[Rezension] Die Mitte von allem

Die Mitte von allem – Anna Shinoda
Magellan Verlag
Hardcover mit Schutzumschlag, Juni 2015
ISBN 978-3-7348-5604-4
348 Seiten

17,95 €

Clare ist 17 Jahre alt, als ihr Bruder Luke erneut aus dem Gefängnis kommt. Seit sie ein kleines Mädchen war, ist Luke immer wieder verhaftet worden. Laut ihren Eltern war er „zur falschen Zeit am falschen Ort“. Clare glaubt fest daran, dass Luke unschuldig ist und nie etwas Böses tun könnte. Daran ändert auch eine Erinnerung an zerschlagene Scheiben und Blut nichts. Auch Clares ständiger Begleiter, ein Skelett namens Skel, kann einfach nicht bedeutet, dass Clares Familie etwas zu verbergen hat.

In diesem Sommer will die junge Frau sich für ein College entscheiden und das letzte Mal Geld am örtlichen See als Rettungsschwimmerin verdienen. Das Schwimmen brachte Luke ihr einst bei, als er noch ständig da war, um auf sie aufzupassen. Doch sowohl Lukes Rückkehr als auch die Reaktion der Kleinstadt auf Clares Bruder verhindern einen friedlichen Sommer.

Clare tut alles, um ihren Bruder nicht ins schlechte Licht zu rücken. Aber Luke scheint das nicht zu merken und zieht Clare mit auf die schiefe Bahn, scheinbar ohne sich Gedanken darüber zu machen, was er anrichtet. Irgendwann muss sie erkennen, dass ihr Bruder keinesfalls immer „zur falschen Zeit am falschen Ort“ ist, sondern ein anderer Mensch, als sie und ihre Familie es gerne hätten.

Die Mitte von allem“ ist ein Jugendbuch über eine Familie, die unbedingt ein heiles Bild vermitteln will, obwohl beileibe nicht alles in Ordnung ist.
Clare soll zum einen davor beschützt werden, dass ihr Bruder ihr schadet, zum anderen wollen ihre Eltern dem verlorenen Sohn immer wieder eine Chance geben.
Clare liebt ihren Bruder, egal wie er sich benimmt und wie sehr er immer wieder enttäuscht. Er hat Kontakt zu den falschen Leuten, betrinkt sich obwohl er nüchtern bleiben wollte und kann die Finger nicht von den Drogen lassen. Offensichtlich bestiehlt Luke seine Familie, aber Clare will es zunächst nicht wahrhaben. Die Entwicklung, die sie in der Sicht auf ihn macht, ist langsam aber erkennbar.

Anna Shinoda hat ein ernstes Thema ausgesucht und verantwortungsvoll und jugendgerecht aufgearbeitet. Der Sommer und die darauffolgende Zeit sind nicht friedlich, sondern der erste Ausblick eines Mädchens auf die Realität des Lebens.
Kurze Kapitel zeigen, was in der Vergangenheit passiert ist und warum Clare ihren Bruder eigentlich lieben könnte, denn er hat fast immer versucht, sie zu beschützen. Der Umgang mit Gewalt ist dabei ohne Schönrederei und in klarem Formen beschrieben worden. Als Clare nach und nach nicht mehr unterdrückt, wie ihr Bruder wirklich schon immer war, ist man als Leser tief ergriffen.

Anna Shinoda hat zu Recht den Preis für das Jugendbuch des Monats Juni 2015 von der Jury der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur erhalten. „Die Mitte von allem“ ist ein wichtiges Buch über Entwicklung und Zusammenhalt. Über Familienliebe, die nicht unendlich unerschütterlich ist.

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