Kurzmitteilung
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Es ist mal wieder Zeit für eine März-Liste (findet ihr unten im Beitrag) und ein kurzes Update zum Status 🙂

Aktuell bin ich in der 37. Schwangerschaftswoche und aus dem kleinen Millimeterding von August ist mittlerweile ein Mädchen von garantiert über 40 cm geworden – so genau weiß man das ja nicht, und gemessen wird sie erst wieder nach der Geburt.

Für euch mal zum Überblick, wie der Bauch gewachsen ist:

Am Anfang wartet frau ja noch gaaanz sehnsüchtig auf die erste kleine Beule. In der 9. Woche habe ich mich schon etwas aufgebläht gefühlt, aber die Miniaturbeule, die ihr auf dem ersten Bild seht, die hab eigentlich nur ich gesehen. Das Kleid saß bei der Hochzeit meiner besten Freunden jedenfalls noch tadellos, wenn ihr genau hinseht sieht man auf dem rechten Bild der 9. Woche einen feeeeeinen Schatten unter der Naht. Aber ob das jetzt nicht mein normaler Frauenbauch war… keine Ahnung ^^ Bei der ersten Schwangerschaft ist frau ja sowieso voll neben der Rolle, und man sieht es nicht auf dem Bild, aber mir war ja eh total elend in diesen Wochen…

BabybauchverlaufIn der 12. Woche hatte ich dann zum ersten Mal eine Umstandshose an und habe sofort alle normalen Hosen aussortiert. Während ich nämlich vorher bequem Hüftjeans getragen habe, war der Knopf vorne etwa ab der 10. Woche die Hölle… Blähbauch hin oder her, die Umstandshosen haben alles erleichtert. Diese Gummibandtechnik war mir zu heikel, außerdem war ich ja eh immer eher der knappe Hose-kurzes Shirt-Träger, sodass man das auch schnell gesehen hätte. Und ja doch, ich finde die Wölbung ist ganz gut zu sehen. Ein Bild ganz vom Anfang habe ich übrigens leider nicht, aber ich fand mein Bauch war recht flach ohne Baby, da wir ja auch gut im Krafttraining waren, vor allem für den Bauch.

In der 20. Woche seht ihr schon schön die wachsende Kugel, das T-Shirt konnte ich auch nicht mehr oft anziehen nach dem Bild, das war schon gut verzogen.

Babybauchverlauf 2

Hier jetzt deutlich zu sehen, dass der Bauch kontinuierlich wächst. Im Januar hatte ich etwa 114 cm Umfang, das ging immer Schubweise um 1 cm. Der Schub äußerte sich bei mir durch leichte Übelkeit und Übungswehen, wir vermuten, dass die kleine Dame dann kräftig gewachsen ist.

Am Anfang war ich wie gesagt ganz wild auf endlich Bauch, weil es dann ja auch greifbarer wurde. Bis etwa zur 20. oder 21. Woche hatte ich sehr viel mit Übelkeit zu kämpfen und war deutlich neben mir. Ein wachsender Bauch und vor allem die ersten Kindsbewegungen haben ganz viel wieder wett gemacht und mich beruhigt (wobei Übelkeit ja eigentlich gut ist, das war mein Mantra für die fünf Monate -.-).

Schwangerschaftsbauch 37. WocheMittlerweile ist die Murmel ist auf jeden Fall schon ordentlich, wie ihr auf dem Bild von gestern, dem 6.3. nach 36 abgeschlossenen Wochen, sehen könnt. Ich habe jetzt einen Umfang am Bauchnabel von 119 cm. Mein Körper bereitet sich auch ordentlich auf die Geburt vor, Übungswehen sind schon seit Wochen spürbar und Wasser- und Kraftreserven haben sich laut der Waage im Normbereich angesammelt.

Nach dem holprigen Start fühle ich mich jetzt deutlich besser, es gibt natürlich gute und schlechte Tage, wie es auch gute und schlechte Nächte gibt (Durchschlafen wird überbewertet…).

