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[Rezension] Der Anfang von Danach

Der Anfang von Danach – Jennifer Castle
Carlsen
Hardcover, 2014
ISBN 978-3-551-58266-9
416 Seiten

18,90 €

Nach einem wirklich langweiligen Abend will Laurel nur noch nach Hause, doch ihre Familie fährt noch zu einer Eisdiele. Laurel wartet daheim, doch als es später klopft stehen keine vertrauten Gesichter vor der Tür, sondern ein Polizist. Laurels Familie hatte einen Autounfall…

Es beginnt das Danach, die Zeit der Trauer und Abkapselung. Laurels Großmutter zieht zu ihr ins Haus, doch sie trauert ebenso. Eigentlich kann Laurel die Geschehnisse gar nicht so richtig nachvollziehen, und es nervt sie tierisch, dass alle sie wie eine Figur aus Glas behandeln. Jeder schaut sie schief an und hat Angst, etwas Falsches zu sagen. Außer David, dem Nachbarsjungen, dessen Mutter ebenfalls im Unfallauto gesessen hat und umgekommen ist. Er weiß etwa, was Laurel fühlt. Doch er flieht vor der Gegend, reist quer durch Amerika.
Laurel versucht, Alltag einkehren zu lassen. Sie arbeitet in einer Tierklinik und möchte gerne einen Freund haben. Doch kann sie so für immer weitermachen? Muss es nicht ein besseres Danach geben?

Der Anfang von Danach“ ist kein Roman voller Trauer und Schmerz, zumindest nicht vordergründig. Laurel leidet und es zerreißt einem das Herz, wenn sie sich eigentlich mal ordentlich ausheulen sollte, es aber nicht kann. Wenn man selbst nicht viele Todesfälle in der Familie hatte, kann man das auch nicht so richtig nachvollziehen, aber Jennifer Castle kann schon sehr gut beschrieben, wie es Laurel geht.

Manchmal hatte ich das Gefühl, Laurel verdrängt und kämpft sich einfach durch ihren Alltag. Das fand ich teilweise etwas ermüdend. Als Außenstehender weiß man die Dinge ja oft besser, und teilweise wäre ich gerne in das Buch gesprungen und hätte Laurel geschüttelt.
Es las sich zwischendurch irgendwie wie ein Jugendbuch, das behandelt, wie jemand etwas blödes erlebt, aber weitermacht. Laurel verhielt sich so normal und so jugendlich, als hätte der Unfall nichts geändert.
Aber das ist nur ein kleiner Teil, und als Laurel endlich akzeptiert und verarbeitet, wurde es eine richtig tolle Geschichte.

Denn Laurel kann es nicht ertragen, dass alle sie mit Samthandschuhen anfassen. Sie erfährt, wie man sie normal behandeln kann und muss sich überlegen, welche Variante ihr lieber ist: Normal sein oder bemitleidet werden. Ihre Wahl zwischen Joe und David war dabei genauso. Joe hatte Angst, etwas falsch zu machen. David war ehrlich, denn auch er hatte mit dem Verlust zu kämpfen – und sogar noch mehr!
Laurel verhält sich dann überwiegend wie ein ganz normaler Teenager, der noch unsicher im Leben ist. Das fand ich sehr sympathisch.

Jennifer Castle hat es geschafft, einen Roman zu schreiben (und auch noch als Debüt), der einem ans Herz geht. Es ist keine positive Geschichte, aber es hat positive Seiten und schöne Entwicklungen. Aus dem fast bodenlosen Tief kämpft sich die Figur Laurel wieder bis ans Licht – und das hat die Autorin richtig schön beschrieben.
Zwischendurch hatte ich ein paar Hänger, aber das dauerte höchstens ein-zwei Kapitel. Überwiegend war ich ziemlich gefesselt und wollte wissen, ob es vorangeht oder Laurel wieder einen Rückschlag erleiden muss.

