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[Rezension] Das wirst du bereuen

Das wirst du bereuen – Amanda Maciel
Boje bei Bastei Lübbe
Hardcover, Juli 2014
ISBN: 978-3-41482406-6

300 Seiten

14,99

Es sollte ein Denkzettel sein, und keine Anstiftung zum Selbstmord. Sara und ihre Freundin Brielle wollen Emma nur ein wenig ärgern. Doch was als Streich gedacht war, entwickelt sich schnell zu einem groß angelegten Mobbing – Sara gleiten die Dinge aus der Hand.
Das hinterher alle Emma in den Himmel loben kotzt sie allerdings an, denn Emma war keineswegs völlig unschuldig. Sie hat an der neuen Schule reihenweise Jungs angemacht und Dylan umgarnt. Dabei ist Dylan Saras Freund. War Saras Freund.
Waren die Streiche für Emma tatsächlich Mobbing oder nur etwas größere Denkzettel? Musste sich das Mädchen deswegen umbringen?

„Das wirst du bereuen“ steigt sofort bei einem Gespräch von Sara mit ihrer Anwältin ein, kurz nach dem Selbstmord. Als Leser wird man einfach ins kalte Wasser geschubst, sich ein Bild zu machen. Das ist einerseits sehr spannend, andererseits kennt man ja quasi das Ende schon.
Aber Frau Maciel hat sich etwas interessantes ausgedacht. Man erlebt mit Sara die Zeit bis zur Gerichtsverhandlung, Sara muss wieder zur Schule und erlebt das Mobbing am eigenen Leib (wenn auch etwas anders als Emma). Gleichzeitig gibt es Rückblicke, welche die Aktionen gegen Emma zeigen (aus Saras Perspektive).
Man lernt dadurch nicht nur die Motive sondern auch die Wahrheit kennen.

In einigen Punkten kann ich Sara verstehen. Sie hat sich falsch behandelt gefühlt, etwas übertrieben zurückgeschlagen, aber dann ist sie alleine schuld. Klar, keiner kann Emma mehr fragen, aber das Emma einfach nur ein Opfer war, machte mich auch wütend. Dass Sara jedoch dann einfach nicht die Wahrheit sagt, machte mich auch rasend. Wenn sie sich so missverstanden fühlt, warum sagt sie es nicht einfach?

Wie Amanda Maciel die Geschichte geschrieben hat, fand ich sehr beeindruckend. Sara ist eine Jugendliche, und so ist die Geschichte erzählt. Es hat mich sehr authentisch berührt, es war keineswegs hochgestochen oder irgendwie zu „erwachsen“ geschrieben. Auch die Sichtweise ist klar und deutlich die einer Jugendlichen mit wenig Erfahrung des Lebens, wenig Berührung mit tragischem Unglück und der Ich-weiß-doch-schon-wie-das-Leben-zu-laufen-hat-ich-bin-fast-erwachsen-Perspektive. Aus sprachlicher Sicht (und auch durch die sehr gute Übersetzung) habe ich das Buch wirklich gerne gelesen.

Deswegen gebe ich diesem Buch fünf Sterne.

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[Rezension] Flammenwüste – Das Geheimnis der goldenen Stadt

Flammenwüste – Das Geheimnis der goldenen Stadt – Akram El-Bahay
Vorgeschichte zu „Flammenwüste
BasteiEntertainment
E-Book, Mai 2014
ca.88 Seiten
ISBN 978-3-83875984-5

1,49 €

Der Karawanenführer Karim findet eine Zwischenstation verbrannt und verlassen vor. Doch nicht nur alles aus Holz ist verbrannt, auch die Steinmauern scheinen geschmolzen zu sein.
Doch statt an die Märchen von einem Wesen mit so mächtigen Feuer zu glauben, möchte Karim nur seine Ware abliefern. Und er hat ganz andere Sorgen, denn ein Verrückter in seiner Karawane glaubt, einen Weg zu goldenen Stadt gefunden zu haben.
Bei der nächsten Zwischenstation dann erfährt Karim die Wahrheit über ein Märchen, an das er nicht glauben wollte…