Eigentlich dachte ich, dass ich jemand wäre, der wirklich bis Ultimo ganz fit ist, normal arbeiten kann und vor allem die Schwangerschaft extrem genießen kann. Wenn aber Frauen vorher wüssten, wie genau ihre Schwangerschaft abläuft, hätten wir glaube ich deutlich weniger Kinder ^^
Durch die Übelkeit musste ich schon letztes Jahr meine Arbeitszeit reduzieren, an Sport war nach Yoga auch irgendwie nicht zu denken. Nachdem ich im Dezember schon keine richtige Kraft mehr für meinen eigentlich wirklich tollen Bürojob hatte, hat mich die Ärztin im Januar komplett nach Hause geschickt – für mich und meine Kollegen bitter, aber was kann meine kleine Dame dafür, wenn ich nicht all meine Kraft in ihre Entwicklung stecken kann?
Zuhause waren dann meine Tage ab Mitte Januar ziemlich identisch: Aufstehen, Frühstücken, Hund spazieren führen, Unisachen machen, Mittagessen, große Hunderunde, rumgammeln bis der Mann kommt, Abendessen, schlafen.
Endlich war auch mal Zeit zum Schwimmen, wenn auch das nasse Schwangerenturnen alles an Energie gezehrt hat, sodass ich danach drei Tage mehr oder weniger verschlafen habe. Der Hund hat auch die Spaziergänge ganz ganz offensichtlich genossen und seine Hundekumpels von der Tagesbetreuung scheinbar nicht vermisst (wenn auch die Wiedersehensfreude bei einem Treffen im Februar dennoch riesig war 😉 ). Für einige Bilder von den Spaziergängen kennt ihr ja meinen Instagram-Account 😉

So und jetzt endlich zur Liste. Im März gibt es nämlich noch ein paar Sachen zu tun!

Für das Baby fehlt jetzt eigentlich fast nichts mehr:
– Kleidung waschen und einsortieren ✔
– Stoffwindeln sichten und einsortieren ✔
– Beistellbett aufstellen ✔
– Kinderzimmer begehbar und Babyfreundlich machen
– Wickelkommode aufstellen
– Babybett aufstellen

Das Kinderzimmer ist fast fertig, begehbar auf jeden Fall, leider schaffe ich es wohl nicht mehr, die Wickelkommode vor der Geburt zu lackieren und aufzubauen. Also wird bis Mitte April erstmal eine Übergangswickelstation aufgebaut.
Das Babybett ebenso, das lackiere ich in Ruhe später. Vorerst schläft die kleine Dame ja auch bei uns und braucht kein „großes“ Bett.

Neben den Babysachen bin ich für die Uni in den letzten Zügen. Im Dezember habe ich bereits eine schriftliche Arbeit abgeben können, jetzt die vorvorletzte Arbeit und seit Anfang März steht der Plan Richtung Bachelor *yeay*.

– Projektstudienarbeit abgeben ✔
– Studienarbeit abgeben
– Bachelorarbeit anmelden

Die Studienarbeit ist quasi die Vorstufe zur Bachelorarbeit und hat auch thematisch damit zu tun. Sie ist bereits angemeldet und muss bis Mitte Mai abgegeben werden – ich möchte natürlich noch so viel wie möglich vor der Geburt schaffen (ha ha ^^).
WENN ich die Studienarbeit bis Ende März halbwegs druckreif bekomme und sich meine Korrekturleser drauf stürzen können, melde ich im April die Bachelorarbeit an, mein Plan ist so 2-3 Wochen nach der Geburt.

Privat gibt es auch eine Liste, ich will vor der Geburt nämlich noch folgende Dinge unbedingt machen

– alle Harry Potter Filme hintereinander sehen
– die Fledermaus-Buchreihe von „Silberflügel“ (Kenneth Oppel) nochmal und die Hebammenreihe von Sabine Ebert endlich komplett lesen
– die Buchreihe über den Tairen Soul von C.L.Wilson komplett lesen (fast geschafft)
– die 7. Staffel von Walking Dead noch gemeinsam schauen
– zum 9. Jahrestag und sowieso und überhaupt mit dem Herzmann essen gehen

Wenn mir die letzten Wochen der Schwangerschaft nicht noch die letzten Gehirnzellen raubt, schaffe ich jeden Tag hoffentlich ein bisschen. Drückt mir die Daumen, dass die kleine Dame noch bis Ende März, eigentlich besser bis Anfang April (ich bin einfach zu ungeduldig ^^), im Bauch bleiben will 🙂

