[Privat] Warum das Lesen warten musste: Padmés Packing Gown

Der Juli war dann doch ein sehr mauer Lesemonat. Und das hatte einen sehr schönen Grund: Ich habe ziemlich jeden Abend kreativ gewerkelt. Thema war dieses wunderschöne Kleid von Senatorin Amidala alias Padmé aus Star Wars Episode 2: das Packing Gown.
Weil wir vergangenes Jahr die Tickets für die Celebration Europe gekauft haben, hatte ich mir etwas besonderes überlegt. Immer nur „in weiß“ (wie es in Insiderkreisen heißt) wollte ich nicht, mein zweites Kostüm in der Mache, einen imperialen Offizier, konnte ich aus Geldgründen nicht vollständig beenden.
Also sollte es nun das Kleid werden.

Vorletztes Jahr hatte ich mich bereits an einer Offiziers-Jacke versucht. Das misslang gründlich, denn wenn ich eines nicht kann, dann ist es Ärmel annähen! Diese Drecks+!(§%$&viecher wollten einfach nicht gerade gelingen.

Weil ich eine Freundin habe, deren Mutter Schneiderin ist, sah das Projekt diesmal realisierbar aus. Nachdem mein Herzblatt und ich jede Menge Bilder zusammengesucht hatten, wusste ich ungefähr, welche Stoffe und Materialien wir haben müssen.
Eine große Hilfe bei allem waren sowohl Tracys Anleitung als auch padawansguide.

Weil ich nur Anleitungen auf Englisch gefunden habe, und bis auf ganz wenige Ausnahmen alle nicht so ausführlich waren, wollte ich eine ausführliche Anleitung schreiben. Bzw. wie ich es gemacht habe und was ich alles beim nächsten Mal anders machen würde 😉

Die Stoffteile

Im März war dann glücklicherweise ein riesiger Stoffmarkt direkt vor unserer Tür, bei dem besagte Freundin und ich uns ins Getümmel stürzten um passendes Material zu finden. Damit ging es dann zu ihrer Mutter um Maße zu nehmen und die Bilder vorzulegen und endlich endlich mit etwas anfangen zu können.
Für den Rock habe ich grauen Stoff gefunden, der vermutlich überwiegend aus Polyester besteht. Er ist leider nicht matt, wie im Original, sondern hat einen glänzenden Stich. Ganz unten auf den Bildern sieht man das ganz gut, besonders in der Sonne. Alternativ hatten wir einen knitterigen Stoff, der etwas matter war, aber nur geringfügig. Der glänzende sah dann einfach irgendwie besser aus.
Insgesamt sind im Rock etwa 5 Meter Stoff vernäht (er ist auch ganz schön schwer). Der Rock liegt auf der Taille, und ist mit einem Reißverschluss verschlossen. Die Falten sind nur gelegt und dann festgenäht, gebügelt habe ich nichts.
Wir waren nicht sicher, ob Natalie Portman einen Reifrock darunter hatte, aber der Rock wurde schon von alleine sehr ausladend, weswegen ich keinen weiteren Unterrock brauche.
Darunter ziehe ich eine leichte, dünne Hose.

Für die Ärmel haben wir tollen grauen Gardinenstoff gefunden, der in so Rippchen glänzte, wie es auch im Original war. Allerdings war der Stoff so dünn (ist ja eigentlich für Gardinen gedacht), dass ich bei den Knöpfen am liebsten verzweifelt wäre….
Die Knöpfe wurden passend zum Ärmel nämlich bezogen. Leider hat die Knopfmach-Technik nicht so super funktioniert, weswegen ich ein wenig mit Kleber tricksen musste. Mehr als ein paar Mal auf und zu halten die Knöpfe sonst nicht aus, und das wäre ärgerlich, wenn etwas auf der Messer aufgeht.

Die Puff-Ärmel sind bei mir etwas kurz geworden, aber haben zwei gute Abnäher für die Ringe bekommen.  Mein Stoff ist etwas steifer und voluminöser als das Original.

Auf einigen Making-Off-Bildern sieht man, dass Natalie Portmann unter der Samtweste ein Oberteil trägt, das die Ärmel hält. Der Stoff ist der gleiche wie der Rock. Wir haben es genauso gemacht.

