreich, die ich gelesen habe, irgendwie anders als der Einheitsbrei aus Amerika oder sogar aus Deutschland. Irgendwie hatten diese Romane immer einen gewissen Zauber, und auch hier ist es nicht anders.
Es beginnt mit der Praxis von Doktor Madeleine. Sie ist keine richtige Ärztin, aber erfinderisch. Sie setzt den Leuten Gegenstände ein, wie eine Eisenstange in den Rücken eines Mannes oder eben die Uhr an Jacks Herz. Doch Malzieu schafft es, das so zu schreiben, als wäre es etwas ganz normales.
Die Stadtbewohner (es soll in Edinbourgh spielen) finden das etwas ungewöhnlich, aber ein Junge mit Uhr ist eben ein Junge mit Uhr. Als wäre das eigentlich üblich, wenn das Herz nicht alleine schlagen kann.

Die Geschichte ist aus Jacks Sicht erzählt. Dadurch ist es zu Anfang etwas kindlich, wird aber später reifer. Jack erzählt seine Geschichte aus Distanz und kann sich auch an Details erinnern. Er nimmt den Leser mit durch sein Leben, aber schon reflektierend und auch urteilend. Manchmal hatte man das Gefühl, er hätte Dinge gerne anders gemacht, was so ein schönes Gefühl von Erinnerungserzählen hervorrief..

Die Stimmung des Buches ist ein bisschen flatterhaft, aber sehr liebevoll. Jack ist neugierig und will mehr entdecken, als er darf. Mit Tricks kommt er an seine Wunschziele, und er weiß sich immer ein bisschen zu helfen. Das hat sich sehr gut gelesen.

Weil die Idee einfach auch niedlich ist, ließ sich das Buch supergut lesen. Ich hatte nichts auszusetzen und werde gerne mehr von Malzieu lesen.

★★★★★

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[Rezension] Summer Sisters

Summer Sisters – Ann Brashares
cbt/cbj
Hardcover, 2009
ISBN 3-570-13754-6
304 Seiten

als TB für 7,99 erhältlich

Nach dem großen Vorbild der Schwesternschaft der Jeans wollen auch Polly, Jo und Ama für immer beste Freundinnen sein. Aber wie das Leben spielt, wissen die drei nicht mehr so recht etwas miteinander anzufangen. Vor einigen Jahren haben sie drei Weiden in einem kleinen Wäldchen angepflanzt, aber genau wie sie nicht mehr richtig befreundet sein können, kümmern sie sich auch nicht mehr um die Bäume.
In diesem Sommer muss Jo zum ersten Mal mit ihrere Mutter alleine ans Strandhaus, weil ihr Vater nicht mitwill. Oder nicht mit soll?
Polly dagegen bleibt zuhause. Sie erfährt, dass ihre Oma ein berühmtes Model gewesen sein soll und versucht, ebenfalls Model zu werden. Doch ohne die Unterstützung ihrer Mutter sind die Pläne nur halb so viel wert…
Ama hat ein Stipendium bekommen und soll in einem Vorbereitungskurs wandern gehen. Dabei wollte sie viel lieber in eine Bibliothek oder etwas forschen, aber nicht in der freien Natur campen müssen.
Alle drei Mädchen müssen plötzlich über sich hinauswachsen und erkennen, was eigentlich Freundschaft bedeutet.

Summer Sisters“ ist kein Nachfolger von „Eine für vier“, es spielt noch zu den Anfängen der vier Freundinnen. Jo, Polly und Ama sind sehr verschieden, aber gut ausgearbeitet, ich konnte sie mir sehr gut vorstellen.
Bei „Eine für vier“ war der Perspektivenwechsel nicht so krass wie hier, fand ich. Oder ich erinnere mich nicht daran. Aber hier wechselt es manchmal nach einem Absatz, was eher gewöhnungsbedürftig war.
Die drei Geschichten der Mädchen spielen wieder ganz unterschiedliche Probleme an, aber doch geht es irgendwie immer um die Veränderung vom Mädchen zur jungen Frau. Es werden auch schwierige Themen angesprochen wie Alkoholsucht, Magersucht und Scheidung.

Für mich herausstechend war die Geschichte von Ama, weil sie tatsächlich über sich hinausgewachsen ist. Das fand ich bemerkenswert. Und vermutlich leidet man mit ihr am meisten, weil ihre Geschichte einfach auch am spektaktulärsten ist.
Jo und Polly sind Persönlichkeiten, mit denen ich nicht so gut warm werden konnte. Jo war mir zu freigeistig und Polly zu fixiert. Aber vielleicht findet sich jemand anderes ja in ihnen gut wieder. Wie bei „Eine für vier“ ist für jeden etwas dabei, denke ich.

Weil es ein Jugendbuch ist, war es sehr schnell zu lesen. Die Aufmachung des Buches ist hübsch, für mich waren die Seiten aber fast zu dick und damit hatte ich das Buch entsprechend schnell durch. Da ich es im Rahmen der Lesenacht gelesen habe, habe ich vielleicht ein bisschen mehr drüber nachgedacht, als ich es sonst getan hätte.

Für dieses zauberhafte Buch über Freundschaft ohne moralischen Zeigefinder, sondern mit bekanntem Brashares-Feingefühl vergebe ich vier Sterne.

★★★★☆