3

[Rezension] Diskobushaltestellenhierarchie

Diskobushaltestellenhierarchie – Erik Brandt-Höge
Knaur
Taschenbuch, 2014
ISBN 978-3-42642287-8
304 Seiten

10,99 €

Vom Land in die Stadt – nicht wenig Jugendliche wollen endlich aus dem öden Kaff und in ein richtiges Leben. So auch Hannes, der endlich aus seinem Kuhdorf nach Berlin will. Sein bester Freund Arndt kann das nicht nachvollziehen, aber Hannes muss raus. Die Wohnung ist nicht besonders hübsch, und das Zivi-Jahr im Kindergarten wird auch kein tolles Leben, aber es ist besser als im Kaff abzuhängen.

 Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag direkt zugeschickt. Passend gab es eine Lesung vom Autor in Hannover, zu der ich es aber leider nicht geschafft habe – schade, ich hätte den Kopf hinter der Geschichte gerne kennen gelernt. Aber ich finde es unfair, bei einer Lesung das Buch gar nicht zu kennen.
Jetzt durfte mich das Buch zwei Arbeitstage auf dem Weg zur Arbeit und zurück begleiten und hat mich leider nur mittelmäßig begeistert.
Hannes weiß nicht, was er mit seinem Leben anfangen soll, nach der Schule. Statt den Zivildienst zu nutzen, um Berlin kennen zu lernen, besäuft er sich ständig und kommt immer zu spät. Keine Einstellung, wie ich sie mag.

Wie der Autor das Landleben beschreibt, fand ich noch am besten. Das war authentisch und wirklich gut lesbar. Das brachte mich zum Schmunzeln und ich habe die Szenen gerne gelesen. Vor allem mit Leenke mochte ich das, obwohl Hannes und Leenke für mich überhaupt nicht zueinander gepasst haben.

Sehr gut nachvollziehen konnte ich die Einsamkeit von Hannes. Ich bin selbst in eine Stadt weit weg von zuhause gezogen, und dort war es mit den Freunden alles andere als leicht. Dass Hannes sich dann mit dem Imbissbudenbesitzer anfreundet fand ich witzig – und traurig.

Die Schreibweise des Autors war bei diesem kurzen Buch eher schlicht. Die Sätze sind typisch männlich und Gedanken werden nicht sehr weit getragen. Die Sprünge sind recht groß, und die Sprüche derb. Es las sich aber gut.

Insgesamt hat mich das Buch mit der Story aber nicht so richtig überzeugt. Bei Amazon schreibt ein Rezensent, dass Hannes nach den Zivi nichts gelernt hat – empfand ich auch so. Und dann die Sache mit der Zeitung war mir irgendwie zu viel, zu unrealistisch. Klar, es ist nur eine Geschichte, aber insgesamt nahm die Handlung dadurch so eine krasse Wende, die aber meiner Meinung nach nicht konsequent weitergesponnen wurde, dass ich nicht gerne weitergelesen habe.
Daraus ergeben sich bei mir drei Sterne, für die Schreibweise, die Einsamkeit und das Landleben. Der Handlungsturn zieht leider zwei Sterne von fünfen ab.

★★★☆☆

2

[Rezension] Erzähl mir von der Liebe

Erzähl mir von der Liebe – Beate Teresa Hanika
S. Fischer Verlag
Hardcover, Juli 2010
160 Seiten

14,95 €

 Aus einem Dorf kommt Leni als junges Mädchen nach Berlin. Sie wird von einer Modelagentur betreut und hofft auf die ganz große Karriere. Ein paar Jahre später ist sie Profi in dem Buisness und nimmt es leicht, ebenso wie ihre Kolleginnen Hannah und Kennedy.
Bis in die Nacht wird gefeiert, getrunken und die Jobs vergessen.

Wer in Berlin hängen bleibt, kann die große Modelwelt so gut wie vergessen.
Und Leni wünscht sich nichts mehr, als die große Liebe. Denn das ist etwas, das sie bisher erfolgreich von sich fernhalten konnte…

„Erzähl mir von der Liebe“ ist ein Roman aus Berlin, der nicht schon zwei Jahre alt sein muss. Ganz im Gegenteil. Vermutlich ist das Modelgeschäft noch immer so.
Das Buch hat nicht viele Seiten, dementsprechend kann ich nicht viel darüber schreiben.
Leni ist sehr nachdenklich und erinnert sich viel. Diese Rückblicke erzählen zwar viel von der Vergangenheit, aber verwirren auch hin und wieder in der Handlung.

