[Rezension] Der dunkle Fluss

Der dunkle Fluss RezensionDer dunkle Fluss- Chigozie Obioma

aufbau Verlag

Hardcover mit Schutzumschlag, Februar 2015

ISBN 978-3-35103592-1

313 Seiten

19,95 €

Benjamin hat drei ältere Brüder, mit denen er alles macht. Die beiden jüngsten Geschwister der Familie sind noch zu klein, um viel mitzumachen. Benjamins Vater hat sich immer eine große Familie gewünscht.

Als der Vater durch seine Arbeit aus der Stadt muss, sind die Jungs auf sich gestellt. Ihre Mutter muss ebenfalls fast den ganzen Tag arbeiten, und im Verlauf des Sommers langweilen sich die Brüder zunehmend auf den ausgetrennen Pfaden. Also brechen sie das Versprechen, sich nicht dem gefährlichen Fluss in der Nähe der Stadt zu nähern und werden zu Fischern.

An einem Tag auf dem Nachhauseweg begegenen sie dem verrückten Abdullu, der dem ältesten Bruder Ikenna eine Prophezeiung macht. Die Brüder ahnen noch lang nicht, dass diese Prophezeihung ihrer aller Leben zerstören wird…

Der dunkle Fluss“ klingt nach einer Familiengeschichte mit dem Charme Afrikas und dem Reiz einer fremden Kultur. Das Buch beginnt auch relativ harmlos mit der Erzählung Benjamins, wie er und seine älteren Brüder zu Fischern wurden.

Jedes Kapitel erzählt über einen Aspekt seiner Brüder, immer vergleicht er sie mit einem Tier zu Beginn und erläutert dann, woran er das festmacht. Jedes Kapitel bringt einen etwas weiter in der Geschiche und nach und nach erfährt man, warum Benjamin erzählt und was passiert.

Es war ziemlich erschreckend, die Geschichte zu verfolgen. Statt einer netten Familiengeschichte mit sanftem Ende wurde es düsterer und düsterer, und ich wollte nur noch in das Buch steigen und Benjamin in den Arm nehmen. Was nach einer heilen Familie aussah, entpuppte sich als Machtkampf unter den Brüdern. Obioma kann einen durch seine Schreibweise aber dennoch sehr an die Geschichte fesseln, und obwohl ich mir dachte, dass es immer schlimmer wird, musste ich weiterlesen. Der Autor schafft es, dass man angewidert ist und gleichzeitig Mitgefühl hat. Auch werden teilweise Details am Rande erwähnt, die ein rundes Bild der Geschehnisse schaffen. Und weil Benjamin erzählt, wird es teilweise auch durch diese Randdetails sehr emotional, weil der 10-jährige Junge eben nicht alles weiß und viele Dinge doch noch kindlich sieht. Dieser Spagat zwischen einer Geschichte für Erwachsenen aus der Sicht eines Jungen ist sehr gut gelungen.

Übrigens gibt es eine Szene, wo die Brüder versuchen, Abdullu mit Rattengift in Brot zu vergiften. Ich habe während dieser Szene in der Bahn gesessen und mein eigenes Brot gegessen – und ich fand die Situation nur amüsant ^^ (Büchernerdprobleme…)

Das Cover des Buches passt sehr gut zum Inhalt. Ein schwarzer Junge tanzt mit ausgebreiteten Armen vor einer goldenen Sonne. Das zeigt die Unbekümmertheit von Benjamin, die er zu Beginn hat, und die Leichtigkeit, mit der sie den Sommer beginnen. Auch der Titel „Der dunkle Fluss“ passt genau, denn der Fluss ist der Grund, warum sie überhaupt Abdullu begegnen und das Unheil beginnt.

Dass dieses Buch zeitgleich in 7 Ländern erscheint, ist nicht verwunderlich. Es liest sich wunderbar, ist brilliant geschrieben und mit einer packenden und abstoßenden Geschichte zugleich ein echter Pageturner! Wer abseits der klassischen Belletristik mal wieder etwas richtig gutes lesen will, sollte nicht an diesem Buch vorbeigehen! Von mir gibt es fünf Sterne!

★★★★★

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2 Gedanken zu “[Rezension] Der dunkle Fluss

  1. Das klingt wirklich interessant, auch wenn es so ganz anders ist als das, was ich normalerweise so lese. Ich werde dank deiner Rezi einfach mal stöbern gehen.

    Liebste Grüße,
    Nazurka

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