[Rezension] Misstrauen Sie dem unverwechselbaren Geschmack

Misstrauen Sie dem unverwechselbaren Geschmack – William Gibson
Gedanken über die Zukunft als Gegenwart
Tropen im Klett-Cotta Verlag
Aus dem Englischen von Hannes und Sara Riffel (Original: Distrust the particular Flavour)
Hardcover, 2013
252 Seiten
ISBN: 978-3-608-50314-2

21,95 €

Hin und wieder sollten wir uns besinnen und etwas lesen, was vor einigen Jahren über die Zukunft geschrieben wurde. Die Sci-Fi-mäßige Zukunft vor 10 Jahren ist heute vielleicht weniger ausgeprägt, aber dennoch sind wir tausendfach weiter, als wir dachten (schön finde ich dieses Bild).
William Gibson hat schon seit vielen Jahren Artikel über Zukunftsgedanken verfasst. Er liebt Japan, und sieht dort immer das Zukünftige. Er schreibt Science Fiction-Romane (in dem Roman „Neuromancer“ prägte er sogar ein uns heute geläufiges Wort: „Cyberspace“) und sieht die Welt mit den Augen von morgen.

 Ehrlich gesagt habe ich durch den Titel etwas viiiiel kritischeres erwartet. Nach solchen Büchern wir „König Arsch“ und „Krank in Deutschland“ habe ich mehr Gedanken zur Werbelüge erwartet.
Gut, William Gibson hat seine eigene Art, Kritik zu üben, aber er macht es in den Artikeln, die in diesem Buch zusammengefasst sind, eher auf bewundernde Art.

Fast schon niedlich ist seine Faszination für das fortschrittliche Japan und die etwas seltsame Betrachtung des Internets. Vielleicht gründet darauf der Umgang mit dem „Cyberspace“ aus seinem Roman.
Da die Artikel teilweise über zehn Jahre alt sind, und das Internet damals wirklich noch Neuland war, ist das vorsichtige Herantasten Gibsons an die wirklich unbekannte Welt faszinierend.

Hinter jedem Artikel steht ein Kommentar, mit welchem Hintergrund die Texte geschrieben wurden. Diese Kommentare sind nachträglich vom Autor geschrieben, der mit einem anderen Blickwinkel auf seine Gedanken schaut, was den Artikel jedes Mal auflockert.

Angenehm geschrieben (und super übersetzt) lassen sich die teilweise kurzen aber auch längeren Artikel sehr gut lesen. Das Buch ist keine Geschichte, die man so weglesen kann, man musste sich für die Artikel schon Zeit und Ruhe nehmen. Deswegen habe ich für das Buch ein paar Wochen gebraucht, weil ich jedem Abschnitt seinen Raum geben wollte. Dadurch waren auch die unterschiedlichen Zeitsprünge verständlich und lesbar. Man muss sich auch auf die Denkweise von vor ein paar Jahren einlassen – teilweise gab es noch nicht mal den Euro!

Weil ich mir etwas mehr Kritik hinter dem Titel gewünscht hätte, sonst aber sehr zufrieden war, gebe ich dem Buch 4 Sterne. Es ist eine schöne Lektüre, wenn man mal eine Art Kurzgeschichte zwischendurch lesen will. Die Sichten von gestern waren manchmal ganz schön unheimlich, aber irgendwie auch spannend.

★★★★☆

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