Die Geschichte ist sehr intim, im Nachwort wird verraten, dass auch Beate Teresa Hanika als Model gearbeitet hat. Das macht das Buch persönlich, und hinterlässt noch einen tieferen Eindruck.

Insgesamt habe ich mich aber nicht so wiederfinden können (leider leiden zZ viele Bücher darunter 😦 ) und bin nicht mit so einem guten Gefühl aus der Geschichte aufgetaucht. Die Schreibweise ist sehr seicht und irgendwie zu locker, dass  ich immer wieder zu einem anderen Buch greifen musste.

Ich vergebe 3 Sterne für ein Buch voll Gefühl, Liebe und Reife.

★★☆

Weitere Romane der Autorin:
Rotkäppchen muss weinen
Nirgendwo in Berlin 
Dark Angel’s Summer (gemeinsam mit ihrer Schwester unter den Pseudonymen Kristy und Tabita Lee Spencer)
Dark Angel’s Fall (erscheint im Herbst)

9

LoveLetterCon 2012 – Rückblick

Am vergangenen Wochenende war es ganz still hier auf dem Blog. Zum einen brauchte ich eine kleine Pause nach dem sehr gefüllten Mai, zum anderen war ich ganz einfach (fast) Internetlos. Ja, auch sowas gibt es noch (und ich schreibe dennoch kein Buch darüber…).

Aber wo war ich denn bloß, dass es kein Internet gab? Jetzt nicht lachen: Ich war bei meiner Oma in Berlin. Und sie hat zwar eine Flatrate fürs Festnetz, aber eben kein Internet. Lang leben das Smartphone – wenigstens Twitter blieb mir so also noch 🙂
Ich will aber nicht rumjammern, irgendwie war das Offline-Wochenende auch sehr entspannend. Keine wichtigen Mails, keine Planung, kein Facebook… das sollte sich jeder nehmen (und wenn es wehtut, holt euch HILFE!)

Neben dem schönen Besuch stand ganz oben auf der Tagesordnung noch der Besuch der LoveLetterCon *yeay*

Samstag und Sonntag war das Kulturhaus Spandau belagert von Liebesromanfans aus vielen Teilen Deutschlands – und sogar aus dem Ausland, wenn ich das richtig gehört habe.
Zu Gast waren Bestseller Autorinnen wie Nalini Singh, Lara Adria und Lisa Marie Rice – und viele mehr, auch sehr gute deutsche Autorinnen wie Sandra Henke, Jeanine Krock und Michelle Raven.

Ich war total baff, als ich im ersten Workshop war. Vor allem, weil ich mir am Empfang eine tolle rote Tasche abholen durfte, auf der nicht nur das Datum, der Anlass und die teilnehmenden Verlage abgedruckt waren, sondern auch noch innen wunderschöne Goodies zu finden waren: Das LoveLetter Magazin (ich hab es ohnehin abboniert, deswegen hab ich das weitergegeben), ein kleiner Notizblock von Lyx, Kugelschreiber, Bonbons und ein tolles Programmheft.

Der Tag startete gleich mit Shannon McKennon und Lisa Marie Rice über den Alpha-Helden. Wäre der Raum nicht schon heiß gewesen hätten wir ihn heiß gemacht, denn es ging um den perfekten Helden.
Anschließend habe ich mich fast nur noch im Theatersaal aufgehalten und mir verschiedene Podiumsveranstaltungen angeschaut. Der U-Books (jetzt U-Line) Verlag hat sich und seine Autorinnen vorgestellt. Englische Autorinnen haben über ihr Schreiben geredet. Cora/Mira haben sich vorgestellt und Autorinnen von Lyx haben über Social Media gesprochen.