Das Geheimnis der goldenen Stadt“ ist die Vorgeschichte zu „Flammenwüste“ von Akram El-Bahay, das im August 2014 erscheint. Mit dieser kurzen Vorgeschichte, bzw. eigenständigen Geschichte hat der Autor sehr großen Appetit auf die andere Geschichte gemacht.
Wir lernen den Karawanenführer Karim und einige Mitreisende kennen. Schon direkt beim Einstieg in die Geschichte fühlt man die Hitze, den Sand und den heißen Wind. El-Bahay schreibt so anschaulich, dass man die Sonne untergehen sieht und förmlich hören kann, wie der Sand aufwirbelt.

Da es eine Kurzgeschichte ist, gibt es wenig Einleitung und etwas weniger Beschreibungen, dafür nimmt die Kampfszene zum Ende viel Raum ein.
Das war aber genau richtig und hat sich sehr gut lesen lassen.

Die Geschichte mit dem Drachen und der goldenen Stadt hat am Anfang nicht so richtig zusammengepasst, es war aber schlüssig. Warum der Autor das so gewählt hat kann ich auch nicht sagen, es war zumindest zum Ende hin ganz gut. Der Weg war erkennbar. Und deswegen hat es mir dann doch gefallen!

Insgesamt hat das E-Book mir eine schöne Lesezeit gemacht. Man war gefangen in der Geschichte und ich war ehrlich erstaunt, als es zuende war. Gerne hätte ich mehr über Karim erfahren, aber zum Glück kommt ja bald ein dickeres Buch heraus 😉
Der Kurzgeschichte gebe ich fünf Sterne.

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[Rezension] Hansetochter

Hansetochter – Sabine Weiß
Bastei Lübbe
Taschenbuch, Januar 2014
ISBN 978-3-404-16887-3
591 Seiten

9,99 €

Henrike Vresdorp hatte bisher ein sehr glückliches Leben, auch wenn ihre Mutter bereits verstorben war. Ihr Vater war ein sehr angesehener Kaufmann undein potentieller Ehemann stand auch schon für sie fest.
Sogar der Kaiser besucht ihre Heimatstadt Lübeck, doch in all dem Trubel wird ihr Vater plötzlich tot nach Hause gebracht.
Henrike fällt aus allen Wolken, denn angeblich soll ihr Vater bei einer Hure vom Schlag getroffen worden sein. Weil sie und ihr Bruder noch nicht mündig sind, übernimmt ihr Onkel Hartwig zunächst die Verwaltung des Erbes. Doch Hartwig ist ein Saufkopf, dem das Geld nur so durch die Finger rinnt.
Kurz vor dem Tod des Kaufmanns kam dessen Freund und Handelspartner Adrian Vanderen in die Stadt, doch auch er hat mit Intrigen und Machtkämpfen genug zu tun. Henrike fühlt sich von allen verlassen und muss ständig vor Übergriffen ihres Onkels oder des verhassten Cousins Nikolas fürchten. Sie kann nur versuchen, ihr Erbe irgendwie zu retten – und Adrian scheint der geeignete Vertraute dafür zu sein.

Gemeinsam versuchen sie herauszufinden, wo das Schicksal begann, das die Familie Vresdorp ins Unglück stürzte. Doch Henrike und ihr Bruder Simon müssen sich zu allen Seiten schützen, denn von überall lauert Gefahr…

Dieses Buch hatte einen sehr unglücklichen Start bei mir. Da ich es über BloggdeinBuch bekommen habe, musste ich es natürlich zeitnah lesen. Doch nach meinem Uni-Block-Seminar hatte ich absolut keinen Zugang zu dieser Thematik. Ich hatte mich sehr auf das neue Buch von Sabine Weiß gefreut, weil ich bisher ihre Bücher immer sehr mochte.
Nach etwa 80 Seiten, die mich nicht so richtig fesseln wollten (was aber nur an mir lag!), habe ich kapituliert und das Buch liegen gelassen. Etwa zwei Wochen.
Zur Buchmesse musste ich dann fast drei Stunden hin und ebenso lange zurückfahren. Weil ich die knapp 600 Seiten ja noch fast alle vor mir hatte, wollte ich das Buch in dem Tag in einem Rutsch lesen.
Schon nach wenigen Seiten war ich wieder in der Handlung drin. Und siehe da – es war ein ganz wunderbares Buch!

