[Rezension] Rückkehr nach Somerton Court

Leila Rasheed – Rückkehr nach Somerton Court   
Taschenbuch, Fischer Verlag  
348 Seiten

ISBN: 978-3-596-19689-0

€ 9,99

Anfang des 20. Jahrhunderts kehrt Lady Ada mit ihrem Vater und ihrer Schwester nach England zurück. Somerton Court ist nicht mehr ganz vertraut, doch politische Schwierigkeiten bei ihrem Vater zwingen die Familie, sich zu verändern.
Der erste Schritt ist eine neue Ehefrau, und Ada sollte sich auch vorteilhaft verheiraten.
Doch auf der Rückfahrt von Indien lernte Ada einen Inder kennen, der ihr nicht mehr aus dem Kopf geht. Wie kann sie jemand anderes heiraten, wenn Ravi ihr Herz gehört? Und würde ein Ehemann sie in Oxford studieren lassen, wie sie es vorhat – obwohl es noch immer sehr unüblich für Frauen ist?

Rückkehr nach Somerton Court“ sah nach einem historischen Roman mit Charme aus. Es entpuppte sich aber auf den ersten Seiten als sehr politischer Roman: Ein Roman über die Politik Anfang des 20. Jahrhunderts, über die aufkeimende Emanzipierung der Frau und die Auflehnung der Inder gegen ihre britischen Besetzer.
Das Setting ist so, wie man es bei einem historischen Roman erwartet. Wallende, wunderschöne Kleider, die anschaulich beschrieben werden. Die eine Protagonistin, Lady Ada, ist die etwas Umdenkende. Sie möchte gerne studieren, ist aber gefangen in ihrer Rolle als Frau. Noch immer gilt, dass Frauen nicht richtig denken können und gar nicht erst lesen sollten, im besten Falle. Lernen erst recht nicht! So hält es Charlotte, die neue Stiefschwester von Ada. Sie setzt lieber ihre Reize ein, denkt sehr konservativ und ist … naja… fast dumm. Sie weiß, dass ihre neue Schwester eine Konkurrenz darstellt und versucht intrigant dagegen vorzugehen. Aber Ada ist eben sehr klug – nicht umsonst will sie studieren.
Mit ihren Reibereien wurde die Geschichte auf eine besondere Art umrahmt. Denn es geht dann nicht nur um Intriegen, Liebe und Machtkämpfe, sondern wie bereits oben erwähnt kommen politische Aspekte dazu. Warum musste Lord Waverly, Adas Vater, aus Indien als Politiker gehen? Wieso ist Ravis Denken über indische Unabhängigkeit gefährlich? Und warum mögen manche Männer Adas Sichtweise und Wunsch zu studieren sehr gerne?

Es war weniger allein die Figuren Ada, Ravi und all die anderen, die mich faszinierte, sondern dieses unglaublich dichte Handlungsgewebe. Die Autorin hat es geschafft, die Handlungsstränge aus mehreren Perspektiven darzustellen. Selbst, wenn sich dann Dinge doppelten, war es immer interessant und wahnsinnig spannend!
 Etwa ab der Hälfte habe ich das Buch förmlich eingesogen. Es ließ sich nicht nur supergut und sehr flüssig (bravo an die Übersetzung) lesen, sondern hatte auch inhaltlich nur stimmige Elemente. Die Liebe über den Stand, die Annahme von unehelichen Kindern und politische Diskussionen fügten sich perfekt zusammen.

Wer ein historisches Setting mag und gerne über Frauenbewegung á la Barbara Wood lesen mag (nur überhaupt nicht schnulzig), sollte dieses Buch lesen. Und nicht geliehen, sondern bitte gekauft, weil es weitere Romane aus der Feder der Autorin gibt – der Verlag lässt dann hoffentlich weitere übersetzen! Volle Punktzahl von mir für dieses wunderbare Buch!

HIER gibt es eine Leseprobe.

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2 Gedanken zu “[Rezension] Rückkehr nach Somerton Court

  1. Mir hat das Buch auch wirklich gut gefallen. – Da sind einfach so viele interessante Handlungsstränge die ich gerne weiterverfolgen möchte. Hoffentlich gibt es dann auch eine Fortsetzung!

    LG Anni

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