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[Rezension] Hansetochter

Hansetochter – Sabine Weiß
Bastei Lübbe
Taschenbuch, Januar 2014
ISBN 978-3-404-16887-3
591 Seiten

9,99 €

Henrike Vresdorp hatte bisher ein sehr glückliches Leben, auch wenn ihre Mutter bereits verstorben war. Ihr Vater war ein sehr angesehener Kaufmann undein potentieller Ehemann stand auch schon für sie fest.
Sogar der Kaiser besucht ihre Heimatstadt Lübeck, doch in all dem Trubel wird ihr Vater plötzlich tot nach Hause gebracht.
Henrike fällt aus allen Wolken, denn angeblich soll ihr Vater bei einer Hure vom Schlag getroffen worden sein. Weil sie und ihr Bruder noch nicht mündig sind, übernimmt ihr Onkel Hartwig zunächst die Verwaltung des Erbes. Doch Hartwig ist ein Saufkopf, dem das Geld nur so durch die Finger rinnt.
Kurz vor dem Tod des Kaufmanns kam dessen Freund und Handelspartner Adrian Vanderen in die Stadt, doch auch er hat mit Intrigen und Machtkämpfen genug zu tun. Henrike fühlt sich von allen verlassen und muss ständig vor Übergriffen ihres Onkels oder des verhassten Cousins Nikolas fürchten. Sie kann nur versuchen, ihr Erbe irgendwie zu retten – und Adrian scheint der geeignete Vertraute dafür zu sein.

Gemeinsam versuchen sie herauszufinden, wo das Schicksal begann, das die Familie Vresdorp ins Unglück stürzte. Doch Henrike und ihr Bruder Simon müssen sich zu allen Seiten schützen, denn von überall lauert Gefahr…

Dieses Buch hatte einen sehr unglücklichen Start bei mir. Da ich es über BloggdeinBuch bekommen habe, musste ich es natürlich zeitnah lesen. Doch nach meinem Uni-Block-Seminar hatte ich absolut keinen Zugang zu dieser Thematik. Ich hatte mich sehr auf das neue Buch von Sabine Weiß gefreut, weil ich bisher ihre Bücher immer sehr mochte.
Nach etwa 80 Seiten, die mich nicht so richtig fesseln wollten (was aber nur an mir lag!), habe ich kapituliert und das Buch liegen gelassen. Etwa zwei Wochen.
Zur Buchmesse musste ich dann fast drei Stunden hin und ebenso lange zurückfahren. Weil ich die knapp 600 Seiten ja noch fast alle vor mir hatte, wollte ich das Buch in dem Tag in einem Rutsch lesen.
Schon nach wenigen Seiten war ich wieder in der Handlung drin. Und siehe da – es war ein ganz wunderbares Buch!

Zum einen ist das Setting natürlich grandios. Das historische Lübeck ist aufwendig und detailreich beschrieben. sodass man sofort nach Lübeck reisen und alles selbst erkunden will.
Dann ist fast das ganze Buch aus der Sicht von Henrike oder Adrian geschrieben, wodurch man einiges erfährt, aber eben nicht alles. Man kann gemeinsam mit den beiden Rätseln, wer nun wen besticht oder umbringen lassen will.
Ich liebe dieses historischen Machtkämpfe und die fiesen Gegenspieler. Die grausamen Methoden des Mittelalters waren natürlich nicht liebenswert, aber es ist toll von Sabine Weiß, dass sie das so authentisch und realistisch dargestellt hat.
Die Schreibweise von Sabine Weiß ist wie immer toll. Ich hatte zwar am Anfang etwas Schwierigkeiten, aber das lag eher daran, dass ich gerade von zwei Lesemonaten voller Jugendbücher wieder in die Erwachsenenriege gewechselt habe und plötzlich ganz anderen Lesestoff zu verarbeiten hatte. Wie gesagt habe ich aber auf der Fahrt zur und von der Buchmesse dann viel Vergnügen und das Lesen war sehr angenehm. Die Schreibweise ist so, dass man richtig eintauchen kann, die holprigen Straßen unter den Füßen spürt, die Seeluft riecht und die sausende Peitsche zur Strafe hören kann. Dass mein Zug dann immer mit Verzögerung fuhr war mir nur recht, ich wollte nur lesen.