Zum einen ist das Setting natürlich grandios. Das historische Lübeck ist aufwendig und detailreich beschrieben. sodass man sofort nach Lübeck reisen und alles selbst erkunden will.
Dann ist fast das ganze Buch aus der Sicht von Henrike oder Adrian geschrieben, wodurch man einiges erfährt, aber eben nicht alles. Man kann gemeinsam mit den beiden Rätseln, wer nun wen besticht oder umbringen lassen will.
Ich liebe dieses historischen Machtkämpfe und die fiesen Gegenspieler. Die grausamen Methoden des Mittelalters waren natürlich nicht liebenswert, aber es ist toll von Sabine Weiß, dass sie das so authentisch und realistisch dargestellt hat.
Die Schreibweise von Sabine Weiß ist wie immer toll. Ich hatte zwar am Anfang etwas Schwierigkeiten, aber das lag eher daran, dass ich gerade von zwei Lesemonaten voller Jugendbücher wieder in die Erwachsenenriege gewechselt habe und plötzlich ganz anderen Lesestoff zu verarbeiten hatte. Wie gesagt habe ich aber auf der Fahrt zur und von der Buchmesse dann viel Vergnügen und das Lesen war sehr angenehm. Die Schreibweise ist so, dass man richtig eintauchen kann, die holprigen Straßen unter den Füßen spürt, die Seeluft riecht und die sausende Peitsche zur Strafe hören kann. Dass mein Zug dann immer mit Verzögerung fuhr war mir nur recht, ich wollte nur lesen.

Die historische Korrektheit, die Sabine Weiß immer für sich selbst an den Tag legt, ist mir sehr sympathisch. Ich kann seit dem eigenen Geschichtsstudium nicht mehr richtig historische Romane lesen, weil vieles einfach zu modern ist. Bei Sabine Weiß mache ich mir keine Sorgen.
In einem Seminar kam bereits die Hanse zur Sprache, und ich finde, die dargegestellte Entwicklung zeigt richtig gut, was damals passiert ist. Es ist keine versteckte Kritik zu finden, aber welche Macht die Hanse bereits hatte, ist gut aufgezeigt. Eine Fortsetzung aus dieser Zeit würde ich sehr gerne lesen!

Die Aufklärung um den Todesfall fand ich allerdings etwas schade, denn zum Ende hin ging plötzlich alles so schnell. Da hätte ich mir gerne etwas mehr gewünscht.

Über das Buch lässt sich also sagen, dass es weder zu lang noch zu detaillreich war. Es ist sehr lesenswert und brachte angenehme Lesestunden. Von Sabine Weiß würde ich immer sofort alles kaufen und lesen!
Für dieses Buch gibt es vier Sterne von mir.

★★★☆
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[Rezension] Wen küss ich und wenn ja, wie viele?

Wen küss ich und wenn ja, wie viele? – Mara Andeck
Boje, Bastei Lübbe
Hardcover, 2013
239 Seiten

12,99 €

Lilia ist 16 Jahre alt, und hat weder Freunde, die für sie eine Überraschungsparty schmeißen, noch den einen Freund. Also einen, der sie küsst. Und dabei wäre Jakob einfach der Traumtyp schlechthin – küssen kann er bestimmt auch super!
Passend zu einem Bioreferat startet Lilia einen Versuch, endlich ihren Kuss zu bekommen. Dafür wird gebalzt, getanzt, gelogen und Herzen gebrochen. Denn während Lilia Benny auserkohren hat, ihr erstes Testobjekt zu sein, möchte eigentlich Tom gerne der Herzensbrecher sein. Und Jakob kann das wirklich nicht auf sich sitzen lassen… dabei hängt doch Vicky permanent an seiner Seite.
Und Dana und Florian sind sich auch nicht grün. Zumindest würde das aus biologischer Sicht ihr Verhalten erklären.
Lilia hält alles punktgenau in ihrem Tagebuch fest. Von der Idee zum Gefühlschaos…