An beiden Abschlüssen des Tages haben wir uns Exemplare signieren lassen können, von den Autorinnen, die vor Ort waren (wobei viele das ja schon den ganzen Tag über gemacht haben). Und die Überraschung war riiiiesig, als neben den auf dem Zeitplan aufgeführten Autoren mehrere Stapel Bücher aufgebaut wurden. Lyx, Cora und Mira und sogar Heyne und Goldmann spendeten bis zu 100 Bücher für ihre Autorinnen – damit wir die signiert mitnehmen konnten… total umsonst!
Das Gedränge war besonders Sonntag entsprechend groß, aber laut Spekulationen waren für alle Teilnehmer mindestens ein Buch kalkuliert.
Links seht ihr meine signierte Ausbeute (+ die zwei Bücher von Wohltat) – ich bin immernoch total verblüfft und dankbar, dass wir die Bücher mitnehmen durften. Und die Autorinnen waren so superfreundlich!
Nalini Singh fragte mich, ob mir die Convention gefalle, und ich jede Autorin getroffen hatte, die ich treffen wollte (Natürlich JA, ich hatte ja nur das Buch von Kristina Günak mit ^^). Lisa Marie Rice hat sich enorm gefreut als ich ihre Bücher lobte und sagte auf Englisch „Für jemanden wie dich schreibe ich meine Bücher“. Ihr Buch hatte ich auch schon – es bleibt aber nur die signierte Ausgabe im Regal 😉

Gefreut hat mich neben dem Kennenlernen der Bestsellerautorinnen auch der Kontakt mit der Indie-Autorin Romana Grimm, die ich auf der S-Bahnfahrt noch gesehen habe und mit der ich mich auf Anhieb super verstanden habe! Es war schon, dich kennen zu lernen *wink* 🙂
Auch C.M.Singer habe ich persönlich kennen gelernt und mich angeregt unterhalten.
Bekannte Gesichter wie Cornelia Franke (die leider immer nur vorbeihuschte) und Cat Crawfield haben die Zeit dort auch noch schöner gemacht. Leider konnte ich mir die Blogs der beiden Freundinnen von Cat nicht merken, vielleicht melden die sich hier ja noch 🙂

Generell fand ich, dass die Stimmung überhaupt sehr gut war. In den Schlangen vor den Signiertischen bin ich mit einigen Frauen ins Gespräch gekommen, und auch in der Pause war es sehr entspannt, sodass ich mich mit einigen anderen Besuchern unterhalten habe.

Und jetzt ein fettes DANKE an die Verlage und Autorinnen vor Ort, die das Wochenende unvergesslich gemacht haben! Danke für die liebevolle Aufmachung des Kulturhauses, danke für die Goodies, für die Möglichkeit mit den Autorinnen in Kontakt zu treten und für die Signierexemplare im Anschluss! Und natürlich ebenso viel Dank an den LoveLetter und die MitarbeiterInnen, die das Wochenende überhaupt erst haben entstehen lassen!!!!!!!!

Ich hoffe, im nächsten Jahr lässt sich das Ganze wiederholen – es muss nicht mal besser werden, weil es war schon so richtig toll 🙂

3

[Rezension] Schattenblüte Die Wächter

Achtung: In dieser Rezension besprochene Details setzen voraus, dass Band 1 bekannt ist. Wer „Die Verborgenen“ nicht kennt nimmt sich vielleicht Dinge voraus, wenn er hier weiterliest.

Schattenblüte Die Wächter – Nora Melling
Rowohlt Polaris
Taschenbuch März 2012
320 Seiten

14,95 €
kindle Edition 12,99 €

Rezension zu Band 1.

Draußen im Wald, an Silvester, wollen Luisa und Lars, ihr Thursen, das vergangene Jahr hinter sich lassen. Die Sorgen in den Himmel schießen und einander genießen.
Doch bereits wenige Minuten nach Mitternacht finden sie eine Leiche, die offensichtlich von Wölfen zerfetzt wurde. Luisa ist geschockt – weiß sie doch, dass Norrock jetzt Anführer des Rudels ist. Thursen hätte soetwas niemals befohlen, da ist sie sich sicher!

Gleichzeitig trifft Elias eine Entscheidung. Elias ist ein Shinanim und möchte unbedingt seine Kräfte für das Beschützen der Bewohner Berlins einsetzen. Dazu sammelt er einige wenige um sich, die ihm helfen sollen. Doch in einer Nacht wenig später ist es Luisa, die ihn aus einer verzwickten Situation holt. Und sich damit in sein Herz schleicht.