Carlsen hat sich für ein Cover entscheiden, was genau zur Situation der Geschichte passt. Man sieht ein Mädchen, das nach unten blickt und eine Sonnenbrille – zum Schutz? – trägt. Das Hardcover ist mit einem Schutzumschlag mit den Titeldaten gebunden, der aus dünnem, grau-durchsichtigem Papier ist und erst den schwarzen (Trauer-)Rahmen gibt. Das fand ich eine schöne Idee.

Der Anfang von Danach“ ist tiefgründig, einfühlsam und sehr bewegend zu lesen. Laurel und ihre Geschichte nimmt einen gefangen. Nach dem Tod von Nahestehenden geht für einen selbst das Leben weiter – Jennifer Castle hat das genau richtig eingefangen und aufgeschrieben. Von mir eine volle Leseempfehlung.

5

Das Carlsen Label Im.press

Vor kurzem habe ich ja diese interessante Nachricht von den Soul Huntern bekommen, bzw. meine Aufnahme in die MoonHunter-Gilde.
Vom Verlag des Buches hatte ich natürlich schon gehört (Carlsen ist ja nun ein Begriff), mit dem Label Im.press habe ich mich aber noch nicht viel beschäftigt.

Und nach einem Blick drauf muss ich euch einfach ein paar Bücher vorstellen, weil die so toll klingen und die Cover einfach hinreißend sind. Viel zu schade, um sie auf dem Reader nicht mehr anschauen zu können!

Im.press ist eine tolle Möglichkeit für Autoren, ihre Geschichte professionell betreut unter die Leute zu bekommen. Es ist noch kein Printbuch, hat aber scheinbar Lektorat und vor allem Werbung bei der Veröffentlichung dabei – als Indie-Autor ist das ja immer etwas schwieriger. Und vor allem die Cover sind ja richtig wunderbar, davon kann ich echt nicht genug bekommen! Und für mich als Cover-Käuferin ist das dann natürlich gefährlich ^^

Die Preise der E-Books sind auch ansprechend. Impress macht nicht den Fehler, Bücher überteuert anzubieten sondern bleibt in einem 3,99-9,99 €-Rahmen. Das finde ich ok. Vor allem ist in den 9,99 €-E-Books auch richtig viel Inhalt. Und bei 3,99 € kann man schon mal zuschlagen.

Attraktiv wird das Label dann auch dadurch, dass bei erfolgreichem Verkauf auch eine Printvariante angeboten wird (z.B. wie bei Light & Darkness), wenn auch dann entsprechend teurer.

Gekauft (aber noch nicht gelesen) habe ich bereits diese beiden Bücher:

Light & Darkness – Laura Kneidl

Von der Verlagswebsite:
Die Existenz von Vampiren, Feen und anderen Paranormalen ist längst kein Geheimnis mehr. Doch ist es ihnen verboten, sich ohne die Begleitung des ihnen zugeteilten Delegierten in der Öffentlichkeit zu bewegen. Ausgerechnet bei der warmherzigen Light versagt jedoch das raffinierte Auswahlsystem: Ihr erster Paranormaler ist der rebellische und entgegen aller Regeln männliche Dämon Dante. Und schon bald muss sie sich fragen, ob sie ihn vor der Menschheit oder sich selbst vor ihm schützen muss …

Das Cover sieht schonmal richtig schön aus, und es passt natürlich prima zum Titel.

 Traumlos (1) Im Land der verlorenen Seelen – Jennifer Jäger

Von der Verlagswebsite:
Die siebzehnjährige Hailey kann nicht träumen und das, obwohl sie in einer Gesellschaft lebt, die durch ihre Träume gesteuert wird. Der Regierung ist sie ein Dorn im Auge und es dauert nicht lange, da muss auch Hailey an den Ort der Traumlosen – in die „Klinik“, aus der keiner jemals zurückgekehrt ist. Doch dort lernt sie den ungewöhnlichen Jungen Caleb kennen, der ihr nicht nur hilft hinter das Geheimnis der Regierung zu kommen, sondern an den sie auch ihr Herz verliert …

Auch wieder ein blaues Cover und mindestens genauso schön 🙂

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich bisher nur die E-Books über Amazon gekauft habe, weil ich einen Kindle habe und das natürlich bequem ist. Jetzt werde ich aber mal (um das A nicht zu unterstützen) mehr über die Verlagsseiten kaufen. Da bekomme ich die epub als Datei und muss sie zuhause umwandeln, damit sie auf den Kindle passt.