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Kurzmitteilung
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Cover Bärentöter Roland PaulerBärentöter: Der Auserwählte – Roland Pauler
Fabulus-Verlag
Hardcover, September 2015
ISBN 978-3-94478838-8
288 Seiten
16,95 Euro

1348: Der junge Wilfried ist ein armer Bauernjunge, der sich bei einem Schafstreiben etwas Geld verdienen will, um seine Familie zu unterstützen.
Die Gruppe muss in diesem Jahr besonders sorgsam sein, denn Räuber liegen bereits auf der Lauer. Der Anführer der Schafstreiber, Zoltán, nimmt Wilfried unter seinen Schutz, aber der junge Bauernsohn zeigt schnell, dass er ganz gut auf sich selbst aufpassen kann. Nicht nur kann er die Schafsherde beschützen, er kann sich auch ganz gut gegen Räuber zur Wehr setzen. Und die Begleitung der Schafherde verändert alles in Wilfrieds Leben…

Bärentöter ist als ein Roman für Jugendliche ausgeschrieben, und bereits der Anfang ist sehr blumig geschrieben. Das Leiden von Wilfrieds Familie und die mittelalterlichen Zustände werden genau beschrieben, ebenso Wilfrieds wilde Fantasien vom Rittertum und Heldentaten.

Nimmt man das Buch vor dem Lesen in die Hand besticht es schon durch eine düstere Gestaltung – ein Torbogen mit steinernen Säulen führt in einen nebligen Wald, der Buchschnitt ist auch grün bedruckt. Beim Lesen hat man immer diesen Grünton im Auge, was auch zur Geschichte passt, die sich überwiegend in der freien Natur abspielt.

Wilfried ist ein Bauernjunge wie aus dem Bilderbuch. Arm aber tapfer, hungrig aber stark, mit schlechten Erfahrungen aber voller Zuversicht. Seine Heldentaten und vor allem von seinem Mut zu lesen war richtig toll

Wer schon immer gerne Märchen mochte und Abenteuerromane liebt, ist hier richtig bedient. Das Buch wird demnächst an die Neffen weitergegeben, dort ist es auch genau an der richtigen Adresse (10 & 12 Jahre alt). Von mir erhält das Buch volle Punktzahl!

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[Rezension] Schiffbruch mit Tiger

Schiffbruch mit Tiger – Yann Martel
S. Fischer Verlag
Taschenbuch, 2003
ISBN: 978-3-59650956-0 (Ausgabe in kleinerem Format mit 528 Seiten)
oder 978-3-59615665- 8 (Taschenbuch für 9,95 €)
384 Seiten (Welttag des Buches-Ausgabe)

10,00 €

Pi Patel und seine Familie führen in Indien einen Zoo. Die ganze Kindheit über bis in die Jugend hat Pi ein Paradies um sich, in dem er aufwächst.
Als sein Vater sich entschließt, nach Kanada auszuwandern, verändert das sein Leben für immer. Gemeinsam mit vielen Tieren für amerikanische Zoos nehmen sie ein Schiff in die neue Heimat. Bei der Überquerung des Ozeans bringt ein Sturm das Schiff zum Kentern, und nur Pi kann sich mit vier Tieren auf ein Rettungsboot flüchten: Ein Zebra, ein Orang-Utan, eine Hyäne und Richard Parker, der Tiger.
Pi beschriebt, was in den Monaten auf See passiert, denn mit einem Tiger ein Rettungsboot zu teilen ist alles andere als ein Kinderspiel…

Schiffbruch mit Tiger“ war schon vor der Verfilmung ein Bestseller. Aber nachdem die Geschichte so farbenreich und sehr sehr ansprechend verfilmt wurde, bekam das Buch einen neuen Aufschwung. Ich war begeistert, als ich ein „Welttag des Buches“-Exemplar gewonnen habe und habe mich sehr darauf gefreut, das Buch zu lesen.

