[Rezension] Ich lebe lebe lebe

Alison McGhee – Ich lebe lebe lebe
dtv Roman
Taschenbuch, 2012
157 Seiten

12,90 €

Wenige Monat ist es her, dass der schreckliche Unfall geschah. Ivy fuhr, Rose saß auf dem Beifahrersitz. Winter war es, als der blaue Truck um die Kurve geschossen kam und nicht mehr ausweichen war. In den Adirondacks erlitt Ivy so schwere Verletzungen, dass sie nun im Koma liegt.
Rose nicht. Rose ist gesund. Äußerlich. Innerlich ist sie genauso gelähmt wie ihre Schwester, die dort im Bett im Krankenhaus liegt und schläft…

Ein kurzer Roman über ein heftiges Thema ist „Ich lebe lebe lebe„. Rose hat den Unfall überlebt, und wie man das immer hört, wenn jemand überlebt und der andere im Auto nicht (oder nicht vollständig), macht der Gesunde sich Vorwürfte. Rose hat das Gefühl, sie dürfte nicht mehr weiterleben, müsste genauso stagnieren wie ihre Schwester im Krankenhausbett. Also fährt sie jeden Nachmittag hin, sitzt stundenlang bei ihrere Schwester und lebt nicht.
An ihrer Seite hat sie einen Nachbarn, der schon früher für sie und ihre Schwester da war, weil ihre Mutter nicht mehr dazu in der Lage ist. Sie arbeitet viel, zieht sich zurück – und hat Ivy so gut wie nie besucht. Rose fühlt sich verpflichtet, für alle da zu sein, doch der Nachbar, William T., unterstützt sie. Und versucht, das junge Mädchen ein bisschen aus dieser Verpflichtung herauszuholen.

Rose sucht sich eine Art, mit dem Schmerz in ihrem Inneren umzugehen. Dass sie damit andere verletzt, erkennt sie erst später. Die Art, wie die Autorin das anreißt und doch nicht beschreibt, fand ich faszinierend. Dadurch, dass Rose einzelne Details nennt, denkt man sich selbst den Rest, und wird doch nicht alleine gelassen beim Lesen.

Im Gesamten fand ich die Idee gut, auch fand ich die Ansätze wieder, die die Autorin im Nachwort beschreibt (warum sie das Buch geschrieben hat). Allerdings fand ich die Geschichte zäh und langsam, was natürlich zur Thematik passt, mir aber nicht so gefiel. So direkt weiterempfehlen möchte ich das Buch also nicht. Wer selbst schon einmal einen Verlust erlitten hat, bei dem es einen selbst hätte treffen können, findet sich hier wieder. Wer jemanden kennt, den es fast getroffen hätte, findet hier den Inhalt wieder. Aber für mich, die weder jemanden kennt noch selbst knapp verschont wurde, war es schwer zu lesen und schwer, mich damit zu identifizieren.

Als subjektiven Leseeindruck kann ich also nur drei Sterne vergeben. Nicht für den Inhalt und die Thematik, sondern für die Umsetzung und schleppende Erzählung.

★★★☆
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