Warum man etwas von Jane Austen gelesen haben sollte

Wie der Titel schon sagt, möchte ich kurz auf einen der beiden Klassiker zu sprechen kommen, die ich selbst vor kurzem gelesen und rezensiert habe (Stolz und Vorurteil und Jane Eyre).

Beide Bücher sind Teil der klassischen Literatur, die zum Lesekanon gehören. Nicht überall, und sie werden auch nicht in jeder Schule gelesen, aber sie sind Teil unseres Kulturgutes.
Aus heutiger Sicht und in Anbetracht unserer aktuellen Belletristik sind beide Roman schon etwas gewöhnungsbedürftig.

Jane Austen und Charlotte Brontë sind zwei Schriftstellerinnen der Vergangenheit. Sie haben nicht zur gleichen Zeit gelebt und auch sehr unterschiedlich. Dennoch kann man sie vergleichen, denn beide haben ihre Zeit und darauf folgende Literatur geprägt. Ich möchte euch besonders Jane Austen und ihre Bücher vorstellen, denn vor kurzem kam der neue Schuber von Reclam heraus, der die sechs bekanntesten Romane der Autorin zusammen fasst.

Die Frau Jane Austen
In Stefan Bollmans neuem Buch „Frauen und Bücher“ widmet er sich auch einem Kapitel über Jane Austen. Anders als die Autorinnen vor ihr ist Jane Austen der festen Überzeugung, dass ein guter Mann nur ein lesender Mann ist. Ein Paar muss sich über Literatur unterhalten können, oder mindestens das Lesen der Frau wertschätzen. Denn Frauen, die lesen, sind unabhängig und stark.

Im wahren Leben war Jane Austen auch stark. Ob das aber der Grund war, weshalb Sie keinen Mann finden konnte, ist unklar.
Ihre Bücher sind zumeist von der aktuellen Lektüre anderer Autoren inspiriert. In Kloster Northanger wird das ja auch deutlich, als die Protagonisten über so manche Lektüre herziehen.


Bekannteste Veröffentlichungen:

1811: Verstand und Gefühl
1813: Stolz und Vorurteil
1814: Mansfield Park
1816: Emma
1817: Die Abtei von Northanger
1817: Überredung


Interessante Fakten zu „Stolz und Vorurteil“
– Die Geschichte wurde insgesamt zehn Mal als Spielfilm oder Serie produziert.
– „Bridget Jones“ hat das Thema des Mr. Darcy aufgenommen. Helen Fielding wurde stark durch den in der BBC-Serie spielenden Colin Firth inspiriert, der dann auch die Hauptrolle in „Bridget Jones“ übernahm.
– Einen schönen Artikel dazu hat übrigens auch Buchleben geschriebe (nur deswegen habe ich das Buch von P.D. James angeschafft 😉 ).

Veröffentlichungen gibt es zahlreiche mittlerweile. Ich habe netterweise von Reclam die wunderschöne neue Box erhalten, welche die sechs Romane in toller Aufmachung zusammenfasst.

Bibliographisches dazu:
Jane Austen: Die sechs Romane
Emma, Kloster Northanger, Mansfield Park, Stolz und Vorurteil, Überredung, Verstand und Gefühl
Übersetzung: Ursula und Christian Grawe
Nachworte und Anmerkungen: Christian Grawe
Sechs Bände gebunden in Kassette
2500 Seiten
ISBN: 978-3-150300473
€ 29,95

Rezensiert habe ich bereits Stolz und Vorteil, gelesen auch Kloster Northanger (Rezension kommt Anfang Dezember). Emma liegt als nächstes auf der Liste.

Die Aufmachung der Box

Bücher, die zueinander passen, finde ich ja schonmal gut. Wenn sie dann auch noch gut aussehen und besonders hübsch gemacht sind, kann ich gar nicht wiederstehen.