Zu Beginn erläutert der Autor, wie er an die Geschichte kam und kommentiert immer mal wieder zwischendurch, wie die Gespräche mit Pi über die Kindheit und das Abenteuer liefen. Da ich davon ausgehe, dass die Geschichte fiktiv ist, kann ich nicht genau sagen ob der erzählende Autor Yann Martel ist oder auch nur eine Figur, der Martel eine Stimme gegeben hat. Aber das ist auch nicht entscheidend für die Geschichte.

Der erste Teil des Buches ist über die Kindheit von Pi in Indien. Er erzählt viel von seinen Verwandten, über die Herkunft seines Namens und viel über den Zoo und die Religionen.
Der zweite Teil ist das Abenteuer auf See und im abschließenden Teil erzählt der Autor, wie Pi wieder unter Menschen kam.
Da das Abenteuer dem Buch ja seinen Namen gegeben hatte, war es für mich auch der interessanteste Teil. Die Erzählung von Religion und den Zootieren fand ich gut, aber es hat mich nicht so sehr berührt wie der verzweifelte Kampf um das Überleben.

Da ich die ganze Zeit den Film vor Augen hatte, war die Erzählweise von Yann Martel natürlich besonders bunt und spektakulär. Aber auch ohne Bilder im Kopf ist das Buch wunderbar farbenfroh und sehr sehr nah beschrieben. Ich war stellenweise beeindruckt von der Wortgewalt Martels, wie er Dinge beschreiben konnte dass man sie förmlich selbst spürte. Ich habe die Verzweiflung von Pi gespürt, den Durst und den Hunger, die Hitze und das Salz. Auch die Liebe zu und den Glauben an Gott konnte ich aus den Zeilen fühlen. Martel hat diesen Gottesglauben sehr gut transportiert, nur dass Pi ausgerechnet drei Religionen wählen wollte, konnte ich nicht absolut nachvollziehen.

Diejenigen, die den Film noch nicht gesehen haben, schaut euch mal den Trailer an. Da bekommt man schon einen sehr guten Eindruck, denn genauso ist die Geschichte insgesamt.

Das Ende der Geschichte stört mich. Das kreide ich dem Autoren an und dafür ziehe ich einen Stern ab. Ich kann verstehen, warum es nochmal aufgeführt wurde, aber schon im Film saß ich einfach nur geschockt da und konnte nicht verstehen, wie diese wunderbare Geschichte auf dem Meer so komplett zerstört werden konnte. Das war sicher Absicht – aber ich mochte es nicht. Im Buch ist es noch ein kleines bisschen heftiger als die Darstellung im Film.
Deswegen „nur“ vier Sterne für ein fantasievolles, wirklich toll geschriebenes Buch!

★★★★☆
Ein herzliches Dankeschön an den Verlag, der die Geschichte zur „Welttag des Buches“-Aktion für die kostenlosten Exemplare herausgegeben hat. Ich hoffe, es konnte damit noch viel mehr Menschen berühren.
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[Gastrezension] Endymion