 Richard David Precht hat mir persönlich nicht so gut gefallen. Dass wir heute noch das Verhalten aus der Steinzeit anlegen ist denkbar, aber überwiegend unglaubwürdig. Und dass Tierverhalten sich auf uns übertragen lässt, umso mehr.
Was Mara Andeck aber aus diesen Überlegungen gemacht hat, ist wirklich herrlich. Teilweise musste ich herzhaft lachen, weil sie Lilia so niedlich darstellt. Voller Überzeugung geht diese 16-jährige an die Jungs heran, dass diese nur Balzen wollen. Großartig!

Die Sichtweise ist sehr einseitig aus Lilias Tagebuch geschildert. Zur Auflockerung gibt es allerdings Einschübe von Tom, der Mails an seinen Bruder schreibt, wodurch manche Situationen aufgeklärt werden.

Natürlich gibt es zig Missverständnisse, und schöne wie traurige Momente. Die Figuren sind sehr klar ausformuliert, und die Familie natürlich chaotisch wie sie im Buche steht. Die arbeitswütige, erschöpfte Mutter, der hilflose Vater und die kluge kleine Schwester geben mit dem großen, toughen Bruder und der witzigen Pubertierenden eine klassische Mischung ab.
Wie viele Teenager muss Lilia natürlich alles alleine machen, weil ihre Eltern das nicht gebacken bekommen, und fühlt sich total missverstanden. Ich konnte das total nachvollziehen, auch wenn ich nicht mit Geschwistern aufgewachsen bin. Irgendwann ist man in einem Alter, da meint man, alles besser zu können. Dass Lilia ihre Eltern nicht nach biologischer Betrachtung bewertet, hat mich allerdings gewundert. Während sie das Verhalten der Jungs identifiziert, bleibt ihre Familie unbeobachtet.

Was Lilia sich ausmalt, und was ihre Freunde eigentlich denken, ist wunderbar dargestellt. Gespannt konnte ich das Buch kaum zur Seite legen – es ist auch einfach und locker geschrieben.

Das Geschichte ist auch nicht beendet. Das Ende ist noch undeutlich, und ein zweitere Band wird für diesen Herbst angekündigt. Na, da bin ich gespannt.
Volle Punktzahl für dieses erfrischende, humorvolle Buch.

★★★★★
3

[Rezension] Memento Die Überlebenden

Memento Die Überlebenden – Julianna Baggott
Baumhaus bei Bastei Lübbe
Hardcover, März 2012
461 Seiten

16,99 €

Pressia ist sieben Jahre alt, als die Welt untergeht. Chaos, Atombomben und Zerstörung beherrschen das Stadtbild, und die wenigen Menschen, die dieses Szenario überleben sind schrecklich deformiert. Sie sind die Unglückseligen, die nicht mehr ins Kapitol kamen, wo sie gerettet wären. Pressia verschmilzt an der Faust mit ihrer Puppe, und ihr Großvater verschmilzt am Hals mit einem Ventilator.
Doch irgendwie überleben einige, und neun Jahre später ist  etwas wie Normalität eingetreten.
Doch nun wird Pressia 16 Jahre alt, und damit zum Opfer der OSR, die sie für ihre Armee gegen die Bewohner des Kapitols rekrutieren wollen.

Gleichzeitig hat Partridge, Bewohner des Kapitols und Sohn des Chefwissenschaftlers Willux, die Nase vom Leben unter der Kuppel satt. Er möchte seine Mutter finden, die mit Sicherheit noch außerhalb lebt. Er kann fliehen – doch draußen erwartet ihn eine Welt voller Deformierung und Schrecken. Als Pressia auf den Jungen trifft, ist er in Lebensgefahr…

Memento“ ist eine der vielen Dystopien, die jetzt aus dem Buchboden gesprossen ist. Wie auch in „Ashes“ und „Starters“ ist die Welt zerbombt, erschüttert und aus den Fugen geraten. Diesmal sind die Menschen mit Gegenständen oder anderen Menschen verschmolzen. So auch die Hauptfigur Pressia, die einen Puppenkopf statt einer Hand hat.
Oder Bradwell, der zum Zeitpunkt der Explosionen in einen Vögelschwarm gesprungen sein musste, und nun Flügel auf dem Rücken hat.

