[Rezension] Jane Eyre

Jane Eyre- Charlotte Brontë
Carlsen
Taschenbuch, 2013
ISBN 978-3-551-31235-8
720 Seiten

9,99 €

Das Waisenkind Jane Eyre ist bei ihrer Tante untergekommen, die jedoch äußert unglücklich darüber ist. Weil Jane angeblich böse und unbelehrbar ist, soll sie auf ein Internat für Mädchen. Dort jedoch lernt Jane endlich feste Strukturen kennen und kann sich weiterbilden.
Die Schulausbildung ermöglicht es ihr auch, als Gouvernante zu arbeiten. Gleich die erste Anstellung führt Jane zu Mr. Rochester, der ein französisches Mündel hat.
Jane und Mr. Rochester wollen miteinander leben, doch nicht nur der Standesunterschied hält sie davon ab…

Jane Eyre“ ist einer der ganz großen Klassiker der Weltliteratur. Genaues zur Geschichtes Buches erfahrt ihr demnächst, denn wie auch Jane Austen hat Charlotte Brontë diese Geschichte nicht einfach nur geschrieben und veröffentlicht.

Kurz zur Geschichte an sich. Während in „Stolz und Vorurteil“ die Sätze nur so dahinflogen, holte die Ich-Erzählerin nicht nur weit aus. Sie beschreibt ALLES. Vom glänzend bestrichenen Türrahmen zu den weißgestärkten Häubchen der Dienstmädchen. Sie kann sich seitenweise mit Zimmerbeschreibungen aufhalten, die nicht sachdienlich sind. Man gerät schnell in Versuchung, die Sätze einfach zu überfliegen, wodurch man aber etwas Essentielles verpasst. Denn die wichtigen Informationen sind so eingebaut in verschachtelte, lange Sätze, dass es echt manchmal ein Graus ist.

Ich mochte Jane sehr gerne. Sie war tapfer, stand ihre Frau und hat sich stark entwickelt. Aber schon als kleines Mädchen war sie einfach liebenswert, mutig und aufmüpfig der Ungerechtigkeit gegenüber. Das habe ich sehr gerne gelesen.
Als es dann aber an die Liebelei mit Mr. Rochester ging, war ich nur sehr schwer zu fesseln. Da war zum Beispiel eine Stelle, an der ich am liebesten alles noch einmal gelesen hätte. Erst ging es um ein Spiel, und Jane war ohnehin sehr aufmerksam und beschreib alles haarklein. Dann war es plötzlich biederer Ernst und Mr. Rochester wollte heiraten.
Später nervten Janes Ausführungen über alles und jeden weiter. Ich musste mich echt zwingen, weiterzulesen. Vor allem, da ich wissen wollte, wann Jane schreibt und warum sie das schreibt. Und hat ihre Liebe zu Mr. Rochester überhaupt keine Chance?

Dieser Klassiker aus dem 19. Jahrhundert ist keine Romanze, wie wir sie heute kennen. Jane und Mr. Rochester fassen sich höchstens an den Händen, Küssen ist sowas von unerhört und alles weitere wird auch niemals nie beschrieben. Das ist natürlich gewöhnungsbedürftig, vor allem, da es heute ja sogar Jugendromane gibt, die sich sehr explizit mit Erotik schon auseinander setzen. „Jane Eyre“ ist da etwas ganz anders. Hier stehen die Sitte, der Anstand, die Stände und viele andere Kleinigkeiten im Vordergrund.

Die Übersetzung hat vielleicht eine Menge aufgefangen, das kann ich nicht beurteilen. Ich bin froh, dass ich mich durchgerungen habe, diesen Klassiker einmal zu lesen. Als Schullektüre hätte ich mich dagegen wohl noch gesperrt, aber das Buch so privat mal zu lesen war ok. Man muss sich drauf einlassen. Und einmal schadet keinem 🙂 Ich danke an dieser Stelle dem Carlsen Verlag für die Bereitstellung des Lesexemplares und möchte noch ein paar Worte zu dieser besonderen Neuauflage schreiben:

Zum Buch, bzw. zur Aufmachung:
Da dies eine Neuauflage ist und die Autorin ohnehin keine Rezensionen mehr lesen kann, geht es natürlich bei diesem Buch besonders auch um die Aufmachung, für die sich Carlsen entschieden hat. Das Buch hat über 700 Seiten. Vermutlich um es handlich und nicht allzu schwer zu machen, hat sich Carlsen für die Taschenbuchausgabe entschieden.

Im direkten Vergleich mit der Ausgabe von „Magyria“, das ich ja nun unlängst ebenfalls gelesen habe, hat das Buch leider nicht so gut abgeschnitten. Man sieht hier auf dem Bild deutliche Leseknicke bei „Jane Eyre“, weil durch die dicke des Buches der Buchrücken einfach umgeknickt ist. Ich lese normalerweise sehr vorsichtig und spreitze die Bücher auch nicht so. Aber hier war es anders nicht möglich.

Ich kann auch verstehen, dass durch das große Ausmaß des Inhalts die Seiten nicht so dick und die Schrift nicht so groß werden konnte. Da aber der Inhalt auch nicht soo wahnsinnig spannend war, ermüdete die kleine Schrift schnell.
Laut Verlag wird die Lektüre ab 14 Jahren empfohlen. Ich denke, wenn man nicht sehr interessiert an der Geschichte ist (wie ich), wird man sich sehr quälen müssen. Es ist einfach schwer zu lesen, durch die kleine Schrift, die nicht so dolle Handhabung des Buches und durch den teilweise drögen und ausufernden Inhalt.

Insgesamt ist es natürlich ein sehr gutes Preis-Leistung-Verhältnis. Weil Carlsen für den Inhalt zwar nichts kann, aber die Ausstattung etwas besser hätte sein können, gibt es von mir nur 3 Sterne.

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Ein Gedanke zu “[Rezension] Jane Eyre

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