Weil die Lucas’sche Kostümschneiderei gerne extravagant ist, ist die originale Samtweste aus Samt mit Farbe Kohle. Also kein Grau und kein Schwarz. Weil es diesen Stoff irgendwie nur in Pannesamt (also fleckig) gibt, haben wir schwarzen reinen Samt genommen. Klar, der Schimmer ist etwas anders, aber irgendwo hat die Liebe zum Detail auch ihre Grenzen. Wir haben auch keine Corsage eingenäht, wodurch es nicht so mörderhauteng sitzt wie bei Natalie Portmann.

Wenn man wirklich wirklich genau am Original bleiben will, braucht man definitiv mehr Geduld bei der Suche nach den richtigen Stoffen…

Die Stickerei

Kurz nach dem Stoffmarkt (am 13. April war der erste echte Stich 😉 ) habe ich die Brust-Stickerei angefangen. Links habe ich euch den kompletten Prozess in Zwischenschritt-Bildern zusammengefügt. Leider gab es als Vorlage nur ein High-Res-Shot vom oberen Teil und nur noch unscharfe Bilder vom unteren Ende. Da musste ich mir also ein bisschen was zusammenreimen. Die blauen Perlen hat man zum Glück erkannt. Dieses Bild war so ziemlich das beste, was ich bekommen konnte.

Das Größenverhältnis haben wir angepasst. Bei Padmé geht es ungefähr  von unterhalb des Schlüsselbeinknochens bis zum Bauchnabel. Also haben wir das bei mir auch so angelegt. Mein Herzblatt hat mir ein Schnittmuster gemacht, das ich ausschneiden und anmalen konnte (s. erstes Bild links). Daran konnte ich alle Größenverhältnisse festmachen und auch die kleinen Quadrate mittendrin richtig einplanen.
Es ist sinnvoll, vorher die Ränder aufzunähen (s.2. Bild links), weil Kreide nicht sehr lange hält und der Rand so über die vielen Wochen Bearbeitungszeit sichtbar ist. Mit etwas gröberem Garn, das zum groben Vornähen geeignet ist und sich anschließend gut lösen lässt, habe ich die Perlenteile oben und unten gekennzeichnet, den späteren Außenrand und die mittleren Quadrate (man sieht im dritten Bild links, das ich dadurch gut drumherum sticken konnte). Die Orientierung war also gesichert.

Als Basis habe ich blauen Jeans-Stoff genommen. Im Original war der wohl etwas grauer, aber ich habe es ingesamt blauer gehalten. Der Stick-Faden ist ebenfalls hellblau, Richtung grau (sieht man oben links auf dem Bild ganz gut). Die weißen Perlen sind matt, die kupfernen Perlen sind gemischt matt und glänzend. Die türkisen Perlen sind glänzend und vollfarbig. Bei den kuperfenen und weißen Perlen habe ich die gleiche Größe genommen, die türkisen Perlen sind etwas größer.

Die weißen viereckigen Perlen sind eigentlich Perlmuttfarben, aber die Rückseite war glänzend weiß. Das passte zufällig 🙂

Die Sticktechnik nennt sich Kettenstich. Auf dem hochaufgelösten Bild in „Dressing a Galaxy“ ist das gut sichtbar. Alles, was hell aufgestickt ist – und auch der Goldfaden – ist mit dieser Technik aufgestickt. Es gibt bei Google einige Beispiele, wie man es anders machen kann. Aber wenigstens hierbei wollte ich so nah am Original bleiben wie möglich!
Eigentlich wurden alle Perlen normal aufgestickt, aber besonders bei den Perlen, die in einer Reihe liegen, habe ich noch einmal den Kettenstich durchgezogen. Das hat besonders bei dem Kopfteil einen schönen Effekt gehabt.