Anders dagegen die Bewohner des Kapitols, wie Partridge und Lyda. Sie sind „rein“, und lernen eine verfälschte Darstellung der Geschichte, denn sie sind auserkohren, als etwas besseres einmal die Welt erneut zu bevölkern.

Die Idee des Buches ist sehr interessant. Eine geplante Zerstörung der Menschheit, nur ein Bruchteil soll überleben und wie nach einer Atombombe soll die Menschheit und die Erde bereinigt werden. Warum und wieso erfährt man erst im Laufe des Buches, denn die Hauptfiguren müssen sich ihr Wissen auch selber erarbeiten.

Ich bin immer wieder überrascht, wie brutal diese Dystopien sind. Memento ist keine Ausnahme. Das Buch ist ab 14 Jahren vom Verlag empfohlen, und besonders zum Ende spritzt das Blut, werden Stümpfe beschrieben und keine Ausnahmen in der Brutalität gemacht. Und ab 14 kann man doch das Ausmaß der Geschichte gar nicht erfassen, oder?

Mal kurz für die, die es auch gelesen haben:
Habt ihr am Ende alles verstanden? Warum die Menschen mit Gegenständen verschmelzen sollten? Und Sedge gar nicht böse war?

So ganz hat  sich mir die Geschichte leider nicht erschlossen. Bradwell wusste irgendwie alles, aber ab einem bestimmten Zeitpunkt hatte ich einen Fussel des Handlungsfaden verloren, der mir wichtige Informationen vorenthalten haben musste. So etwa die Hälfte des Buches wusste ich nicht, wo die Reise hingeht, und haben nach 200 Seiten zunehmend lustlos gelesen. Ich glaube, jemand anders hat in seiner Rezension auch geschrieben, dass sie fast aufhören wollte – ich dachte mir, da muss doch noch etwas kommen.
Es kam auch etwas, und ganz anders als ich erwartet habe. Etwa 230 Seiten braucht die Geschichte, um wirklich an Fahrt zu gewinnen. Und dann geht alles Schlag auf Schlag.

Die Figuren sind aber auch etwas sprunghaft. Teilweise erschlossen sich mir ihre Gedanken nicht, und Handlungen waren mehr schlecht als recht nachvollziehbar. Aber weder die Welt noch die Situation ist für mich nachvollziehbar, weswegen ich es einfach hinnehmen musste.

Weil mich also nur das halbe Buch richtig überzeugen konnte, das Ende aber punkten konnte, vergebe ich 4 Sterne für eine gelungene Dystopie mit einer großartigen Idee und einer erschreckenden Welt.

★★★★☆

5

[Rezension] Pinguinwetter

Pinguinwetter – Britta Sabbag
Bastei Lübbe
Taschenbuch, Juni 2012
256 Seiten

8,99 €

Was ist schlimmer, als genau dann gefeuert zu werden wenn man die Karriereleiter schon erklommen hatte? Charlotte weiß es nicht. Für sie ist es der Weltuntergang, als sie sich schon als Cheflektorin wähnte und einfach entlassen wurde.
Frustriert vergräbt Charly sich in Schlabberklamotten und mit Süßigkeiten zuhause, lässt sich nur von Patenkind Finn herauslocken.
Mit diesem besucht sie sogar wiederwillig den Zoo, denn Finns Mutter ist hochschwanger und braucht einen Moment Pause von ihrem „Terrorkind“.
Im Zoo lernt Charly den attraktiven Vater Eric kennen, der irgendwie immer wieder dort auftaucht, wo auch Charly sich gerade danebenbenimmt. Scheinbar möchte der junge Mann anbandeln, doch da ist ja auch noch Marc, der Langzeitlover…

Ich will das Buch jetzt nicht verreißen, aber so wahnsinnig vom Hocker hat es mich nicht gerissen. Die Geschichte ist bekannt, die Klischees werden bedient.
Das Setting finde ich gelungen, denn Patentante – Zoo – Heimatlos kannte ich so noch nicht. Hin und wieder habe ich auch schmunzeln können, aber wieder einmal finde ich mich in der Thematik nicht so wieder.
Ich bin eben nicht Anfang 30 und Single und arbeitslos.

