[Rezension] Das Meer, in dem ich schwimmen lernte

Das Meer, in dem ich schwimmen lernte – Franziska Fischer
Amelie im Schwarzkopf&Schwarzkopf Verlag
Taschenbuch, 2013
271 Seiten

ISBN 978-3-862652556

9,95 €

Nach der Schule nehmen sich viele ein Jahr Auszeit. Um sich zu finden und um zu erfahren, wohin es einmal gehen soll im Beruf. Ronja verpasst das. Sie lebt einfach so, lebt in den Tag, vergisst sich.
Eines Tages schlägt ihr Vater vor, sie sollte eine Reise machen, am besten in ein unbekanntes Land. Und Ronja reist nach Mexiko, wo sie wirklich nichts und niemanden kennt.
Doch aus der Länderreise wird ein Aufenthalt in einem Dorf, und aus einer flüchtigen Bekanntschaft wird Freunschaft. Und aus einem Kauf bei einem Schmuckhändler wird eine zarte Liebe…

Das Meer, in dem ich schwimmen lernte“ ist ein interessantes Buch. Es vermittelt den Eindruck einer unterhaltsamen Lektüre über eine junge Frau, die Abenteuer in Mexiko erlebt. Aber das ist nicht so. Man lernt die Hauptfigur Ronja nach und nach kennen, ebenso wie sie sich selbst kennen lernt. Man lernt die Landschaft lieben, spürt durch sehr innige Sprache und tiefgehende, verschachtelte Formulierungen den heißen Wind und die Sonne. Man wird beim Lesen förmlich in den Roman mitgenommen und kann nur schwer das Buch beiseite legen. Das war hin und wieder anstrengend, besonders zu Beginn. Zum Ende hin war ich aber so gefangen in Ronjas Gedanken, dass ich das Buch nicht mal beenden wollte. Oder am besten selbst gleich nach Mexiko fahren.

Stück für Stück entwickelt der Leser ein Verständnis für das Ausmaß an Einsamkeit, in dem Ronja vorher gelebt hat. Der Prolog wirkt beim ersten Lesen seltsam, einleitend, aber ohne Bezug zu der Ronja in Mexiko, die man danach kennen lernt.
Ronja ist nicht spontan. Sie trägt ihr Los, könnte man meinen. Und auf einmal ist da keiner, der ihr etwas vorschreibt und sie macht etwas Unerwartetes. Bleibt in dem kleinen Dorf, obwohl sie doch  durch das Land reisen wollte.

„Das Meer, in dem ich schwimmen lernte“ ist kein Buch für ein paar schnelle Lesestunden. So langsam wie Ronja das Leben erfährt muss man mit ihr lernen, die Sätze auskosten und schmecken. In jedem Satz ist ein gewisser Zauber und Neugier, dass das Buch zwischendurch zwar zu schwerer Kost wurde, aber nie weniger faszinierte.
Das Lesen dauerte also etwas länger, war aber eine wunderbare Erfahrung. Selten habe ich so ein einfühlsames Buch gelesen, das gleichzeitig so voller Liebe, Wärme und Entdeckung steckt.

Dem etwas anderen Buch voller Gefühle und Abenteuern, die nicht durch spannende Klettertouren oder Spannung erzeugt werden, gebe ich vier Sterne.

★★★★☆
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