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[Rezension] Eine Liebe zwischen den Zeiten

Eine Liebe zwischen den Zeiten – Sabine Neuffer
E-Book, Februar 2014
dotbooks
ISBN 978-3-95520419-8

ca. 442 Seiten

5,99 €

Lea kommt ursprünglich aus Deutschland, ist aber nach England ausgewandert. Als ihre Großmutter stirbt, soll ausgerechnet Lea wieder nach Braunschweig, um das Haus zu verkaufen.
In der Wohnung riecht es nach altem Menschen und scheinbar alte Möbel sind versteckt unter großen Abdecktüchern.
Beim spärlichen Reinigen entdeckt Lea in der Besenkammer, dass es dort in ein anderes Treppenhaus geht. Dieses sieht haargenauso aus wie in dem ihrer Großmutter, nur neuer und anders dekoriert.
Als Lea verwundert durch die Haustür tritt, ist sie scheinbar in einer anderen Zeit. Verwirrt entdeckt sie, dass sie durch ihre Abstellkammer im Jahre 1938 gelandet ist. Vor Schreck läuft sie vor ein Auto und wird anschließend vom jüdischen Arzt Daniel behandelt, der damals in der Wohnung wohnte. Als Lea in ihre Zeit zurückkommt, ruft sie ihren deutschen Onkel Carl an, der Arzt ist. Er muss ihr unbedingt bescheinigen, dass sie verrückt geworden ist.


Doch er bestätigt ihr nur, dass sie scheinbar durch eine Zeitschleuse gegangen ist – fast 70 Jahre zurück.
Lea entschließt sich, erneut durch die Zeit zur reisen, denn sie ist beim ersten Mal nicht nur plötzlich vor dem Arzt davongelaufen, sondern hat auch das dringende Bedürfnis, mehr über die Zeit herauszufinden.
Schon nach ein paar Tagen jedoch möchte Lea der Familie in der Wohnung um jeden Preis helfen. Denn sie weiß, welches Schicksal den Juden in Deutschland bereits Ende des Jahres schon blüht…

Eine Liebe zwischen den Zeiten“ ist fast ein sommerlicher Roman voller Liebe und Zuneigung. Ich sage fast, weil es immer diesen düsteren Schatten der SS-Zeit gibt.
Auf den ersten Seiten, muss ich ehrlich sagen, war ich ziemlich genervt von der Geschichte. Lea und ihr britischer Freund Brian unterhalten sich über die Nazi-Zeit. Das wirkte etwas gestellt und an den Haaren herbei gezogen. Ich wusste aber auch überhaupt nicht, warum die Autorin das anspielt.
Lea muss zurück nach Deutschland, da gibt es doch wichtigeres als die Kriegszeit?
Als Lea dann aber im Jahr 1938 landet, war natürlich klar, dass da ein Vorspann sein musste. Sonst wäre das ja total aus der Luft gegriffen.
Dass Lea dann total panisch reagiert und nicht weiß, was sie mit einer Zeitpforte anfangen soll, war auch nachvollziehbar.
Ihre Gespräche dann mit ihrem Onkel Carl fand ich allerdings nervig. Und das war bereits in den ersten 20% des Buches (Seiten gab es ja nicht richtig), wodurch mir die Lust am Lesen gründlich vergangen ist. Lea und Carl unterhalten sich über Nichtigkeiten, es wurden Geschichten über Personen erzählt die absolut nichts mit der Geschichte zu tun hatten… zumindest wollte ich nur wissen, was es mit der Zeitpforte auf sich hat und keine seltsamen Geschichten hören.
Die Geschichte wurde für mich also etwas zäh und ich habe nur ungerne weitergelesen. Da es aber noch weit weit über die Hälfte gab, um sich zu verbessern, habe ich dem Buch noch eine Chance gegeben.
Nach gefühlten endlosen Beschreibungen über die Wohnung und Leas Gefühle ging es endlich weiter. Ich verstehe, was die Autorin damit bezwecken wollte und dass es die Stimmung auch gut einfangen konnte, aber auf der anderen Seite bin ich der Meinung, an vielen Stellen hätte gut gekürzt werden können.

Lea entschließt sich natürlich doch, in der Zeit zurückzugehen und es beginnt eine (sehr plötzliche) Liebe dort, sowohl zu einem Mann als auch zur Familie. Das fand ich sehr schön. Leas Gedanken, ihre Wandlung und der Mut, außerdem ihr Erfindungsreichtum war bemerkenswert. Trotz des ganzen negativen Schattens der Zeitknappheit und der Bedrohung durch die SS war es ein schöner Sommer, den die Familie verbringen durfte.

