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[Interview] Stefanie Mühlsteph

Auf dem Weg zur Buchmesse habe ich das Buch „Nerdikon“ verschlungen. Eigentlich wollte ich die Autorin auch auf der Messe direkt treffen, wir haben uns allerdings verpasst.
Anschließend haben wir einige Male angenehm bei Facebook geplaudert. Meine Fragen zum Buch und zur Person hat Stefanie dann freundlicherweise per E-Mail beantwortet. Ich finde ihre Antworten nicht nur sehr witzig und ehrlich, sondern auch ziemlich passend zu ihren Veröffentlichungen 😉

Über sich selbst sagt sie auf ihrer Homepage:

Foto von Eva Speith

„Ich wurde im Jahre 1987 im schönen Hessen geboren und ging 8 Jahre lang auf eine katholische Mädchenschule mit dem Schwerpunkt Musik  (obwohl ich mit einer Blockflöte in der Hand zu einer akkustischen Waffe mutiere), der ich nicht nur meinen Abschluss zu verdanken habe, sondern auch viele denkwürdige Augenblicke wie den 4. Preis bei  Jugend Forscht – Landeswettbewerb für „die ausgezeichnete physikalische Arbeit eines Mädchens“.
Was meine Leidenschaft für Technik wohl sehr gut erklärt.“



1)      Wie sieht dein perfekter Tag aus?
Da ich unter der Woche ziemlich früh aufstehe (vor 6 Uhr), beginnt mein perfekter Tag nach 6 Uhr. Der perfekte Tag ist also kein Wochentag 😉
Ich könnte gemütlich aufstehen, frühstücken, ein wenig sporteln und mich dann mit einer großen Kanne grünen Tee (mit Zitrone) oder schwarzen Tee (mit Milch) vor den Bildschirm setzen. Nachdem ich ein paar sehr tolle Mails mit unzähligen Zusagen von Verlagen (mit euphorischen Lektorinnen, die meine Heldinnen heiß und innig lieben) beantwortet habe, schreibe ich ein paar Freunden auf Facebook, twittere ein paar lustige Begebenheiten aus meinem Alltag, und versetze mich schließlich in eine Welt meines Romans, von der ich nur auftauche, wenn ich leckeres Essen rieche oder andere Bedürfnisse mich dazu zwingen. Das geht dann bis Abends, um 20:15 Uhr kommt dann die neue Anime-Serie von Sailor Moon Crystal im Free-TV, mit einwandfreiem deutschen Sub (was niemals geschehen wird).
Das wäre mein perfekter Tag … also pure Utopie 😉

2)      Kaffee oder Tee?
Tee, wenn ich ausschlafe und Kaffee unter der Woche, wenn ich vor lauter Müdigkeit kaum ein Auge aufhalten kann. 
3)      Was ist dein Lieblingsbuch bzw. -genre?
Ich liebe immer noch Anne Rice heiß und innig – die ersten vier Bände der Vampir Chronik. Ansonsten lese ich ziemlich querbeet, von Thrillern über High Fantasy bis Sachbüchern. Wobei ich Urban Fantasy immer noch am liebsten lese. Das „Was wäre wenn“ ist immer noch meine liebste Frage. Realität mit Phantastik zu verflechten ist oft einfacher als man denkt … denn die Wirklichkeit ist manchmal genau so verschroben wie ein Traum von „Alice im Wunderland“ – nur die Grinsekatze und der Märzhase fehlen.

4)      Was hältst du von E-Books?
Viel, ich besitze selbst ein Kindle. Bücher schätze ich allerdings auch. Das Kindle nutze ich am liebsten in der Bahn, im Alltag. Das hat etwas mit meinem kleinen Buch-Fetisch zu tun … denn ich hasse Eselsohren. Bei Knicke im Buchrücken werde ich bleich im Gesicht und bei Fettfingern auf Papier krieg ich einen Schreikrampf. Das Buch in seiner Papierform ist für mich Genuss am Wochenende, während die digitale Version meinen Alltag versüßt. Sie ergänzen sich, und solange die Geschichte stimmt, ist es mir egal, ob sie auf Papier oder Bildschirm geschrieben steht.

5)      Wolltest du schon immer Autorin sein?
Wie jedes Mädchen wollte ich mal dies, mal das, mal jenes werden. Tierärztin, Astronautin, Journalistin, Physikerin, Archäologin und Erfinderin – eben was jedes Mädchen im Laufe von wenigen Monaten mal werden möchte.
Ich schreibe allerdings schon seit ich Buchstaben bilden kann, zwar nicht immer so intensiv, aber doch beständig. Mein erstes „Buch“ war eine Fanfiction von Cornelia Funkes „Drachenreiter“ und hatte eine Länge von gigantischen 15 Seiten – was man mit 10 Jahren wirklich viel nennen kann.
Wirklich als Autorin bezeichne ich mich erst seit meiner Veröffentlichung.

6)      Hast du dir das Autorensein so vorgestellt, wie es jetzt ist?
Ich hatte – ehrlich gesagt – gar keine Vorstellungen, was eine Autorin so ausmacht, was sie tun muss, wie ihr Leben verläuft. Da ich hauptberuflich anderweitig mein Brot verdiene, sehe ich mich auch eher als professionelle Teilzeitautorin. Ich weiß also nicht, wie ein typisches Autorendasein aussieht. Aber ich fühle mich gut dabei, wie es jetzt ist, und hoffe irgendwann nur noch Teilzeit arbeiten zu gehen und Vollautorin zu werden.
Dann werde ich dir diese Frage bestimmt besser beantworten können.

7)      Hast du das Buch „Nerdikon“ und jetzt auch „Technikgirl“ geschrieben, weil du mit Irrtümern aufräumen wolltest oder wolltest du einfach ein Buch dazu veröffentlichen, weil dich selbst das Thema interessiert?
Das Nerdikon entstand aus einer Not heraus. Während meines Studiums war ich von Nerds umzingelt (ich darf das sagen, ich wohnte mit drei Uni-Elektrotechnikern zusammen und musste meine Ehre als FH’ler-Elektrotechnikerin verteidigen). Wir hatten viel Spaß zusammen und sehr viel Verschrobenheit habe ich auch in den Beruf mitgenommen – was bei den Kollegen allerdings nicht sonderlich gut ankam.
Niemand lachte über meine Witze und auch wenn sie über Filme oder Serien diskutierten, bekam ich öfter Pickel in den Ohren, weil sie vollkommen falsche Dinge als Fakten hinstellten (Galadriel und Elrond als Eheleute – wem wäre da nicht der Kragen geplatzt?!). Ich jammerte bei einer Freundin und die brachte mich überhaupt erst auf die Idee eine Art lustiges Lexikon zu erstellen. So eine Art Nerd – Normalo.
So entstand das „Nerdikon“.
„Technikgirl“ wiederum entstand praktisch von selbst und war mir eine große Herzensangelegenheit. Viele Dinge werden als ‚Normalität‘ deklariert, obwohl sie so noch nicht in der Gesellschaft angekommen sind. Ich habe selbst viel in der FH erlebt und auch von Freundinnen aus der Uni mitbekommen, weswegen ich es an der Zeit fand echte Berichte von echten Frauen zu zeigen und keine Statistiken von irgendwelchen Bundesanstalten für Gleichstellung. Das Leben schreibt die verrücktesten Geschichten.

8)      Hund oder Katze?
Hund, weil sie die Einzigen sind, die ihre Kotze wieder auffressen und einen anpinkeln, wenn sie sich freuen.

9)      Wo und wie hast du dich inspirieren lassen?
Das Leben und die Menschen an sich inspirieren mich. Ich erlebe jeden Tag wie unrealistisch es sein kann. Manchmal entwickeln sich Tage zu echten Fettnäpfchen-Generatoren.

10)  Wie viel Einfluss hattest du auf die Gestaltung des Buches?
So viel Einfluss wie auf das Wetter.

11)  Weißt du alle Antworten im Nerd-o-Mat?
Willst du meine ehrliche Antwort? Nein. Ich habe extra Fragen aus allen denkbaren Bereichen genommen, um ein möglichst breites Spektrum zu haben. Und auch eine Nerdine darf Schwächen haben 😉

12)  Linux, Mac oder Windows?
Windows mit Linux auf einem separaten Bereich der Festplatte (ich habe schon oft genug erlebt, dass Windoofs nicht auf seine Göttin vor dem Bildschirm hört). Ich bin kein iOS-User und werde es wohl niemals mehr werden. Dass es nur für Grafiker sinnvoll ist, gehört zu den Märchen der 90’er Jahre, allerdings kann ich mich persönlich nicht an die Nutzerführung gewöhnen.

13)  Wie viel musstest du noch zusätzlich bei den Infos recherchieren?
Ziemlich viel, da ich mein Wissen verifizieren wollte – auch mit Fachberichten belegt. Deswegen las mich erst in ziemlich viele Artikel und Themen ein, bevor ich anfing zu schreiben. Ich wollte nicht mir Halbwissen prahlen, das ich irgendwann auf der FH errungen hatte (man ist viel zu schnell Voreingenommen oder glaubt gängigen halben Unwahrheiten). Mir war es wichtig den Leser richtig zu informieren und nicht nur auf meinen Wissensstand zu vertrauen. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.
So stark recherchiere ich allerdings nicht nur für Sachbücher, sondern auch für Romane. In meinem Urban Fantasy Roman „Blutschwur – Die Söhne des Drachen“ (erschienen bei Torsten Low) habe ich mich sogar durch ein paar Bibliothekswälzer gewühlt, weil ich die benötigten Infos im Netz nur unzulänglich gefunden hatte. Gute Recherche finde ich sehr, sehr wichtig für ein Buch; egal welchen Genres.

14)  Wie nerdig sieht dein Leben aus?
Unter der Woche nicht sonderlich nerdig – das ist aber wohl bei allen Menschen so (abends häkele ich nur gerne Amigurumi, während Star Trek TNG läuft – Erholung pur). Sobald allerdings am Freitag die Feierabend-Uhrzeit schlägt, verwandele ich mich in Nerdanie, die sich am Wochenende bei Sackhüpf-Challanges und Serien-Theme-Song-Quiz in die Brust wirft. Mit Freundinnen mache ich Ghibli-Abende, suche mit meinem Freund gezielt Logiklöcher in SF-Filmen und liebe auch den SchleFaZ auf Tele5.
Manchmal programmiere ich aus Spaß unsinnige Dinge, doch am meisten schreibe ich, sobald der PC läuft.
Und am Sonntag läuft „Die Sendung mit der Maus“. Weil das in meiner Familie heilige Tradition ist – und Armin der tollste Erklärbär der Welt ist.

15)  An welchem Punkt denkst du manchmal selbst, ein Freak (oder Nerd) zu sein?
Niemals. Ich bin voll normal. Also … was immer auch „normal“ sein soll.