Endymion – Dan Simmons
Übersetzung von Joachim Körber
Endymion – Pforten der Zeit und Endymion – Die Auferstehung
Taschenbuch, 2014
ISBN 978-3-453-31517-4
1405 Seiten
21,99 €
Sie lesen das aus dem falschen Grund. […] Falls Sie es aus demselben Grund lesen, aus dem ich es schreibe – um einen Sinn in das Choas der letzten Jahre zu bringen, um den weigehend willkürlichen Ereignissen, die unser aller Leben in den vergangenen Standarddekaden beherrscht haben, eine Ordnung aufzuzwingen –, dann lesen Sie es vielleicht doch aus den richtigen Gründen. […] Wo soll ich anfangen? Möglicherweise mit einer Todesstrafe. Aber mit wessen – meiner Todesstrafe oder ihrer? Und wenn mit meiner, mit welcher? Ich hätte die Auswahl aus mehreren. Vielleicht ist diese letzte am angemessensten. Am Ende anfangen. Ich schreibe dies in einer Schrödinger-Katzenkiste hoch im Orbit um die Quarantänewelt Armaghast.“
(Endymion, S. 7)
So beginnt/en Dan Simmons Roman/e Endymion. Mich hat Simmons damit gleich wieder gepackt und das Genre bestimmt. (Simmons schreibt ja nicht nur SF.) Allein die Idee, den Protagonisten in eine Schrödinger-Katzenkiste zu setzen und ihn die Geschichte, die erzählt wird, dort niederschreiben zu lassen, finde ich großartig. Was Raul Endymion dann erzählt, ist seine Odyssee. Eine Geschichte voller Abenteuer und Gefahren, voller fremder Welten und Personen (letzteres gilt vor allem für Endymion – Die Auferstehung) aber auch eine Geschichte – und hier kommt aus meiner Sicht die Einzigartigkeit von Dan Simmons zum Tragen, da er es wie kein anderer schafft, die unterschiedlichsten Themen miteinander zu verweben, ohne dass man das Gefühl hat, da habe jemand versucht Dinge zueinander zu packen, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben – von der Liebe (sowohl als abstrakter Form als auch als konkrete Liebesbeziehung), von Verlust und von Religion. Manche mögen das nervig finden, für mich macht es einen SF-Roman zu mehr als bloßer Unterhaltung.
Endymion spielt im Kosmos der Hyperion-Gesänge und knüpft auch an seine Geschichte an, weshalb man die Romane auch als Fortsetzung verstehen kann, wobei Endymion auch ohne Kenntnis der Hyperion-Gesänge verstehbar ist und sollte man Endymion zuerst gelesen haben, man sich auf die Cantos (die Hyperion-Gesänge) dann ganz anders freuen kann. Insgesamt stellen beide Romane zusammengenommen ein 2.800 seitiges Meisterwerk der SF-Literatur dar. Wobei die Hyperion-Gesänge
Der Bruch zwischen Endymion – Pforten der Zeit und Endymion – Die Auferstehung, der die ursprünglichen Romane voneinander scheidet, fällt leider stärker ins Gewicht als jener, der Hyperion und Der Sturz von Hyperion voneinander trennt, obwohl in Endymion die Geschichte unmittelbarer wieder aufgegriffen wird als es in den Hyperion-Gesängen der Fall ist. Die Auferstehung leidet an manchen Stellen leider an kleinen oder großen Längen und einem vergleichsweise geringen Spannungsbogen. Die vielen Personen die plötzlich (SPOILER: und wie man am Ende erfährt auch aus gutem Grund) in die Handlung integriert werden stören den Lesefluss teilweise erheblich, weil manche Seite fast zur Hälfte mit Aufzählungen der in einem Raum befindlichen Personen gefüllt ist und manchmal, wenn auch deutlich seltener als bei den Personenaufzählungen, könnte auch die ein oder andere Landschaftsbeschreibung kürzer ausfallen. Am Ende ruft der Roman aber nochmal sein volles Potential ab und man erkennt, dass Simmons ein Meister der Konstruktion ist. Plötzlich, wie beim Rätsellösen, springt alles in Form und ergibt einen zuvor nicht erkennbaren Sinn.
Bei der Lektüre hatte ich meinen Spaß und teilweise, wie bei den Hyperion-Gesängen, das Gefühl für meine Umgebung verloren, weil mich der Roman so gepackt hat. Leider, aber auch verständlicher Weise (Meisterwerke kann man eben doch nicht am Fließband produzieren), reicht Endymion nicht ganz an die Genialität der Hyperion-Gesänge heran.
Last but not least ein paar Worte zur Ausstattung: Das Design von Heyne finde ich durchaus ansprechend, wobei man sich den Zusatz zum Autoren (Autor des Bestsellers Die Hyperion-Gesänge) aus meiner Sicht hätte sparen können, und der U4 Text schmeißt leider einige Fakten durcheinander. Das Format ist ziemlich groß, was das Buch vergleichsweise unhandlich macht, hier hat mir die ursprüngliche Gestaltung der Hyperion-Gesänge von Heyne 18 x 11,8 x 5,2 cm besser gefallen, wobei diese bei der Neuauflage von 2013 auch zu Gunsten des größeren Formats aufgegeben wurde, dafür ist die Bindung erstaunlich gut und ich hatte keine Mühe, die von mir verhassten Knick-Falzen im Buchrücken zu vermeiden.
★★★★☆
Diese Rezension wurde von Sven Zerbes geschrieben, vielen Dank für deine Mühen! 
Wir danken auch dem Heyne-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.
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[Rezension] Die Feuerkrone

Die Feuerkrone – Rae Carson
Heyne fliegt
Hardcover, Januar 2014
ISBN 978-3-45326858-6
496 Seiten

16,99 €

Achtung, Inhalt bezieht sich auch auf Handlung von Teil 1! Spoilergefahr!