Doch Luisa ist kein Mädchen für Elias. Sie darf nicht wissen was er ist, und hat ohnehin ihr Herz an Thursen verloren. Als jedoch die Wolfsangriffe zunehmen und Luisa an ihrem Freund zweifeln muss, sieht Elias eine Chance. Denn er bringt das Licht, das Luisa aus der Dunkelheit retten kann…

Nun ist er erschienen, der lang und heiß ersehnte zweite Band von Nora Melling. „Die Wächter“ heißt dieser Teil, und wie auch bei Band 1 weiß ich nicht so recht, was ich davon halten soll.
Erstmal die objektiven Aspekte:
Geschrieben ist abwechselnd aus der Sicht von Luisa und Elias. Luisas Kapitel sind deutlich länger, während Elias manchmal nur kurz eingeschoben wird.
Die Handlung knüpft fast nahtlos an Band 1 an, und das Wissen aus dem ersten Teil wird vorausgesetzt. 

Die Handlung war diesmal nicht ganz so deprimierend. Die Figuren haben sich weiterentwickelt, und stehen über der Trauer, die den ersten Roman ausgemacht hat. Das Lesen war dementsprechend etwas weniger belastend.
Vor allem Luisa findet ungeahnte Kraft (wenn auch, wie weiter unten beschrieben, nicht im Bezug auf Thursen), mit ihren Eltern umzugehen. Dass Trauer nicht so schnell verschwindet, wird sehr gut behandelt. Während Luisa in „Die Verborgenen“ fast untergeht, kann sie sich diesmal aus eigener Kraft über Wasser halten.

Erneut waren mir dennoch einige Dinge etwas fremd. Luisa klammert sich wie in Band 1 mit einer Verzweiflung an die Liebe zu Thursen, dass ich als Leser nur fassungslos davor saß. So sagt sie auf Seite 221 „Ich habe dich so vermisst“ und ignoriert seine Sorgen um ihr Leben. Sie geht gar nicht auf das Gespräch ein!
Und sie ist so blind für das, was sich vor ihren Augen abspielt! Sie sieht einfach nicht, dass Thursen sie nicht vollständig lieben kann, sondern immer im Wald bleiben wird. Er wäre nicht Leitwolf geworden, wenn er nur halb dort gelebt hätte.
Unklar war mir aber, warum er mitkämpft und eine Bedrohung darstellt, sich aber gar nicht mehr verwandeln kann. In der Szene mit Elias und seiner WG, als Luisa ihren Freund beschützen will, sagt sie mit keinem Wort „er ist nicht mehr Leitwolf“ oder „er kann sich gar nicht verwandeln“. Hatte ich da was verpasst?, hab ich mich gefragt. Warum kann Luisa mit Elias seltsame Dinge besprechen, ihm aber nicht sagen dass alles halb so wild ist?

Etwas schade fand ich auch, dass Nora Melling nicht mehr nur die Werwölfe in ihrer Geschichte behandelt, sondern wieder zwei fantastische Wesen gegeneinander ausspielt. In „Die Verborgenen“ war gerade dieses einfache, menschenähnliche noch so schön, und plötzlich ist wieder Fantasy drin. Überwiegend hat mir die Ausführung gefallen, und es ist natürlich Nora Mellings Geschichte. Wenn es mir nicht gefällt, muss ich das ja nicht lesen, ich weiß 😉
Durch die kurzen Kapitel von Elias hat das dann zum Glück weit weniger Überhand genommen, wie ich befürchtet habe.

Wirklich gut fand ich diesmal die Schreibweise. Leise und tiefgründig schreibt Nora Melling ihre Geschichte, mit Worten aus einer Sphäre, die einen beim Lesen umwebt und fängt.

„Das Bettzeug hat sich um meine Arme und Beine geschlungen wie böses, nasses Papier. (S. 29)

Es sind so einfache Formulierungen, die das Lesen erleichtern und die Geschichte vorantreiben. Man stolpert bei keinen Sätzen und muss nichts nachlesen. Was nicht dasteht, wird nicht gebraucht.
Im Vergleich zum ersten Teil hat sich Nora Melling verbessert, finde ich.

