[Blogtour] Dhaleth – Tag 6: Von der Entstehung eines Buches

 Gestern haben wir ja bei Julia von TheDreamerLand erfahren, was die Völker Dhaleths ausmacht.
Daran knüpfe ich heute an und habe die Autorin höchstpersönlich gefragt, wie das Buch überhaupt entstanden ist, wie sie zu den vier Völkern, den Menschen und der Schreibweise kam.
Ich finde die Antworten sehr interessant und überraschend, weil besonders die Idee nicht einfach so aus dem Kopf der Autorin kam, sondern in einem Workshop entstand. Aber lest selbst…
Readandbeyourself.de: Warum ein Fantasybuch mit einer so fremden Welt und Menschen? Wie bist du da herangegangen?
  
 Priska Lo Cascio: Ich muss gestehen, ich hätte mir bis vor etwas mehr als einem Jahr nie im Traum vorgestellt, ein Fantasybuch zu schreiben, bisher war mein Stammgenre eher in historischer Richtung. Doch dann ist der Thienemann-Esslinger Verlag über meine Agentin auf mich zugekommen. Der Verlag suchte damals etwas Neues im Fantasybereich, das etwas frischen Wind in sein Jugendbuch-Sortiment bringen könnte. Während einem zweitägigen Workshops beim Verlag in Stuttgart haben wir (eine Gruppe aus mehreren Thienefrauen und -männern und meiner Wenigkeit) uns also zusammengesetzt, einen Riesenhaufen kunterbunter Ideen zusammengetragen, diskutiert und verworfen, bis uns allen schlussendlich ein Konzept gefallen hat: Die Idee einer übernatürliche Welt, beherrscht von den Völkern der Elemente, deren Schicksal mit dem der Menschenwelt verbunden und sogar davon abhängig ist. So abhängig, dass ein paar einfache Menschen im Gegenspiel zu den mächtigen, fast göttergleichen Elementarwesen eine für alle überlebenswichtige Rolle einnehmen. Ganz dem Grundsatz folgend: Was klein und unbedeutend scheint, wird auf einmal ganz groß. Das war die Geburtsstunde der Geschichte rund um Dhaleth.
Bild: Lo Cascio

Aus dieser Grundidee heraus habe ich dann angefangen, die Story, die Protagonisten, deren Hintergründe und natürlich die Welt von Dhaleth zu entwickeln.  Während des Workshops hatten wir zwar schon einige Details definiert: Zum Beispiel sollten, entsprechend der vier Elementarvölkern, auch vier, voneinander komplett unterschiedliche Menschen die Hauptrollen tragen. Allerdings war das „Gestalten“ der dhalethischen Völker mit all ihren körperlichen und charakterlichen Facetten beinahe einfacher (dank eingehendem Studium von Abhandlungen der Elementarlehre und mehreren Feng-Shui- & Esoterik-Ratgebern *g*), als die vier menschlichen Protagonisten zu erfinden, die ja jeweils zu einem der Elemente passen sollten.

Wie hast du die unterschiedlichen Charaktere geschrieben? Konntest du leicht wechseln?
  
 Natürlich habe ich bei jedem Schreibprojekt schon zu Anfang ein ungefähres Bild meiner Protagonisten im Kopf, überlege mir, welche Charaktereigenschaften ich ihnen geben könnte und teile ihnen dementsprechend eine Rolle zu. Doch spätestens wenn es um Details geht, brauche ich nach Möglichkeit eine echte visuelle Darstellung. Das hilft mir, vor allem bei so vielen Personen, den Überblick nicht zu verlieren. Dafür suche ich oft und gerne stundenlang nach Fotos und vor allem nach Namen. Ja, ich habe einen absoluten Namens-Tick, denn die müssen für mich sowohl zur äußeren Erscheinung wie auch zum Charakter passen und verankern die Personalität. Und sie müssen natürlich authentisch sein, darauf lege ich enormen Wert – eine Japanerin darf zum Beispiel keinen koreanischen Namen haben usw. Erst sobald ich meine Protagonisten kenne und mit ihnen vertraut bin, kann ich ihnen auch gerecht werden und versuchen, sie so darzustellen, wie sie es gerne hätten. Das klingt seltsam, aber für mich zumindest fühlt es sich beim Schreiben tatsächlich so an, als würden meine Darsteller irgendwann die Leitung übernehmen und Eigendynamiken entwickeln. Das ist dann der Punkt, an dem die Story zu leben beginnt und man als Autor nur noch die Stellung eines Erzählers einnimmt.  Kenne ich meine Charaktere schlussendlich so gut, fällt auch der Wechsel von einem zum anderen leicht.   
  