Das Muster ist übrigens nicht ganz klar vorgelegt. Es gibt bei den Ausstellungskleider Unterschiede zum Filmkleid, denn für eine Modenschau wurde eine weitere Version angefertigt. Es gibt Fotos von drei oder vier verschiedenen Modellen, die alle zunehmend ungenauer werden. Da wurde sehr hastig und schlampig etwas zusammengestickt. Schade eigentlich…

Bei den aufgefächerten blauen Perlenstickereien oben und unten wurde schwarzer Netzstoff untergelegt. Man sieht auf sehr hochaufgelösten Bildern, dass der Untergrund etwas anders ist als der Mittelteil, deswegen habe ich schwarzes Netz druntergelegt. Im Original sind die Löcher angerundert, ich habe nur klassisches viereckiges Netz gefunden. Man muss aber schon sehr nah herangehen, um den Unterschied zu sehen, bzw. überhaupt etwas zu sehen.

FERTIG!

Bei der Umrandung hat mich Tracy auf die grandiose Idee gebracht, einfach einen Schnürsenkel zu nehmen. Weil dunkelbraun irgendwie immernoch zu hell war, habe ich den Senkel mit schwarzem Akrylwasser etwas dunkler gefärbt. Man sieht den Unterschied natürlich ohne Vergleich kaum, aber mir gefiel es etwas besser.

Angenäht habe ich das Stickteil mit Druckknöpfen. Im Original wurden Haken und Ösen verwendet, wie man auf einigen High-Res-Bildern erkennen konnte, aber da ich nicht weiß, wie die Weste verschlossen wurde, habe ich dann nur noch Druckknöpfe genommen. Damit hat die Weste sich auch gut halten lassen… die Häkchen haben das nur mittelmäßig geschafft oder sind bei einer unglücklichen Bewegung aufgegangen.
Ich habe auch den Verdacht, dass die Stickerei bei Padmé bei den Dreharbeiten einfach festgepinnt wurde. Da bewegt sich ja nichts bei ihr… nirgendwo -.-

Der Kopfschmuck

Ziemlich unter Zeitdruck habe ich dann zwei Wochen vor der Celebration noch den Kopfschmuck angefangen. Auch hier habe ich mich gut an die Vorlage von Tracy halten können.
Auf diesem Bild sieht man gut, dass es drei Plättchen sind, die mit verschnörkeltem Schmuck verziert wurden. Also habe ich drei Plättchen aus Alu geschnitten (welches ich auch für die Armringe genommen habe) und mit FIMO die Verziehrung gemacht (ich Depp schön nicht spiegelverkehrt, aber egal, ich muss eh einiges neu machen).
Das FIMO ist silber, aber ich habe alles noch mit Acrylfarbe lackiert. Das Türkis habe ich gemischt, weil genau diese Farbe im Laden ausverkauft war.

Der eigentliche Plan war auch, eine braune Perücke mit braunen Haarteilen zu machen (s. rechts). Aber die Perücke saß erstens nicht, sah furchbar aus und war kaum alleine aufzusetzen. Also habe ich blonde Haartressen gekauft, und blonde Haarschnecken gemacht. Für die Celebration muss der erste Versuch reichen, für kommende Events werde ich definitiv noch einmal richtig tolle wunderschöne Haarteile machen. Aber jetzt reichte die Zeit leider gar nicht mehr.

Zunächst habe ich weißen Filz zusammengenäht (in Bild noch die zuerst gedachten braunen Bananen, die natürlich fertig waren bevor wir die Perücken-Problematik festgestellt haben) und mit Füllwatte gestopft. Daran habe ich innen die Tressen genäht und dann die Haare herumgewickelt. Die Haare sind jetzt 60cm lang, aber selbst bei doppelter Lage noch zu dünn und zu kurz, weswegen ich beim zweiten Versuch wohl eher 100cm nehmen werde. Die Qualität dieser Tressen war richtig gut (für die Zwischenlösung musste ich leider recht billige blonde Tressen nehmen), dort werde ich wieder einkaufen.
Es gibt wohl bei Maskenbildnern so eine Art Modelierschleim, der wie Schaumfestiger und Haarspray zusammen funktioniert, das muss ich mir unbedingt holen.
Die erste Seite wurde natürlich nicht so gut wie die zweite Seite, und ich habe viel geklebt und geflucht (und Finger verklebt). Wie gesagt versuche ich nach der Celebration noch einmal mein Glück. Beim nächsten Mal werde ich auch keinen Filz mit Füllwatte nehmen, sondern Schaumstoff, wie auch Tracy das schon vorgeschlagen hat.

