[Rezension] Hansetochter

Hansetochter – Sabine Weiß
Bastei Lübbe
Taschenbuch, Januar 2014
ISBN 978-3-404-16887-3
591 Seiten

9,99 €

Henrike Vresdorp hatte bisher ein sehr glückliches Leben, auch wenn ihre Mutter bereits verstorben war. Ihr Vater war ein sehr angesehener Kaufmann undein potentieller Ehemann stand auch schon für sie fest.
Sogar der Kaiser besucht ihre Heimatstadt Lübeck, doch in all dem Trubel wird ihr Vater plötzlich tot nach Hause gebracht.
Henrike fällt aus allen Wolken, denn angeblich soll ihr Vater bei einer Hure vom Schlag getroffen worden sein. Weil sie und ihr Bruder noch nicht mündig sind, übernimmt ihr Onkel Hartwig zunächst die Verwaltung des Erbes. Doch Hartwig ist ein Saufkopf, dem das Geld nur so durch die Finger rinnt.
Kurz vor dem Tod des Kaufmanns kam dessen Freund und Handelspartner Adrian Vanderen in die Stadt, doch auch er hat mit Intrigen und Machtkämpfen genug zu tun. Henrike fühlt sich von allen verlassen und muss ständig vor Übergriffen ihres Onkels oder des verhassten Cousins Nikolas fürchten. Sie kann nur versuchen, ihr Erbe irgendwie zu retten – und Adrian scheint der geeignete Vertraute dafür zu sein.

Gemeinsam versuchen sie herauszufinden, wo das Schicksal begann, das die Familie Vresdorp ins Unglück stürzte. Doch Henrike und ihr Bruder Simon müssen sich zu allen Seiten schützen, denn von überall lauert Gefahr…

Dieses Buch hatte einen sehr unglücklichen Start bei mir. Da ich es über BloggdeinBuch bekommen habe, musste ich es natürlich zeitnah lesen. Doch nach meinem Uni-Block-Seminar hatte ich absolut keinen Zugang zu dieser Thematik. Ich hatte mich sehr auf das neue Buch von Sabine Weiß gefreut, weil ich bisher ihre Bücher immer sehr mochte.
Nach etwa 80 Seiten, die mich nicht so richtig fesseln wollten (was aber nur an mir lag!), habe ich kapituliert und das Buch liegen gelassen. Etwa zwei Wochen.
Zur Buchmesse musste ich dann fast drei Stunden hin und ebenso lange zurückfahren. Weil ich die knapp 600 Seiten ja noch fast alle vor mir hatte, wollte ich das Buch in dem Tag in einem Rutsch lesen.
Schon nach wenigen Seiten war ich wieder in der Handlung drin. Und siehe da – es war ein ganz wunderbares Buch!

Zum einen ist das Setting natürlich grandios. Das historische Lübeck ist aufwendig und detailreich beschrieben. sodass man sofort nach Lübeck reisen und alles selbst erkunden will.
Dann ist fast das ganze Buch aus der Sicht von Henrike oder Adrian geschrieben, wodurch man einiges erfährt, aber eben nicht alles. Man kann gemeinsam mit den beiden Rätseln, wer nun wen besticht oder umbringen lassen will.
Ich liebe dieses historischen Machtkämpfe und die fiesen Gegenspieler. Die grausamen Methoden des Mittelalters waren natürlich nicht liebenswert, aber es ist toll von Sabine Weiß, dass sie das so authentisch und realistisch dargestellt hat.
Die Schreibweise von Sabine Weiß ist wie immer toll. Ich hatte zwar am Anfang etwas Schwierigkeiten, aber das lag eher daran, dass ich gerade von zwei Lesemonaten voller Jugendbücher wieder in die Erwachsenenriege gewechselt habe und plötzlich ganz anderen Lesestoff zu verarbeiten hatte. Wie gesagt habe ich aber auf der Fahrt zur und von der Buchmesse dann viel Vergnügen und das Lesen war sehr angenehm. Die Schreibweise ist so, dass man richtig eintauchen kann, die holprigen Straßen unter den Füßen spürt, die Seeluft riecht und die sausende Peitsche zur Strafe hören kann. Dass mein Zug dann immer mit Verzögerung fuhr war mir nur recht, ich wollte nur lesen.

Die historische Korrektheit, die Sabine Weiß immer für sich selbst an den Tag legt, ist mir sehr sympathisch. Ich kann seit dem eigenen Geschichtsstudium nicht mehr richtig historische Romane lesen, weil vieles einfach zu modern ist. Bei Sabine Weiß mache ich mir keine Sorgen.
In einem Seminar kam bereits die Hanse zur Sprache, und ich finde, die dargegestellte Entwicklung zeigt richtig gut, was damals passiert ist. Es ist keine versteckte Kritik zu finden, aber welche Macht die Hanse bereits hatte, ist gut aufgezeigt. Eine Fortsetzung aus dieser Zeit würde ich sehr gerne lesen!

Die Aufklärung um den Todesfall fand ich allerdings etwas schade, denn zum Ende hin ging plötzlich alles so schnell. Da hätte ich mir gerne etwas mehr gewünscht.

Über das Buch lässt sich also sagen, dass es weder zu lang noch zu detaillreich war. Es ist sehr lesenswert und brachte angenehme Lesestunden. Von Sabine Weiß würde ich immer sofort alles kaufen und lesen!
Für dieses Buch gibt es vier Sterne von mir.

★★★☆
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