16)  Warum ist das Lexikon nicht komplett nach Alphabet sortiert, sondern erklärt erstmal einiges wie Unterschiede zwischen Nerd und Geek, die Nerdfrauen, etc.?
Weil es mir wichtig war am Anfang Dinge klar zu stellen, bevor ich auf die Feinheiten eingehe. Ein Nerd ist kein Geek und auch ein Geek will nicht Nerd gerufen werden. Ich habe schon zu oft miterlebt, wie Leute rot angelaufen sind, weil sie sich über solche falsche Nutzung von Definitionen aufregten. Man sollte schließlich auch nicht mit einem Lexikon über Schifffahrt beginnen, bevor man weiß, woraus ein Schiff besteht 😉

17)Wie viel hast du im Buch übertrieben?
Sehr viel, um ehrlich zu sein. Ich kenne zum Beispiel niemanden (außer meinen Freund), der als Ingenieur freiwillig Karohemden und Cordhosen trägt und es auch noch schick findet.
Das Buch sollte man nicht als großes Fachbuch sehen, sondern als humorige Einlage mit Wissen. Es ist klein, chaotisch und nur für Leute, die auch meinen Humor besitzen (ich bin ein bisschen ironisch und ziemlich schräg).
Nehmen wir die Bloggerinnen, die ich beschrieben habe, wie es jede Bloggerin hasst. Das habe ich extra gemacht. Nicht, weil ich es tatsächlich glaube, sondern weil ich selbst ein Buch-Suchti bin und für Literatopia rezensiere. Im SpielxPress hatte ich sogar eine eigene Kolumne über das Schreiben. Deswegen zähle ich mich selbst mit zu den Mädels, die drei Liter schwarzen Tee verdrücken können, ohne nervöse Tein-Zuckungen zu bekommen. Ich habe einen SuB, der größer ist als ich, bin nicht nur ziemlich Bibliophilie, sondern würde auch niemals gebrauchte Bücher kaufen, weil ich Bücher nur mag, wenn ich die Erste bin, die sie berührt. Ich lese nur jungfräuliche Bücher.
Ich übertreibe nur dort, wo ich sicher bin, dass es kaum eine extreme Einstellung gibt als meine – denn ich nehme mich immer als schlimmstes Maß und verarsche mich dann selbst.

18) Wieso glaubst du, Nerds und Geeks lassen sich nach Windows und Mac unterscheiden?
Weil ich mit meinem Freund seit Jahren einen Krieg ausfechte. Er Mac, ich Windows. Hier geht es zu wie bei den heiligen Betriebssystem-Kreuzzügen 😉
Außerdem kann ich einen Nagel in die Wand schlagen, ohne eine Wasserleitung zu treffen – denn ich lese vorher gründlich nach, wie nach Baubestimmungen Rohre und Leitungen Unterputz verlegt werden (und das machen schließlich nur echte Nerds *g*). 

Liebe Stefanie, vielen Dank dass du dir die Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten 🙂
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[Interview] Alexander von Eisenhart Rothe


Vor einigen Tagen habe ich euch das Buch „Die Wunschmaschine“ rezensiert: LINK.
Nun hat mir der Autor freundlicherweise ein paar Fragen dazu beantwortet!
Alexander Rothe, geboren 1968, ist Autor, Regisseur und Cartoonist.
Mit vollständigem Namen heißt er „Alexander von Eisenhart Rothe“, was sich aber für Signaturen nur schwer eignet, weswegen er seinen Künstlernamen verkürzt hat.
Schon seit vielen Jahren arbeitet er als Cartoonist für den Bastei Lübbe Verlag – was lag also näher seine eigenen Comics in das Buch zu bringen?
Bevor Alexander Rothe richtiger Autor wurde, hat er bereits als Regisseur einige tolle Formate ins Fernsehen gebracht. Die aktuell laufende Sendung „Nicht Nachmachen“ (ZDF) oder die Serie „Pastewka in…“ (RTL) stammen aus seiner Feder.

Seit 2006 schreibt er zudem über seine verrücktesten Reiseerlebnisse eine Kollumne in der Berliner Zeitschrift „Das Magazin“.

Die nun auch in der „Wunschmaschine“ vorkommenden Länder hat Alexander Rothe selbst bereits, unter anderem für seine Dokumentationsreisen für Voxtours, Wolkenlos, etc.

Der Autor lebt heute in Ibiza mit seinen Hunden und vertreibt sich gerne seine Zeit bei Facebook.
Readandbeyourself: Wie bist du auf die Idee gekommen, ein Kinderbuch zu schreiben?

Was reizt dich an Kinderbüchern?

 Alexander Rothe: Ich glaube, das liegt an meiner Art zu schreiben und welche Art von Geschichten mir selbst gefallen. Ich mag es lustig, phantasiereich, leicht abgedreht und spannend. Ich möchte mit einem Buch Abenteuer erleben können, ich möchte lachen und in meinen Gedanken auf Reisen gehen. Schreiben ist für mich, als würde ich mir gleichzeitig eine Geschichte ausdenken, sie durchleben, sie gestalten und erzählen. Ich bin Erschaffer und Publikum gleichzeitig und die lange Zeit, die es braucht um ein Buch zu schreiben, würde ich nicht durchstehen, wenn ich mich nicht währendessen selbst bestens unterhalten würde. Ernste, nachdenkliche Bücher liegen mir nicht besonders, ich denke dass man auch Abstraktes oder Informatives durch Unterhaltung, Spannung und Humor viel besser vermitteln kann. Die Leser, die „Die Wunschmaschine“ lesen, sollen im besten Falle erst hinterher – nachdem sie eine spannende und lustige Geschichte erlebt haben – bemerken, dass sie gerade sehr viel über den Islam, das alte und neue Ägypten und vieles anderes gelernt haben. Ganz leicht, ohne Zeigefinger, ohne stupides Fakten-Aufzählen.
Ich bin sehr viel gereist in meinem Leben und habe viel über andere Menschen und Kulturen gelernt und ich glaube, dass es für die Zukunft sehr wichtig sein wird, dass die Menschen einander vorurteilsfrei begegnen. In einer Welt, die immer kleiner wird sollten wir einander verstehen, wissen, warum andere Menschen anders denken und handeln. Das Wissen, dass das Fremde nicht zwangsläufig bedrohlich sein muss, ist etwas was wir lernen können.
Das eine fremde Kultur spannend und wertvoll sein kann, war etwas, was ich den Kindern gerne mitgeben wollte. Daher die Idee, fremde Länder für Kinder zu beschreiben. Und weil ich das, wie oben bereits erwähnt, in einem Rahmen tun wollte, der Spaß macht und spannend ist, wurde daraus eine Abenteuergeschichte.
Übrigens sehe ich mein Buch gar nicht als ausschließliches Kinderbuch. Die Freigabe ab 10 Jahre, bedeutet für mich lediglich den Startschuss. „Die Wunschmaschine“ ist für alle Altersklassen gedacht und jede soll dort etwas für sich finden.

Ist es schwer, die entsprechende Sprache für Kinder und Jugendliche zu finden?
 Nein. Im Gegenteil. Ich versuche so zu schreiben, wie man (also nicht nur Kinder) im Alltag sprechen. Da fällt dann schon mal der eine oder andere Kraftausdruck und dafür habe ich durchaus auch schon Kritik geerntet… aber ich schreibe nunmal wie man spricht und nicht wie man sprechen sollte. Und das gilt auch für Kinder. Mal ehrlich, welcher Zwölfjährige schreit nicht mal irgendwann „Scheisse!“? Und wäre ja auch schlimm wenn nicht.
Möchtest du auch noch Bücher in anderen Genres schreiben?
 Hab ich schon. Ich habe unter meinem vollständigen Namen „Alexander von Eisenhart Rothe“ ein reines Erwachsenenbuch namens „GoldenBiker“ geschrieben. Eine sehr lustige Drugs & Crime Story die in Indien spielt. Für die Zukunft plane ich aber erstmal ein paar weitere Teile der Wunschmaschine.
War es schwer, deine eigenen Zeichnungen im Buch unterzubringen?

 Überhaupt nicht, ganz im Gegenteil. Beim Verlag wusste man, dass ich auch zeichne und schlug mir vor, mein Buch selbst zu illustrieren. Ich muss gestehen, zuerst war ich dagegen, weil ich fürchtete, über die Zeichnungen dem Leser zuviel von der eigenen Vorstellung zu rauben. Aber schließlich habe ich mich doch breitschlagen lassen und es nicht bereut.
Was hat dich zur Wunschmaschine gebracht?

 Ursprünglich hatte ich ja die Absicht, eine Geschichte zu schreiben über vier Kinder, die auf einem Schiff um die Welt segeln um Abenteuer zu erleben. Nur ging das natürlich nicht ohne ein plausibles Motiv. Ziemlich schnell war mir klar, dass die vier irgendetwas suchen mussten, irgendetwas einsammeln was über die ganze Welt verstreut war. Und es musste etwas sein, dass auch andere haben wollen würden, denn jede gute Story braucht ja schließlich auch ein paar ordentliche Gegenspieler. Und so entstand, Stück für Stück die Idee zu dieser zerbrochenen Maschine. Eine Maschine die Wünsche erfüllt, wer würde sowas nicht haben wollen? Ich finde das Thema des Wünschens und vor allem zu wissen was man wünschen soll sehr spannend. Viele Menschen in unserer Gesellschaft haben scheinbar alles und versuchen doch ein ständiges Gefühl des Unerfülltsein mit noch einem neuen Handy, einem neuen App, ein größeres Auto oder wasweißich zu kompensieren. Solange man nicht weiß, was man wünschen soll, wird man niemals glücklich und den richtigen Wunsch für sich zu finden ist viel schwerer als man denkt.
Wieso gibt es 4 Kinder – und nicht nur 2 oder 3?

 Die vier Hauptdarsteller meines Buches sollen nicht nur lernen, mit fremden Kulturen umzugehen, sie müssen auch lernen mit ihren eigenen Schwächen zu leben und sich selbst so akzeptieren wie sie sind. Sie sind alle vier extrem unterschiedlich und wenn das Schicksal sie nicht aneinandergeschmiedet hätte, wären sie wohl niemals befreundet. Aber so befinden sie sich in einer Situation, wo jeder von ihnen, so verschieden sie auch sind, Teil der Lösung ist und sie nur zum Ziel gelangen, wenn sie lernen einander zu vertrauen. Ich wollte möglichst unterschiedliche Charaktere und für das was sie stehen benötigte ich vier Personen.
Warst du selbst schon in Kairo?
 Na klar! Man kann zwar wirklich ne Menge im Internet recherchieren, aber wirklich beschreiben und kennen kann man einen Ort nur, wenn man dort war.
Wird in der nächsten Geschichte nur eine Stadt besucht?
 Ich verrate zwar nicht so gerne was aus dem nächsten Teil, aber das es nach Portugal und Marokko geht gebe ich schon mal preis…

Wieviele Bücher wirst du vermutlich brauchen, um die Wunschmaschine wieder vollständig zu machen?
 Im Augenblick plane ich sechs Bücher. Ich habe sie eigentlich schon komplett im Kopf, aber bis es soweit ist hab ich vielleicht noch die eine oder andere Idee mehr. Letztendlich hängt es natürlich davon ab, wie lange meine Leser Lust haben, mit mir auf die Reise zu gehen.
Vielen Dank für das Beantworten der Fragen 🙂
Hier noch ein Auszug aus einem Interview des Autors mit Denk.Mal:
DENK.MAL: Warum Ägypten als Schauplatz? Alexander Rothe: Ägypten ist ein großartiges Land für Abenteuergeschichten. Nicht umsonst spielte ja z.B. der erste „Indiana Jones“ hier. 6000 Jahre Geschichte, geheimnisvolle Monumente, die Exotik zwischen Wüste und Nil, die Religion und Kultur… das alles bietet einen optimalen Hintergrund um dort eine spannende Geschichte zu erzählen. Außerdem muss man ja bedenken, dass „Im Zeichen der grünen Sonne“ Teil 1 einer Serie ist. Der erste Teil des Buches erzählt zunächst die Ausgangssituation, die Vorgeschichte und stellt die Hauptdarsteller vor. Erst nach einem guten Drittel des Buches reisen die Kinder los. Ich brauchte also einen Schauplatz, der exemplarisch alle Möglichkeiten mitbringt, um dem Leser zu vermitteln wohin – im wahrsten  Wortsinn – die Reise geht. Mit Ägypten fand ich das optimale Einstiegsszenario, weil ich hier alle Facetten am besten demonstrieren konnte und jeder Leser sofort ein Gefühl für die Serie bekommt, zumal selbst diejenigen, die noch nicht dort waren, zumindest eine ungefähre  Vorstellung von Land und Leuten haben.

