[Rezension] Wen küss ich und wenn ja, wie viele?

Wen küss ich und wenn ja, wie viele? – Mara Andeck
Boje, Bastei Lübbe
Hardcover, 2013
239 Seiten

12,99 €

Lilia ist 16 Jahre alt, und hat weder Freunde, die für sie eine Überraschungsparty schmeißen, noch den einen Freund. Also einen, der sie küsst. Und dabei wäre Jakob einfach der Traumtyp schlechthin – küssen kann er bestimmt auch super!
Passend zu einem Bioreferat startet Lilia einen Versuch, endlich ihren Kuss zu bekommen. Dafür wird gebalzt, getanzt, gelogen und Herzen gebrochen. Denn während Lilia Benny auserkohren hat, ihr erstes Testobjekt zu sein, möchte eigentlich Tom gerne der Herzensbrecher sein. Und Jakob kann das wirklich nicht auf sich sitzen lassen… dabei hängt doch Vicky permanent an seiner Seite.
Und Dana und Florian sind sich auch nicht grün. Zumindest würde das aus biologischer Sicht ihr Verhalten erklären.
Lilia hält alles punktgenau in ihrem Tagebuch fest. Von der Idee zum Gefühlschaos…

 Richard David Precht hat mir persönlich nicht so gut gefallen. Dass wir heute noch das Verhalten aus der Steinzeit anlegen ist denkbar, aber überwiegend unglaubwürdig. Und dass Tierverhalten sich auf uns übertragen lässt, umso mehr.
Was Mara Andeck aber aus diesen Überlegungen gemacht hat, ist wirklich herrlich. Teilweise musste ich herzhaft lachen, weil sie Lilia so niedlich darstellt. Voller Überzeugung geht diese 16-jährige an die Jungs heran, dass diese nur Balzen wollen. Großartig!

Die Sichtweise ist sehr einseitig aus Lilias Tagebuch geschildert. Zur Auflockerung gibt es allerdings Einschübe von Tom, der Mails an seinen Bruder schreibt, wodurch manche Situationen aufgeklärt werden.

Natürlich gibt es zig Missverständnisse, und schöne wie traurige Momente. Die Figuren sind sehr klar ausformuliert, und die Familie natürlich chaotisch wie sie im Buche steht. Die arbeitswütige, erschöpfte Mutter, der hilflose Vater und die kluge kleine Schwester geben mit dem großen, toughen Bruder und der witzigen Pubertierenden eine klassische Mischung ab.
Wie viele Teenager muss Lilia natürlich alles alleine machen, weil ihre Eltern das nicht gebacken bekommen, und fühlt sich total missverstanden. Ich konnte das total nachvollziehen, auch wenn ich nicht mit Geschwistern aufgewachsen bin. Irgendwann ist man in einem Alter, da meint man, alles besser zu können. Dass Lilia ihre Eltern nicht nach biologischer Betrachtung bewertet, hat mich allerdings gewundert. Während sie das Verhalten der Jungs identifiziert, bleibt ihre Familie unbeobachtet.

Was Lilia sich ausmalt, und was ihre Freunde eigentlich denken, ist wunderbar dargestellt. Gespannt konnte ich das Buch kaum zur Seite legen – es ist auch einfach und locker geschrieben.

Das Geschichte ist auch nicht beendet. Das Ende ist noch undeutlich, und ein zweitere Band wird für diesen Herbst angekündigt. Na, da bin ich gespannt.
Volle Punktzahl für dieses erfrischende, humorvolle Buch.

★★★★★
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