Weitere wirklich tolle Cover sind ja auch diese hier (der Klick aufs Cover führt euch zum Buch):

http://www.carlsen.de/epub/sternensommer/58336#Inhalt
http://www.carlsen.de/epub/die-rockstar-reihe-band-1-verliebe-dich-nie-in-einen-rockstar/50405#Inhalt
http://www.carlsen.de/epub/plotzlich-amor/55755#Inhalt
http://www.carlsen.de/epub/zum-gluck-gibts-die-liebe/55760#Inhalt

Und mein absoluter Favourit:

http://www.carlsen.de/epub/glenlyon-manor-das-geheimnis-der-princess-helena-school/48572#Inhalt

Schaut euch auch die tolle Social Media-Präsens von bittersweet an.

Ich bin gespannt, wie sich das Imprint weiterentwickelt.

3

[Rezension] Obsidian

Obsidian – Jennifer L. Armentrout
Band 1, Schattendunkel
Carlsen Verlag
Hardcover, Mai 2014
ISBN 978-3-55158331-4
400 Seiten

18,90 €

Von der Großstadt in ein Kaff, und alles nur für den berüchtigten Neuanfang. Katy und ihre Mutter ziehen in ein Haus in einer kleine Stadt, um das alte Leben hinter sich zu lassen und nach dem Tod von Katys Vater endlich neu beginnen zu können. Während Katy aber nur beunruhigt, dass ihre Internetverbindung schwach ist (und damit ihr Zugang in die Welt der Bücherblogger), die nächste Poststation eeewig weit weg und überhaupt alles scheinbar ausgestorben, stürzt Katys Mutter sich in die Arbeit als Krankenschwester.
Sie bittet Katy, sich wenigstens mal bei den Nachbarn vorzustellen, die zufälligerweise zwei Jugendliche in Katys Alter sind.
Der wirklich miesepetrige Deamon und seine quirlige Schwester Dee sollen eigentlich Abstand halten von Katy. Doch Dee möchte unbedingt Katys Freundin sein, und als sie kurzfristig verreisen muss, soll Deamon sich mit der neuen Nachbarin anfreunden.
Dass die beiden sich nicht ausstehen können, ist nicht gerade hilfreich. Auch als die Schule beginnt und Deamon nach wie vor unausstehlich und abweisend ist, weiß Katy sich nicht zu helfen – er behandelt sie, als hätte sie eine Krankheit, dabei hat sie ihm nichts getan.

Doch die Freundschaft mit Dee zeigt Katy etwas ganz Ungewöhnliches. Denn die Geschwister haben ein Geheimnis, das größer ist als alles, was Katy sich vorstellen kann – sie sind nicht von dieser Welt…

Obsidian“ besticht zuallererst durch das wirklich wunderbar gestaltete Cover! Das Buch lenkt damit schon die Aufmerksamkeit auf sich. Auf der Buchmesse hat die Lektorin von Carlsen davon geschwärmt, dass das Cover einfach perfekt zum Inhalt passt – und dem kann ich voll und ganz zustimmen. Die Gestalten könnten Deamon und Dee sein, aber auch Deamon und Katy.

Zu Beginn leidet man mit Katy, die umzieht und aus ihrer vertrauten Umgebung gerissen wird. Sie findet Deamon ätzend und nervig, während er sie scheinbar nicht aus den Augen lässt. Sie wird behandelt, als hätte sie eine Krankheit und weiß überhaupt nicht, warum ihr so ein Misstrauen entgegenschlägt.
Dass mit Dee und Deamon etwas nicht stimmt, findet man als Leser dann sehr schnell heraus, und eigentlich müsste Katy auch recht zügig schalten – sie braucht aber etwas länger.