DENK.MAL: Woher hast du dein Wissen über Ägypten?
Alexander Rothe: Ich bin immer schon viel gereist. Zuerst privat, dann beruflich. Ägypten gehörte natürlich auch dazu. Gewisse kulturelle Eigenheiten sind sich in allen Maghreb-Staaten ähnlich, andere wieder sehr ägypten-typisch. Viele Erfahrungen kann man nur durch Reisen machen, um bestimmte Stimmungen einzufangen, muss man einfach vor Ort gewesen sein. Andere Dinge, meist historische und kulturelle Fakten recherchiert man im Gespräch mit Fachleuten, aus Büchern und Internet. Dabei halte ich mich stets an die goldene Regel, die ich von meiner TV-Tätigkeit kenne: „Du sollst nicht langweilen!“ Ich freue mich sehr, wenn die Leser meines  Buches, nach der Lektüre das Gefühl haben, etwas erfahren zu haben, was sie vorher noch nicht wussten. Doch der „Lernwert“ muss sich stets dem  Unterhaltungswert unterordnen.

DENK.MAL: Verrätst du schon ein paar Details zu Band 2 und 3?

Alexander Rothe: Da mache ich gerne ein großes Geheimnis draus. Generell kann ich aber  verraten, dass Band eins wirklich nur der Auftakt ist. Mit jedem Buch wird die Geschichte etwas  düsterer. Wir erfahren, dass die Kinder in eine viel größere Geschichte verstrickt sind, als sie  bislang ahnten und sie in eine Verschwörung geraten sind, die umfangreicher ist, als alles was sie  sich vorstellen können. Was wie eine lustige Abenteuerfahrt begann, wird bereits in Band zwei zu einem Kampf auf Leben und Tod und – so viel sei bereits verraten – einer der Hauptdarsteller verliert in Band zwei diesen Kampf. 

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[Interview] Anika Beer

Es war gar nicht so leicht, noch andere Fragen an Anika Beer zu finden. Aber mit eurer Hilfe sind noch einige schöne zusammengekommen, die ich euch jetzt präsentieren möchte.

Readandbeyourself: Was ist dein Lieblingsbuch, -autor und -genre?
Hast du in deiner Kindheit bzw. jetzt als Erwachsener selber gerne Bücher gelesen (und liest noch) und wenn ja, welches Genre?

Anika Beer: Das ist gar nicht so einfach zu sagen. Ich bin für jedes Buch offen, das mir eine gute Geschichte erzählt. Bücher waren schon immer einer meiner liebsten Zeitvertreibe, seit ich lesen kann. Leider komme ich weniger zum Lesen, seit ich professionell schreibe. Trotzdem lese ich nach wie vor gern und viel. Meine Vorlieben ändern sich da je nach Stimmung und Wetterlage, aber ich mag es besonders, wenn ich merke, ein Autor kennt sich wirklich gut in seinem Genre aus und kann mir die Welt noch einmal aus einer anderen Perspektive zeigen.

Hast du ein Lieblingszitat aus deinen oder aus anderen Büchern? Wenn ja, welches?
Mir fallen beim Lesen oft Zitate auf, die ich toll finde. Aber ich vergesse sie leider immer wieder. Darum habe ich mir jetzt vorgenommen, ein Lesetagebuch anzufangen. In einem Jahr kann ich diese Frage sicher besser beantworten. 😉
Ein Zitat, das mich aber nachhaltig seit meiner Kindheit beeindruckt, stammt aus Michael Endes „Momo“, wo Beppo Straßenkehrer Momo erklärt, wie man eine Straße fegen sollte:
„Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten. Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.“
Wo schreibst du am liebsten?

In meiner Wohnung auf meinem geliebten Sofa, wenn die Sonne durchs Fenster auf meinen Bauch scheint. Oder im Garten meiner Eltern.

Hast du beim Schreiben ein bestimmtes Ritual, wie z. b. Musik hören oder einfach in einem stillen Raum sitzen?
Nein, das nicht. Ich setze mich einfach hin und schreibe los. Aber meine regelmäßigen Denkerpausen am Fenster sind mir wichtig. Dann stehe ich ein paar Minuten einfach nur da und lasse die Gedanken kommen und gehen, wie sie wollen. Danach kann ich mich wieder viel besser auf den Text konzentrieren.

Wird die Familie mit einbezogen, z. B. als Testleser oder Informationsquelle?

Meine Familie bekommt natürlich immer alles vorgesetzt, was ich so schreibe, davor können sie sich nicht drücken. Was Informationsquellen angeht, schaue ich natürlich immer, wer in meinem Bekanntenkreis etwas Nützliches zum Thema wissen könnte, und die werden dann gnadenlos ausgefragt.

Wolltest du schon immer Jugendbücher schreiben?
Ich wollte schon immer Bücher schreiben. Jugendbücher oder nicht, darüber habe ich mir nie viele Gedanken gemacht. Wenn ich eine neue Idee habe, arbeite ich sie aus und sehe dann, für welche Altersgruppe sie wohl am besten geeignet wäre.

Wie hast du dich für das Genre entschieden, in dem du deine Bücher schreibst? Könntest du dir vorstellen, noch einmal das Genre zu wechseln?

Als ich anfing, ernsthaft Romane zu schreiben, war ich gerade in einer Phase, in der ich sehr viel klassische Fantasy gelesen habe. Daher waren meine ersten Bücher auch in dem Genre angesiedelt. Später, auch durch mein Studium beeinflusst, hat sich mein Interesse dann mehr zu den stärker in unserer Realität verankerten Geschichten verschoben. Aber ich bin darauf nicht festgelegt. Ich warte einfach ab, welche Ideen mir so kommen.

Durftest du an der Covergestaltung mitarbeiten?
Nein, das hat der Verlag professionellen Grafikern übertragen, und die haben das sehr schön gemacht, wie ich finde!
Bringst du auch eigene Erfahrungen, Träume und Gefühle, die du selbst erlebst, mit in das Buch ein?
Gibt es in deinen Figuren Teile von dir?

Ich denke, niemand kann sich selbst völlig aus seinen Geschichten heraushalten, schließlich muss man die Handlungen und Umgebungen auch glaubhaft darstellen können – und wie sollte man das machen, ohne aus seinen eigenen Erfahrungen zu schöpfen? Aber grundsätzlich erzähle ich ausschließlich über rein fiktive Personen und Situationen. Es kann schon mal passieren, dass ein besonders witziges oder beeindruckendes Detail aus meinem Alltag seinen Weg in mein Buch findet. Das steht dann aber in einem ganz anderen Zusammenhang oder ist so an das Buch angepasst, dass es mit dem ursprünglichen Erlebnis nicht mehr viel zu tun hat.

Liegt dir eine Person deiner Bücher besonders am Herzen?

Natürlich gibt es da den Helden meines allerersten abgeschlossenen Romans, den ich mit fünfzehn geschrieben habe, und der so ein Anfängerstück ist, dass er niemals veröffentlicht werden wird. Der Held dieser Geschichte hieß Grey, und die Trilogie, in der er vorkam, hat mich viele Jahre begleitet. Ich bin also mit ihm durch die Pubertät gegangen, bin mit ihm aufgewachsen – oder er mit mir, wie man’s nimmt. Im Kopf habe ich seine Geschichte weit über die Ereignisse in den Büchern hinaus fortgesponnen, und ich denke heute noch oft an ihn. Irgendwann wird er vielleicht noch einmal seinen Weg in eins meiner Bücher finden. Darüber würde er sich sicher sehr freuen. 😉

Entwickeln sich die Charaktere in den Büchern eigenständig, oder ist alles schon am Anfang geplant?

Die entwickeln sich sogar sehr eigenständig. Ich bin ein Bauchschreiber, meist habe ich zu Beginn nur ein eher lockeres Konzept und sehe dann beim Schreiben, wohin mich die Geschichte trägt. Und dazu tragen die Figuren und ihre Entwicklung ganz maßgeblich bei.

Würdest du den eigenen Kindern deine Bücher vorlesen, oder greifst doch lieber auf andere, von anderen Autoren zurück?

Wenn meine Kinder alt genug für meine Geschichten sind, können sie sich gern selbst entscheiden, ob sie sie lesen wollen. Ansonsten gibt es so viele schöne Kinderbücher … so viele, wie ich vorlesen möchte, kann ich selbst gar nicht schreiben.

Wo holst du dir deine Inspirationen her?

Von überall. Musik hören, Bilder ansehen, Filme schauen, Nachrichten hören, Bücher lesen, schlafen, wissenschaftliche Artikel lesen, mit anderen Menschen reden, spazieren gehen, im Café jobben … Inspiration kann überall sein, man muss nur die Augen und Ohren offen halten.

Wie sieht die sprachliche Vorbereitung zu einem Jugendbuch aus? Erstmal einige Wochen nur mit Jugendlichen in der Altersklasse sprechen, für die die Geschichte gedacht ist, oder gibt es da spezielle Tricks?

Wie schafft man es jugendgerecht zu schreiben? Ich stelle es mir schwierig vor, nicht immer wieder in zu komplizierte Sätze abzurutschen.
Ich glaube nicht, dass man für Jugendliche anders schreiben sollte als für Erwachsene. Zu komplizierte Sätze sind auch im Erwachsenenbuch anstrengend zu lesen, und eine klare, schlichte Sprache bedeutet ja nicht gleich, dass sie anspruchslos oder weniger schön ist. Viel wichtiger ist es, die richtige Stimme für die Geschichte zu finden. Dann kommt der Rest von selbst. Von daher bereite ich mich auch nicht besonders darauf vor.
Was ist der große Unterschied zwischen Romanen für Erwachsene und Kinderbüchern den man beim schreiben immer im Hinterkopf haben sollte?

Vor allem sollte man sich klar machen, dass für Jugendliche oft ganz andere Sachen wichtig sind als für Erwachsene. Die Welt sieht ja mit ein paar Jahren mehr Erfahrung schon ganz anders aus, und was einem Erwachsenen nebensächlich scheint, ist für einen Jugendlichen geradezu lebenswichtig und umgekehrt. Dementsprechend muss man bei Jugendbüchern natürlich auch die Schwerpunkte in der Geschichte anders setzen als bei einem Buch für Erwachsene.

Was ist das beste Kinderbuch das du je gelesen hast und warum?

„Momo“ von Michael Ende. Da stecken einfach so viele kluge Gedanken in diesem Buch, und Momo ist so eine starke, bewundernswerte Figur. Es geht um ein Thema, das für jeden Menschen jederzeit aktuell ist – die Art, wie wir unsere Lebenszeit nutzen – und es ist neben einer wunderschönen Geschichte über Freundschaft auch eine Erzählung, die Erwachsene nachdenklich stimmen kann und sollte.

Findest du es – wie es manche Politiker fordern – wichtig und richtig Kinder schon früh mit Toleranzthemen wie Integration oder gleichgeschlechtlicher Liebe zu konfrontieren?

Na ja, was heißt konfrontieren. Viel wichtiger als solche Themen als Problemthemen in den Mittelpunkt zu rücken, fände ich es, den Umgang mit Menschen jeglicher Nationalität oder Sexualität als ganz natürlich darzustellen, ohne dass es den Kindern wie eine Konfrontation vorkommt. Sicher gibt es diese Problematiken, daran gibt es nichts schönzureden, aber ich habe immer noch die Hoffnung, dass in nicht all zu ferner Zukunft eine Generation aufwächst, die sich gar keine Gedanken mehr um sowas machen muss, weil es ganz normal ist, Menschen zu akzeptieren und tolerieren, die anders sind als man selbst.