Die historische Korrektheit, die Sabine Weiß immer für sich selbst an den Tag legt, ist mir sehr sympathisch. Ich kann seit dem eigenen Geschichtsstudium nicht mehr richtig historische Romane lesen, weil vieles einfach zu modern ist. Bei Sabine Weiß mache ich mir keine Sorgen.
In einem Seminar kam bereits die Hanse zur Sprache, und ich finde, die dargegestellte Entwicklung zeigt richtig gut, was damals passiert ist. Es ist keine versteckte Kritik zu finden, aber welche Macht die Hanse bereits hatte, ist gut aufgezeigt. Eine Fortsetzung aus dieser Zeit würde ich sehr gerne lesen!

Die Aufklärung um den Todesfall fand ich allerdings etwas schade, denn zum Ende hin ging plötzlich alles so schnell. Da hätte ich mir gerne etwas mehr gewünscht.

Über das Buch lässt sich also sagen, dass es weder zu lang noch zu detaillreich war. Es ist sehr lesenswert und brachte angenehme Lesestunden. Von Sabine Weiß würde ich immer sofort alles kaufen und lesen!
Für dieses Buch gibt es vier Sterne von mir.

★★★☆
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[Rezension] Verdis letzte Versuchung

Verdis letzte Versuchung – Lea Singer
Edition Elke Heidenreich bei C. Bertelsmann
Hardcover mit Schutzumschlag, 2013
ISBN 978-3-57058031-8
272 Seiten

19,99 €

Die letzten elf Jahre im Leben Guiseppe Verdis sind kein Zuckerschlecken. Er muss sich mit Neidern herumschlagen, neuen Herausforderungen stellen und seine eifersüchtige Frau ertragen. Dass er die junge Sängerin Teresa Stolz favorisiert, trägt nicht zur guten Stimmung bei.

Doch in den vergehenden Jahren lernt Verdis Frau, mit der anderen Frau umzugehen, denn Verdi braucht sie beide irgendwie. Und Verdi plagen ganz andere Probleme: Seine Aida wird nicht so aufgeführt, wie er es gerne hätte. Oder die Aufführungen verzögern sich durch Aufstände in Städten. Und seine Musik wird boykottiert, von ehemaligen Freunden, die ihm kein Glück gönnen.

Als ein guter Freund stirbt, kompiniert Verdi sein „Requiem“. Doch auch dieses macht ihm wenig Freude, denn zu allem Übel wird dieses nun mit Wagners Musik verglichen…

Nachdem mich „Vier Farben der Treue“ von Lea Singer sehr beeindruckt hat, obwohl ich nichtmal die Figuren genau kannte, wollte ich natürlich auch „Verdis letzte Versuchung“ lesen. Da Verdi sein Leben zu Beginn des Buches schon fast gelebt hat, muss man erst ein bisschen in die Lektüre reinkommen. Man lernt die vorkommenden Figuren nicht neu kennen, sondern erfährt Stück für Stück über die Freunde und Bekannte und Vorkommnisse.

Von Anfang an wird aus drei Perspektiven erzählt: Guiseppina, Guiseppe und Teresa berichten von ihren Erlebnissen, teilweise doppelt es sich, überwiegend aber nicht. Man muss also ganz genau aufpassen und sich erinnern, was vorher erzählt wurde.
Es war in gewisser Weise wieder beeindruckend, wie verschieden Lea Singer schreiben kann. In gewisser Weise merkt man, dass alles aus einer Feder stammt, aber die drei Protagonisten haben schon ihre Eigenarten. Ich weiß nicht, ob das das Markenzeichen von Singer ist, die Perspektiven zu wechseln, aber es war sehr gut zu lesen.
Lea Singer schreibt teilweise kantig, abstrakt, und doch weich und klar, was mich das Buch richtig genießen ließ. Man kann es gut zwischendurch unterbrechen, also habe ich mir Zeit mit dem Lesen gelassen.