Katy besticht in manchen Stellen natürlich ganz klar durch ihr Hobby Buchbloggen. Sie freut sich über Pakete, schriebt ihren Blog mit den Füllposts und liest generell gerne. Das Lesen an sich kam mir etwas zu kurz im Buch, aber darüber zu schreiben wäre eventuell etwas langweilige geworden. Außerdem schreibt sie nicht viele Rezensionen in der Anfangszeit. Es bleibt also doch realistisch.

Die Gesamthandlung fand ich spannend. Es gibt eine schöne Enwicklung, das mich aber ein bisschen an Twilight erinnert hat („Komm, gehen wir in den Wald, und ich zeige dir, wer ich bin…“). Katy ist aber wenigstens nicht so strunzendoof wie Bella, sondern steht für ihre Sache ein. Sie lässt sich nicht beleidigen und ist tapfer und mutig (oder vorlaut ^^).
Das fand ich sehr sympathisch.
Auch die Liebesgeschichte, die ja nun sehr zahm ist, war lesenswert. Nachdem Daemon dann endlich mal zulässt, dass er Katy nicht nur abstoßend finden will sondern mag, ändert sich die Gesamtstimmung. Und auch wenn Katy nicht wahrhaben will, dass sie einen Fan hat (was sich wohl noch über die kommenden Bände hinziehen soll), war es niedlich, die beiden frotzeln zu lesen.

Insgesamt war es ein wenig viel Geplänkel und etwas wenig Alien-Action. Das habe ich aber so erwartet, und wurde entsprechend nicht enttäuscht. Armentrout erobert aktuell ja den deutschen Markt, ich bin also sehr gespannt auf die Folgebände.
Und wenn man sich überlegt, was in den Folgebänden so alles passieren soll, dann wird das schon eine schöne Reihe (immerhin sind in Amerika schon 8 oder 9 Reihentitel erschienen). Von mir gibt es vier Sterne.

★★★★☆
0

[Rezension] Jersey Angel

Jersey Angel – Was ist schon ein Sommer – Beth Ann Baumann
Carlsen Choice
Softcover, April 2014
ISBN 978-3-55131300-3
224 Seiten

9,99 €

Der letzte Sommer vor dem letzten Schuljahr steht kurz bevor, und Angel will jede Sekunde auskosten. Doch ihr On-Off-Freund Joey will eine richtige Beziehung oder gar keine, und da Angel keine feste Beziehung aushält ist er eben nicht mehr ihr Freund.
Doch es gibt genug Jungs, die Lust auf ein kleines Abenteuer haben. Selbst der Freund von Angels bester Freundin lässt nichts anbrennen.
Angel verbringt einen wortwörtlich heißen Sommer voller Lust, Spaß und Sonne. Tief im Herzen will sie aber Joey wieder, und als die Schule wieder beginnt muss sich auch etwas ändern.

Das kleine schmale Bändchen von Carlsen Choice ist genau die richtige Sonntagnachmittaglektüre. Man gerät kurz in die Fänge von Strand, Sommer und und Sonne, erlebt die gerade-noch-Teenie-Zeit mit Angel mit. Noch ist Schule, noch muss sie sich nicht mit den Alltagssorgen plagen.
Doch wenn das Schuljahr vorbei ist, muss Angel sich etwas überlegen, denn sie kann nicht ewig bei ihrem Vater am Bootshafen aushelfen oder einfach in den Tag leben.

Also sucht Angel auf sympathische und niedliche Art ihren Weg im Leben. Sie sieht, wann Dinge richtig oder falsch sind, auch wenn sie es nicht immer umgehen kann, etwas falsch zu machen. Sie möchte gerne ihre Frau stehen, wird aber manchmal von der Realtität überrollt.