Findest du nicht auch, dass einige Kinderbücher (Struwwelpeter und einige andere Märchen) recht brutal sind?

Das sind sie, aber die stammen ja auch aus einer Zeit, in der auch die Kindererziehung noch viel strenger und oft auch brutaler war als heute. Nicht umsonst sind die moderneren Fassungen dieser Geschichten, wie beispielsweise die Disney-Verfilmungen, sehr viel sanfter und freundlicher gehalten.

Was ist deiner Meinung das Geheimnis von Märchen? Wieso erfreuen sie sich noch heute bei vielen Kindern großer Beliebtheit?

Märchen haben eine geradlinige Handlung, die leicht nachzuvollziehen ist, und klare Gut-Böse-Strukturen. Das macht es gerade kleineren Kindern leicht, die Geschichte zu verstehen und sich mit den Helden zu identifizieren. Dazu kommt die beruhigende Gewissheit, dass es am Ende gut ausgehen wird.

Wolltest du schon immer Autorin werden?
Im Großen und Ganzen ja. Als ich zehn war, hatte ich eine Phase, in der ich lieber Pferdewirtin geworden wäre. Aber das hat sich dann auch wieder gelegt … 😉
Hörst du gerne Musik, wenn ja welche?

Ich höre sehr gern Musik, und meine Vorlieben sind da ähnlich wechselhaft wie bei den Büchern, die ich lese. Ich kann mich für Klassik ebenso begeistern wie für Metal oder Pop und Rock. Das kommt ganz auf die Stimmung an.

Was war dein Lieblingsbuch als Kind?

Ich hatte unendlich viele Lieblingsbücher, aber am meisten habe ich wohl an meinem Räuber Hotzenplotz-Sammelband gehangen.

Wie entspannst du dich zuhause am besten?

Auf meinem Sofa, wenn ich einfach nur dort liege und döse. Mein Sofa ist das beste der Welt. Es heißt Karlsson und ist wahnsinnig bequem. Ich wüsste nicht, was ich ohne Karlsson tun würde. Auf dem Bett liegen wahrscheinlich.

Hörst du Musik beim Schreiben?

Ja, aber nur Instrumentalstücke. Musik mit Texten lenkt mich zu sehr ab, weil ich irgendwann immer anfange, mitzusingen.

Worum geht es, in deinen Worten, in „Als die schwarzen Feen kamen“?

Es geht in dem Buch um die junge Marie, die seit dem Tod ihres Vaters an Krämpfen leidet, für die bisher kein Arzt eine Ursache feststellen konnte. Als Kind beschrieb Marie die Krämpfe als schwarze Feen, die aus finsteren Gedanken schlüpfen und sie beißen. Natürlich halten Marie und auch ihr Therapeut das für eine Kinderfantasie. Umso erschütterter ist sie, als Gabriel, ein älterer Schüler, mit der geheimen Gabe, in die Schatten zu sehen, sie anspricht und behauptet, die Feen gebe es wirklich. Und nicht nur das: Sie drohen in die reale Welt durchzubrechen und Maries Familie und Freunde zu verletzen. Marie macht sich mit Gabriels Hilfe auf die Suche nach dem Ursprung der Feen und stößt auf eine geheimnisvolle Stadt aus Obsidian …
Woher kommt die Idee für die schwarzen Feen und die Parallelwelt?

Das sind eigentlich zwei Ideen: Die Feen sind im Grunde das böse Gegenstück zu den Feen, wie sie in „Peter Pan“ beschrieben werden, die ja aus Kinderlachen geboren werden. Die Parallelwelt habe ich aus dem Gedanken entwickelt, was wohl mit einem Ort geschieht, der in einer Kinderfantasie erschaffen – und dann, wenn das Kind älter wird, verlassen und vergessen wird.

Was muss man beachten, wenn man einen Fantasy – Jugendroman schreibt? Besonders bei der Entwicklung bzw. Gestaltung des Hauptcharakters und der Nebenfiguren – also das Zwischenmenschliche aber auch die Individualität, wie ist da der Charakter zur Story gewichtet?

Ich denke, das kann man nicht so verallgemeinern. Es kommt auf die Geschichte an, die man erzählen will, da gibt es ja auch im Bereich der Jugendfantasy ganz vielfältige Ideen. Ich persönlich mag es, wenn dem Zwischenmenschlichen, der Entwicklung der Figuren viel Raum gelassen wird, und so schreibe ich auch – sowohl im Jugend- als auch im Erwachsenenbereich.
Wo hättest du gerne deine Geschichte veröffentlicht, wenn sie nicht im Jugendbuchgenre gelandet wäre?
Die schwarzen Feen sind ein Jugendbuch, das hätte ich nirgendwo anders veröffentlichen wollen.
Was wäre anders gewesen, wenn es kein reines Jugendbuch geworden wäre?

Wie gesagt, „Als die schwarzen Feen kamen“ ist ein Jugendbuch, aber ob es wirklich ein „reines“ Jugendbuch ist, weiß ich nicht. Ich denke zwar, dass die Kategorisierung als Jugendbuch zu der Geschichte am besten passt, aber das bedeutet ja nicht, dass nicht auch Erwachsene etwas aus der Geschichte mitnehmen können, was Jugendliche noch nicht so sehen. Ich hätte die Geschichte für Erwachsene nicht anders erzählt, als sie ist.

Hast du schon neue Ideen für Jugendbücher?

Jede Menge sogar. Und ich hoffe, dass ich ganz viele davon umsetzen darf. An einem bin ich gerade auch schon fleißig dabei.

Du hast auch über Vampire geschrieben. Reizt dich dieses Thema noch immer?
Tatsächlich könnte ich noch ca. 3-4 weitere Vampirromane schreiben, ohne dass es mir langweilig würde. Aber auch nur mit „meinen“ Vampiren. Die Welt, die ich  mir da aufgebaut habe, ist so groß, es gibt noch so viel zu erzählen, und ich habe die Figuren sehr liebgewonnen. Aber ganz neue Vampirszenarien würde ich mir wohl nicht mehr ausdenken.

Vielen vielen Dank für deine Zeit, die du dir erneut genommen hast!

Ein Exemplar von „Als die schwarzen Feen kamen“ hat BlueNa gewonnen. Herzlichen Glückwunsch!

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[Themenwoche] Heute: Diana Jacobs-Waibel

Nach dem dicken Schmöker mit dem fantasievollen Inhalt bleiben wir bei der Fantasie, diesmal aber auch schon für Kinder:

Diana Jacobs-Waibel hat nicht nur einen eigene Verlag, sondern arbeitet auch am liebsten mit der Förderung von Fantasie. Warum eigentlich, Diana?

Diana Jacobs-Waibel: Meine Lebensgeschichte beginnt an einem Dienstag im Jahre 1974 in Hamburg.
Die WM war gewonnen, Helmut Schmidt zum Bundeskanzler gewählt und meine Eltern glücklich.
Nach und nach kamen weitere Geschwister dazu und wir zogen aufs Land.
Nach meiner Ausbildung zur Schauwerbegestalterin habe ich lange im Bereich Messe und Kulissenbau gearbeitet. Ich zog mit meinem Sohn zurück nach Hamburg, studierte Kommunikationsdesign.
In der Zwischenzeit brachte ich meine Tochter zu Welt. Ein kleines Bündel Leben mit kupferrotem Haar.
Verstärkt durch Erfahrungen meiner Kinder, die sie im Laufe ihres Lebens mit Lehrern machten, Aussagen mit denen sie sich auseinander setzten mussten wie „Das gibt es nicht! Hör auf zu träumen!“ festigte sich mein Wunsch, zu schreiben. Für Kinder. Von Kindern.
Ich suchte Gespräche zu Eltern, Pädagogen und anderen Erwachsenen, sprach mit ihnen über Fantasie und Träume. Fazit: es gibt kaum Raum dafür! Unrealistisch?! Irrational?! Spinnerhaft?!
Das trieb mich an! Und so rief ich eine Figur ins Leben, die für all das Verlorene stand.
Ein Kleines Wesen, das alle Kreativität, Fantasie und Spinnerei erlaubt!
Mein KLEINES WESEN! Ich entdeckte es bei einer Vorlesung. Auf einem Blatt Papier. Es trug einen großen Hut, der ihm weit über die Augen hing.
In den darauf folgenden Jahren trieb mein KLEINES WESEN mich an, endlich etwas ins Leben zu rufen, das ebenso greifbar für die kleinen und großen Menschen ist, wie für mich: so entstand die Marke FINDE FANTASIE und nach und nach die  WANDELWELT.
2009 nahm ich mir eine Auszeit und lief den Jacobsweg. Auf diesem Weg wurde mir wieder bewusst, dass ich eigentlich viel Lieber mit Kindern arbeiten möchte .
Ich ließ mich zur Entspannungstrainerin für Kinder und Jugendliche ausbilden.
Nun arbeite ich seit 2010 als Entspannungstrainerin in meiner kleinen Praxis mit kleinen und großen Kindern an der Erschaffung, Erhaltung und Eroberung ihrer Fantasien.
Ich unterstütze sie alle darin, RICHTIG zu sein, in dem, was sie fühlen, denken und sich vorstellen.
2011 war dann auch die Wandelwelt bereit sich unserer Welt zu präsentiere und 2012 kam das Hörbuch dazu. Was in den nächsten Jahren noch so kommt? Lasst euch Überraschen.
Ideen habe ich noch eine ganze Menge.
Worum es im Buch „Wandelwelt“ überhaupt geht und was Diana euch noch schönes erzählen möchte, erfahrt ihr heute um 12 Uhr und um 18 Uhr!
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[Interview] Uwe Kullnick

Nach der Buchvorstellung von „Stachelschweintanz“ folgt nun das Interview mit Uwe Kullnick. Auch hier zeigt sich erneut, wie unterschiedliche die Antworten ausfallen können!

Wie sieht Ihr perfekter Tag aus?
Mein
P – rivatsphäre soviel ich brauche
E – insamkeit zum Schreiben
R -uhe und Konzentration
F – reude am Leben
E – ine Menge Liebe und Zuneigung
K – aum Stress
T – anzende Stachelschweine
E – Einfälle ohne Ende
R – eaktionen der Leser auf meine Texte

T – ierisch gute Kritiken
A – chtung gegenüber meiner Person und Arbeit
G – enug Kuscheleinheiten

Readandbeyourself: Kaffee oder Tee?
Uwe Kullnick: Heiße Schokolade! – Ist aber recht selten.
Haben Sie in Ihrer Kindheit bzw. jetzt als Erwachsener selber gerne Bücher gelesen (und lesen noch) und wenn ja, welches Genre?
Als Kind las ich sehr viele Tierbücher, dann alles von Karl May was ich in die Finger bekam. Später habe ich viel Fachliteratur für mein Studium der Zoologie, der Anthropologie und der (Sexual-) Psychologie konsumiert. Philosophie und Geschichte der Medizin und Naturwissenschaften sowie Sprachwissenschaft und vor allen Neurowissenschaften und psychiatrische Fallgeschichten haben mein Gehirn strapaziert, was mir aber ungeheuren Spaß gemacht hat. Ich las lange Zeit viel über die Zeit zwischen 1933 und 1945 insbesondere über die Verbrechen der Wissenschaft und der Medizin in Lagern, KZ’s und Zwangssterilisierungskliniken oder sonstigen medizinischen Einrichtungen. Vieles davon findet sich heute in meinen Kurzgeschichten reflektiert.