Guiseppe Verdi. Quelle

Die Gestaltung dieses Buches hat mir auf den ersten Blick schon gefallen. Das eigentliche gebundene Buch zeigt feine Notenlinien, scheinbar eine originale Handschrift einer Partitur auf gelbem Grund. Umfasst wird das Buch aber noch von einer Schutzhülle, die allerdings recht durchsichtig ist, sodass das Cover, das ihr links oben sehen könnt, leicht die Noten durchschimmern lässt. Es sieht also schon sehr edel aus.

Obwohl man auch als Musiklaie sicher viel verstehen kann, da Verdis Beziehungsgeflecht nicht nur mit Musik zu tun hat, ist es als Musikkenner ein tolles Buch geworden. Verdi sinniert viel über seine Musik und natürlich über andere Komponisten, vor allem Wagner. Beim Lesen muss man Aida hören, und auch Wagner darf mal erklingen. Sonst versteht man einfach die Worte nicht richtig.

Ich weiß nicht, wie es wirklich gewesen ist und was Lea Singer alles hinzugedichtet oder erfunden hat. Mir hat das Buch gefallen und es war weder dick aufgetragen noch seltsam verdreht. Es war glaubwürdig und unterhaltsam. Volle Punktzahl.

★★★★★

Weitere Bücher von Lea Singer:
Vier Farben der Treue
Bücher bei dtv

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[Rezension] Ein vortrefflicher Schurke

Ein vortrefflicher Schurke – Sabrina Jeffries
Band # 3
Egmont Lyx
Romantic History
ISBN: 978-3-80259085-6

416 Seiten

9,99

Rezension zu Band 1

Zwei Söhne sind endlich verheiratet, doch die Vorgabe der Großmutter galt für alle Kinder: Sie erhalten erst ihr Erbe, wenn alle verheiratet sind.
Doch zwei von fünf Enkel reichen nicht. Minerva Sharpe will aber auf keine Fall heiraten. Sie will sich viel lieber auf ein kleines Cottage zurückziehen und einfach weiter Romane schreiben. Denn damit kann sie sogar etwas verdienen.
Um ihre Großmutter völlig von der absurden Idee einer Heirat abzubringen, bietet sie sich selbst in der Zeitung als Braut an. Doch während ihre Brüder die Interessenten abwimmeln, schleicht sich ihre Jugendliebe Giles Masters ins Haus und bittet um Minervas Hand.
Was als Spiel begann geht plötzlich nahtlos in eine sehr innige Beziehung über. Denn Minerva hat Giles Masters seit ihrer Kindheit vergöttert. Und Giles hatte ebenfalls schon immer ein Auge auf sie…

Traditionell habe ich auch in dieser Reihe nicht die Reihenfolge beachtet und mit Band 3 weitergemacht, nachdem mir Band 1 sehr gut gefallen hat. Auch in diesem historischen Roman geht es weniger um das Setting als die Liebesgeschichte. Dass es noch Kutschen, Pferde, Schwerter und wunderschöne Kleider gibt, macht das Ganze nur romantischer.