Ihre Familie fand ich witzig und liebenswert. Dass der Exmann ihrer Mutter noch bei ihnen rumhing war irgendwie lustig, auch das Verhältnis von Angel und ihrem leiblichen Vater war unterhaltsam. Es war keine Bilderbuchgeschichte, aber die Geschichte über eine junge Frau, die ihren Platz finden muss.

Da das Buch mir auf der anderen Seite etwas zu kurzweilig war, und hier und da gerne noch etwas länger hätte beschrieben worden sein können, gebe ich sehr gute vier Sterne. Sonst hat mich nämlich der Sommer und auch das Ende des Buches echt gut unterhalten. Angel macht sich realistische Gedanken, bei denen ich mich oft wiedergefunden habe.

1

[Rezension] Allgames

Allgames – Christian Waluszek
Carlsen Taschenbuch
480 Seiten

ISBN 978-3-55131041-5
9,99 €

Vom Verlag empfohlen: Ab 13 Jahren

In einer nicht mehr ganz so fernen Zukunft lebt der Waise Adrian in einem IT-Internat. Seine liebsten Hobbys sind Radsport und das Spielen in einer Allgames-Spielhalle, in welcher man virtuelle Abenteuer erleben und sogar Geld gewinnen kann.
Als er sich bei einem Programmier-Wettbewerb beteiligt, wird sein geschriebenes Programm sogar prämiert. Und irgendwie rutscht Adrian nicht nur in eine Programmierschule, sondern gelangt auch zum Erfinder von Allgames, Kain Marverick. Ursache des letzten Ereignisses ist ein Unfall mit einer neuen Spielebrille, bei welcher Adrians Netzhaut komplett zerfetzt und durch einen Computer ersetzt wird. Nun ist er nicht mehr nur in der Lage, sich alles zu merken, sondern sein Gehirn kann auch alles berechnen. Der kleine Supercomputer ersetzt mehr als die Augen.
Adrian, der als kleiner Stiftungsschüler angefangen hat, wird plötzlich einer der wichtigesten Menschen in der Forschung für die Zukunft. Kain Marverick hat große Pläne mit dem Jungen.

Wie groß die Pläne sind, erfährt Adrian nach und nach… denn auf einmal läuft wortwörtlich alles aus dem Ruder…

Das Cover von Allgames sieht zwar nicht so megaspektakulär aus, hat mich aber sofort angesprochen. Da habe ich mich auch gar nicht mit dem Inhalt beschäftigt, sondern einfach zugegriffen.
Im Kino lief auch gerade „Ender’s Game“, und ich dachte, vielleicht ist es etwas ähnliches.
Es ist auch ähnlich, und viel viel mehr. Während in „Ender’s Game“ ein Krieg wirklich geführt wird, muss Adrian in diesem Buch vor allem virtuell bestehen.

So wie in manch anderem Roman steigt Waluszek zu Beginn der Geschichte mit einem Ausblick aufs Ende ein. Man will dann natürlich wissen, wie es da hinkam, was mit den kaputten Augen und dem Minicomputer gemeint ist und was genau mit Adrian passiert.
Erst danach wird man von Vorne in die Geschichte gebracht: Wer Adrian ist, wie er lebt, wo er lebt und warum er so lebt. Denn er ist ein Waise, der in einem Internat lebt, das von einer Stiftung finanziert wird.

Adrian ist nicht unbedingt sympathisch. Er ist stur, eigensinnig, Spieleversessen und faul. Seine Freunde beutet er aus, für die Schule lernt er nur das Nötigste und am liebsten würde er einfach nur in der Spielehalle zocken. Wow, dachte ich, was für ein Depp. Er zeichnetet sich nicht gerade durch Einfallsreichtung aus, obwohl man merkte, dass er viele Begabungen und vor allem Intelligenz hatte.

Später jedoch fiebert man nicht nur mit ihm mit. Man lernt ihrn kennen, lernt seine Denkweise zu schätzen und hofft das Beste für ihn. Manchmal möchte man ihn schütteln, oder einfach nur gratulieren zu diesem brillianten Schachzug.