Was ist Ihr Lieblingsbuch, -autor und -genre?
Mein Lieblingsbuch ist, denke ich, Der Stechlin – „Oh Leute, diese Dialoge, diese Sprache, wunderbar.“
Lieblingsautor: früher Bernhard Grzimek, lange Zeit Karl May und mit seinen rd. 80 Bänden die ich besitze, wohl der Autor von dem ich am meisten gelesen habe. Inzwischen wechselt es zwischen Fontane, Arno Schmidt, G. Ch. Lichtenberg, Machfus, Steve Tolz, Carlos Ruiz Zafón, Pelham G. Wodehouse, Douglas Adams (nicht nur Per Anhalter durch die Galaxis, sondern besonders DIE LETZTEN IHRER ART), T.C. Boyle und sonstiger Belletristik.
Ja welches Genre lese ich am liebsten/meisten? Englische Krimis, überhaupt so manches aus England, Klassiker, Romantiker, Wissenschafts-Sachbücher, Geschichte, Biografien, Wissenschaftliche Belletristik, Science Fiction. Eine kleine Auswahl meiner Bibliothek findet sich hier: http://www.lovelybooks.de/bibliothek/uwe_kullnick/

Haben sie ein Lieblingszitat aus Ihren oder aus anderen Büchern? Wenn ja, welches?
Eigene Zitate:
  • Dämonen sind immer ohne Schuld (Der Buckel) Hörbuch
  • Sssssch-Pfffff, Sssssch-Pfffff, imitierte die Neue das Geräusch der Eisernen Lunge (Mama Tube, in Lachen Leben Sterben, http://tiny.cc/sjkxdw
  • Doch die Angst hatte an ihnen gefressen, wie eine Ratte an einem sterbenden Hund (Mörder, FDA Anthologie);
Fremdzitate:
       Sic Transit Gloria Mundi (So vergeht der Ruhm der Welt);
       Bedenkt, wozu dieses Dasein Euch gegeben: Nicht um dem Viehe gleich zu brüten, nein, um Wissenschaft und Tugend zu erstreben. Dante.
Hören Sie Musik beim Schreiben?
Ja, aber vor allem beim Korrekturlesen. Oft auch als Schrittmacher bei dynamischen Texten (Techno, volle Pulle).

Hören Sie gerne Musik, wenn ja welche?
Smooth Jazz, Raggae, Blues, ausgewählte Klassische Musik.

Wo schreiben Sie am liebsten?

In meinem Arbeitszimmer, aber, wenn die Nachbarn mal nicht randalieren, im Garten unter meinem schattenspenden Balkon.


Haben Sie beim Schreiben ein bestimmtes Ritual, wie z. b. Musik hören oder einfach in einem stillen Raum sitzen?
Bei der Recherche arbeite ich oft sehr still und konzentriert im Internet. Beim Schreiben (ich schreibe sowohl mechanisch als auch gedanklich sehr schnell) mag ich ruhige bis rasende Musik, je nach Text.

Wird die Familie mit einbezogen, z. B. als Testleser oder Informationsquelle?
Meine Frau ist meine erste Testleserin, dann kommen kollegiale Autoren und vor allem Kinder in Schulen, wenn es um Kindertexte geht. Informationsquelle: Internet, Bücher, Fernsehen, Radio, Gespräche und Zeitung.

Würden Sie den eigenen Kindern Ihre Bücher vorlesen, oder greifen Sie doch lieber auf andere, von anderen Autoren, zurück?
Hätte ich Kinder, würde ich ihnen die entsprechenden Geschichten als ersten vorlesen. Aber ich schreibe auch ernste Themen, die für Kinder meistens nicht geeignet sind.

Wo holen Sie sich Ihre Inspirationen her?
Ganz viel aus meinem Gedächtnis. Die vielen Länder in denen ich war, die vielen Menschen, die ich traf. Ansonsten ist meine Umwelt die Quelle für Menschen, Geschichten und das was ich den Menschen erzähle, wenn ich mit ihnen spreche.

Wie sind Sie auf die Ideen für das jeweilige Buch gekommen?
Oft erzähle ich Menschen von meinen Erlebnisse während meiner reisen oder meiner Arbeit oder aus meiner Kindheit. Dann wird mir bewusst, dass der Stoff evtl. das Zeug für eine Geschichte hat. Oder mir liegt eine Sache auf dem Herzen und ich will darüber schreiben. Dann fange ich einfach an und es entwickelt sich nach einer Weile etwas, das in eine Geschichte mündet, die meine jeweilige Beunruhigung, Last, oder Bedrängnis behandelt.

Wie wird aus einer groben Idee im Kopf mit der Zeit ein ganzes Buch?
Manchmal habe ich nur eine Szene im Kopf, die aber typisch für etwas ist. Z.B. die Situation, in der eine Freundin/Kollegin ein Stachelschwein aus einer Gepardenfalle jagen will und das ewig nicht zu bewegen war die falle zu verlassen. Der Rest ergibt sich beim Schreiben.

Wie haben sie sich für das Genre entschieden, in dem Sie Ihre Bücher schreiben?

Ich schreibe in mehreren Genres. Kinderbuch, Kurzgeschichten, Wissenschaftskrimi oder ungewöhnliche Erzählungen in denen ich eine mich beschäftigende Thematik behandele und mir manchmal selbst von der Seele schreibe. Es ist mehr das Problem oder die Thematik die mich treibt, weniger eine Genrezuordnung.

Entwickeln sich die Charaktere in den Büchern eigenständig, oder ist alles schon am Anfang geplant?
Das ist sehr unterschiedlich. Beim Krimi sind die meisten Handelnden gut bis oberflächlich geplant. Bei den Kinderbüchern ist viel von mir drin und von Menschen, die ich kenne. Das ergibt die Authentizität. Bei den Geschichten um die Verbrechen des Nationalsozialismus entlehne ich sie aus der Fachliteratur und versehe sie mit mir nahen Persönlichkeitsmerkmalen. Die Gruppe der Behinderten in ABWÄRTS ist das Ergebnis der Besichtigung einer Schule für körperlich und geistig behinderte Kids die mir dort auffielen.

Durften Sie an der Covergestaltung mitarbeiten?
Die meisten Cover sind von mir bzw. ich konnte mitbestimmen, wie sie werden.

Wollten Sie schon immer ein Kinderbuch schreiben?

Nie, kein Gedanke. Es war ein Gedanke meiner Frau. Ich beschreibe es in meinem Buch Stachelschweintanz.

Könnten Sie sich vorstellen, das Genre zu wechseln?

Ich schreibe ohnehin in einigen Genres. Welche noch kommen, wird man sehen.

Was fasziniert Sie an Kinderbüchern?

Das Echo der Kinder. Ich lese in Schulen und bei Freunden. Das Lachen an den richtigen Stellen, die Nachfragen ob ich das alles wirklich erlebt habe, die Wünsche auch so etwas erleben zu dürfen und das mitgehen mit Willy, den pupsenden Elefanten, den Schlangen, dem Jaguar, dem Kraken und den Büffeln, sind die Faszination, die meine Kinderbücher mir geben. Ich habe keine Kinder und hätte nie gedacht, dass ich überhaupt Kinderbücher schreiben kann. Ich bin sicher kein Märchenonkel. Meine Bücher sind sachlich basierte Geschichten, die Abenteuer, Spaß, Wissen und Forschung verbinden. Die von mir verwendete Sprache wächst beim Schreiben und überarbeiten und scheint gut anzukommen.

Was halten sie von Ebooks?

Sie machen das Publizieren soooo viel einfacher und schneller. Man muss keine Klinken putzen, sonder muss nur etwas Arbeit investieren, sich mit der Sache auseinandersetzen und dann kann es losgehen. Wichtig ist auch, dass man Freunde oder Verbündete hat, die einem dabei helfen. Dabei ist das Internet eine wunderbare Hilfe. Leider sind ebooks bei kindern noch nicht so verbreitet, daher tun sich Kinderbücher, die nur als ebook erscheinen, sehr schwer. Daher wird der Stachelschweintanz im Herbst als gedrucktes Buch in Zusammenarbeit mit dem Satzweiss Verlag Chichili Agency erscheinen und auf der Frankfurter Buchmesse  vorgestellt werden.

Wie schafft man es kindgerecht zu schreiben? Ich stelle es mir schwierig vor, nicht immer wieder in zu komplizierte Sätze abzurutschen.

Ich schreibe auf einem sprachlichen einfachen Niveau und investiere wenn die Geschichte fertig ist eine Menge Arbeit um den Text lesbarer und klarer zu machen. Auch meine Test-Lesungen zeigen mir sehr genau, wo Längen sind, wo eine Pointe nicht sitzt oder wo ich über die Kinder hinweggeschrieben habe.

Wie sieht die sprachliche Vorbereitung zu einem Kinderbuch aus? Erstmal einige Wochen nur mit Kindern in der Altersklasse sprechen, für die die Geschichte gedacht ist, oder gibt es da spezielle Tricks?

Kann man sicher so machen, aber ich habe einfach angefangen zu Schreiben und mir vorgestellt, wie ich den Kindern, die ich kenne oder kannte etwas erzählen wollte. Das war es schon.

Was ist der große Unterschied zwischen Romanen für Erwachsene und Kinderbüchern, den man beim Schreiben immer im Hinterkopf haben sollte?
Die Sprachkomplexität ist sicher ein Punkt. Ich stelle mir bei Kinderbüchern die Frage, was will ich eigentlich erzählen? Und dann sage ich mir: „Dann mach es einfach!“
Bei Büchern für Erwachsene komponiere ich Sprache und die Geschichte wird dabei transportiert. Mal mehr mal weniger, je nach dem, was in der Szene wichtiger ist, Inhalt, Sprache oder Form.

Was sollte man beim Schreiben von Kinderbüchern am besten vermeiden?

Geschwafel, Wortverliebtheit und Eitelkeit. Genauso gefährlich ist es Kinder zu unterschätzen. Weder bei der Recherche, noch in der Umsetzung des Erzählten. Kinds stimmen mit den Füßen ab. Die lassen den Lesenden einfach stehen und gehen oder fangen an zu quatschen. Also immer schön Aufpassen, dass man sie nicht verliert, weil man nicht auf sie konzentriert war beim Schreiben.

Was war Ihr Lieblingsbuch als Kind?

Das ist sehr altersspezifisch.
Menschen Tiere Abenteuer, Minnewitt und Knisterbusch in Australien (Peter Mattheus), Privatdetektiv Tiegelmann (Holm), dann die Wüstenbände von Karl May,

Was ist das beste Kinderbuch, das Sie je gelesen haben und warum?

Minnewitt und Knisterbusch ist mir nie aus dem Sinn gekommen.

Welche Themen sollten in Kinderbüchern öfter behandelt werden?

Das sollte man je nach Altersstufe sicher differenzieren. Für die Kleinen ist es auf jeden fall anders als für die Schulanfänger, die Viertklässler oder die darüber. Was aber spätestens ab 5 immer eine Rolle spielen sollte ist die kritische Reflexion des Kindes, seiner Bezugspersonen in der Welt. Es fängt damit an, dass die Kids den Unterschied zwischen Information und Wissen erfahren sollten. Hört sich theoretisch an, ist es aber nicht. Information ist alles was man hört, liest, sieht und irgendwie reflektieren muss. Wissen ist das was durch „autorisierte“ Instanzen geprüft ist (nicht zu verwechseln mit absoluter Wahrheit oder Wissen)

Finden Sie es – wie es manche Politiker fordern – wichtig und richtig Kinder schon früh mit Toleranzthemen wir Integration oder gleichgeschlechtlicher Liebe zu konfrontieren?

Ich finde es richtig Kinder sukzessive mit der Welt bekannt zu machen. Toleranz ist ein Teil davon, Abgrenzung der eigenen Persönlichkeit eine andere. Kinderbücher sollen Altersgerecht von allem sprechen dürfen. Sie sollten nicht wirklich brgrenzen oder übertreiben. Aber auch nichts tabuisieren.