Nachdem der Anfang so zäh zu lesen war, wurde die Geschwindigkeit dann immer schneller. Die Geschichte flog nur so dahin und ich hatte immer Angst, wenn ich zu schnell lese verpasse ich etwas. Nachdem die Autorin am Anfang so viel Worte in die Beschreibungen gesteckt hatte, gab es zum Ende hin für mich zu wenig Worte. Da hätte es noch mehr Raum geben können, aber da ich die letzten 30% des Buches in einem Rutsch gelesen habe, war ich ziemlich gut drin und konnte mir noch eine Menge selbst dazudenken. Das ist ja auch nicht verkehrt.

Am Ende des Buches hat sich eine Vermutung bestätigt, die ich leider ganz zu Beginn schon hatte. Das Ende fand ich trotzdem schön und genau richtig. Mir war Lea am Schluss ganz sympathisch und ich fand, sie hat alles richtig gemacht.

Dieses Buch war mal wieder eine richtig schöne Geschichte von einer deutschen Autorin. Braunschweig ist zwar nicht mein Hannover, aber Hannover kam ja mal vor, das hat das Buch auch interessant gemacht. Für den Hänger zu Beginn muss ich leider einen Punkt abziehen, gebe aber ansonsten gute vier Sterne.

★★☆

Zur kostenlosten XXL-Leseprobe.
Vielen Dank an BloggDeinBuch für das Leseexemplar!

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[Rezension] Mit den Augen meiner Schwester

Mit den Augen meiner Schwester – Julie Cohen
Diana Verlag
Taschenbuch Mai 2012
496 Seiten

8,99 €

Liza und Lee könnten unterschiedlicher nicht sein, obwohl sie eineiige Zwillingsschwestern sind. Die eine liebt das Abenteuer und hat das Hobby als Stuntfrau zum Beruf gemacht. Die andere leitet die mütterliche Eisfabrik, lebt brav in einem Haus und ist die perfekte Freundin, Nachbarin und Chefin.
Aber während Liza ihr Leben aufs Spiel setzt, beneidet sie Lee um dieses perfekte Leben. Gleichzeitig erstickt Lee in ihrer Umgebung, die sie gefangen hält ohne jeglichen Freiraum.

Für eine Wohltätigkeitsveranstaltung läd Lee ihre Schwester in die Heimatstadt ein. Doch als Liza ankommt, ist die ältere Schwester nicht da. Und die Bewohner von Stoneguard halten Liza für Lee – was diese genießt.
Keiner merkt, dass Lee verschwunden ist. Liza schlüpft vorerst in die Rolle ihrer Zwillingsschwester, und hält alles zunächst für einen gelungenen Streich. Zunehmend merkt sie jedoch, wie schwer es ihre Schwester hat und wie wenig Raum ihr gelassen wird…

Wie so ziemlich jeder Mensch, der keinen Zwilling hat, denke auch ich immer, dass es total toll sein muss, so eng mit jemandem verwandt zu sein. Doch Liza, die wenige Minuten jüngere Schwester, zeigt mir mehr und mehr, wie ätzend das ist. Ständig wirst du verglichen (schlimmer noch als mit deutlich älteren oder jüngeren Geschwistern), ständig wird alles halbiert. Darunter leiden beide Kinder, später erwachsene Frauen.

In „Mit den Augen meiner Schwester“ geht es um Neid, Liebe und Missverständnisse, die zwischen den Familienmitglieder stehen. Mehrmals habe ich nur geseufzt oder frustriert aufgeschrien, so nah geht das Buch.

Die Wandlung, die Liza durchmacht, ist wahnsinn. Zum Beginn des Buches fühlte sie sich tough und selbstbewusst, zufrieden mit dem Leben. Aber dann fällt sie in ein Loch und kriecht Stück für Stück wieder hinaus. Das war mitreißend und herzergreifend beschrieben.
Denn anders als in manchen Büchern muss man hier nicht überlegen, wie sie sich entwickelt. Nein, Liza fasst es manchmal selber zusammen. Sie möchte das dann gerne ihrer Schwester sagen, die jedoch nicht da ist.

Die Sprache war überhaupt richtig schön. Leichte, klingende Sätze erleichterten das Lesevergnügen und  obwohl ich das Buch häufig weggelegt habe (weil man ja nie wirklich lange am Stück lesen kann), war ich immer wieder gut drin. Den hohen Seitenumfang von fast 500 Seiten habe ich kaum gemerkt.

Das Ende ist so ganz anders, als ich es erwartet habe. Dazu trug natürlich auch die Entwicklung beider Schwestern bei.

