[Rezension] Verdis letzte Versuchung

Verdis letzte Versuchung – Lea Singer
Edition Elke Heidenreich bei C. Bertelsmann
Hardcover mit Schutzumschlag, 2013
ISBN 978-3-57058031-8
272 Seiten

19,99 €

Die letzten elf Jahre im Leben Guiseppe Verdis sind kein Zuckerschlecken. Er muss sich mit Neidern herumschlagen, neuen Herausforderungen stellen und seine eifersüchtige Frau ertragen. Dass er die junge Sängerin Teresa Stolz favorisiert, trägt nicht zur guten Stimmung bei.

Doch in den vergehenden Jahren lernt Verdis Frau, mit der anderen Frau umzugehen, denn Verdi braucht sie beide irgendwie. Und Verdi plagen ganz andere Probleme: Seine Aida wird nicht so aufgeführt, wie er es gerne hätte. Oder die Aufführungen verzögern sich durch Aufstände in Städten. Und seine Musik wird boykottiert, von ehemaligen Freunden, die ihm kein Glück gönnen.

Als ein guter Freund stirbt, kompiniert Verdi sein „Requiem“. Doch auch dieses macht ihm wenig Freude, denn zu allem Übel wird dieses nun mit Wagners Musik verglichen…

Nachdem mich „Vier Farben der Treue“ von Lea Singer sehr beeindruckt hat, obwohl ich nichtmal die Figuren genau kannte, wollte ich natürlich auch „Verdis letzte Versuchung“ lesen. Da Verdi sein Leben zu Beginn des Buches schon fast gelebt hat, muss man erst ein bisschen in die Lektüre reinkommen. Man lernt die vorkommenden Figuren nicht neu kennen, sondern erfährt Stück für Stück über die Freunde und Bekannte und Vorkommnisse.

Von Anfang an wird aus drei Perspektiven erzählt: Guiseppina, Guiseppe und Teresa berichten von ihren Erlebnissen, teilweise doppelt es sich, überwiegend aber nicht. Man muss also ganz genau aufpassen und sich erinnern, was vorher erzählt wurde.
Es war in gewisser Weise wieder beeindruckend, wie verschieden Lea Singer schreiben kann. In gewisser Weise merkt man, dass alles aus einer Feder stammt, aber die drei Protagonisten haben schon ihre Eigenarten. Ich weiß nicht, ob das das Markenzeichen von Singer ist, die Perspektiven zu wechseln, aber es war sehr gut zu lesen.
Lea Singer schreibt teilweise kantig, abstrakt, und doch weich und klar, was mich das Buch richtig genießen ließ. Man kann es gut zwischendurch unterbrechen, also habe ich mir Zeit mit dem Lesen gelassen.

Guiseppe Verdi. Quelle

Die Gestaltung dieses Buches hat mir auf den ersten Blick schon gefallen. Das eigentliche gebundene Buch zeigt feine Notenlinien, scheinbar eine originale Handschrift einer Partitur auf gelbem Grund. Umfasst wird das Buch aber noch von einer Schutzhülle, die allerdings recht durchsichtig ist, sodass das Cover, das ihr links oben sehen könnt, leicht die Noten durchschimmern lässt. Es sieht also schon sehr edel aus.

Obwohl man auch als Musiklaie sicher viel verstehen kann, da Verdis Beziehungsgeflecht nicht nur mit Musik zu tun hat, ist es als Musikkenner ein tolles Buch geworden. Verdi sinniert viel über seine Musik und natürlich über andere Komponisten, vor allem Wagner. Beim Lesen muss man Aida hören, und auch Wagner darf mal erklingen. Sonst versteht man einfach die Worte nicht richtig.

Ich weiß nicht, wie es wirklich gewesen ist und was Lea Singer alles hinzugedichtet oder erfunden hat. Mir hat das Buch gefallen und es war weder dick aufgetragen noch seltsam verdreht. Es war glaubwürdig und unterhaltsam. Volle Punktzahl.

★★★★★

Weitere Bücher von Lea Singer:
Vier Farben der Treue
Bücher bei dtv

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