Finden Sie nicht auch, dass einige Kinderbücher (Struwwelpeter und einige andere Märchen) recht brutal sind?

Struwwelpeter und Märchen sind in mancher Hinsicht brutal. Vor allem aus Sicht Erwachsener. Ich denke Kinder sehen oft im Wesentlichen die Botschaft und nicht den wirklich abgeschnittenen Daumen oder den verhungernden, wegfliegenden Menschen.

Was ist Ihrer Meinung das Geheimnis von Märchen? Wieso erfreuen sie sich noch heute bei vielen Kindern großer Beliebtheit?

Es sind Welten, in denen alles möglich ist und zwar mit Beteiligung des Personals ihrer Umgebung und fantastischen, ihren unterschwelligen Wünschen oder Ängsten entsprechenden Imaginationen. Sie sind so anders und doch so vertraut. Manchmal Shining für Kinder!

In welcher Hinsicht haben sich Kinder und Jugendbücher Ihrer Meinung nach in den letzten 20 Jahren gewandelt?

Für mich schwer zu sagen. Vielleicht sind sie auf dem Weg weniger Angst, Zwänge und Sanktionen zu thematisieren. Statt dessen, mehr Offenheit, Unabhängigkeit und persönliche Gefühle zu vermitteln.

Wollten Sie schon immer Autor werden?

Ach, vielleicht ja, vielleicht nein. In meinen Zwanzigern habe ich immer geschrieben, wenn ich unglücklich war. Dann außer Beruflichem nichts weiter und nun wieder mehr. Bin ich ein Autor? Ja mittlerweile schon. Es war ein Prozess in nicht-linearen Schüben.

Wie entspannen Sie sich zuhause am besten?
Mit Lesen und Schreiben.

Bringen Sie auch eigene Erfahrungen, Träume und Gefühle, die Sie selbst erlebten, mit in das Buch ein?

In verschlüsselter und manchmal in klarer, direkter Weise ja.
Worum geht es, in Ihren Worten, in Ihrem Buch?
Es sind drei Geschichten, die alle mit Tierforschung zu tun haben.
Die erste ist eine Geschichte unfreiwilliger Komik zwischen einer jungen Frau und einem Stachelschwein in der Wildnis von Namibia. Sie ereignet sich beim Aufenthalt zweier Forscher aus Deutschland bei Zoologen, die versuchen Geparde lebend zu fangen um ihnen Sendehalsbänder umzuhängen, damit sie besser vor Wilderei geschützt werden.
Paulino handelt von den Abenteuern, die ein Forscher mit einem pfiffigen und immer zum Ausreißen bereiten Oktopus erlebt.
Leopard ist die Geschichte eines Forschungsabenteuers in Sri Lanka. Die Forscher begegnen vielen Tieren, erleben lustige und gefährliche Abenteuer mit Schlangen, Büffel, Drachen Fliegenden Hunden und stellen am Ende der Geschichte fest, das der von ihnen gesuchte seltene Leopard viel mehr Übersicht über die Situation hatte als sie selbst.  

Was ist das Besondere an „Stachelschweintanz“ und den anderen beiden Kurzgeschichten?
Die Geschichten basieren auf meinen tatsächlichen, und/oder den Erlebnissen meiner Forschungskollegen. Die Leser werden unterhalten, können lachen, mitfiebern und lernen quasi en passant etwas über die vorkommenden Tiere, das Land und die Forschung mit Tieren. Das wirklich besondere ist die Verquickung von Abenteuern, Lernen, und Spaß. Das gibt es im Kinderbuch bisher offenbar kaum, wie meine Recherchen in Kinderbuchgeschäften zeigten. Die Kids lernen, dass Forschung in fremden Ländern auch Abenteuer bestehen und Vergnügen haben bedeuten kann. Hierdurch hebt es sich von märchenhaften, oder nur wissensvermittelten Büchern deutlich ab. Auch ist die Altersgruppe die ich anspreche notmalerweise zu inhomogen um dasselbe Buch zu lesen. Hier geht es vom Vorlesen und erklären bis zum selbst Lesen.
Ein weiteres Novum, wie ich meine sind die Bilder, die ich selbst während dieser Forschungen gemacht habe. Hierdurch ist es wie bei Lesungen, als Autor bin ich im Buch anwesend und man sieht wer da erzählt in den Bilder oder durch die Bilder, die ich zum großen Teil selbst gemacht habe. Dort wo mein eigenes Bildmaterial nicht hinreicht, ergänzte ich mit gekauften Bildern oder solchen aus dem CC-Pool.    

Wie hat es sich angefühlt, neben dem Ebook auch ein Printbuch veröffentlich zu haben?
Ich merkte im Laufe der Zeit, dass mein ebook zwar gekauft wurde, bekam aber das feedback, dass es vorwiegend Eltern kauften, die es vorlasen. In Deutschland haben noch wenige Kinder einen eigenen Reader daher sind die Käufe für selbstlesende Kinder noch relativ gering, es sei denn, sie dürfen den Reader von papa oder Mama benutzen. Auch sind die meisten Reader nur für schwarz/weiß Darstellungen geeignet. Dadurch entgeht dem Leser schon einiges, da viele Abbildungen erst in Farbe richtig wirken. Die Lösung war ein gedrucktes Buch. Nun wollte ich nicht bei den Verlagen Klinken putzen und machte es mit einem Amerikanischen Verlag allein. Das Schreiben, Planen, Setzen, Formatieren und die Endkontrolle und dem Marketing und Vertrieb machte ich alles selbst.  Meine Idee war, wenn es gut wird kommt irgendwann ein Verlag auf mich zu. Das ist jetzt geschehen. Im Herbst wird eine neue Auflage (die erste ist derzeit vergriffen) auf dem deutschen Markt im Satzweiss Verlag – Chichily Agency erscheinen. Das Buch wird auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt und ich darf es präsentieren, vielleicht sogar mehrere Lesungen durchführen. 

Warum haben Sie überwiegend Fotos der eigenen Expeditionen für die Geschichten genommen und keine Illustrationen?
Ich habe es schon weiter oben beschrieben aber ich habe die elektronische und die gedruckte Neuauflage mit vier neuen Illustrationen bereichert und zwar immer dort, wo eine Zeichnung eine besondere Situation deutlich macht, z.B. Paulino (der Krake) hockt in der Kloschüssel, Lisa „tanzt“ auf dem Geparden-Stachelschwein-Käfig und der Leopard sitzt … (aber das verrate ich nicht, das sollen die LeserInnen selber sehen. Die Zeichnerin, ZARA Stetten ist eine junge Frau, 19 Jahre, die bis zu ihrem 17 Lebensjahr mit ihren deutschen Eltern in Vietnam und Thailand gelebt hat und jetzt nach Hamburg gezogen ist. Sie besucht eine Fachschule für Illustration.  Vor kurzem hat sie die Illustrationen für das Buch angefertigt und sie sind nun auch Teil ihrer Präsentations-Mappe. Ich werde in Zukunft sicher noch mehr mit ihr zusammenarbeiten.    

Was hätten Sie sich für Ihr Buch noch gewünscht?
Noch viel mehr LeserInnen und mehr Zeit um es noch besser machen zu können. Darüber hinaus sind mir die aufmerksamen Gesichter der Kinder bei meinen Lesungen, in denen ich immer eine Geschichte lese, und die Fragen nach dem wie und wo und warum und „sind sie wirklich dort gewesen?, … gibt es Paulino in Neapel tatsächlich?“ und „Wie wird man Biologe?“, genug Zuspruch, um mich schon nach dem nächsten Buch mit schönen Geschichten zu sehnen. Denn in meinem Kopf sind noch etliche vorhanden.
Sie haben angeboten, über wilde Lieblingstiere von Kindern zu schreiben, und dazu einen Malwettbewerb ausgerufen. Wie kam es zu dieser Idee?
Die Idee hatte ich anlässlich eines Mädchen, das meine Geschichte zur Probe gelesen hat. Es setzte sich spontan hin und malte das Stachelschwein. Da hatte ich die Idee Kids zu Mitautoren zu machen. Ich konnte zwar nicht garantieren, dass ich mit allen von den Kindern gewünschten Tieren eine eigene Geschichte erlebt hatte, aber soviel schriftstellerische Freiheit habe ich, dass ich für solche Fälle einen Ausweg finde. So wurde aus einem eingeschickten Jaguar einfach die Geschichte über einen Leoparden. So entstand die Geschichte Leopard, die mittlerweile zu den beiden ersten Geschichten hinzugefügt wurde.

Halten Sie ohnehin alle Reiseerlebnisse fest oder haben Sie sich erst im Nachhinein so präzise damit auseinandergesetzt, um daraus eine Geschichte zu schreiben?
Ich habe bis auf eine Wanderung der Grande Route in Korsika nie ein Reisetagebuch geschrieben. Es sind Fotos, oder Erinnerungen, manchmal auch die meiner Freunde und Kollegen, die mir helfen die Situationen und Atmosphäre zu rekonstruieren.

Warum reizen Sie wilde Tiere und nicht auch Haustiere wie Hunde, Katzen und Pferde?
Ich bin Zoologe und interessierte mich schon immer für wilde Tiere. Ich hatte auch Hunde als Kind, aber mein Vater hat mir beigebracht, sie als Tiere und nicht als Menschersatz zu behandeln. Wer das tun will, meinetwegen, aber ich mag keine im Bett schlafenden Hunde oder Katzen und deren Geschichten. Märchenhafte Erzählungen mit Kindern kann ich wahrscheinlich auch gar nicht schreiben. Ich verbinde mit Tieren immer etwas was ich wissen will. Also was da draußen, außerhalb meiner vier Wände geschieht. Pferde finde ich schon besser, Aber da ist es mehr die evolutionäre Geschichte dieser faszinierenden Tiere und ihre Physiologie. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, diese typischen Pferde-Mädchen-Bücher zu schreiben. Dazu bin ich zu konkret und unsentimental.
Was ist die Zielgruppe Ihres Buches? Nur der deutschsprachige Markt, oder wünschen Sie sich zukünftig auch Übersetzungen für andere Länder, zum Beispiel die Heimatländer der Tiere?
Natürlich ist der deutschsprachige Raum die Hauptzielgruppe. Allerdings wird das Kinderbuch auch in USA, Italien, Spanien, UK und Frankreich gekauft. Hier handelt es sich aber um deutschsprachige Leser bzw. deren Eltern, die mein Buch, wie alle anderen auch, auf der Amazon Seite finden. Es gibt schon eine Übersetzung des Stachelschweintanzes. Dann heißt es Porcupine Polka. Es ist jedoch noch nicht erschienen, ist aber für den Winter dieses Jahres geplant. Die Heimatländer der Tiere die im Buch eine Rolle spielen? Hmmm. Italien sagte ich schon, aber Afrika oder Asien ist schwer. Die Übersetzung in diese Sprachen ist aufwändig und teuer. Ich habe keine Erfahrung damit. Vielleicht, wenn es mal mehrere Folgen gibt.   