Ein Teil der Box

Da ich selber die anderen Übersetzungen nicht so gut kenne, habe ich meine Kollegin gefragt, die mir etwas kompetenter weiterhelfen konnte:

Was macht die Jane-Austen Box von Reclam so besonders, auch im Hinblick auf andere Boxen oder Sammelbände?
Die Box versammelt alle Werke in einheitlicher Übersetzung. Wie so oft, sind auch Übersetzungen von der Zeit, in der sie gemacht wurden, geprägt. So merkt man Ü. aus der Zeit zu Beginn des 20. Jh. an, dass sie wenig Englischkenntnisse beim Leser voraussetzen, alles ist eingedeutscht, was zum Teil auch patriotische Gründe hatte. Nicht jede/-r Übersetzer/-in ist auch vertraut mit dem Hintergrund von Zeit und Ort. Die hier vorliegende Übersetzung von Christian Grawe ist modern, ohne das Original zu entstellen. Mit seinen Erläuterungen in jedem Band erhält der Leser wertvolle Informationen über die Entstehungsgeschichte und die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der jeweiligen Bücher. Andere Boxen versammeln Ausgaben unterschiedlicher Übersetzer, es ist, als ob Austen von Buch zu Buch eine andere wäre, je nachdem von wann und wem die Übersetzung stammt. Das schmälert das Leseerlebnis erheblich.

Warum ist die Neuauflage von Jane Austen-Büchern noch immer sinnvoll bzw. welche Kaufgründe gibt es noch heute für die Romane?
Jede Zeit spricht ihre Sprache und in jede neue Ausgabe fließen auch neue Ergebnisse aus der Jane-Austen-Forschung ein. Es ist bekannt, dass schon die Originalausgaben sich voneinander unterschieden haben, je nachdem von wem und wann sie herausgegeben worden sind. Wer also dem Phänomen Jane Austen auf der aktuellen Spur bleiben möchte, ist gut beraten, von Zeit zu Zeit Neuausgaben zu sichten, zu bewerten und anzuschaffen.

Was ist das Besondere an „Stolz und Vorurteil“ im Hinblick auf Übersetzung und Umsetzung, Aktualisierung oder sogar Modernisierung?
Für Stolz und Vorurteil gilt, was ich schon zum Thema Übersetzungen allgemein gesagt habe. Darüber hinaus ist es aber ein Stoff, der in den vergangen rund zweihundert Jahren immer wieder bearbeitet worden ist. Das bekannteste Beispiel sind die Bridget-Jones-Bücher von Helen Fielding und deren Verfilmungen. Es gibt im Filmbereich aber auch Bollywoodversionen und Adaptionen, die an amerikanischen Highschools spielen. Es sind universale Themen, die Jane Austen in Stolz und Vorurteil behandelt: Liebe, Erfolg, Macht, Klassenzugehörigkeit und Authentizität. Für die Frauenbewegung der siebziger/achtziger Jahre war die vermeintliche Fokussierung der Frauen in Stolz und Vorurteil auf potentielle geeignete Ehemänner ein rotes Tuch und sprach gegen den Roman. Erst einige Jahre später wurde deutlich, dass Austen mit den Entscheidungen, die Elizabeth Bennet trifft, sich kritisch gegenüber den gesellschaftlichen Normen ihrer Zeit positioniert. Die innere Unabhängigkeit nicht nur dieser Heldin – es seien hier auch Emma, die Titelfigur des gleichnamigen Romans, und Elinor Dashwood aus Sinn und Sinnlichkeit genannt – steht in krassem Gegensatz zu der Auffassung, dass eine Frau ohne Ehemann nichts wert sei. Eine Vorstellung, die bis weit ins 20. Jahrhundert hinein in Europa vertreten worden ist. Die moderne Jane-Austen-Forschung nimmt daher folgerichtig diesen emanzipatorischen Ansatz  besonders in den Blick.

Inspiriert von Romanen der Autorin, vor allem Stolz und Vorurteil, gibt es zahlreiche weitere Veröffentlichungen. Alleine das Thema Darcy ist beliebt (siehe HIER).

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