Warum hast du überhaupt so oft die Perspektive gewechselt und hast nicht aus Sicht zum Beispiel eines Dhalethers und eines Menschen geschrieben?
  
Zum einen war es die Vorgabe des Verlags, möglichst viele Charaktere einzubinden. Zum anderen liebe ich die Nähe zu meinen Hauptprotagonisten. Natürlich wäre es einfacher gewesen, hätte ich die Geschichte aus der Sicht eines sogenannten „allwissenden Erzählers“ geschrieben, dadurch wäre jedoch genau diese Nähe verloren gegangen. Ich finde es wahnsinnig spannend ein Ereignis aus verschieden Perspektiven, mit den ganz individuellen Emotionen der Protagonisten zu schildern, auch wenn das je nach Szene ziemlich anstrengend und riskant sein kann: Im schlechtesten Fall verliert der Leser nämlich komplett den Überblick, im besten Fall entsteht hingegen ein intensives Gesamtbild, das bei einer neutralen Erzählperspektive nie so möglich wäre. Ich hoffe, mir ist hier das Letztere gelungen – wenigstens einigermaßen.
Was ist dir beim Schreiben besonders schwer gefallen?
  
Die Fantasy-Elemente so darzustellen, dass sie möglichst real und plausibel wirken. Eine Heidenarbeit, die ich, ich gebe es offen und ehrlich zu, komplett unterschätzt habe. So ist meine Hochachtung vor allen etablierten Fantasy-Autoren während des Schreibens ins Unermessliche gewachsen. Es geht ja nicht nur darum, mal eben eine neue Welt zu erschaffen, sondern diese muss auch bis ins kleinste Detail durchdacht sein, damit sie nicht wie ein Comic wirkt. Völlig anders also als im historischen Genre, wo zwar je nachdem eine aufwendige Recherche anfällt, man sich jedoch an Fakten und Ereignissen entlanghangeln kann.  Das war eine ganz neue, wenngleich spannende Erfahrung, die mich aber mehr als einmal schier zur Verzweiflung getrieben hat.
Hast du besondere Macken oder Rituale beim Schreiben?

Bild: Lo Cascio
Musik auf den Kopfhörern – ohne die geht gar nichts.  Je nachdem, was in der Szene gerade passiert, habe ich inzwischen eine riesige Sammlung an passendem Hintergrundsound. Am liebsten Filmsoundtracks oder Trailermusic (und mein geplagter Göttergatte verdreht schon wieder stoisch seufzend die Augen :-)) Dann noch meine quietschrote Lieblingshenkeltasse mit Milchkaffee daneben, und es kann losgehen.
Wie oft hast du das Manuskript überarbeitet? Wie lange hat der Schreibprozess gedauert? Musstest du mit dem Verlag oft überarbeiten?
 
Leider gelingt es mir selten, aus dem Bauch heraus zu schreiben. Manchmal brüte ich Stunden über einem Absatz, bis er mir auch wirklich gefällt, dementsprechend gletscherartig ist auch mein Schreibtempo. In diesem Fall hat es insgesamt rund 10 Monate gedauert, bis ich „Ende“ unter den ersten Entwurf schreiben konnte. Das hat jedoch den Vorteil, dass ich meistens nur noch einmal kurz über den Text zu gehen brauche, ehe ich ihn den Testlesern übergebe. Natürlich folgen danach noch ein bis zwei intensive Überarbeitungen, je nachdem, was die Testleser zu bemängeln haben.  Die „richtige“ Arbeit fängt erst nach dem Lektorat an. Dabei geht es nicht bloß um Korrekturen, sondern auch um Änderungswünsche, die ein Um- oder Neuschreiben einzelner Szenen oder Kapitel erfordern. Nach zwei weiteren Lektoratsdurchgängen waren „Die Herrscher von Dhaleth“ jedoch endlich geboren.

