[Rezension] Die einen sagen Liebe, die anderen sagen nichts

Die einen sagen Liebe, die anderen sagen nichts – Susann Pásztor
KiWi Verlag
Taschenbuch, 2013
244 Seiten

8,99 €

Warum auch immer sie sich dafür entscheidet: Mila macht sich auf zu einem Schweigeseminar. Dass sie dort Simon kennen lernt, mit dem sie drei Tage in einem Hotelzimmer verbringt, hätte sie auch nicht gedacht.
Doch die drei Tage sind viel zu schnell vorbei, und vom Seminar hat Mila auch nur mitgenommen, dass sie ihren Eltern nicht verzeihen kann. Simon und Mila haben eigentlich beschlossen, einfach auseinander zu gehen, ohne Nummern, ohne Nachnamen.
Aber geht das? Kannst du jemanden so nahe an dich lassen, und dann abrupt abstoßen?

Lieber erst gar nicht was wollen, das reduziert die Fallhöhe. Man kann nicht scheitern, wenn man nichts will.“ (S.200)

Diese recht dünn amutende Buch beginnt mit einem Gedankenschwall von Protagonistin Mila. Sie ist auf einem Schweigeseminar, und lenkt sich durch Gedankengespräche ab. Das fand ich sehr witzig und geistreich, vor allem ihre Ideen, wie sie die Stille umgehen will und doch eigentlich das Atmen fokussieren soll.
Das Vorwort verrät bereits, dass Mila auf der Suche nach Simon ist, aber während des Seminars wird darauf kein Bezug genommen? Wann lernen sich die beiden kennen?
Schön fand ich Milas Umschreibungen, und wie das Seminar sie verändert hat (ist ja meistens so, dass man nach 48 Stunden total beeindruckt von etwas ist 😉 ).
Leider ist dieses Seminar viel zu schnell rum. Trotz der dünnen Buchdicke hatte ich erst ein paar Seiten gelesen, und dachte „das war es jetzt schon? Worum geht es denn weiter hinten???“.
Dann kam Simon ins Spiel, und er und Mila verschwanden im Hotelzimmer. Dort verliert die Sprache ihre Gültigkeit. Es werden kurze Sätze gebildet, sich simpel unterhalten oder einfach ver geschwiegen. Mila ist sich in dieser Situation total sicher, aber nach den drei Tagen Liebe wird sie in ihre altes, kaltes Leben katapultiert und kommt damit nicht mehr klar. Sie hat wunderbare, warme, freundliche Liebe kennen gelernt und möchte nicht mehr einsam sein. Absolut nachvollziehbar.
Der Leser lernt dann ihren Bruder Marek kennen, von dem Mila bereits viel erzählt und ihn erwähnt. Ich mochte Marek, und wie Mila ihn beschreibt. Sie merkt es selbst nicht, liebt ihren Bruder aber sehr.
Diese Szenenwechsel waren etwas krass. Vom Schweigeseminar zum Hotel zur Einsamkeit zu Marek waren es vier tolle Situationen, aus denen man hätte mehr machen können. Auch wenn Mila sich dabei entwickelt, fand ich die Fäden jedoch nicht gut verknüpft.

Das Ende des Buches war so ein „WTF?“ Moment, hart ausgedrückt. Ganz ehrlich, das hatte für mich grad gar nichts mit der Geschichte zu tun und wirkte, als müsste die Geschichte irgendwie schnell zufriedenstellend enden. Aber ich war nicht zufrieden. Dieses abrupte Ende hat für mich leider die schöne Geschichte irgendwie ein bisschen kaputt gemacht.
Mila habe ich nicht ganz verstanden. Wenn ich meinte, zu wissen was sie tut, hat sie wieder eine Wendung gemacht. Um sie vernünftig kennen zu lernen war die Seitenzahl dann doch nicht ausreichend…

…aber ich kenne Mareks Eistellung zu meiner Weigerung, Karriere als Künstlerin zu machen, mein geld zu vermehren oder wenigstens beim Nichtstun gut auszusehen…“ (S.200)

Dennoch blieb das ganze Buch über ein sehr schöner Schreibstil. Mila erzählt, Anführungszeichen werden nicht benutzt. Die Formulierungen sind direkt, Mila wählt teilweise tolle Vergleiche und manchmal waren die Sachen so dermaßen einfach auf den Punkt gebracht, dass ich am liebsten tausend Zitate aufgeschrieben hätte. Schön fand ich dieses hier:

Wenn ich an die Tage mit dir denke, werde ich immer denken: wir beide. Und ich bin so froh, dass wir den Mut hatten, uns zu erfinden.“ (S.150-151)

Ich schwanke bei der Bewertung nun zwischen drei und vier Sternen… Netterweise gebe ich mal vier, weil ich mich überwiegend beim Buch amüsiert habe. Meine Kritik habe ich ja aufgeführt 😉

★★★★☆

Vielen Dank für dieses Exemplar an 
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und

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