Auch sehr gut fand ich das Tempo in dieser Geschichte. Während in Band 1 lange Zeit einfach nichts passierte, muss Luisa diesmal aufpassen, überhaupt Ruhepausen zu bekommen. Regelmäßig wird beschrieben, wie sie schläft, aber es reicht nicht. Auch dem Leser nicht. Die Handlung ist also packend, fesselnd, einnehmend, super 🙂

Mehr über die Handlung und vor allem die Wendung will ich gar nicht sagen. Ich kann nicht fassen, dass wir jetzt bestimmt viele Monate auf den Abschlussband warten müssen, denn das Buch hatte einen bösen Cliffhanger. Das kann ich gar nicht leiden, und auf der Buchmesse kann ich mich bestimmt nicht zusammenreißen, Nora Melling das auch zu sagen 😉

Ich vergebe vier von fünf Sternen, weil das Ende mich ärgert (jaaa, kann auch gut sein, aber ist halt subjektiv) und der Gesamteindruck eben nicht so perfekt war. Weil ich aber das Buch schnell lesen konnte und sehr gespannt auf den 3. Band bin, fällt die Wertung besser aus. 🙂

★★★★☆

7

[Rezension] Schattenblüte Die Verborgenen




Schattenblüte Die Verborgenen – Nora Melling
Rowohlt Polaris
November 2010


352 Seiten


14,95 €


Dem Leben ein Ende setzen, nicht mehr fühlen, nicht mehr trauern müssen, nur noch schlafen. Das möchte Luisa am liebsten, nachdem sie mit ihren Eltern nach Berlin gezogen ist. Zurück blieb das Grab ihres kleinen Bruders Fabian, den sie vermisst wie nichts sonst auf der Welt.
Doch als sie sich von einem Turm im Wald stürzen möchte ist plötzlich der Junge da, und Luisa muss ihm versprechen, am Leben zu bleiben. Thursen heißt er, und Luisa möchte ihn so gerne wiedersehen.
Aber Thursen hat ein Geheimnis, das er nicht mit Luisa teilen möchte. Nicht teilen kann.
Tagelang sieht Luisa ihren neugewonnenen Freund nicht, bis sie ihn auf eigene Faust sucht. Und sie verwirrt sich nicht nur im Wald, sondern auch in einer Geschichte voll Magie und Sehnsucht – die jedoch still und heimlich verblasst…


Die Verborgenen“ ist der erste Teil einer Trilogie von Nora Melling, die mit „Die Wächter“ dieses Jahr noch fortgesetzt werden soll.Ich hatte bereits eine Leseprobe bei vorablesen.de lesen dürfen, leider aber kein Buch gewonnen.Ende letzten Jahres habe ich mir das Buch dann doch selbst gekauft, weil ich durch verschiedene Rezensionen einfach neugierig geworden war.

Mein erster Leseeindruck war ein depremierter. Aber nicht, weil das Buch schlecht war, beileibe nicht. Die Thematik war nur sehr schwer und mitnehmend. Und scheinbar ging es nicht nur mir so:
boocaholic schreibt:Anfangs habe ich mich durch die stets präsente Melancholie durchgequält. Es lag daran, dass Nora Melling mich daran erinnerte, wie ich mich fühlte, als ich einen sehr wichtigen Menschen im meinem Leben verloren habe. Das rief einfach Erinnerung hoch und ich fühlte mich teils etwas unbehaglich. Nicht, weil die Autorin es schaffte, die Gefühle in mir wach zu rufen, im Gegenteil, das ist lobenswert, wenn ein Autor Gefühle im Leser weckt, sondern eher die Situation damals, die sich mir aufbarg, war nicht unbedingt schön.


Die Stimmung ändert sich nur wenig in der gesamten Geschichte. Luisa kann zwar mit dem Verlust ihres Bruders etwas besser umgehen, findet aber noch immer nur schwer Zugang zur wirklichen Welt. Obwohl sie selbst kein Werwolf sein kann, will sie unbedingt unter ihnen sein – vor allem bei Thursen. Die Passagen im Berliner Wald sind wie ein Atemholen vor dem atemlosen Schrecken, der im Elternhaus wartet. Ich fühlte beim Lesen der Elternszenen mein Herz schwer werden. Dass Familien nach dem Tod eines Mitglieds kaum noch zueinander finden ist bekannt. Und darüber zu lesen war irgendwie belastend.