Das Cover hat mir ganz besonders gut gefallen.Verspielt aber nicht zu aufdringlich spiegelt es genau die Stimmung des Buches wieder. Und Eis ist auch drauf 🙂

Mein Gesamteindruck war sehr gut. Die Entwicklung ist genau richtig, und die Geschichte so ein richtig schöner Frauenroman, bei dem man am Ende traurig ist, das Buch zu verlassen aber ebenso froh, dass alles gut ist. Dafür vergebe ich 5 Sterne – und empfehle das Buch wärmstens allen Familiengeschichtenliebhabern weiter!

★★★★★
1

[Rezension] total royal

total royal
Die Höhen und Tiefen im Leben der Poppy Montague, Platz 87 der britischen Thronfolge
Grace Dent
Arena Taschenbuch
1. Auflage 2011
292 Seiten
13,99 €
ISBN 9783401065885

Morgens fährt der Chauffeur vor, die Mutter war nicht aufzufinden und der kleine Bruder hat nach seinem auch in das eigene Bett gemacht – schöner kann der Tag nicht starten. Poppy Montague kämpft mit ihren alltäglichen Sorgen – und beneidet immer die einfache Bevölkerung, die nicht mit der Limousine im Stau steckt und den Bus zur Schule nehmen kann. Und die haben bestimmt nicht so schweren Stoff im Unterricht…
Doch damit nicht genug, die eigene Schwester ist auch noch DAS Londoner It-Girl und ständig halbnackt und betrunken in irgendeiner Modezeitschrift. Als diese in eine Entzugsklinik muss, ist natürlich Poppy schuld.
Um das wieder gut zu machen, fährt Poppy todesmutig mit dem öffentlichen Bus zur Klinik. Und damit nicht genug – sie geht sogar zu McDonalds. Dort trifft Poppy Kwame, einen Jungen aus dem schlimmsten Bezirk der Stadt. Aber er ist so nett… und so normal… Ohje!

„Die Höhen und Tiefen im Leben der Poppy Montague, Platz 87 der britischen Thronfolge“ ist sowas wie „Berts Katastrophen“ für Mädchen. Die Familie ist peinlich, das Leben ist alleine viel spannender, aber irgendwie baut man (vor-)pubertär ziemlichen Mist. Obwohl die Zielgruppe 11-13 Jahre hat, konnte ich mich über viele Passagen selbst amüsieren.
Poppy ist so typisch reich – die „einfachen“ Leute müssen es einfach und so haben ist ihr Standartgedanke. Was zunächst ein bisschen nervte entwickelte sich zu einer süßen Naivität.

Poppys Familie und Freunde sind nette Randfiguren. Über die drogensüchtige Schwester erfährt man ein bisschen mehr, aber immer nur so viel, wie Poppy auch selber aufnimmt. Als Leserin hab ich mir an manchen Stellen die Haare gerauft und die Familie verflucht – und Poppys Umgang mit ihnen!

Die Schreibweise des Buches ist sehr einfach und flüssig. Es sollten immer Tagebucheinträge von Poppy sein. Wirklich anstrengend waren die Wörter oder Satzabschnitte, die groß geschrieben waren. Irgendwie verbinde ich damit immer „schreien“ (aus dem Chat), und so stockte ich bei jedem Abschnitt, wenn Poppy in Gedanken rumbrüllte.

Ich vergebe 4 von 5 Sternen für Lesevergnügen, die mir aber nicht vollständig genügt hat. Jugendliche ab 11 Jahren haben vielleicht noch einen Ticken mehr Spaß daran.

★★★★☆

Vielen Dank an den Arena Verlag für das Rezensionsexemplar!
Und auch wenn Teil 1 nicht der Megahit war: Im Februar erscheint schon Teil 2 🙂

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[Rezension] Die Gebeine von Avalon

Die Gebeine von Avalon – Phil Rickman

1. Auflage Oktober 2011
Rowohlt Polaris
HArdcover, 654 Seiten

15,95 €

John Dee ist der inoffizielle Hofastrologe der jungen Königin Elisabeth von England. Durch seine geheimnisvolle Arbeit mit den Sternen wird er von den Bewohnern seines Dorfes als Magier bezeichnet. Auch seine Mutter wird öfter schief angesehen – womit beide nur halbwegs leben mögen.
Es kommt John Dee also ganz gelegen, dass er in einem geheimen Auftrag nach Glastonbury gerufen wird, wo schon vor Jahrzehnten der Forscher Leland die Gebeine König Artus‘ vermutet hat. Unter der Hand wird John gemeinsam mit Robert Dudley beautragt, die Knochen zu finden und zur Königin zu bringen.
Doch John befindet sich in einem Gewissenskonflikt. Er ist sich sicher, dass die Knochen nur eine Fälschung sind, und erhofft sich in Glastonbury vor allem Wissen und Neuigkeiten über den Kirchenschatz der ehemaligen Abtei. Nach der Abtrennung von der katholischen Kirche wurde die große Kirche aufgelöst, und alle ihre Wertsachen sind verschwunden, darunter auch die große Bibliothek, die Dees Vorbild Leland in allerhöchstes Entzücken versetzt hatte.