Mitten während des Haareumwickelns habe ich auch festgestellt, dass man die Haare einfach mit tonnenweise Gel einschmieren muss. Dann sitzen sie. Nun gut, man lernt nie aus. Beim nächsten Mal wird es also besser.

Die Bananen sind zusammengefügt mit einem Haarreif, den ich unter meinen eigenen Haaren verstecke. Oben drüber ist ja auch noch ein Kettchen, das den Schmuck vorne verbindet. Das habe ich mit einem Miniaturhäkchen oben am Haarreifen befestigt.
Leider hielten die Ringe an den Plättchen echt gar nicht, weswegen ich wohl doch nicht um ein Loch herumkomme. Weiß der Geier, wie die das in der Szene im Film festgetaped haben.
Damit die Plättchen aber an den Ohren und der Stirn halten, habe ich hinter das Stirnteil eine Art Broschenhalterung geklebt,  die auch ganz gut hielt bisher. Die Ohrteile sind mit Haken wie eine Brille ans Ohr geklemmt.

Bei der fast vollständigen Anprobe des Kopfschmucks fiel mir auf, dass man den Haarreif leider sehr sieht und die Bananen nicht sonderlich gut anliegen. Aber was solls… vielleicht geht ja was kaputt auf der Messe 😉 😛

Die Armringe

Am heftigsten waren die Armringe. Natalie Portmann trägt die so locker flockig am Arm, aber das waren immerhin ACHT miese, blöde, schneidende, kopfschmerzverursachende Alu-Ringe, die ich in Handarbeit gekloppt habe. Als Material habe ich 0,3mm dickes Aluminium genommen.
Das Muster ist recht einfach. Es wiederholt sich einfach immer wieder, ohne irgendwelche Änderungen. HIER sieht man eine gute Vorlage.

Nach dem Umbiegen vom Rand habe ich das gesamte Muster aller acht Ringe per Hand mit einer Schraube und einem Hammer reingeplöppelt. Mein Daumen war mehrere Tage an der Kuppe taub, so heftig musste ich festhalten 😦
Aber was tut man nicht alles für das perfekte Kostüm.

Weil durch reines Stanzen ja die Tiefe nicht entsteht, habe ich die Ringe anschließend mit schwarz-silbernem Akryl angemalt. Dadurch entstand ein schöner Effekt. Die türkisen Punkte sind keine Perlen, sondern ebenfalls Farbe.

Das Alu ließ sich nicht sonderlich gut biegen. Bei einem eigenen Versuch kann ich nur raten, vorher die Kanten abzubiegen und anschließend nichts mehr umzukanten, weil man dann eine schöne Rundung hinbekommt. Als Werkzeug habe ich eine ganz normale Zange genommen. Bei dünnem Alu muss man nur aufpassen, dass man keine unschönen Kratzer macht.

 —

Jetzt kann ich nur hoffen, dass nicht jemand auf der Messe genau DIESES Kleid auch anhat – und besser aussieht damit 😉

Die Zwischenstände zeigen schön die Entwicklung. Auf dem ersten Bild habe ich noch nicht meine mörderhohen Schuhe an, auf dem zweiten ist der Rock abgenäht und ich habe hohe Schuhe an. Hoffentlich kann ich damit überhaupt lange genug laufen ^^

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2 Gedanken zu “[Privat] Warum das Lesen warten musste: Padmés Packing Gown

  1. Du hast dir wahnsinnig viel Arbeit gemacht, die sich auf jeden Fall gelohnt hat!
    Besonders das Stickteil mit den vielen Perlen sieht wunderschön aus.
    Ich bewundere dich für deine endlose Geduld, auch wenn einiges nicht gleich beim ersten Mal funktioniert hat, wie du es gerne wolltest.
    Das Kostüm ist echt toll gelungen, aber gerne würde ich doch auch nochmal die Schuhe sehen, die du dazu getragen hast. Mörderhoch hört sich doch echt spannend an… 😉

    Liebe Grüße,
    Ramona

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  2. Hi Ramona,
    die Schuhe waren leider total der Flop, nach einer halben Stunde war mir richtig schlecht vor Schmerz. Ich hab dann Turnschuhe angezogen, was natürlich total deppert aussah.

    Ansonsten kam das Kostüm aber echt richtig gut an. 🙂

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