[Interview] Stefanie Mühlsteph

Auf dem Weg zur Buchmesse habe ich das Buch „Nerdikon“ verschlungen. Eigentlich wollte ich die Autorin auch auf der Messe direkt treffen, wir haben uns allerdings verpasst.
Anschließend haben wir einige Male angenehm bei Facebook geplaudert. Meine Fragen zum Buch und zur Person hat Stefanie dann freundlicherweise per E-Mail beantwortet. Ich finde ihre Antworten nicht nur sehr witzig und ehrlich, sondern auch ziemlich passend zu ihren Veröffentlichungen 😉

Über sich selbst sagt sie auf ihrer Homepage:

Foto von Eva Speith

„Ich wurde im Jahre 1987 im schönen Hessen geboren und ging 8 Jahre lang auf eine katholische Mädchenschule mit dem Schwerpunkt Musik  (obwohl ich mit einer Blockflöte in der Hand zu einer akkustischen Waffe mutiere), der ich nicht nur meinen Abschluss zu verdanken habe, sondern auch viele denkwürdige Augenblicke wie den 4. Preis bei  Jugend Forscht – Landeswettbewerb für „die ausgezeichnete physikalische Arbeit eines Mädchens“.
Was meine Leidenschaft für Technik wohl sehr gut erklärt.“



1)      Wie sieht dein perfekter Tag aus?
Da ich unter der Woche ziemlich früh aufstehe (vor 6 Uhr), beginnt mein perfekter Tag nach 6 Uhr. Der perfekte Tag ist also kein Wochentag 😉
Ich könnte gemütlich aufstehen, frühstücken, ein wenig sporteln und mich dann mit einer großen Kanne grünen Tee (mit Zitrone) oder schwarzen Tee (mit Milch) vor den Bildschirm setzen. Nachdem ich ein paar sehr tolle Mails mit unzähligen Zusagen von Verlagen (mit euphorischen Lektorinnen, die meine Heldinnen heiß und innig lieben) beantwortet habe, schreibe ich ein paar Freunden auf Facebook, twittere ein paar lustige Begebenheiten aus meinem Alltag, und versetze mich schließlich in eine Welt meines Romans, von der ich nur auftauche, wenn ich leckeres Essen rieche oder andere Bedürfnisse mich dazu zwingen. Das geht dann bis Abends, um 20:15 Uhr kommt dann die neue Anime-Serie von Sailor Moon Crystal im Free-TV, mit einwandfreiem deutschen Sub (was niemals geschehen wird).
Das wäre mein perfekter Tag … also pure Utopie 😉

2)      Kaffee oder Tee?
Tee, wenn ich ausschlafe und Kaffee unter der Woche, wenn ich vor lauter Müdigkeit kaum ein Auge aufhalten kann. 
3)      Was ist dein Lieblingsbuch bzw. -genre?
Ich liebe immer noch Anne Rice heiß und innig – die ersten vier Bände der Vampir Chronik. Ansonsten lese ich ziemlich querbeet, von Thrillern über High Fantasy bis Sachbüchern. Wobei ich Urban Fantasy immer noch am liebsten lese. Das „Was wäre wenn“ ist immer noch meine liebste Frage. Realität mit Phantastik zu verflechten ist oft einfacher als man denkt … denn die Wirklichkeit ist manchmal genau so verschroben wie ein Traum von „Alice im Wunderland“ – nur die Grinsekatze und der Märzhase fehlen.

4)      Was hältst du von E-Books?
Viel, ich besitze selbst ein Kindle. Bücher schätze ich allerdings auch. Das Kindle nutze ich am liebsten in der Bahn, im Alltag. Das hat etwas mit meinem kleinen Buch-Fetisch zu tun … denn ich hasse Eselsohren. Bei Knicke im Buchrücken werde ich bleich im Gesicht und bei Fettfingern auf Papier krieg ich einen Schreikrampf. Das Buch in seiner Papierform ist für mich Genuss am Wochenende, während die digitale Version meinen Alltag versüßt. Sie ergänzen sich, und solange die Geschichte stimmt, ist es mir egal, ob sie auf Papier oder Bildschirm geschrieben steht.

5)      Wolltest du schon immer Autorin sein?
Wie jedes Mädchen wollte ich mal dies, mal das, mal jenes werden. Tierärztin, Astronautin, Journalistin, Physikerin, Archäologin und Erfinderin – eben was jedes Mädchen im Laufe von wenigen Monaten mal werden möchte.
Ich schreibe allerdings schon seit ich Buchstaben bilden kann, zwar nicht immer so intensiv, aber doch beständig. Mein erstes „Buch“ war eine Fanfiction von Cornelia Funkes „Drachenreiter“ und hatte eine Länge von gigantischen 15 Seiten – was man mit 10 Jahren wirklich viel nennen kann.
Wirklich als Autorin bezeichne ich mich erst seit meiner Veröffentlichung.