Rezensionen zu Teil 1

Der Angriff der Animagi auf Joya d’Arena ist vorbei und wie durch ein Wunder hat Elisa überlebt.
Dabei sollte doch ihr Schicksal mit der Opferung erfüllt sein – doch scheinbar wurden alle Schriften diesbezüglich bisher missgedeutet.

Eigentlich sollte Elisa nun als starke Königin regieren, doch ein geheimer Angriff setzt sie wochenlang außer Gefecht. Ihre Kammerfrau und beste Freundin Ximena sowie das Wüstenmädchen Mara weichen ihr nicht von der Seite, ebensowenig wie der Leibwächter Hector. Gemeinsam mit ihnen kommt Elisa wieder auf die Füße, doch ihr Königreich braucht dringend Unterstützung. Die junge Königin muss heiraten, und wenn es nur aus politischen Gründen ist. Ein geeigneter Kandidat scheint der Fürst Tristán zu sein, der nicht nur gutaussehend sondern auch sympathisch ist.
Als am Königshof die Gefahr für Elisa zu groß wird, weil mittlerweile die Inviernos erneut nach ihrem Leben trachten, begibt sich Elisa erneut auf ein Abenteuer unter dem Schutzmantel der vorgetäuschten Verlobung mit Tristán.
Doch eigentlich muss sie mit ihren engsten Freunden das geheimnisvolle zafira finden, denn nur damit kann Elisa die Königin sein, die sie sein sollte…

Die Feuerkrone“ knüpft fast nahtlos an die Ergeignisse des ersten Buches an. Doch Elisa kann sich nicht mehr nur dadurch beliebt machen, dass sie die Stadt gerettet hat, jetzt muss sie eine Königin sein. Da sie eigentlich immer noch nicht weiß, wie sie sich die Macht des Feuersteins zunutze machen kann, muss sie weiterhin achtsam sein.
In Band 1 beeindruckte mich vor allem die umfassende Beschreibungen, die einen beim Lesen förmlich in das Buch hineinsaugten, sodass man in der Wüste mit schwitzte und beim Kampf die Muskeln spürte und die Hoffnung in Elisa. Auch in diesem Buch ist das wieder dabei, und obwohl ein großer Teil am Königshof spielt, kann man ganz tief in die Geschichte eintauchen.
Als es dann auf die See ging und später auf die Insel, war alles so lebendig beschrieben, dass ich sogar das Gefühl hatte, mit Elisa gemeinsam etwas in den Finger gestochen zu bekommen.

Die Gefühle von Elisa, das Zerrissensein zwischen Regentin und junger Frau, fand ich genau richtig. Ich habe mitgelitten, wenn sie einfach nur fühlen wollte und fand es tapfer, wenn sie an ihr Reich gedacht hat.
Rae Carson hat es sehr gut hinbekommen, dass man genau merkt, dass das Mädchen erst 17 Jahre alt ist, aber sich um der Verantwortung voll bewusst.
Genauso ist es bei Hector, von dem wir zwar nur das erfahren, was auch Elisa weiß, denn alles wird aus ihrer Perspektive erzählt, aber er ist meistens mehr als ihr Wächter.
Die Geschichte zwischen den beiden ist herzzerreißend, und ich kann kaum erwarten, was in Teil drei mit ihnen geschieht.