Dennoch glaube ich, dass etwas ältere Frauen (als ich es bin) sich eher angesprochen fühlen. Die Szene im Arbeitsamt kenne ich so selber auch (alles leer und man darf erst PUNKT HALB rein…), aber ich kenne auch einen Mitarbeiter dort und der ist alles andere als untätig.

Weil ich Britta Sabbag bei Facebook in meiner Timeline habe, wünsche ich der Autorin viele LeserInnen, die das Buch eher mögen als ich. Die Zielgruppe sollte vielleicht festgelegt werden 😉

Bei Amazon schreibt User Grauwolf  , dass er den Hinweis am Ende des Buches daneben fand. Britta Sabbag schreibt gewollt humorvoll, dass man beim Schreiben immer einen guten Wein oder anderen Alkohol griffbereit haben sollte.
Das war im ersten Moment lustig, im zweiten eher traurig. Musst die Autorin gar selber zur Flasche greifen um überhaupt kreativ zu sein? Ist deswegen das Buch so dünn und etwas oberflächlich?

Viele Szenen, die sehr lustig anklangen, wurde schnell abgehandelt. Hier und da hätte mehr Inhalt und Ausführungen zur Situation nicht geschadet. So wurde Charly von den anderen Leuten nicht schräg angeschaut, weil Finn so rumschreit. Und Charly lässt ihn auch noch schreien – und erzieht das Kind nicht mal…
Und dann ist die Protagonistin Mitte 30, ihr wird von allen Seiten geraten schwanger zu werden –  aber sie denkt mit keinem Piep darüber nach, dass ihre biologische Uhr tickt. Nein, sie regt sich nur auf dass sie keinen Mann dafür hat und ihr das alle raten. Ich kenne duzent junge Frauen, selbst solche die nur gering älter sind als ich, die sich tausend Gedanken um die ablaufende Uhr im Inneren machen.
Charly nicht… das fehlte mir etwas, weil es für mich so nicht logisch war.
Überhaupt wird das Kinderthema ständig angeschnitten, aber nicht so richtig weiterbehandelt. Bei Eric oder Marc stellt sich Charly niiie mögliche Kinder vor. Dabei gibt es unzählige Gelegenheiten.

Wie gesagt. Vielleicht ist das Buch perfekt aus dem Leben von Frau Sabbag geschrieben. Vielleicht kennt sie lauter Leute die sich darin wiedererkennen.
Ich konnte es leider nicht und vergebe schweren Herzens nur 2 Sterne. Der Pinguin auf dem Cover und auf den Seiten ist sehr süß 🙂

★★☆
2

[Rezension] Dämonenzeit

Dämonenzeit – Stephan Russbült
Bastei Lübbe
Dezember 2011
575 Seiten

14,00 €

 Nachfolgeband von Dämonengold

Brisenburg die zweite. Baazlabeth sitzt immernoch in der Stadt fest, und hat schlechte Laune. Er hat 5000 Goldstücke gesammel – wo bleibt denn nun die Erfüllung der Prophezeiung???

Zur selben Zeit beim großen Buch des Schicksals: Der Sündenvater Amez, Bruder des Septs, überprüft den Fortschritt des Weltuntergangs. Aber etwas läuft gewaltig schief – und Schuld kann nur sein blöder Sohn, der Horde Baazlabeth sein!