Welche Szene hast du am liebsten geschrieben?

Aus unerfindlichen Gründen sind mir aktionsreiche Szenen am liebsten, obwohl sie gar nicht so einfach zu schreiben sind. Aber ich mag die Atmosphäre von Verfolgungs- oder Kampfsequenzen, wenn die Handlung vor lauter Bewegung zu sprudeln beginnt und ich sogar während dem Schreiben kaum noch zum Atmen komme.
Hast du einen Tipp, wie man einem kreativen Tief aus dem Weg geht?
 
*Seufz* Ich wünschte, ich hätte einen für mich selbst gefunden. Ich glaube kaum, dass es DAS Patentrezept dagegen gibt. Es hängt ja auch von der jeweiligen Verfassung des Autors ab, da selten einer wirklich nur von der Schreiberei leben kann und somit nebenher noch einem Brotjob nachgeht, der einen manchmal mehr oder weniger in Beschlag nimmt. Sich nach acht oder mehr Stunden Arbeit dann noch an die Tastatur zu setzen, braucht einige Disziplin und Überwindung. Ich persönlich versuche, täglich zu schreiben, damit ich die Routine nicht verliere, obwohl vielleicht manchmal nicht mehr als eine Normseite daraus wird. Vor allem am Anfang, wenn die Story erst noch Wurzeln schlagen muss. Nach den ersten hundert Seiten kommt der Fluss dann aber meistens von alleine.
Vielen vielen Dank, Priska, für die Antworten.
Gewinnspiel
Wie auch meine Vorgänger darf ich heute zwei Mal das Buch selbst verlosen, über dessen Entstehung Priska erzählt hat: „Die Herrscher von Dhaleth – Der Feueropal“ – und nicht nur das.
1. Preis: Ein Hardcover „Die Herrscher von Dhaleth – Der Feueropal“ und eine tolle Karte von der Welt Dhaleth (Fotoposter)

2. Preis:  Ein Hardcover „Die Herrscher von Dhaleth – Der Feueropal“
  
Wie könnt ihr teilnehmen?
 Beantwortet mir bitte folgende Frage in den Kommentaren:
  

Bist du überrascht über die Entstehungsgeschichte dieses Buches?
Schickt mir bitte bis heute Abend, 27.09.2014 (23:59 Uhr), eine Mail mit der Kopie eures Kommentars und eure Adresse an readandbeyourself [at] gmail.com mit dem Betreff „Dhaleth-Blogtour“. Nur wenn beide Bedinungen erfüllt sind, ist eine Teilnahme möglich.
Unter allen E-Mails verlose ich außerdem noch eigenständig das erste Werk der Autorin „Das Herz des Sternenbringers“ (bitte sagen, wenn nicht gewünscht).

Wenn ihr unter 18 seid, benötige ich das Einverständnis eurer Eltern per Mail an Readandbeyourself [at] gmail.com . Ausgelost wird nach dem Ende der Blogtour am 29.09.2014 und die Gewinner dann hier bekannt gegeben

Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen!
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11 Gedanken zu “[Blogtour] Dhaleth – Tag 6: Von der Entstehung eines Buches

  1. Zunächst: Kann es sein, dass das Datum nicht stimmt? Der 22.09. ist ja nun etwas rum 😉 Und ich habe mich gerade total erschrocken…

    Zu der Frage:
    Ob ich überrascht bin von der Entstehung des Buches..hmmm…schon! Ich hätte nicht damit gerechnet, dass von Verlagsseite so ein Engagement an den Tag gelegt wird und finde das einfach wunderbar! So ist dieser ganze Background doch etwas besonderes! Das nenne ich Teamwork!!! In Zeiten, wo doch irgendwie der Egoismus mehr und mehr um sich greift und wo man Autoren fast täglich auf Verlage schimpfen hört, ist das wirklich herrausragend! Da bin ich jetzt nochmal so gespannt auf das Buch 🙂

    Vielen Dank für die wunderschöne Blogtour und all Eure Mühe!!!

