[Rezension] So nah und doch so fern

So nah und doch so fern – Ann Brashares
Carl’s books
Klappenbroschur, Juni 2013
367 Seiten
ISBN: 9783570585177

14,99 €

Er kann sich zurückerinnern bis wenige Jahrhundert nach Christus. Dort hat er vermutlich zum ersten Mal bewusst gelebt – bzw. seine Seele. Daniel, wie er sich im Laufe der Leben nennt, hat in diesem ersten Leben ein Mädchen getötet. Später begegnete er ihr wieder, doch nur er ist sich dessen bewusst.
Denn normale Menschen, besser gesagt deren Seelen, kehren nach dem Tod manchmal wieder zurück, in ein neues Leben. Nur ganz ganz wenige können sich an ihrere früheren Leben erinnern, und noch weniger sehr bewusst.
Daniel ist einer dieser seltenen Seelen, die sich bis zum ersten Leben zurückerinnern können. In jedem neuen Leben versucht er das Mädchen wiederzufinden. Als sie Sophia ist, kommt er ihr am nahsten – sie ist die Frau seines Bruders Joaquim. Doch dieser ist brutal und misshandelt Sophia, weshalb Daniel sie entführt und in Sicherheit bringen will.

Knapp 1300 Jahre später kommt Daniel dem Mädchen erneut sehr nahe. Sie ist Lucy, eine Highschool-Schülerin. Doch er geht zu schnell auf sie zu, will zu viel von ihr. Lucy versteht nicht, wieso Daniel sie „Sophia“ nennt und meint, sie würden sich lieben.
Also geht Daniel wieder auf Abstand. Doch Lucy lässt die Begegnung nicht los, und irgendwo in ihr drin versucht ihre Seele ihr die Geschichte ihres langen Lebens zu erzählen…

So nah und doch so fern“ ist ein etwas anderer Roman, fand ich. Es beginnt als Jugendgeschichte, ist aber so viel mehr. Daniel ist kein Jugendlicher mehr, er trägt die Erfahrung von Jahrhunderten mit sich. Aber die Erfahrung beschränkt sich rein auf das Erlernen von z.B. Sprachen und Musikinstrumenten, also Wissen. Trotz mehrere Ehen und Geliebten hat er scheinbar die Frau nicht verstanden – ebenso wenig wie seine Sophia. Das fand ich etwas seltsam, hat er doch über ein Jahrtausend gelebt, aber hält sich so auf Distanz zu ihr. Nun gut…

Ein Großteil des Buches sind Rückblicke, nicht nur aus Daniels Sicht. Daei ging es aber weniger um geschichtliche Ereignisse, sondern immer, wie Daniel Sophia sucht, sie verfehlt oder sie gerade so außerhalb seiner Reichweite bleibt. Das fand ich deprimierend, doch das Buch ließ sich einfach nicht zur Seite legen.
Ann Brashares hat einen Schwermut in die Geschichte gelegt, die es einem schwer macht, loszulassen. Genau wie Daniel irgendwie weiß, dass sein Leben mit Sophia überwiegend in seinem Kopf existiert, will man als Leser einfach nicht begreifen, dass die Geschichten enden.
Man wird gefangen in dieser Liebesgeschichte über die zwei Seelen.

Bei der Autorin liebe ich die Art von Erzählung, den Leser so lange auf die Folter zu spannen und dann mit einem Stolperschritt ins Rennen zu starten – auch diesmal ist es wieder so. An manchen Stellen hätte ich mir etwas mehr Dynamik gewünscht, vor allem weil die Geschichte riesige Sprünge (über mehrere Jahre sogar) macht. Also die Hauptgeschichte!

Das Buch ist ein Sommerroman, der nicht allzu leicht ist, aber doch eine herrliche Stimmung erzeugt. voller Liebe, Schmerz und Sehnsucht erfährt man, wie zwei Seelen sich über Jahrhunderte suchen und verfehlen und doch immer wieder zusammen finden.
Von mir bekommt das Buch dafür vier Sterne.

★★★★☆
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3 Gedanken zu “[Rezension] So nah und doch so fern

  1. Schön, dass dir das Buch auch so gut gefallen hat!

    Ich hatte mit dieser Stimmung im Buch auch gar nicht gerechnet, aber schlussendlich hat es gut zu den Charakteren gepasst. Und besonders gut haben mir ja die Rückblicke gefallen. Es war schon interessant Daniel durch die Jahrhunderte zu begleiten.

    Liebe Grüße, Melanie

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  2. Wie bei vielen Büchern musste man erst die Figuren kennen lernen. Daniel ist einem über die Jahrhunderte dann doch ans Herz gewachsen 😉 Ohne die Rückblicke wäre es eben nur halb so dramatisch geworden, das hat Ann Brashares wieder mal gut gemacht 🙂

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