6)      Hast du dir das Autorensein so vorgestellt, wie es jetzt ist?
Ich hatte – ehrlich gesagt – gar keine Vorstellungen, was eine Autorin so ausmacht, was sie tun muss, wie ihr Leben verläuft. Da ich hauptberuflich anderweitig mein Brot verdiene, sehe ich mich auch eher als professionelle Teilzeitautorin. Ich weiß also nicht, wie ein typisches Autorendasein aussieht. Aber ich fühle mich gut dabei, wie es jetzt ist, und hoffe irgendwann nur noch Teilzeit arbeiten zu gehen und Vollautorin zu werden.
Dann werde ich dir diese Frage bestimmt besser beantworten können.

7)      Hast du das Buch „Nerdikon“ und jetzt auch „Technikgirl“ geschrieben, weil du mit Irrtümern aufräumen wolltest oder wolltest du einfach ein Buch dazu veröffentlichen, weil dich selbst das Thema interessiert?
Das Nerdikon entstand aus einer Not heraus. Während meines Studiums war ich von Nerds umzingelt (ich darf das sagen, ich wohnte mit drei Uni-Elektrotechnikern zusammen und musste meine Ehre als FH’ler-Elektrotechnikerin verteidigen). Wir hatten viel Spaß zusammen und sehr viel Verschrobenheit habe ich auch in den Beruf mitgenommen – was bei den Kollegen allerdings nicht sonderlich gut ankam.
Niemand lachte über meine Witze und auch wenn sie über Filme oder Serien diskutierten, bekam ich öfter Pickel in den Ohren, weil sie vollkommen falsche Dinge als Fakten hinstellten (Galadriel und Elrond als Eheleute – wem wäre da nicht der Kragen geplatzt?!). Ich jammerte bei einer Freundin und die brachte mich überhaupt erst auf die Idee eine Art lustiges Lexikon zu erstellen. So eine Art Nerd – Normalo.
So entstand das „Nerdikon“.
„Technikgirl“ wiederum entstand praktisch von selbst und war mir eine große Herzensangelegenheit. Viele Dinge werden als ‚Normalität‘ deklariert, obwohl sie so noch nicht in der Gesellschaft angekommen sind. Ich habe selbst viel in der FH erlebt und auch von Freundinnen aus der Uni mitbekommen, weswegen ich es an der Zeit fand echte Berichte von echten Frauen zu zeigen und keine Statistiken von irgendwelchen Bundesanstalten für Gleichstellung. Das Leben schreibt die verrücktesten Geschichten.

8)      Hund oder Katze?
Hund, weil sie die Einzigen sind, die ihre Kotze wieder auffressen und einen anpinkeln, wenn sie sich freuen.

9)      Wo und wie hast du dich inspirieren lassen?
Das Leben und die Menschen an sich inspirieren mich. Ich erlebe jeden Tag wie unrealistisch es sein kann. Manchmal entwickeln sich Tage zu echten Fettnäpfchen-Generatoren.

10)  Wie viel Einfluss hattest du auf die Gestaltung des Buches?
So viel Einfluss wie auf das Wetter.

11)  Weißt du alle Antworten im Nerd-o-Mat?
Willst du meine ehrliche Antwort? Nein. Ich habe extra Fragen aus allen denkbaren Bereichen genommen, um ein möglichst breites Spektrum zu haben. Und auch eine Nerdine darf Schwächen haben 😉

12)  Linux, Mac oder Windows?
Windows mit Linux auf einem separaten Bereich der Festplatte (ich habe schon oft genug erlebt, dass Windoofs nicht auf seine Göttin vor dem Bildschirm hört). Ich bin kein iOS-User und werde es wohl niemals mehr werden. Dass es nur für Grafiker sinnvoll ist, gehört zu den Märchen der 90’er Jahre, allerdings kann ich mich persönlich nicht an die Nutzerführung gewöhnen.

13)  Wie viel musstest du noch zusätzlich bei den Infos recherchieren?
Ziemlich viel, da ich mein Wissen verifizieren wollte – auch mit Fachberichten belegt. Deswegen las mich erst in ziemlich viele Artikel und Themen ein, bevor ich anfing zu schreiben. Ich wollte nicht mir Halbwissen prahlen, das ich irgendwann auf der FH errungen hatte (man ist viel zu schnell Voreingenommen oder glaubt gängigen halben Unwahrheiten). Mir war es wichtig den Leser richtig zu informieren und nicht nur auf meinen Wissensstand zu vertrauen. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.
So stark recherchiere ich allerdings nicht nur für Sachbücher, sondern auch für Romane. In meinem Urban Fantasy Roman „Blutschwur – Die Söhne des Drachen“ (erschienen bei Torsten Low) habe ich mich sogar durch ein paar Bibliothekswälzer gewühlt, weil ich die benötigten Infos im Netz nur unzulänglich gefunden hatte. Gute Recherche finde ich sehr, sehr wichtig für ein Buch; egal welchen Genres.