Wirklich schön fand ich, dass sich jemand an das altbekannte Thema (und auch 2010 war der Markt schon überschwemmt) heranwagte, und Nora Melling trotzdem noch eine neue Nuance hineinzaubern konnte. Sie schreibt über Werwölfe nicht als die verzweifelten Helden, wie sie etwa in Twilight auftauchen. Nein, Mellings Schattenwölfe haben keine Vergangenheit mehr und sind deswegen einfach verzweifelte Menschen, die nicht mehr leben können.

Sabine von Büchersüchtig drückt ihre Gedanken über die Figuren sehr schön aus:

Endlich keine Geschichte, die nicht mit lauter wunderschönen Hauptpersonen aufwartet. Obwohl sich auch in „Schattenblüte. Die Verborgenen“ das etwas schwierige Mädchen und der geheimnisvolle Junge ineinander verlieben, enden hier die Gemeinsamkeiten mit vielen Urban Fantasy-Romanen. Denn hier stehen die Verlierer, die Gemobbten und die Ausgestoßenen aus der Gesellschaft im Vordergrund. Sie sind weder unsterblich, noch besonders schön und auch nicht reich. Die Charaktere wurden äußerst liebevoll und facettenreich gezeichnet. Sie alle haben ihre Ecken, Kanten, Ängste, Probleme und Macken – Wesenszüge, die die Mitwirkenden so reizvoll machen.


Die Schreibweise der Geschichte war etwas dürftig, fand ich. Auch hier hat jemand vor mir die Gedanken gedacht:
Nightingale schreibt auf ihrem Blog: Die Autorin gibt zum einen sehr aussdrucksstarke Beschreibungen wieder, zum anderen baut die Geschichte nicht wirklich viel Spannung auf. Die Geschichte an sich ist sehr sanft erzählt. Es wird wenig auf die wahre Entwicklung von Mensch zum Wolf eingegangen. Ich hoffe aber, dass sich dies noch ändern wird. Schließlich ist „Die Verborgenen“ der Auftakt einer ganzen Reihe.
Die Geschichte ist meiner Meinung nach sehr ruhig, zwischendurch aber eben zu ruhig…


Dennoch nervte mich einfach auch das Hin und Her zwischen Louisa und Thursen.Sie hatte genug von ihm, wollte ihn nicht mehr sehen. Und dann sperren ihre Eltern sie ein, nehmen ihr den Freiraum und alles was Luisa kann, ist zurück in den Wald zu laufen und Thursen zu treffen. Sie will es ja doch! An dieser Stelle war sie dann aber wieder ein sehr authentischer Charakter, weil sie nicht gradlinig handelte. Nur nach dem zweiten Mal war es irgendwie nichts neues mehr.


Puzzeline hebt bei Amazon einen einzigen positiven Aspekt hervor:
Ich habe nur einen positiven Punkt entdecken können: Das Ende. Die letzten 50 Seiten heben sich klar vom Rest des Buches ab und es kommt zu einer spannenden Verfolgungsjagd. Melling weicht endlich von der amüsanten Möchtegern-Melancholie ab und schreibt mitreißend. Schade, dass ihr das nicht schon 200 Seiten vorher eingefallen ist.
Amüsant fand ich die Melancholie zwar nicht (und „Möchtegern“ find ich hart ausgedrückt), allerdings stimme ich Puzzeline zu, dass vor allem das Ende die Punktzahl hochgerissen hat (vorher hätte ich vielleicht 2 Sterne gegeben 😉 ). Packend und sehr kompakt huschten die letzten Seiten nur so dahin – ein bisschen mehr davon hätte dem Buch vorher tatsächlich nicht geschadet.


Positiv war für mich auch, dass Berlin so schön geschildert wird. Wer selbst dort nicht wohnt, hat aber garantiert mal in der S-Bahn gesessen oder von den großen Seen gehört. Für mich war das Lesen wie ein Ausflug nach Berlin. Und obwohl ich die Stadt nicht so mag, begleitete ich Luisa gerne bei ihren Streifzügen. Etwas Magie inmitten einer bekannten deutschen Stadt war eine Mischung, die mir gut gefiel.


Ich bin also etwas unschlüssig, wie mir das Buch gefallen hat oder nicht. Teil 2 werde ich lesen, aber an dieser Stelle reicht mein Leseeindruck nur für 3 von 5 Sternen.