    Liebste Grüße
    Bine

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  2. Tolles Interview und tolle Antworten!
    Ich find es aus Sicht des Lesers sehr eindeutig, das die Protagonisten immer der Ausschlag zu einem guten Buch sind. Deshalb find ich es toll und kann es durchaus nachvollziehen weshalb man mit ihnen vorab die meiste Zeit verbringt.
    Das ein Verlag solche Vorgaben macht ist schlimm, da es vll der Kopfgeschichte des Autors ein paar Steine in den Weg wirft. Vll. wird die Geschichte dadurch auch ganz anders als ursprünglich geplant. Ein guter Aspekt ist natürlich, dass man so zu mehreren Charakteren einen tieferen Bezug bekommt, ist es natürlich schön da es der Geschichte einfach mehr tiefe gibt. Aber das diese Vorlage kommt, überrascht mich auch nicht den wenn ich darüber nachdenke kann ich so spontan jetzt nicht sagen, wann ich das letzte Buch mit einer Sichtweise gelesen habe. Das scheint wohl derzeit „in“ zu sein, genauso wie die Trilogie-Sache 😉
    Und über Fantasy zu Schreiben die trotzdem „echt“ rüberkommt, ist denke ich eine Kunst. Mich fasziniert so was immer wenn es bis ins kleinste Detail durchdacht ist.

    Ich finde die Autorin zeigt hier genau worauf es ankommt und …
    macht mich nur noch neugieriger auf das Buch, wenn das überhaupt noch geht!
    Jetzt weiss ich, das dieses Buch nicht auf der Wunschliste einstauben darf.

    Danke, für diesen tollen Beitrag 😉

    Lg
    Nicole
    ©LittleMythicasBuchweltenblogspot.de

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  3. Ein wirklich sehr interessantes Interview. Vielen herzlichen Dank dafür!

    Meine Antwort: Ja, ich bin mehr als überrascht. Dass Verlage bestimmte Arten von Geschichten anfragen, wusste ich ja schon. Aber dass ein richtiger Workshop gemacht wird für eine Grundidee – das war mir gänzlich neu. Schon irgendwie seltsam, oder? Was passiert, wenn einem Autor nach dem Entwickeln einer solchen Idee absolut keine stimmige Geschichte dazu einfällt? Ich weiß nicht so recht…

    Liebe Grüße
    Deborah

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  4. Hallo Bine,
    du hast recht: Das Datum war alt ^^ Hab es geändert. Das kommt davon, wenn man den ganzen Tag nicht online geht…

    Und ja, das mit dem Teamwork ist toll! Nicht nur wird geschaut, was auf dem Markt gebraucht wird, sondern den Autoren wird etwas zugetraut und sie müssen nicht darum betteln, etwas zu veröffentlichen 🙂

    Vielen Dank für deine Teilnahme!

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  5. Hallo Nicole,

    Wenn eine Geschichte bereits vorhanden ist, und es dann für den Massenmarkt vom Verlag umgemodelt wird, ist das nicht schön, das stimmt. Aber wenn der Verlag andersherum sich ein Konzept mit dem Autor überlegt, finde ich das ok.
    Letzlich ist jedes Buch in einem „vernünftigen“ Verlag durch ein Lektorat gegangen, in welchem viele Handlungsstränge, die uns Lesern vielleicht viel besser gefallen hätte, ausgemerzt wurden. Oder es wurde genau das Element eingefangen, was noch nötig war. Zwischen der Vorstellung eines Autors und dem, was dem Leser gefällt, liegen ja doch Welten 😉

    Vielleicht wird deine Wunschliste ja nicht lange Herberge bieten müssen 😉

    Danke für deine Teilnahme!

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  6. Hallo Deborah,
    vielleicht wird in so einem Fall mit einem anderen Autor darüber gesprochen? Aus Erfahrung weiß ich, dass die Verlage schon ganz gut einschätzen können oder zumindest mit den Leute reden, bevor sie solche Projekte angehen 😉

    Vielen Dank für deine Teilnahme 🙂

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