[Rezension] Papa kann auch stillen

Papa kann auch stillen – Stefanie Lohaus / Tobias Scholz
Goldmann
Klappenbroschur, Februar 2015
ISBN 978-3-44215831-7
224 Seiten
8,99 Euro

Spätestens wenn die Frau schwanger ist kommt die Frage „Wer bleibt zuhause?“. Die meisten Paare allerdings stellen sich diese Frage nicht sehr ausführlich, sondern die Frau entscheidet, zu Hause zu bleiben. Und der Mann arbeitet weiter, meist sogar mehr als vorher.

Warum das so ist und dass es auch anders geht haben Stefanie Lohaus und Tobias Scholz jetzt auf 224 Seiten analysiert und vorgestellt.
Zunächst erzählen sie, wie alles angefangen hat und zeigen dann abwechselnd, warum es bei ihnen anders läuft.

Denn Stefanie und Tobias haben sich entschieden, alles 50/50 zu machen. Von Anfang an. Das bedeutet, dass beide ungefähr gleich lange zu Hause sind nach der Geburt (nacheinander) und dass beide danach auch wieder etwa gleich viel arbeiten.
Alles wird geteilt, die Erziehung, der Spaß, der Haushalt. Es wird strikt vor- und durchgeplant, und dennoch ist genug Raum zur Entwicklung. Sogar das Geld wird geteilt, sowohl der Geldeingang als auch Ausgang, und hin und wieder wird alles neu in Frage gestellt, denn das System kann nur funktionieren, wenn beide es verstehen und wollen.

Als Frau muss man heute ernsthaft überlegen, wie lange man in Elternzeit gehen will. Wir haben zwar einen Anspruch auf einen Job, aber nicht unbegrenzt auf denselben, den wir vor der Geburt ausgeübt haben. Viele Frauen gehen dann in sehr viel niedrigere Positionen als vorher zurück, weil sie entweder starkt reduziert arbeiten oder zu lange aus dem Job waren und einfach nicht mehr so qualifiziert sind.
Mit Einführung des Elterngeldes und damit bezahlter Elternzeit von 14 Monaten für beide Eltern (einer darf max. 12 Monate nehmen) hat sich die Situation für viele Väter verändert. Denn während teilweise das Einkommen durch eine Elternzeit beim Vater fast vollständig ausfiel kann es so zumindest mit 67% des Nettogehalts etwas aufgefangen werden.
Stefanie erzählt vor allem von der Situation, der man als Mutter begegnen muss, wenn man nciht so lange zuhause ist. Sie ist ständig auf Unverständnis gestoßen (genauso wie Frauen, die nicht stillen oder zu lange stillen…) und musste sich häufig rechtfertigen. Ihre Kapitel sind etwas weniger emotional geschrieben und die Texte zitieren oft andere Artikel – man merkt, dass sie Journalistin ist bzw. journalistisch arbeitet.

Tobias schreibt vor allem über seine Erfahrung als Vater und als Vater in Elternzeit. Auch er zieht Studien und Artikel heran, berichtet aber etwas subjektiver.
Beide Sichtweisen sind sehr angenehm zu lesen und vor allem informativ. Das Paar hat viele Gespräche mit anderen Paaren geführt, sodass man auch viele andere Meinungen über 50/50 hört. Und besonders hat mir gefallen, dass sie ihren Weg keineswegs für den einzig wahren halten, sondern vor allem eine Idee in den Raum werfen wollen.
Da Stefanie und Tobias auch sehr günstige Jobs haben, eignet sich ihr Modell natürlich sehr gut, andere etwas „unentbehrlichere“ Jobs (mein Freund macht zum Beispiel Telefonsupport und wenn er ausfällt, fällt eine ganze Leitung damit aus, was sehr ärgerlich ist) müssen da andere Lösungen finden.

Dennoch kann ich dieses Buch uneingeschränkt zur Information und heiteren Lektüre empfehlen. Es bekommt von mir fünf Sterne.

★★★★★

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