Suchen Sie gezielt nach Besprechungen Ihres ebooks?
Natürlich, welcher Autor täte das nicht. Allein auf Amazon.de habe ich schon 13 Rezensionen mit 5 Sternen, allerdings auch einen Verriss mit 1 Stern, aber damit muss man als Autor leben und wenn das Verhältnis von Plus zu Minus so deutlich ist, kann ich damit gut leben. Auch das Echo im Internet ist sehr erfreulich, was man allein schon daran erkennt, dass ich in dieser Kinderbuch-Woche präsent sein darf und meine Antworten auf den Fragebogen schreibe. 🙂
Fürchten Sie schlechte Bewertungen, besonders wenn so viel eigene Erfahrungen darin stecken?
Natürlich ist Lob angenehmer als Kritik und wenn sie denn dann eher emotional, aggressiv und wenig konstruktiv ist, tut sie auch weh. Insbesondere wenn der Kritiker nicht erkennt, dass es sich zum großen Teil um persönliche Erfahrungen handelt. Über Stil, Sprache Inhalt kann man trefflich streiten, aber konstruktiv mit einem Text umzugehen verlangt auch gewisse Fähigkeiten vom Kritiker. Diese sind manchmal aber nicht zu erkennen, was sehr schade ist, weil ich als Autor gern Anregungen zur Verbesserung aufnehme. Zumal ich als Naturwissenschaftler von der Kritik and meinen Erkenntnissen geprägt bin und versuche meine Schriften so selbstkritisch wie möglich zu betrachten.
Vielen, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für das Beantworten der Fragen nehmen!
Wer immer noch Fragen hat, oder mit mir in Kontakt treten möchte: uwe.kullnick@email.deIch freue mich über ihr Feedback.
Ich habe zu danken Frau Schramm 
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[Themenwoche] Heute: Uwe Kullnick

Nach drei tollen Autoren möchte ich euch heute mit einem weiteren Autoren bekannt machen. Es geht wieder um ein Kinderbuch, und diesmal ist es tierisch…

Uwe Kullnicks Ebooks sind bereits mit zwei Preisen gewürdigt worden: 1. Preis des Haidhauser Werkstattpreises 2011 für „Die Zeichnung“ und den 3. Preis des Haidhauser Werkstattpreises 2012 für „Der Buckel“. Heute geht es aber um das Kinderbuch „Stachelschweintanz“, das im Herbst in der 2. Auflage als Printbuch erscheint.


Sehr geehrter Herr Kullnick, stellen Sie sich den Lesern bitte kurz vor. Was machen Sie – und wie sind Sie Autor geworden?


Uwe Kullnick:ENDLICH habe ich Zeit und Muße für meine bisher heimliche Leidenschaft – Schreiben!
Wieso endlich? Ja, eine berechtigte Frage. Eigentlich ist es nicht zu trennen. Mein Leben bisher und das Warten endlich wieder Schreiben zu können.
Vieles von dem, was ich jetzt zu Papier bringe wäre mir ohne die vergangene Lebenszeit und vor allem ohne die Aktivitäten, Berufe, Reisen, Aufgaben, Erfolge und Enttäuschungen meines Lebens (man nennt es wohl auch Erfahrungen) nicht in den Sinn gekommen. Die Gedanken, Geschichten und Romane und nicht zuletzt die Sprache sind gereift und stehen jetzt Schlange um in die Welt zu treten und hoffentlich, und das ist die Eitelkeit jedes Schriftstellers, gelesen zu werden.
Vielleicht interessiert es den ein oder anderen, wie der Weg war, der mich bis hierher gebracht hat. Es würde mich sehr freuen.

Als Sechsjähriger hatte ich Lungen-Tuberkulose und wurde allein und mit der Bahn an die Nordsee verfrachtet. Diese Erfahrung hat mich mein Leben lang begleitet. Genau so, wie die Tatsache, dass meine Mutter linksseitig gelähmt war, weil sie bei dem Kaiserschnitt der mich zur Welt brachte einen Schlaganfall hatte. Meine Kindheit war gewissermaßen schon dadurch etwas schief, ebenso wie meine Mutter danach schief im Leben stand. Aus dem Gymnasium rausgeschmissen machte ich die Volksschule fertig, absolvierte die Handelsschule mit Ach und Krach und lernte Steuergehilfe.
Ein furchtbarer Beruf – für mich jedenfalls. Aber mein Vater war Steuerberater und mit gelähmter Frau und insgesamt drei Kindern, war es das Einfachste diesen Beruf zu erlernen. Mein Vater starb viel zu früh, und so brauchte ich ein neues Ziel. Ich fand es. Damit endete der schiefe Teil meiner Kindheit, der angedauert hatte, bis ich vierundzwanzig war.
Mein Ziel? Ich wollte Zoologe werden! Am beste so etwas wie Grzimek oder Konrad Lorenz: Mit Volksschulabschluss ein außerordentlich kühnes Unterfangen. Also machte ich mein Abitur nach und schrieb mich in der Uni Braunschweig ein. Ziel Zoologie. Ich bestand meine Prüfungen mit sehr gut und hängte gleich eine Promotion dran. Meine akademischen Schwerpunkte als Dr. rer. nat. sind Biologie (Zoologie), Neurophysiologie Anthropologieund Sexualpsychologie. Ungefähr vierzehn Jahre später war ich C1 Professor im Zoologischen Institut für Tierphysiologie an der Uni Braunschweig. In dieser Zeit durfte ich viele Erfahrungen der praktischen Forschung machen über die ich auch in meinen Büchern berichte. Später wurde ich Vice President eines großen Industrieunternehmens und verantwortlich für Risikothemen, Risikokommunikation und Umweltschutz. Hier war ich global verantwortlich und aus dieser Zeit rühren ebenfalls viele meiner Reiseerfahrungen. Mindesten sechzig Länder habe ich besucht und viele Eindrücke und Erlebnisse mitgenommen.

All das war und ist die Grundlage meines Schreibens das ich in der Zwischenzeit zwar immer, aber viel zu selten ausüben konnte. Ich erinnere mich an sehr Vieles aus dieser Zeit und beschreibe Gewesenes, Mögliches, Wahrscheinliches und Ausgedachtes in Kurzgeschichten, Erzählungen, Artikeln und Romanen manches sogar unter Pseudonym. Es beginnt jetzt ein ganz normales Schriftstellerleben, dass ich so genießen werde, wie ich hoffe, das es die Leser mit guten Texten versorgen wird.


Vielen Dank! 

Heute um 18 Uhr wird die Rezension zu „Stachelschweintanz“ online gehen.
Um 19 Uhr erfahrt ihr noch mehr über das Leben des Autors – seid gespannt!

Schaut auch auf die Homepage des Autors.

Uwe Kullnicks Veröffentlichung

NEUE PRINTAUSGABE: Stachelschweintanz 2. Auflage (vorher Leopard) (Präsentation Frankfurter Buchmesse, Herbst 2012)
Ebooks:
HÖRBÜCHER:
Der Buckel(Groteske) 
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[Interview] Heidemarie Brosche

Nachdem ihr nun erfahren habt, worum es in Casting geht, beantwortet Heidmarie Brosche nun eure Fragen. Hier ist die Autorenvorstellung und hier die Rezension.

Readandbeyourself: Wie sieht dein perfekter Tag aus?
Heidemarie Brosche: Mein PERFEKTER Tag?! Nicht vom Wecker geweckt werden, ausgiebig frühstücken mit vielen Tassen Tee, dabei Zeitung lesen und/oder Gespräche führen, dann aber auch schon an den PC. Schauen, was an Mails da ist, auf facebook „vorbeischauen“, schreiben. Mich nicht ums Mittagessen kümmern müssen, sondern bekocht werden, danach weiterschreiben. Nachmittags von meinem Mann zum Cappuccino gerufen werden, dann noch mal an den PC. Abends etwas Schönes vorhaben – Film oder Treffen mit Freunden oder schönes Buch oder – bei Sommerwetter draußen sitzen, solange es geht. Abends auch sehr gerne Wein – im Sommer leichter Weißwein, in der kälteren Jahreszeit Rotwein.

Was ist dein Lieblingsbuch, -autor und -genre?

Ich habe kein Lieblingsbuch, keinen Lieblingsautor. Aber „Gut gegen Nordwind“ von Daniel Glattauer fand ich zum Beispiel ein wunderbar leichtes Buch, das mich sehr gut unterhalten hat. Ich lese recht oft Fachliteratur, so dass ich Romane, die nicht seicht, aber spannend sind, sehr genießen kann – gelegentlich auch Krimis wie die von Henning Mankell.

Hast du ein Lieblingszitat aus deinen oder aus anderen Büchern? Wenn ja, welches?
Kurt Tucholskys Satz „Erfahrung ist gar nichts. Man kann eine Sache auch 35 Jahre lang falsch machen.“ liegt mir sehr, da er sich gegen satte Selbstzufriedenheit wendet und zur steten kritischen Reflexion von menschlichen Verhaltensweisen – auch der eigenen – anspornt.

Hast du in deiner Kindheit bzw. jetzt als Erwachsener selber gerne Bücher gelesen (und liest noch)?
Ja, Lesen ist seit meiner Kindheit eine DER großen Freuden meines Lebens.

Wo schreibst du am liebsten?
Ich schreibe sehr gerne in meinem Arbeitszimmerchen, aber auch im Zug, im Flugzeug, in Wartesituationen (Arzt, Autohaus …) oder auf einer Fähre – wie in diesem Moment ;-).

Hast du beim Schreiben ein bestimmtes Ritual, wie z. B. Musik hören oder einfach in einem stillen Raum sitzen?
Obwohl ich sehr gerne Musik höre – und zwar von Klassik bis zu kräftigen Stampfrhythmen – und mir deshalb eine kleine Stereoanlage in mein Zimmer gewünscht habe, schreibe ich inzwischen doch am liebsten „in Ruhe“.

Wird die Familie mit einbezogen, z. B. als Testleser oder Informationsquelle?
Je nach Thema bitte ich meinen Mann oder meine Söhne, sich bestimmte Textstellen oder auch mal ein ganzes Manuskript kritisch durchzulesen. Und wenn es um Dinge geht, von denen sie mehr verstehen als ich, zapfe ich sie natürlich auch für Sachinformationen an.

Wo holst du dir deine Inspirationen her?
Eigentlich kann mir alles als Inspiration dienen: mein eigenes (Er-)leben und (Er-)Leiden, das, was ich in meinem persönlichen Umfeld wahrnehme, oft auch in der Schule, aber immer wieder auch die Erinnerung an das Kind, das ich mal war.

Wolltest du schon immer Kinder- und Jugendbücher schreiben?

Ganz klar: Nein! Auf die Idee kam ich erst als junge Mutter. Geschichten und Gedichte geschrieben habe ich allerdings schon als kleines Grundschulkind, wovon noch heute ein kleines Büchlein mit dem – von mir – handgeschriebenen Titel „Selbstgedichtedes“ zeugt.

Wie hast du dich für das Genre entschieden, in dem du deine Bücher schreibst?
Das hat sich so ergeben. Als Erstes hatte ich eine kleine Bilderbuch-Idee. Mit der konnte ich aber bei keinem Verlag landen, wohl aber mit Vorlese-Geschichten. Dies erfreute mein Herz zwar, aber ich drängte zur „längeren Form“, so dass ich irgendwann Erstleser und Kinderromane schrieb. Gleichzeitig verarbeitete ich voller Leidenschaft mein Mutterleben schreibend und hatte einige Jahre feste Kolumnen in zwei Zeitschriften. So „übte“ ich auch das Schreiben für Erwachsene, was  ebenfalls in einige Buchprojekte mündete. Zuletzt dachte ich: „Nun habe ich durch meine Söhne und  durch meine SchülerInnen unaufhörlich mit Jugendlichen zu tun. Da sollte ich doch mal versuchen, für diese Altersgruppe zu schreiben.“ Ich weiß, das klingt ein bisschen nach Hansdampf in allen Gassen, aber ich fühle mich mit dieser Vielgleisigkeit sehr wohl.

Durftest du an der Covergestaltung mitarbeiten?
Nicht bei allen Büchern, aber bei manchen.

Bringst du auch eigene Erfahrungen, Träume und Gefühle, die du selbst erlebst, mit in das Buch ein?
Gibt es in deinen Figuren Teile von dir?

Allerdings, das kann und will ich gar nicht vermeiden.