Füßetrampeln, Buch wütend zur Seite schleudern und gebannt die Fingernägel beim Lesen kauen: Das macht diese Geschichte aus. Ein Auf und ab mit den Gefühlen und ein Spannungsbogen, wie er besser nicht sein könnte.
Nach dem wirklich wahnsinnigen Auftakt konnte ich die Erscheinung des zweiten Teils kaum erwarten, und als das Buch endlich bei mir war musste ich gleich reinlesen.
Wie das so ist mit den richtig guten Büchern – ich mag es gar nicht weiterlesen. Weil dann ist es ja bald zuende!
Mit den fast 500 Seiten gibt Heyne uns Lesern aber eine faire Chance, so richtig in das Land einzutauchen!
Volle Punktzahl deswegen für diesen tollen zweiten Teil. Bitte, lieber Heyne Verlag, lasst Teil 3 bald bald bald erscheinen!!!

Wer sich auch für die bisher leider nur auf englisch erschienen Novellas interessiert, kann HIER schauen.

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[Rezension] Allgames

Allgames – Christian Waluszek
Carlsen Taschenbuch
480 Seiten

ISBN 978-3-55131041-5
9,99 €

Vom Verlag empfohlen: Ab 13 Jahren

In einer nicht mehr ganz so fernen Zukunft lebt der Waise Adrian in einem IT-Internat. Seine liebsten Hobbys sind Radsport und das Spielen in einer Allgames-Spielhalle, in welcher man virtuelle Abenteuer erleben und sogar Geld gewinnen kann.
Als er sich bei einem Programmier-Wettbewerb beteiligt, wird sein geschriebenes Programm sogar prämiert. Und irgendwie rutscht Adrian nicht nur in eine Programmierschule, sondern gelangt auch zum Erfinder von Allgames, Kain Marverick. Ursache des letzten Ereignisses ist ein Unfall mit einer neuen Spielebrille, bei welcher Adrians Netzhaut komplett zerfetzt und durch einen Computer ersetzt wird. Nun ist er nicht mehr nur in der Lage, sich alles zu merken, sondern sein Gehirn kann auch alles berechnen. Der kleine Supercomputer ersetzt mehr als die Augen.
Adrian, der als kleiner Stiftungsschüler angefangen hat, wird plötzlich einer der wichtigesten Menschen in der Forschung für die Zukunft. Kain Marverick hat große Pläne mit dem Jungen.

Wie groß die Pläne sind, erfährt Adrian nach und nach… denn auf einmal läuft wortwörtlich alles aus dem Ruder…

Das Cover von Allgames sieht zwar nicht so megaspektakulär aus, hat mich aber sofort angesprochen. Da habe ich mich auch gar nicht mit dem Inhalt beschäftigt, sondern einfach zugegriffen.
Im Kino lief auch gerade „Ender’s Game“, und ich dachte, vielleicht ist es etwas ähnliches.
Es ist auch ähnlich, und viel viel mehr. Während in „Ender’s Game“ ein Krieg wirklich geführt wird, muss Adrian in diesem Buch vor allem virtuell bestehen.

So wie in manch anderem Roman steigt Waluszek zu Beginn der Geschichte mit einem Ausblick aufs Ende ein. Man will dann natürlich wissen, wie es da hinkam, was mit den kaputten Augen und dem Minicomputer gemeint ist und was genau mit Adrian passiert.
Erst danach wird man von Vorne in die Geschichte gebracht: Wer Adrian ist, wie er lebt, wo er lebt und warum er so lebt. Denn er ist ein Waise, der in einem Internat lebt, das von einer Stiftung finanziert wird.

Adrian ist nicht unbedingt sympathisch. Er ist stur, eigensinnig, Spieleversessen und faul. Seine Freunde beutet er aus, für die Schule lernt er nur das Nötigste und am liebsten würde er einfach nur in der Spielehalle zocken. Wow, dachte ich, was für ein Depp. Er zeichnetet sich nicht gerade durch Einfallsreichtung aus, obwohl man merkte, dass er viele Begabungen und vor allem Intelligenz hatte.

Später jedoch fiebert man nicht nur mit ihm mit. Man lernt ihrn kennen, lernt seine Denkweise zu schätzen und hofft das Beste für ihn. Manchmal möchte man ihn schütteln, oder einfach nur gratulieren zu diesem brillianten Schachzug.