Sabrina Jeffries schafft es, einen wie alte Freude in eine Familie hineinzubringen. Dass ich den zweiten Band nicht kannte, war auch nicht schlimm (am Ende heiraten sie eh immer…). Die Geschichte von Minerva und Giles hatte so viele Facetten, dass es immer spannend war, sie zu lesen. Ich konnte das Buch gar nicht zur Seite legen, so sehr wollte ich wissen, was es mit den Geheimnissen auf sich hat.
Minerva war wieder eine klassische Jungfrau, aber nicht ganz so schockiert und naiv wie manch andere Protagonistinnen. Ich fand es herrlich, wie sie die neue Erfahrung der Erregung auch für ihre Zwecke nutzen konnte. Dass sie sich als Schriftstellerin damit schon in ihren Büchern beschäftigt hatte, gab Jeffries natürlich die Möglichkeit, eine sehr neugierige und wissbegierige Protagonistin zu schaffen.
Giles dagegen ist auf der einen Seite der harte Kerl, auf der anderen Seite der weiche Romantiker, aber in einer sehr angenehmen Mischung. Als es ander Zeit war zu sagen „Weib, schweig“, da sagte er es. Und wie Minerva damit umgegangen ist, war genauso lesbar!

Und etwas ganz besonderes macht diese Reihe unwiderstehlich: Man erfährt zu Anfang, dass die Eltern Sharpe umgekommen sind. Wie und warum, das finden die Kinder in jedem Buch ein wenig mehr heraus, was ein toller roter Faden für alle Bücher ist – neben der Heiratsgeschichte natürlich.

Band 2 liegt bereits griffbereit auf dem SUB und wird demnächst ebenfalls ausgelesen, immerhin möchte ich auch Jarrets Geschichte erfahren. Band 4 ist auch bereits erschienen, und hoffentlich gibt es noch Band 5 und 6 und mehr und mehr 🙂
Volle Punktzahl also von mir mal wieder für das tolle Setting, die sympathische Figur Minerva und den sehr attraktiven Giles!

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[Rezension] So wie Kupfer und Gold

So wie Kupfer und Gold – Jane Nickerson
cbt bei Randomhouse
Gebunden, September 2013

448 Seiten

ISBN 9783570162682

€ 16,99

Bisher hat Sophia ihr Leben in einem eher ärmlichen Haushalt gelebt. Ihr Mutter starb früh, danach musste ihr Vater seine Kinder ganz alleine aufziehen. Unterstützt wurde er von Sophias Patenonkel, der von der Ferne alles erdenklich Schöne geschickt hat.
Nach dem Tod des Vaters wird Sophia dort aufgenommen. Im Haus ihres Patenonkels. In ihrer Fantasie hat er in Saus und Braus gewohnt – und er tut es auch in Wirklichkeit.
Erschlagen von der Pracht kann Sophia alles nur voller Dankbarkeit sehen. Ihr Onkel ist auch aufmerksam und erfüllt ihr jeden neuen Wunsch.

Doch irgendetwas stimmt nicht in dem großen Haus. Denn Sophia ist nicht die erste junge Frau, die dort gewohnt hat. Und als sie erfährt, wer vor ihr bereits bezirzt wurde, wird ihr Angst und Bange. Oder ist der reiche Patenonkel heute anders? Liebt er sie wirklich?

So wie Kupfer und Gold“ ist ein aufregender Jugendroman, der sich an das Märchen „Blaubart“ anlehnt. Das Märchen fand ich schon immer ziemlich gruselig, und war gespannt wie es in einer so hübschen Verpackung umgesetzt werden soll.

Die Protagonistin Sophia ist mir eigentlich sehr sympathisch gewesen. Ich fand sie sehr klug, auch wenn sie manche offensichtliche Dinge nicht gesehen hat. Aber sie wusste halt auch nicht so viel wie der Leser (und kannte das Märchen nicht ^^).
Der Onkel war mir von Anfang an unheimlich. Er war so überfürsorglich, er war so streng und irgendwie auch aufdringlich. Ich habe so mit Sophia mitgelitten.

Jane Nickerson hat das Märchen auf interessante Weise neu geschrieben. Sie nimmt eine naive junge Frau und einen gerissenen Onkel. Die Geschichte ist ja bekannt, also muss die Autorin sich eine neue Note einfallen lassen. 
Sie lässt ihre Geschichte Ende des 19. Jahrhunderts in den Südstaaten spielen. Sklaverei ist ein großes Thema, was die Geschichte sowohl aufgelockert hat als auch zusätzlich interessant. Die Beschäftigung damit hat der Haupthandlung eine gute Stütze gegeben.