Die Zeit, in der das Buch spielt, liegt uns noch weit voraus. Auf dem Mond gibt es sogar schon eine dauerhafte Forschungsstation und Flüge in den Weltraum sind nichts ungewöhnliches. Doch die ganzen elektronischen Helferlein, die digitale Handhabung und vor allem das Leben ohne jegliches Papier zum Schreiben ist irgendwie nicht mehr ganz so fern. Hologramme, das Lernen mit Computern und reines digitales Geld sind fast schon angekommen bei uns. Nur noch nicht ganz so entwickelt, wie es in Sci-Fi Filmen noch gezeigt wird.

Wenn man sich dann in die wirklich rasante und sehr tiefgehende Geschichte eingelesen hatte, war es auch richtig gut zu verfolgen. Christian Waluszek schreibt sehr flüssig und interessant. Alles, was einem zu Beginn vielleicht komisch vorkam oder wo die Erklärung fehlte, fand am Ende in einem großen Spannungsbogen einen Abschluss. Das nenne ich gelungen!

Für dieses zukunftsweisende, ausgefallene Jugendbuch gebe ich volle Punktzahl!

★★★★★

3

[Rezension] Der Look

Der Look – Sophia Bennett
Chickenhouse
Gebunden, September 2013
ISBN 978-3-55152045-6 
384 Seiten

14,99 €

Teds große Schwester Ava war immer die schönere der beiden. Als die Familie von Schicksalsschlägen gebeutelt die Finanzen radikal verringen muss, versuchen sich die Mädchen sich plötzlich durch Straßenmusik das Taschengeld aufbessern. Dabei wird Ted von einem Modelscout angesprochen – sie, nicht Ava. Ted ist schlacksig, hat mehr oder weniger eine Monobraue und ein Vogelnest auf dem Kopf. Sie kann nie und nimmer Model sein.

Doch die Agentur sieht etwas in ihr, das für ein Model taugt. Ted gibt sich Mühe, ist jedoch in Gedanken immer bei Ava, denn Ava hat Krebs. Als sich für Ted große Chancen auftun, besteht Ava darauf, dass sie fährt. Und nichts würde Ted derzeit unversucht lassen, um Ava glücklich zu machen…

Von der Autorin Sophia Bennett habe ich bisher viel gehört, leider nur Modemädchen 1 „Wie Zuckerwatte mit Silberfäden“ gelesen. Ihr neues Buch „Der Look“ sprach mich aber wieder besonders durch die tolle Covergestaltung des Verlages an. Es ist schlicht und irgendwie zauberhaft.
Die Geschichte war irgendwie auch zauberhaft, aber nicht sofort. Man lernt die Schwestern Ava und Ted kennen. Während Ava aussieht wie eine junge Göttin hat Ted dagegen den besonderen Charme einer langstieligen Bambuspflanze.

Dennoch sind beide Schwestern auf ihre Art stark und schwach. Man sollte meinen, durch Avas Schönheit ist sie selbstbewusst und mutig, aber sie ist auch nur eine unsichere junge Frau. Ich litt auf jeder Seite mit ihr mit.
Ted dagegen muss immer mutig sein. Permanent springt sie über ihren eigenen Schatten und obwohl sie gehänselt und verspottet wird, hält sie den Kopf aufrecht und zeigt Stärke für ihre Schwester.
Als dann der Modelscout Ted angesprochen hat, habe ich mir nur gewünscht, dass sie Erfolg hat! Als das zunächst nicht der Fall war, hatte ich wirklich Angst, die zweite Hälfte des Buches wird sehr traurig und geht nicht mehr so sehr ums Modeln.

Weit gefehlt. Wirklich zur Mitte des Buches macht es BÄÄÄM und die Geschichte dreht sich. Zu wundervoll, einfühlsam und sehr sehr lesenswert. Es ging nicht nur ums Modeln. Es ging um das Erwachsenwerden, Fehler machen und aufzustehen, wenn man hinfällt. Das war eine Geschichte, die einem ans Herz geht.