14)  Wie nerdig sieht dein Leben aus?
Unter der Woche nicht sonderlich nerdig – das ist aber wohl bei allen Menschen so (abends häkele ich nur gerne Amigurumi, während Star Trek TNG läuft – Erholung pur). Sobald allerdings am Freitag die Feierabend-Uhrzeit schlägt, verwandele ich mich in Nerdanie, die sich am Wochenende bei Sackhüpf-Challanges und Serien-Theme-Song-Quiz in die Brust wirft. Mit Freundinnen mache ich Ghibli-Abende, suche mit meinem Freund gezielt Logiklöcher in SF-Filmen und liebe auch den SchleFaZ auf Tele5.
Manchmal programmiere ich aus Spaß unsinnige Dinge, doch am meisten schreibe ich, sobald der PC läuft.
Und am Sonntag läuft „Die Sendung mit der Maus“. Weil das in meiner Familie heilige Tradition ist – und Armin der tollste Erklärbär der Welt ist.

15)  An welchem Punkt denkst du manchmal selbst, ein Freak (oder Nerd) zu sein?
Niemals. Ich bin voll normal. Also … was immer auch „normal“ sein soll.

16)  Warum ist das Lexikon nicht komplett nach Alphabet sortiert, sondern erklärt erstmal einiges wie Unterschiede zwischen Nerd und Geek, die Nerdfrauen, etc.?
Weil es mir wichtig war am Anfang Dinge klar zu stellen, bevor ich auf die Feinheiten eingehe. Ein Nerd ist kein Geek und auch ein Geek will nicht Nerd gerufen werden. Ich habe schon zu oft miterlebt, wie Leute rot angelaufen sind, weil sie sich über solche falsche Nutzung von Definitionen aufregten. Man sollte schließlich auch nicht mit einem Lexikon über Schifffahrt beginnen, bevor man weiß, woraus ein Schiff besteht 😉

17)Wie viel hast du im Buch übertrieben?
Sehr viel, um ehrlich zu sein. Ich kenne zum Beispiel niemanden (außer meinen Freund), der als Ingenieur freiwillig Karohemden und Cordhosen trägt und es auch noch schick findet.
Das Buch sollte man nicht als großes Fachbuch sehen, sondern als humorige Einlage mit Wissen. Es ist klein, chaotisch und nur für Leute, die auch meinen Humor besitzen (ich bin ein bisschen ironisch und ziemlich schräg).
Nehmen wir die Bloggerinnen, die ich beschrieben habe, wie es jede Bloggerin hasst. Das habe ich extra gemacht. Nicht, weil ich es tatsächlich glaube, sondern weil ich selbst ein Buch-Suchti bin und für Literatopia rezensiere. Im SpielxPress hatte ich sogar eine eigene Kolumne über das Schreiben. Deswegen zähle ich mich selbst mit zu den Mädels, die drei Liter schwarzen Tee verdrücken können, ohne nervöse Tein-Zuckungen zu bekommen. Ich habe einen SuB, der größer ist als ich, bin nicht nur ziemlich Bibliophilie, sondern würde auch niemals gebrauchte Bücher kaufen, weil ich Bücher nur mag, wenn ich die Erste bin, die sie berührt. Ich lese nur jungfräuliche Bücher.
Ich übertreibe nur dort, wo ich sicher bin, dass es kaum eine extreme Einstellung gibt als meine – denn ich nehme mich immer als schlimmstes Maß und verarsche mich dann selbst.

18) Wieso glaubst du, Nerds und Geeks lassen sich nach Windows und Mac unterscheiden?
Weil ich mit meinem Freund seit Jahren einen Krieg ausfechte. Er Mac, ich Windows. Hier geht es zu wie bei den heiligen Betriebssystem-Kreuzzügen 😉
Außerdem kann ich einen Nagel in die Wand schlagen, ohne eine Wasserleitung zu treffen – denn ich lese vorher gründlich nach, wie nach Baubestimmungen Rohre und Leitungen Unterputz verlegt werden (und das machen schließlich nur echte Nerds *g*). 

Liebe Stefanie, vielen Dank dass du dir die Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten 🙂
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