Zurück in Brisenburg. Seibot Nell, Taschendieb und Halunke, wollte nie wieder zurück in die Stadt, von der es heißt, sie sei von den Göttern erbaut worden. Irgendwie spürt er, dass sie sein Tod sein wird.
Und ganz unrecht hat er nicht. Als er eines Tages auf Baazlabeth trifft, explodiert sein Kopf fast. Zurück bleiben nur blutende Ohren – keine Garantie für eine lange Lebensdauer.

Baazlabeth ist genervt: Ihm fehlen noch 6 andere Sünden, und von den 7 Tugenden, gegen die er kämpfen soll, hat er noch kein Stückchen gesehen. Außerdem muss es irgendwo einen Fehler geben, das spürt er. Bisher hat er alles so gemacht, wie die Prophezeihung es vorausgesagt hat. Doch plötzlich sagt ihm ein kleines Mädchen noch viel mehr – und Baazlabeth erkennt seinen Fehler. Jetzt hilft nur noch ein blutiger Mord…

Dämonenzeit“ ist zwar der Nachfolger von „Dämonengold“, aber auch gut als Einzelband zu lesen. Die Geschichte knüpft (nach anderen Aussagen) nahtlos an das vorherige Geschehen an, doch davon ist im zweiten Band (ohne Vorwissen) nichts zu merken. Es dauert nur ein bisschen länger, bis man drin ist, und einen Überblick hat, wer nun wer ist.
Dazu kommt erschwerend, dass der Klappentext des Buches mit dem Dämon Baazlabeth wirbt, das Buch jedoch mit Amez beginnt, und im 2. Kapitel Seibot Nell vorgestellt wird. Als im 3. Kapitel dann der Dämon die Dinge aus seiner Sicht beschreibt, ist die Verknüpfung schwer.

Da das Buch jedoch ein paar Seiten mehr hat, und das Format auf den vielen Seiten auch noch viel Inhalt zulässt (immerhin eine Buchhöhe vonmehr als 21 cm), hat auch der Leser genug Zeit, alles mitzuverfolgen. Zwischendurch sogar ein bisschen zu viel, wie mir schien. Es passierte nichts halbes und nichts ganzes, der Autor versuchte seinen Horden lustig und spöttisch zu charakterisieren – manchmal saß der Dämon aber nur in einer Kneipe. Über Seiten hinweg. Diese Szenen sind zu 2/3 meiner Meinung nach überflüssig…

Einzelne Kapitel sind aus der Sicht der anderen Sündenkinder. Die meisten enden mit dem Tod des Erzählers – der Autor nutzt diese Perspektive jedoch auch dafür, den Blick aus der Stadt zu bringen. In der Geschichte einen anderen Winkel aufzuzeigen. Was mich anfangs etwas irritierte, fand ich am Ende sehr nützlich.

Wirklich schön gemacht finde ich dagegen das Cover. Der Hintergrund ist in roten und braunen Tönen gehalten, sodass die goldenen geprägten Buchstaben des Titels klar hervorstechen. Wie schon „Dämonengold“ sieht man eine Kreatur der Finsternis im Hintergrund, diesmal mit einer Sanduhr – passend für die ablaufende Zeit der Stadt Brisenburg.

Das Setting ist sehr gelungen. Die Stadt Brisenburg hätte genauso im Mittelalter stehen können. Es wird mit Goldstücken bezahlt, als Lasttiere werden Pferde genommen, die Medizin ist gerade am Reifen und Magier und Alchemisten erfreuen sich hoher Beliebtheit. Eine Mischung aus Mittelalter und Fantasy also (vor allem, da ja Dämonen etc. mitspielen).

Der Spannungsbogen dauert etwas länger, das Ende kommt rasch und ein bisschen unbefriedigend. Es wirkt, als hätte der Autor ein paar Seiten kürzen müssen.

Ich vergebe 4 von 5 Sternen, weil ich den Schreibstil von Russbült mag, auch wenn es etwas gezogen war diesmal. Von dem Autor werde ich auch weitere Bücher lesen!

Weitere Bücher des Autors:
– Die Oger (meine Rezension)
– Der Rubin der Oger
– Blutiger Winter
– Dämonengold
Besucht den Autor auf seiner Homage: http://russbuelt.net/