[Rezension] ZERO

ZERO Sie wissen, was du tust – Marc Elsberg
blanvalet
Hardcover mit Schutzumschlag, Mai 2014
ISBN: 978-3-7645-0492-2
480 Seiten

19,90 €

Wir geben ungerne viele Daten von uns im Netz preis, und wenn doch, dann machen wir uns meist bewusst, was wir da tun.
Allerdings gehören viele Handlungen für uns so sehr zum Alltag, dass wir dabei gar keine Bedenken mehr haben. Einkaufen mit EC-Karte? Kein Thema. Kundenkarte? Habe ich gerne. Online einkaufen? Super bequem!
Dass wir dadurch aber eine leuchtende Spur hinterlassen, über die man uns ganz leicht als Firma als Werbekunde ausfindig machen kann, ist kein Geheimnis. Es stört aber eigentlich eher nicht.

Was passiert aber, wenn wir unsere Daten nicht nur freiwillig preisgeben, sondern auch noch zu Geld machen können? Offiziell und übersichtlich? Wenn wir mit unseren Handlungen einen Marktwert haben?

Marc Elsberg hat dieses Szenario zur Handlung seines Buches „ZERO“ gemacht. Die Firma freemee verkauft Apps, mit denen man sich selbst verbessern kann. Dadurch steigen die eigenen Werte, also der Marktwert, und man kann damit Geld verdienen. Je bessere Werte man hat, desto mehr ist man folglich wert.
Tatsächlich ist das kein unglaubwürdiges Zukunftszenario, wie Elsberg selbst im Vorwort betont. Das Verkaufen der eigenen Daten an sich schon, aber die Überwachung durch Apps ist kein Hexenwerk mehr. Tausend Möglichkeiten bieten sich einem, durch Verknüpfungen alles aufzulisten was man tut. Das fängt an mit der Standortbestimmung („Wo bist du gerade?“) und dem (fotografischen) Dokumentieren von alles und jedem („Was machst du gerade?“), bis hin zu Verknüpfungen von Pulsmessgeräten mit Sportapps, Kontoüberwachungsapps, etc. etc.. Ich nutze selbst seit kurzem die App „Runtastic“, die mir allerlei Möglichkeiten bietet, mich genau zu kontrollieren alles zu protokollieren. Mit einer Ernährungsapp liste ich hin und wieder auf, was ich so esse – selbstredend bleiben die Daten auf meinem Handy und sind nirgens im www gespeichert oder abrufbar (wer’s glaubt).

Die Tochter der Hauptfigur Cynthia Bonsant bei Marc Elsberg nutzt seit Monaten das freemee-Programm, ebenso wie ihre Freunde. Cynthia ist eher vom „alten Eisen“, sie hat zwar ein Handy und arbeitet als Journalistin viel mit dem Internet, verschließt sich aber eher den sozialen Netzwerken.
Als ihr für die Arbeit eine Google Glass gegeben wird, ist sie zunächst skeptisch und leiht sie ihrer Tochter Vi. Diese probiert sie mit Freunden aus, und dabei macht ihr Kumpel Adam einen gesuchten Verbrecher aus. Statt ihn lediglich der Polizei zu melden, verfolgt Adam ihn auf eigene Faust – und wird erschossen.
Obwohl es ganz nach einem tragischen Unfall aussieht, der lediglich durch Selbstüberschätzung verurusacht wurde, vermuten einige jedoch mehr dahinter. Vor allem die Organisation ZERO macht darauf aufmerksam, wie gefährlich der Datenklau ist. Cynthia bekommt die Aufgabe, mehr über ZERO herauszufinden – und steckt dann mitten in einem gewaltigen Prozess, der gerade seinen Höhepunkt erreicht. Denn ZERO will nicht gefunden werden, Freemee möchte dagegen bekannter werden – Cynthia hat keine Ahnung, was sie losgetreten hat.

Das Buch „ZERO“ ist erschreckend zu lesen. Die Ideen dahinter sind gruselig, die Geschichte wahnsinnig realitätsnah. Wer weiß, wie viele Leute mit Glasses herumlaufen, uns identifizieren? Wie viele Firmen unsere Daten bereits haben und verwerten?

Marc Elsberg hat also nicht nur ein fiktives Szenario aufgeschrieben. Es könnte genau so passieren. Anonymus, die im Buch auch vorkommen, schimpfen seit Jahren auf die fehlende Datenprivatsphäre und machen darauf aufmerksam, wie wir uns einspinnen lassen in das Netz der Datenpiraten. Teilweise ist es uns egal. Teilweise wissen wir das nicht.
Die spannende Geschichte um Cynthia Bonsants Recherche, die Verstrickungen, die zum Ende hin deutlich Sinn ergeben, und die Hetzjagten über das Internet – selten habe ich ein so dickes Buch so schnell gelesen. Die Schreibweise ist schnell, klar und sehr gut lesbar.

Ein rundherum gelungenes Buch. Die Technik war mir nicht zu schwer (ein paar Begriffe wurden langatmig erklärt, aber für Unerfahrene ist es eventuell richtig), die Handlung schlüssig. Von mir gibt es volle Punktzahl!

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4 Gedanken zu “[Rezension] ZERO

  1. Von Elsberg habe ich „Blackout“ gelesen und fand es furchtbar. Ich mag seine Ideen, aber das Umfeld wird mir bei ihm viel zu klischeehaft dargestellt.
    Liebe Grüße,
    Nicole

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  2. Hallo Nicole, auch bei Zero ist das so. Cynthia ist die ältere Generation ohne oder mit wenig Facebook, ihre Tochter dagegen der Cyber-Kenner. Im Gegensatz zu Blackout fand ich bei diesem Buch aber die Handlung besser und nicht so langatmig. Deswegen sind mir die Klischees vielleicht nicht so aufgefallen.

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