Die Zeit, in der das Buch spielt, liegt uns noch weit voraus. Auf dem Mond gibt es sogar schon eine dauerhafte Forschungsstation und Flüge in den Weltraum sind nichts ungewöhnliches. Doch die ganzen elektronischen Helferlein, die digitale Handhabung und vor allem das Leben ohne jegliches Papier zum Schreiben ist irgendwie nicht mehr ganz so fern. Hologramme, das Lernen mit Computern und reines digitales Geld sind fast schon angekommen bei uns. Nur noch nicht ganz so entwickelt, wie es in Sci-Fi Filmen noch gezeigt wird.

Wenn man sich dann in die wirklich rasante und sehr tiefgehende Geschichte eingelesen hatte, war es auch richtig gut zu verfolgen. Christian Waluszek schreibt sehr flüssig und interessant. Alles, was einem zu Beginn vielleicht komisch vorkam oder wo die Erklärung fehlte, fand am Ende in einem großen Spannungsbogen einen Abschluss. Das nenne ich gelungen!

Für dieses zukunftsweisende, ausgefallene Jugendbuch gebe ich volle Punktzahl!

★★★★★

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[Rezension] Das Meer, in dem ich schwimmen lernte

Das Meer, in dem ich schwimmen lernte – Franziska Fischer
Amelie im Schwarzkopf&Schwarzkopf Verlag
Taschenbuch, 2013
271 Seiten

ISBN 978-3-862652556

9,95 €

Nach der Schule nehmen sich viele ein Jahr Auszeit. Um sich zu finden und um zu erfahren, wohin es einmal gehen soll im Beruf. Ronja verpasst das. Sie lebt einfach so, lebt in den Tag, vergisst sich.
Eines Tages schlägt ihr Vater vor, sie sollte eine Reise machen, am besten in ein unbekanntes Land. Und Ronja reist nach Mexiko, wo sie wirklich nichts und niemanden kennt.
Doch aus der Länderreise wird ein Aufenthalt in einem Dorf, und aus einer flüchtigen Bekanntschaft wird Freunschaft. Und aus einem Kauf bei einem Schmuckhändler wird eine zarte Liebe…

Das Meer, in dem ich schwimmen lernte“ ist ein interessantes Buch. Es vermittelt den Eindruck einer unterhaltsamen Lektüre über eine junge Frau, die Abenteuer in Mexiko erlebt. Aber das ist nicht so. Man lernt die Hauptfigur Ronja nach und nach kennen, ebenso wie sie sich selbst kennen lernt. Man lernt die Landschaft lieben, spürt durch sehr innige Sprache und tiefgehende, verschachtelte Formulierungen den heißen Wind und die Sonne. Man wird beim Lesen förmlich in den Roman mitgenommen und kann nur schwer das Buch beiseite legen. Das war hin und wieder anstrengend, besonders zu Beginn. Zum Ende hin war ich aber so gefangen in Ronjas Gedanken, dass ich das Buch nicht mal beenden wollte. Oder am besten selbst gleich nach Mexiko fahren.

Stück für Stück entwickelt der Leser ein Verständnis für das Ausmaß an Einsamkeit, in dem Ronja vorher gelebt hat. Der Prolog wirkt beim ersten Lesen seltsam, einleitend, aber ohne Bezug zu der Ronja in Mexiko, die man danach kennen lernt.
Ronja ist nicht spontan. Sie trägt ihr Los, könnte man meinen. Und auf einmal ist da keiner, der ihr etwas vorschreibt und sie macht etwas Unerwartetes. Bleibt in dem kleinen Dorf, obwohl sie doch  durch das Land reisen wollte.

„Das Meer, in dem ich schwimmen lernte“ ist kein Buch für ein paar schnelle Lesestunden. So langsam wie Ronja das Leben erfährt muss man mit ihr lernen, die Sätze auskosten und schmecken. In jedem Satz ist ein gewisser Zauber und Neugier, dass das Buch zwischendurch zwar zu schwerer Kost wurde, aber nie weniger faszinierte.
Das Lesen dauerte also etwas länger, war aber eine wunderbare Erfahrung. Selten habe ich so ein einfühlsames Buch gelesen, das gleichzeitig so voller Liebe, Wärme und Entdeckung steckt.

Dem etwas anderen Buch voller Gefühle und Abenteuern, die nicht durch spannende Klettertouren oder Spannung erzeugt werden, gebe ich vier Sterne.

★★★★☆