Liegt dir eine Person deiner Bücher besonders am Herzen?
Im Prinzip immer die Person, die in meinen Augen am meisten Hilfe braucht. Der versuche ich dann in meinen Geschichten dazu zu verhelfen, dass sie sich selbst besser helfen kann.

Entwickeln sich die Charaktere in den Büchern eigenständig, oder ist alles schon am Anfang geplant?
Es ist immer schon eine Menge geplant, aber ich MUSS meinen Charakteren eine gewisse Freiheit lassen, nur so komme ich zu in meinen Augen guten Geschichten. Wenn ich vor meiner Autorinnentätigkeit gehört habe, dass Buchfiguren ein Eigenleben entwickeln können, habe ich das nicht verstanden. Heute erlebe ich es sozusagen am eigenen Schreiben.

Liest du den eigenen Kindern deine Bücher vor, oder greifst doch lieber auf andere, von anderen Autoren, zurück?
Früher habe ich ihnen schon mal was von mir vorgelesen, aber jetzt sind sie zu alt dafür. Natürlich habe ich ihnen viel, viel öfter von anderen Autoren als von mir vorgelesen.

Könntest du dir vorstellen, das Genre mal komplett zu wechseln?
Ich hüpfe ja ohnehin von Genre zu Genre, insofern kann ich mir ziemlich viel vorstellen, nicht aber das Schreiben von Fantasy- und auch nicht von Horrorromanen.

Was hältst du von Ebooks?
Ich halte überhaupt nichts davon, sie zu verteufeln, wenn ich auch selbst nach wie vor das Blättern in Büchern aus Papier vorziehe.

Wie schafft man es kindgerecht zu schreiben? Ich stelle es mir schwierig vor, nicht immer wieder in zu komplizierte Sätze abzurutschen.
Inzwischen sitzt da wohl ein kleiner Zensor in meinem Kopf, der allzu Kompliziertes gar nicht erst in den PC fließen lässt. Ich denke, es ist eine Frage der Übung – und vielleicht auch des Gefühls für angemessene Sprache.

Wie sieht die sprachliche Vorbereitung zu einem Kinderbuch aus? Erst mal einige Wochen nur mit Kindern in der Altersklasse sprechen, für die die Geschichte gedacht ist, oder gibt es da spezielle Tricks?
Nein, so streng bin ich da nicht mit mir. Während des Schreibens kann es aber schon sein, dass ich mir ein bestimmtes Kind vorstelle, das sich im Alter meiner Zielgruppe befindet. Aber im Großen und Ganzen verlasse ich mich auf mein Gefühl, das sich vermutlich leichter einstellt, wenn man – wie ich – viel mit Kindern und Jugendlichen zu tun hat – auch bei Lesungen. Letztere halte ich vor jungen Menschen von drei bis ca. 16 Jahren.

Wie wird aus einer groben Idee im Kopf mit der Zeit ein ganzes Buch?
Welchen Rat hast du für angehende Autoren?

Ich mache mir unglaublich viele Notizen, und zwar zu allen möglichen Gelegenheiten. Deshalb muss natürlich immer etwas zum Schreiben greifbar sein. Die Notizen übertrage ich dann – bereits strukturierend – auf den PC. Manches tippe ich auch gleich direkt ein. Ich mache mir Gedanken darüber, welche Eigenarten diese oder jene Figur haben könnte, wie sie spricht, wie sie sich Freunden gegenüber benimmt, worüber sie sich ärgert, was sie besonders gut kann …
Dann beginne ich – meist mit dem Anfang. Was wie ein Witz klingt, ist keiner. Denn manchmal habe ich so große Lust auf eine bestimmte Szene, dass ich unbedingt mir der anfangen will – und sie dann erst später in die Geschichte einpasse.

Was sollte man beim Schreiben von Kinderbüchern am besten vermeiden?
Kinder zu langweilen und Kinder für dumm zu verkaufen.

Findest du es – wie es manche Poltiker fordern – wichtig und richtig, Kinder schon früh mit Toleranzthemen wie Integration oder gleichgeschlechtlicher Liebe zu konfrontieren?
Ich finde es nicht schlimm, Kindern Bücher über Integration oder gleichgeschlechtliche Liebe „zuzumuten“, aber ich finde es viel sinnvoller, Themen wie diese ganz selbstverständlich in Geschichten vorkommen zu lassen.

Was war dein Lieblingsbuch als Kind?
Ich kann mich nicht erinnern, dass ich EIN Lieblingsbuch hatte, aber ich weiß, dass ich z. B. Astrid Lindgrens Bullerbü-Bücher sehr, sehr geliebt habe.

Wie entspannst du dich zuhause am besten?

Ein entspannendes Wannenbad genehmige ich mir nicht allzu oft, aber wenn, dann weiß ich es sehr zu genießen. In der wärmeren Jahreszeit kann mich auch ein Sonnenbad sehr zur Ruhe bringen.

Worum geht es, in deinen Worten, in „Casting“?
Ein junges Mädchen aus einfachen Verhältnissen, das bisher nicht viel Erfolg im Leben hatte, nimmt an einem Model-Casting teil, das für Pärchen ausgeschrieben ist. Wider Erwarten ist sie mit ihrem Partner von Anfang an erfolgreich, ja, sie verstehen sich auch noch außerordentlich gut. Durch einen Sturz mit Verletzungsfolge, den sie vermutlich einer Konkurrentin verdankt, ändert sich alles. Am Ende ist sie … Nein, das verrate ich jetzt nicht. Nur so viel: … um Erfahrungen reicher und innerlich gereift.

Wie bist du auf die Idee zu „Casting“ gekommen, und wann zum ersten Mal? Hast du so einen Konkurrenzkampf schon selber in deiner eigenen Umgebung beobachten oder warst vielleicht sogar mittendrin?
In diesem Fall wurde ich vom Verlag gefragt, ob ich mir das Thema vorstellen könnte. Ich war mir erst gar nicht sicher, aber dann las ich jede Menge Artikel und Bücher und führte Gespräche, bis ich plötzlich in der Geschichte drin war.

Wieso ist das Thema für dich wichtig?
Findest du alle im Fernsehen übertragenen Castingshows verwerflich?

Wichtig scheint mir, den jungen LeserInnen einen Blick hinter die Kulissen zu ermöglichen, ihnen zu zeigen, dass das, was im Fernsehen zu sehen ist, oft wenig mit der Realität zu tun hat.
Um die zweite Frage beantworten zu können, müsste ich alle Shows kennen. Das tue ich aber nicht. Es geht mir auch gar nicht darum, Castingshows oder gar ihre Fans zu verurteilen, sondern den jungen ZuschauerInnen zu einer kritischen Distanz zu verhelfen. Dies klingt jetzt ganz so, als habe ich das Buch nur aus erziehlichen Gründen geschrieben. Das stimmt aber nicht. Ich hoffe, dass die Geschichte an sich gerne gelesen wird.

Warum ist es dir so wichtig, über Themen zu schreiben die auch etwas vermitteln? Möchtest du nicht einfach auch mal eine nette Geschichte ohne pädagogischen Hintergrund schreiben, oder kommt das von alleine?
Das ist eine Gratwanderung. Nur seicht plappern möchte ich nicht, aber die moralische Keule schwingen auch nicht. Ich glaube, es ist mit meinen Büchern wie mit mir: Ich laufe auch nicht immer mit einem Schild herum, auf dem ich meine politische und weltanschauliche Meinung kundtue, aber wenn es sich ergibt, bekenne ich mich ganz klar zu meiner Meinung.

War „Casting“ von Anfang an als Schulausgabe geplant?
Ja, war es. Aber ich würde mich freuen, wenn es nicht nur als Klassenlektüre gelesen wird.

Hältst du dich beim Schreiben von deinen Büchern immer an deine eigenen Tipps, wie du sie im Ratgeber gibst?
Das kann ich so nicht beantworten. Da müsste ich glatt meinen Ratgeber noch mal lesen. 😉 Ich denke aber schon, dass ich das im Hinterkopf mit mir herumtrage.

Wieso ist es dir wichtig, „Lesemuffel“, wie du selbst sagst, zu wecken?
Ich finde, Leseförderung orientiert sich zu oft an den Kindern und Jugendlichen, die aus gebildeten Elternhäusern kommen und von daher „dem Buch“ ohnehin schon recht nahe sind. Natürlich besteht auch hier die Konkurrenz durch PC, Internet usw., aber es gibt lesende Vorbilder, lesende Menschen im Bekanntenkreis, Gespräche … Die Kinder und Jugendlichen aber, bei denen es zu Hause kein Buch gibt und die Bücher fast schon als etwas Bedrohliches empfinden, liegen mir viel mehr am Herzen. Wenn sie nicht bis zum Ende der Schulzeit einen Zugang zu Büchern erhalten, kann es sein, dass sie ihn nie mehr kriegen. Und das fände ich sehr, sehr schade.

Meinst du, Ebooks sind eine Möglichkeit, mehr Kinder (und auch Erwachsene) zum Lesen zu bringen? 
 Das kann ich nicht beurteilen, aber warum sollte man es nicht versuchen. Wenn die Sache mit dem Urheberrecht klar ist, wenn es weiterhin „echte“ Bücher gibt, warum dann nicht einen anderen,  „modernen“ Weg zum Leser einschlagen?

Würdest du, wenn es nicht anders möglich ist, auch Ebooks veröffentlichen oder dann lieber darauf verzichten?  
Natürlich würde ich das. Ich wüsste gar nicht, warum nicht. Aber ich denke, es gibt keinen Grund für eine Entscheidung. Beide Formen können doch nebeneinander stehen und nicht in Konkurrenz zueinander.

Worin unterscheidet sich dein Ratgeber von anderen?
Er ist kein rein sachlicher Ratgeber, der Ratschlag an Ratschlag reiht, sondern er begleitet mich von der Zeit meiner allerersten Schreibversuche bis zu dem Moment, wo ich anfing, mit dem Schreiben Geld zu verdienen. Ich lasse die Leser teilhaben an den Fehlern, die ich gemacht habe, verheimliche aber auch nicht, was ich rückblickend in meinen Augen gut gemacht habe und damit zur Nachahmung empfehle. Eingestreut findet man dann aber doch eine Vielzahl von Sachinformationen.

Wie gehst du mit Kritik um?
Sie tut mir IMMER weh – im ersten Moment, das gebe ich zu. Aber dann versuche ich mich mit ihr auseinanderzusetzen und zu überlegen: Tobt sich hier jemand aus oder kann ich aus der Kritik vielleicht sogar lernen?

Wie gehst du mit den neuen Möglichkeiten, mit Lesern in Kontakt zu treten (wie Facebook, Blogs und Amazon) um?
Nach langem Ringen bin ich im letzten Jahr Facebook beigetreten und dadurch auch mit einigen Bloggerinnen in Kontakt gekommen. Dies finde ich eigentlich sehr schön. Dass mir so manches an Facebook überhaupt nicht gefällt, will ich aber nicht verhehlen. Auch auf lovelybooks hatte ich  kürzlich Kontakt zu zahlreichen LeserInnen – und war erstaunt, welch reger Austausch da entstehen kann.

Was war das schönste Erlebnis mit „Fans“?
Schön ist es immer, wenn Kinder oder Jugendliche mir nach der Lektüre meiner Bücher oder nach Lesungen schreiben. Und ganz besonders freue ich mich, wenn dies in etwa so klingt: „Eigentlich lese ich nicht besonders gerne, aber Ihr Buch hat mir richtig Spaß gemacht. …“

Wird es von dir noch weitere Jugendbücher geben?
Das will ich hoffen! Gerade schreibe ich wieder eines.

Vielen vielen Dank für deine Zeit!

Das habe ich sehr gerne gemacht.

Das Buch „Casting“ hat Heidi, die Cappuccino-Mama, gewonnen. Herzlichen Glückwunsch!