Doch in Glastonbury wird Dudley zunächst schwer krank. Eine junge Heilkundige, deren Vater der örtliche Arzt ist, behandelt den Kranken. Und damit wird eine erneute Hexenverfolgung ausgelöst – denn Nel, die Ärztin, ist die Tochter einer gehängten Hexe. Und John Dee findet sich plötzlich in einem Streit zwischen Glaube und Aberglaube und der Protestantischen und Katholischen Kirche wieder.
Erschreckend muss er feststellen, dass auch die Franzosen nicht weit sind…

Die Gebeine von Avalon“ ist ein historischer Roman mit thrillerähnlichen Zügen. Lügen, Intrigen und Mythen: Phil Rickman verknüpoft die abergläubische Zeit zu den Anfängen der Elisabethanischen Regierung mit düsteren Legenden um König Artus und das Kloster von Glastonbury.

Zu Beginn des Buches (das auch als Leseprobe einzusehen ist) wird eine Szene mit einem Wachsbaby beschrieben. Leider wird auf diese Szene überhaupt nicht mehr eingegangen. John Dee denkt zwar darüber nach, und fragt sich auch, was daraus geworden ist, es wird aber nicht mehr besprochen oder gar aufgelöst.
Die Präsens von Königin Elisabeth ist sehr spärlich. Nach einer wahren Begebenheit beschreibt Rickmann ihren Besuch im Garten von Dee, bei dem über die Königin selbst kaum etwas deutlich wird. Allerdings ist diese Frau auch so facettenreich und ausführlich in anderen Publikationen beschrieben worden, dass Rickman damit keine Lücke füllen muss.
Viel interessanter war die Beschreibung von Dudley und Dee. Robert Dudley, der mir aus Literatur schon bekannt war, soll ja der heimliche Geliebte von Elisabeth gewesen sein. Mehrmal spielt er sogar darauf an, mit der Königin schon vertraulich gewesen zu sein (im Bett…). Was genau zwischen den beiden passiert ist, ist bis heute nicht bekannt – Rickmann behandelt das Thema sehr vorsichtig und meiner Meinung nach genau richtig.

Geschrieben war die Geschichte etwas wirr. Vermutlich lehnte Rickman sich dabei stark an die originalen Tagebücher, aber etwas sprunghaft fand ich die Kapitelanfänge dann schon. Es vergingen zwei bis drei Seiten, bis ich verstanden hatte, wo Dee nun wieder zu erzählen beginnt.
Die Schreibweise (bzw. die Übersetzung) war ansonsten recht gut, es ließ sich sehr flüssig und schnell lesen (jeden Abend hatte ich mit kleinen Unterbrechungen 2 Stunden Ruhe, und ich hab 4 Abende gebraucht).

Nach dem Lesen blieb bei mir ein Gefühl des Respektes für das Ideenreichtum in so einem großen Ausmaß. Die Geschichte war enorm komplex und zeigte neben großem Wissen über Chemie und Medizin auch wirklich viele Details aus der Geschichte auf.

Insgesamt war das Buch nicht ganz so spannend, wie ich dachte. Bei knapp 650 Seiten ist ein großer Handlungsbogen zu erwarten, richtig interessant wurde es aber erst auf den letzten 60 Seiten, als es um die Auflösung ging. Ich bin mit dem Plot vorher nicht unzufrieden, aber auch nicht vollends befriedigt.
Ich vergebe deswegen 4 von 5 Sternen.

★★★★☆

Einen großen Dank an Vorablesen und Rowohlt für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

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[Buchpost] Und noch was neues

Auch wenn mein Fortsetzungsmonat erst im Dezember ist (darüber werde ich auch noch etwas schreiben), kam bereits gestern die Fortsetzung zu „Die Glasbücher der Traumfresser„:

Das Dunkelbuch!


Vielen Dank für die Bereitstellung des Exemplares!

Hier gehts zur Leseprobe: Teil 1 und Teil 2 (einfach unten in den Kategorien auf Leseprobe klicken).