[Rezension] Wenn ihr uns findet

Wenn ihr uns findet – Emily Murdoch
Heyne fliegt
Hardcover, März 2014
ISBN 978-3-45353434-6

In einem Wald, mehr oder weniger ausgesetzt, wachsen Carey und ihre kleine Schwester Jenessa alleine auf. Ihre Mutter schaut alle paar Wochen mit Lebensmittel vorbei und ist sonst in der Stadt, um an Drogen zu kommen.
Carey versucht dennoch, ihre Schwester zu einer höflichen und gebildeten Frau zu erziehen. Sie ist mehr eine Mutter als eine große Schwester.
Als eines Tages ihr leiblicher Vater im Wald steht und die Mädchen mitnehmen möchte, bricht ihre Welt zusammen. Plötzlich soll sie nicht mehr alleine für alles verantwortlich sein, bekommt saubere Kleidung, Essen und vor allem wieder vernünftige Bildung. Doch all das kann sie nicht genießen, denn Carey hat etwas furchtbares getan. Wenn das herauskommt, wird sie sicher wieder ausgesetzt…

Wenn ihr uns findet“ ist keine Dystopie und kein Buch über Straßenkinder. Es ist ein Buch über zwei verlassene Mädchen, die ihr bestes in einem kalten Wald ohne genug zu Essen geben.

Zuerst mochte ich Carey nicht. Sie hatte diesen einfältigen Akzent und schien ein bisschen beschränkt. Außerdem war sie total verwildert.
Aber schon nach wenigen Seiten gleich am Anfang merkt man, dass sie ein sehr kluges und nachdenkliches Mädchen ist. Sie gibt alles für ihre Schwester, achtet auf die allerbeste Erziehung und hungert lieber selbst als ihre Schwester hungern zu sehen.
Diese Aufopferung machte sie sympathisch und ich litt zunehmend mit ihr, als sie richtig Heimweh nach dem Wald bekam.

Nach und nach kommt auch heraus, warum Jenessa nicht spricht und warum Carey fürchtet, dass ihre kleine Schwester wieder redet. Emily Murdoch verpackt das aber in so verzweifelte Gedanken, dass man das Buch kaum noch zur Seite legen kann. Was ist im Wald passiert? Warum leiden die Mädchen so sehr und warum macht sich Carey solche Vorwürfe?

Was zunächst nach einer kleinen Dramageschichte aussieht entwickelt sich zu einer Tragödie ohne Vergleichsmöglichkeiten. Das Buch musste ich in wenigen Stunden lese, es war einfach packend, fesselnd und so mitnehmend. Vor kurzem habe ich bei „Weil ich Layken liebe“ über die Ungerechtigkeit so mitweinen müssen, bei diesem Buch möchte man aber nur hineinspringen und Carey lange und fest in den Arm nehmen. Kennt ihr die Szene in „Good Will Hunting“, als Robin Williams als Doc seinen Patienten Matt Damon in den Arm nimmt und sagt „Du kannst nichts dafür“? Das wollte ich hier auch machen. Zittern und weinend saß ich über dem Buch, und auch nach dem Lesen hat es mich lange nicht losgelassen. Die Ungerechtigkeit, diese Schuldgefühle von Carey und die Hilflosigkeit machen einen total fertig.

Ihr seht, das Buch ist total beeindruckend. Es muss nicht immer pures Glück sein, dass man beim Lesen empfindet, und Emily Murdoch hat es geschafft, eine wirklich herzzereißende Geschichte zu schreiben.
Volle Punktzahl für Carey und Jennessa!

★★★★★
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Ein Gedanke zu “[Rezension] Wenn ihr uns findet

  1. Heyne fliegt♥ Die Story erinnert mich sehr an den Horrorfilm „Mama“:o Bei dem bin ich tausend Tode gestorben, habe mich noch nie so gegruselt.
    Das Buch landet direkt auf meine WuLi!
    Danke für die Rezi, die ist dir echt gelungen:)

    Liebe Grüße
    Maren

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