[Rezension] Löffelchenliebe

Löffelchenliebe – Julia Kaufhold
Page and Turner
Taschenbuch, Juli 2013
ISBN 978-3-44220425-0
286 Seiten

14,99 €

Anna ist 35 Jahre alt und wäre gerne Mutter. Zumindest denkt sie das, wenn sie ihre Singlenachbarin mit ihren Zwillingen sieht, oder die eigene Mutter mal wieder Salz in die Wunde streut, weil Anna ja nun auch nicht mehr viel Zeit bleibt.
Und andere Frauen haben in diesem Alter ja nun auch schon Kinder – aber wie soll man schwanger werden wenn noch nicht mal ein Mann in der Nähe ist? Nach drei sehr unangenehmen Dates will Anna eigentlich mal etwas anders machen… und trifft David, 25 Jahre alt, Student. Es ist Liebe auf den ersten Blick und endlich kann Anna wieder eine Beziehung genießen.
Doch das Ticken der Fruchtbarkeitsuhr wird lauter und lauter, und David macht nicht den Eindruck, als ob er sich auf Kinder einstellen könnte, schließlich ist er noch mit den in der Findungsphase. Anna will sich dem Thema vorsichtig nähern – aber ihre Mutter ist da weniger subtil. Und was Anna erfährt, stellt ihre Welt auf den Kopf. Wieso sollte es auch einfach sein?

Löffelchenliebe“ beginnt wie ein typischer Frauenroman. Frau Mitte 30 sucht Mann für Liebe und Kinder, Dates missraten und alles läuft katastrophal. Nach den ersten Seiten war ich zwar amüsiert, aber etwas enttäuscht, weil diese Art von Bücher irgendwie nicht meins sind. Dafür bin ich nicht in der Situation und möchte auch nicht stääääändig über diese Panik von Singelfrauen über 30 lesen, weil es mich nicht betrifft.
Aber weil Julia Kaufhold irgendwie ansprechend schrieb habe ich dem Buch eine Chance gegeben (und es ist mein Must-Read einer Challenge 😉 ).
Was dann kam, hat mich echt überrascht, denn das Buch verbirgt eine tolle Geschichte hinter dem ersten Eindruck.

Es geht zwar um die Suche nach einem Mann, der einem am besten sofort seinen Samen einsetzt damit die arme Frau mit dem fortgeschrittenen Alter endlich das Ticken verstummen lassen kann, aber Anna war nicht diese Frau, die alles für ein Baby tut. Bzw. doch, aber auf sehr charmante Art.

Als sie David kennen lernt, ist natürlich diese Situation, dass die Frau Zeit verliert und der Mann eigentlich noch viel viel mehr Zeit hat. Andersherum ist die Konstellation immer besser – weiß ich aus eigener Erfahrung ;).
David ist auch nicht nur typischer Student in einer WG sondern auch Aktivist mit verschiedenen politischen Meinungen. Anna mit ihrer zerrissenen Art war das genaue Gegenteil. Ich fand aber gut, dass sie sich nicht einfach angepasst hat, sondern ihren eigenen Weg gesucht hat.

Und genau das war es, was mir die Geschichte und die Figur Anna so ansprechend gemacht hat: Anna ist so hin- und hergerissen in ihrer kleinen Welt. Die Nachbarin liegt ihr in den Ohren mit dem Kinderwunsch, die beste Freundin rät zu dem Auf-das-Herz-hören und die Mutter drückt ordentlich auf die Wunde, damit Anna möglichst bald Enkelkinder produziert. Einige Überlegungen von Anna fand ich dann richtig sympathisch und absolut richtig. Dass sie auch versucht hat, sich selbst zu finden (obwohl sie sich gerne verkleidet) war absolut verständlich und hat eine wunderbare Geschichte daraus gemacht.

Das Buch habe ich in einem Rutsch verschlungen. Es zeigt Realität, keinen Kitsch und eine tolle Liebesgeschichte. Hamburg-Fans kommen ebenfalls auf ihre Kosten. Julia Kaufhold hat genau ins Schwarze getroffen und bekommt von mir volle Punktzahl für ein sehr lesenswertes Buch über das Leben, die eigenen Wünsche und die knallharte Realität, wunderbar eingefasst mit einer tollpatschigen aber liebeswerten Protagonistin.

★★★★★
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