Der Look“ ist ein Roman, der die Modelwelt etwas kritisiert. Bennett macht aber auch Mut durch die Kraft, die sie Ted gibt. Dass ihre Protagonistin Mädchen, Tochter und junge Frau sein darf. Was soll ich noch sagen?
Volle Punktzahl – mit Pluspunkt, weil das Cover von Chickenhouse so unglaublich toll ist, dass ich es die ganze Zeit anschauen will.

4

[Rezension] Freak City

Freak City – Kathrin Schrocke
Carlsen Verlag
Taschenbuch, Juni 2013
236 Seiten
978-3-551-31093-4

6,99 €

„Freak City“ ist ein sommerlicher Jugendroman über erste (erwachsene) Entscheidungen, das älter werden, die Kindheit hinter sich lassen und das Bilden der eigenen Persönlichkeit.
Mika ist 15 Jahre alt und hatte gerade seine erste feste Freundin, mit der er auch schon geschlafen hat (mit 15?? Huiuiui…). Doch plötzlich macht sie Schluss – und Mika weiß nicht, ob er sie nun zurück will oder nicht.

Die erste große Liebe. Für einige von uns kam sie früher, für andere später. Ich war 16 Jahre alt, als mein Herz explodierte, und kann ziemlich gut nachvollziehen, über welche Themen Mika schreibt. Die Eltern sind irgendwie peinlich, man möchte gerne eigene Entscheidungen treffen. Und nicht mehr alles hat die Eltern zu interessieren – zum Beispiel wie man seine Freizeit verbringt.

Neben der jugendlichen Liebesgeschichte geht es jedoch in „Freak City“ auch um ein viel ernsteres Thema: Gehörlosigkeit.
Mika trifft Lea, und meldet sich überstürzt in einem Gebärdensprachkurs an. Um Lea zu beeindrucken? Um seine Exfreundin eifersüchtig zu machen?
Schnell lernt Mika erste Gebärden und trifft sich häufiger mit Lea. Dabei erkennt er, wie viel Unwissenheit über Gehörlose kursiert. Lea wird mal für betrunken gehalten oder einfach ignoriert. Doch weil Mika nicht locker lässt, kommt er näher an Lea heran. Mehr und mehr lernt er, wie es ist, taub zu leben. Im Buch lernt man neben unnützen Dingen (warum Eskimos Kühlschränke haben…) auch sehr interessante Dinge, zum Beispiel wie Gehörlose doch das Sprechen lernen.

Lea war nicht immer greifbar. Weil alles aus Mikas Sicht geschrieben wird, erfahren wir natürlich nur, was er weiß. Warum meldet sie sich manchmal einfach nicht, und warum will sie Mika trotzdem wiedersehen? Weil sie auch nur mit Händen kommuniziert, ist es doppelt schwer für Mika – und für den Leser.

Die Sprache des Buches ist sehr „jugendlich“. Ich rede vielleicht nicht mehr so krass, aber zu dem angepeilten Alter dieses Buch (12+) passt es auf jeden Fall. Es wird nicht zu viel angedeutet und auch nicht mit Dingen gespielt, die Jugendliche ab 12 noch nicht verstehen.

Die Zielgruppe sind wohl eher Jungs, aber auch für Mädchen ist das Buch sehr interessant. Da eine Frau aus der Sicht eines Jungen geschrieben hat, ist es nicht unbedingt beispielhaft zu nehmen, aber manches Mädchen kann sicherlich noch etwas aus Mikas Gedanken lernen 😉

Das Buch ließ sich für jemanden wie mich natürlich sehr einfach lesen. Ich habe es dennoch sehr genossen, weil es nicht nur eine sommerliche Geschichte ist, sondern auch sehr behutsam damit umgeht, wie man Welten überwinden kann. Und wenn es „nur“ die Welt zwischen Hörenden und Gehörlosen ist.
Von mir bekommt „Freak City“ fünf glänzende Sterne!