Bekritelt wurde teilweise, dass zu viele Details beschrieben wurden. Aber genau das hat mir so gut gefallen. Die Detials haben die Spannung erhöht! Die ganze Zeit musste ich mich fragen, wann Sophia den Mut aufbringt und die Augen nicht mehr verschließt. Wann sieht sie nicht mehr das schöne Haus und die tollen Geschenke, sondern die Wahrheit?

Diese wunderbare Geschichte über ein Mädchen, das über sich hinauswächst, hat mich bis zum Schluss gefesselt und sehr gefallen! Volle Punktzahl!

 
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[Rezension] Luther und Co.

Luther und Co. – Stephan Cezanne

Protestantische Profile aus 5 Jahrhunderten
Lutherisches Verlagshaus Hannover
Hardcover, Oktober 2011
160 Seiten

19,90 €

In meinem Geschichtsstudium bin ich natürlich auch mit Luther und seinen protestantischen Kollegen in Kontakt gekommen. Besonders das Mittelalter ist ja geprägt von der Kirche.
Bei der Arbeit habe ich dann das Buch „Luther & Co.“ entdeckt, ein Buch über diejenigen, die nicht nur protestantisch, sondern geistig etwas ändern wollten. Leicht geschrieben und anschaulich bebildert erfasst der Autor in kurzen Kapitel Biographien und essentielle Aussagen der jeweiligen

Aber nur theologisch ist das Buch nicht. Es beleuchtet vor allem die anders denkenden, Querdenker, Revolutionäre. Sie sind Vorreiter der Veränderung und stehen für eine bessere Sache ein.
Alle Gestalten von ‚Luther und Co.‘ haben eine spezielle Geschichte mit ihrer Zeit…„, sagt der Autor im Vorwort.

Gegliedert ist das Buch nach bestimmten Oberthemen wie die Klassiker und die Moderne, und auch die Frauen haben ein eigenes Kapitel bekommen, weil sie ein spezielles Thema sind.

Auch wenn das Buch etwas dünn und dafür etwas teuer ist, bietet es doch eine gelungene Übersicht über historische Neudenker durch die Jahrhunderte bis heute.

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[Rezension] Die Tochter des Königs

Die Tochter des Königs – Barbara Erskine
Diana Verlag
Taschenbuch, Dezember 2012
800 Seiten

9,99

Es war eigentlich nur eine Schulabschlussfeier. Die junge Lehrerin Jess wollte dort Spaß haben, doch als sie aufwacht, weiß sie, sie wurde vergewaltigt!
Wer tut ihr sowas an? Ihr ehemaliger Schüler, den sie so weit gebracht hat? Oder ihr Ex-Freund William?
Aus Angst vor einem erneuten Angriff flieht Jess zu ihrer Schwester nach Wales. Steph wohnt dort einsam auf einem kleinen Cottage. Doch Steph ist ebenfalls geflohen, denn es spukt deutlich in den Zimmern. Jess lernt dort Glads und Togo kennen – zwei Geisterkinder. Zur Zeit der Romanisierung waren sie Kinder eines großen Keltenkönigs, der jedoch von Römern gefangen genommen wurde, ebenso wie ihre ältere Schwester Eigon und ihre Mutter.
Jess sieht die Kinder und auch Eigon nicht nur bei Nacht wie Schemen zwischen den Bäumen, sondern beginnt auch von Eigon zu träumen. Denn auch das keltische Mädchen wird von vergewaltigt. Doch als sich ihr Peiniger bewusst wird, dass er eine keltische Königin und deren Tochter geschändet hat, lebt Eigon in ständiger Gefahr. Niemand darf davon erfahren, denn es würde dem Keltenkönig das Herz brechen und Eigon in Lebensgefahr bringen!
Zweitausend Jahre später muss auch Jess ihren Schänder fürchten, denn dieser hat ebenso Angst vor der Wahrheit und verfolgt Jess ebenfalls nach Rom.
Doch Jess kann nicht weiter fliehen, solange sie nicht weiß, ob sie Eigon helfen kann oder muss…

