[Rezension] Wenn die Nacht in Scherben fällt

Wenn die Nacht in Scherben fällt – Anika Beer
cbj
Klappenbroschur, Mai 2013
416 Seiten
ISBN: 978-3-570-40202-3

12,99 €

Seine eigenen Traumwelten erschaffen zu können, wer wünscht sich das nicht? Nele kann das, sie kann aktiv ihre Träume gestalten – doch manchmal möchte sie auch einfach nur normal träumen.
Nach dem Umzug von München in eine kleine Ortschaft träumt Nele von einem seltsamen Jungen, Seth, der ihr eine Welt hinter ihrem Traum zeigen will. Doch etwas hält Nele ab, und sie zieht sich in die wache Welt zurück.

In der neuen Schule lernt Nele den stillen Jari kennen, der sich als vertrauensvoller Freund erweist. Nele würde ihm gerne ihre Träume anvertrauen, denn Seth ist aufdringlicher geworden. Doch plötzlich verschwindet Jari, und Seth taucht in der wachen Welt auf.
Mit aller Kraft versucht Nele, ihren Freund zu retten. Dabei stellt sie fest, dass die Traumwelt Risse bekommt – welche die wache Welt empfindlich bedroht. Nele scheint die einzige Hoffnung zu sein…

Wenn die Nacht in Scherben fällt“ ist das zweite Jugendbuch der noch jungen Autorin Anika Beer. Wieder erschafft sie eine gigantische Welt, die einen beim Lesen fesselt.
Ähnlich zu „Als die schwarzen Feen kamen“ wird man sofort am Anfang in die andere Welt eingeführt, diesmal die Traumwelt. Es ist eine interessante Vorstellung, dass wir im Schlaf überwacht werden.
Die Wächter der Träume sind, wie sollte es anders sein, Katzen, bzw. Wesen, die bei Tag Katzen sind. Beer hat sich dabei ausgedacht, dass jeder Träumer eine Art Kammer hat, aus der er nicht ausbrechen kann und wo er überwacht wird. Doch Nele ist eben anders, sie kann zum einen ihre Kammer so gestalten wie sie das möchte, und zum anderen die Kammer verlassen. Der Leser erfährt, dass das bereits einmal schief gegangen ist.
Weil Nele wirklich und absolut sie selbst ist (wie auch sonst, wenn man nicht von einem anderen Ich träumen kann), zieht sie sich individuell an und hat bunte Haare. Als sie sich selbst zu Anfang der Geschichte beschreibt, wurde sie mir sehr symphatisch. Sie ist nicht individuell auf eine rebellische Art, sondern eher auf eine ehrliche Art, die man einfach mögen muss. Sie vertraut nicht jedem, sondern sucht sich Freunde sehr genau aus.

Jari ist genau der Gegenpol. Er ist nicht er selbst, er versucht so unsichtbar wie möglich zu sein. Bevor er verschwindet hätte ich ihm und Nele gerne so viel mehr Zeit gegeben, an dieser Stelle war es mir zunächst nicht ganz begreiflich, warum Nele alles daran setzt, ihn wiederzufinden. Doch je weiter die Geschichte voranschreitet, desto deutlicher werden die Handlungsgründe.

Die Schreibweise des Buches ist wieder ziemlich eindringlich. Beer schreibt flüssig, rund und warm. Ihr Sätze sind nicht kompliziert verschachtelt und lassen einen nicht stocken.
Wenn die Rede von dem Nachtglas war, wurde es beim Lesen förmlich dunkel um mich. Ich hatte Angst zu fallen, Angst vor der Dunkelheit, Angst vor der Zerstörung. Sowas schwört Anika Beer herauf…
Auf der weiten Wiese dagegen (ich fühlte mich erinnert an „In meinem Himmel„) spürte ich den Wind und die Weite. Durch einfache Sätze und wunderbar bildhafte Erklärungen tauchten diese Empfindungen auf.

Es gibt wenig Nebenschauplätze. Seth hat seinen einen kleinen Handlungsstrang, der aber keineswegs verwirrt, sondern die Spannung deutlich erhöht.

Die Brutalität, die mich im ersten Buch etwas schockierte, war auch in diesem Buch nicht gering, aber auf eine weniger blutige, mehr unterschwellige Art. Die Menschen werden ihrer Träume beraubt, laufen wie Zombies durch die Gegend. Jari wird von Kindern auf dem Spielplatz angegriffen – bei dieser Szene hatte ich richtig Panik. Jari ist verwirrt und gehetzt und weiß nicht, was passiert.
Wieder ist Anika Beer nicht zimperlich und gnadenlos ehrlich in den Formulierungen. Wenn jemand Blut sehen muss, dann ist das halt so.

Dem neuen Titel gebe ich wieder 5 Sterne, weil das Buch mich gefesselt hat und ich noch viel mehr über Nele und die Traumwelt lesen möchte!!!

★★★★★

Weitere Bücher der Autorin:
– Als die schwarzen Feen kamen (zu meiner Rezension)
– Die Blutgabe (als Franka Rubus)
– Unberührbar (als Franka Rubus)

Auf der Buchmesse habe ich ein Interview mit der Autorin geführt.
Und Anika Beer war zu Gast in meiner Themenwoche, mit einer Gastrezension, einer persönlichen Vorstellung und einem weiteren langen Interview.

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2 Gedanken zu “[Rezension] Wenn die Nacht in Scherben fällt

  1. Ich hatte damals überlegt mir „Als die schwarzen Feen kamen“ zu kaufen, mich dann aber doch dagegen entschieden. Das Buch lässt mir aber immer noch keine Ruhe, deswegen bin ich auch sehr gespannt auf deine Rezension zu ihrem neuesten Werk gewesen.
    Deine Empfindungen während du das Buch gelesen hast und auch das Thema Träume hört sich wieder so gut an, dass ich nun wohl doch ihren Debütroman und anschließend auch dieses Buch lesen werde!

    LG Anni

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  2. Hi Anni,
    Anika Beer kann ich dir nur sehr ans Herz legen. Für „Als die schwarzen Feen kamen“ haben ich ja sogar zwei Rezensionen hier, wenn dir bei beiden Sachen auffallen, die dich zum Buch verlocken, solltest du es wirklich mal lesen 😉

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