Die Tochter des Königs“ ist ein Wälzer von 800 Seiten, der mich erstmal von der Dicke wenig ansprach. Letztlich nahm mich aber die Geschichte so stark gefangen, dass ich froh war, so viel über die Figuren lesen zu können.

Die Geschichte steigt direkt in der Nacht nach der Party ein. Jess träumt von den keltischen Kindern, die einsam sind und verzweifelt. Als sie erwacht, weiß sie nicht, was passiert ist.
Dann lernt man zunächst die Situation um Jess kennen, mit wem sie Umgang hat und was sie so macht. Darauf lernt man Steph kennen und die Spukräume, wo die Kinder umgehen.

Mir war zunächst nicht ganz klar, wie die Geschichten zueinander führen sollen. Es war klar, wo das Ende stattfindet, aber wie und wann war eindeutig nicht abzusehen.
Sehr gut fand ich, dass viele Dinge in dieser Geschichte nicht abzusehen waren. Nie hätte ich erwartet, dass Eigon in Rom den Apostel Petrus kennen lernt, und als ich darüber gelesen hatte, war ich ebenso beeindruckt wie Jess.

Besonders berührt hat mich der Wechsel Eigons zum Christentum. Noch immer war sie sehr verbunden mit ihren keltischen Göttern, und wollte ihre Eltern nicht enttäuschen. Aber dass sie dann die Lehren Petrus‘ ernst nahm, und sich sogar taufen ließ, war sehr eingehend. Man verfolgt als Leser gemeinsam mit Jess diesen schweren Weg, und als etwas dann Eigon Halt geben kann ist man gleichzeitig erleichtert und erfreut.

Sie empfand einen tiefen inneren Frieden. Was sie getan hatte, war kein Verrat an den Göttern ihrer Familie, sondern ein Zeichen, dass sie in einen größeren Kreis der Liebe, des Verständnisses und der Kraft eingetreten war, der sie den Rest ihres Lebens stützen würde.“ (S.498)

Der Handlungsfaden wird in einem sehr großen Bogen geworfen, aber geht einen sehr schönen Weg. Seit einiger Zeit finde ich historische Romane nicht sonderlich toll, aber dieser Roman war anders. Man erlebt in der Jetzt-Zeit mit Jess ihre Geschichte, und gleichzeitig erlebt man mit Jess, wie sie die Geschichte von Eigon erlebt. Auf eine sehr dezente Art erfährt man die historische Geschichte über Rom und die Kelten und die Zeit von Petrus. Die Autorin hat eine sehr geschickte Art gewählt, Eigons Weg zu erzählen. Die Geschichte ist an keiner Stelle langweilig, nirgendwo möchte man das Buch genervt zur Seite legen (obwohl ich mich oft über die fiesen Figuren geärgert habe…) oder hätte gerne eine kürzere Geschichte.
Zum Schluss hätte ich mir sogar noch mehr Seiten gewünscht, weil es einfach großartig war, wie die Fäden plötzlich alle ineinander liefen.

Wirklich wirklich sympathisch war mir, dass es zwar Liebesgeschichten gab, aber die alle sehr nebensächlich waren und keine vordergründige Rolle eingenommen haben. Sie waren wichtig, aber verdrängten nicht die eigentliche Reisegeschichte.

Weil mich das Buch mehrere Abende bis tief in die Nacht gefesselt hat und die Autorin mich nicht nur nach Wales holte, sondern bis ins tiefe Rom mitnahm, vergebe ich mit voller Überzeugung volle Punktzahl!

Weitere Romane der Autorin:
Das Lied der alten Steine
Der Fluch von Belheddon Hall
Die Königin des Feuers

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[Rezension] Die Hure und der Krieger

Die Hure und der Krieger – Maya Banks
Cora Historical
Taschenbuch, Januar 2013

4,49 € (bei Cora erhältlich)

Achtung, bezieht sich auf Teile des ersten Bandes (zur Rezension)

Wie er es seinem großen Bruder Ewan versprochen hat, macht sich Alaric McCabe auf den Weg zu den McDonalds. Dort will er um die Hand von Rionna McDonald anhalten, damit durch ihr Bündnis der Weg zu Neamh Alain frei ist.
Doch unterwegs wird er von einer Söldnerband überfallen und kann nur schwer verletzt fliehen. Sein Pferd bringt ihn zur nächsten Burg, bzw zu einer Hütte noch weit davor. Es ist die Wohnstätte von Keeley, die als Verstoßene und Heilerin alleine lebt.
Sie pflegt Alaric gesund und wird zum Dank auf die Burg der McCabes geholt. Doch dort erfährt sie, dass Alaric einer anderen versprochen ist – die auch noch ihre Kindheitsfreundin war!

Nach dem ersten Band, der über das Kennenlernen von Ewan und Mairin McCabe erzählt, wollte ich sofort wissen wie es weitergeht. Zum Glück war Band 2 bereits erschienen und ich konnte nahtlos den nächsten Teil weiterlesen. Denn nahtlos geht es auch weiter.
Aus der Sicht von Alaric erfahren wir, wie er zu der anstehenden Hochzeit steht. Aus seiner Sicht macht er sich auf zu den McDonalds, doch dort kommt er ja zunächst nicht an.
Die Sicht wechselt zu Keeley, und wir lernen sie in ihrer Umgebung kennen.  Sie lebt in einer Hütte, denkt viel über ihre Geschichte nach und sorgt sich um ihr Leben. Dass Alaric ihr sprichwörtlich vor die Füße fällt, ist ihr Glück. Denn damit kommt sie aus ihrer Unglückssituation heraus (wenn sich manche Dinge auch nicht unbedingt verbessern) und findet die Liebe ihres Lebens.

Wie auch Band 1 ist der Inhalt des Buches sehr detailreich beschrieben. Diesmal, muss ich sagen, fand ich die Sexszenen sogar sehr derb. Wie animalisch Alaric die Frau nimmt, hat mir wenig gefallen. Mairin im ersten Band war neugierig, hat entdeckt und war liebevoll. Ihr Liebesleben war eher naiv, nicht so roh und versaut wie Alaric es auslebt.

Abgesehen von diesen Szenen war natürlich die Liebesgeschichte erste Sahne. Zum Ende war ich total angespannt und konnte gar nicht aufhören zu lesen, so sehr wollte ich wissen wie es ausgeht. Und zum Schluss hatte ich sogar Tränen in den Augen.
In dieser Hinsicht fand ich weder zu dick aufgetragen noch unglaubwürdig.

Die Geschichte drehte sich aber nicht nur um Alaric und Keeley. Etwas besser lernen wir Caelen kennen, der zwischendurch auf Keeley aufpasst. Mir war nicht ganz klar, ob er sich in sie verliebt, aber das hätte nicht zur Handlung gepasst. Auch wird die Geschichte um Mairin und Ewan weitererzählt, was natürlich wichtig ist, da Mairin  ja noch ihr Kind bekommen muss.

Und nun freue ich mich auf Band 3, und dass Maya Banks auch dieses Jahr wieder auf der LoveLetterConvention Gast sein wird! 🙂

Von mir volle Punktzahl für diesen tollen Band über Liebe, Treue und Ehre!

Die weiteren Bände:
Die Hure und der Krieger (McCabes)
Never Love a Highlander (McCabes)

Montgomery&Armstrongs
Never Seduce a Scot
Highlander most wanted
Highland ever after (erscheint im September)