[Rezension] Das Geheimnis der Maurin

Das Geheimnis der Maurin – Lea Korte
Knaur Verlag
Taschenbuch, Dezember 2012
573 Seiten

9,99 €

Teil 2 des historischen Epos‘ um die Maurin Zahra!

Ende des 15. Jahrhunderts: Die maurische Familie as-Sulami, mit Zahra und ihren Kindern, ihrem Geliebten Jaime und einigen Bediensteten, sind noch immer auf der Flucht. Weg von Granada, weg von den das Land übernehmenden Christen.
Doch sie kommen nicht weit, denn berittene Soldaten greifen die Gruppe an und verschleppen Zahras Tochter Chalida.
 
Den Fliehenden bleibt nicht anderes übrig, als nach Granada zurückzukehren. Die Situation soll sich dort entspannen, doch für die Mauren wird es nicht besser.
Während die Jahre vergehen, verändern sich nicht nur die Umstände, sondern auch Sichtweisen…

Lea Korte schafft es nicht nur, Bücher zu schreiben bei denen man gar nicht mehr aufhören kann, sondern auch wahnsinnig mitfiebert. Es gab duzend „OchnöOchnöOchnö!“-Momente – so viele, dass ich der Autorin zwischendurch wutentbrannt eine Nachricht bei Facebook schreiben musste und im Anschluss meinen Freund noch die halbe Nacht mit Gesprächen über Inquisition und blöde, aufregende Handlungen wachgehalten habe.
Also aufregende Handlungen im Sinne von „Hallo? Wie kann sie das der Figur jetzt antun? Ist die noch bei Sinnen? Das kann sie doch nicht machen?!“

„Das Geheimnis der Maurin“ beginnt mit einer kleinen Entführung, die sich zu einer großen Geschichte ausdehnt. Die as-Sulami-Familie wird dabei stets von mehreren Seiten bedroht: von den neuen katholischen Herrschern, alten Feinden und dem immerwährenden Streit der Religionen. War es zu Beginn der Liebe zwischen Zahra und Jaime kein Problem, dass sie unterschiedliche Götter anbeten, wissen die Kinder nicht immer, wem sie nun vertrauen sollen. Sie sind Muslime? Oder Christen? Wer ist Nichtgläubiger und was ist richtig?

Was geht nur in den Köpfen der Christen vor? Ihre Wissenschaft kann der unseren nicht das Wasser reichen, und dann wollen sie eine solche geballte Masse an Wissen verbrennen?“ (S. 308)

Christen (vor allem Katholiken) sind in der Geschichte teilweise nur furchtbar brutal und nervig, und als sie in der Handlung auch noch rücksichtlos und idiotisch versuchen, die Muslime zu unterdrücken, war ich einfach nur noch sauer.
Dass das auch noch ein historischer Roman ist, macht alles nur schlimmer – denn solche schrecklichen religiösen Vorfälle gab es ja wirklich!
Zu gerne hätte ich das Buch in die Ecke geworfen oder sogar drauf rumgetrampelt. Aber das hätte weder die Handlung noch die Geschichte geändert oder meinem Lesefluss gedient ^^

Interessanterweise habe ich alleine aufgrund des Namens der Autorin meine aktuelle Abneigung gegen fast alle historischen Romane abgelegt und mich auf das Buch gestürzt. Ja, zu Anfang war es etwas schwer, wieder in die Geschichte hineinzukommen, weil so viele arabische Begriffe und Namen fielen, die Familie außerdem sehr groß ist und die Geschichte ziemlich an den Vorgängerband anschließt.
Nicht zuletzt der tolle Schreibstil hat aber dazu geführt, dass ich das Buch dann einfach nicht mehr aus der Hand legen konnte.

Nachdem die beiden Männder sich gewaschen und Raschid, wie es die Sitte vorschrieb, sich den Mund ausgespült hatte, rief dieser die Familie zum Essen.“ (S.256)

Hin und wieder fand ich die muslimischen Sitten ein bisschen zu deutlich erklärt. Die Handlungen der Figuren in ihrer Tradition hätte ein bisschen selbstverständlicher ausgeführt werden können, aber das ist eben die Note der Autorin 😉

Man kann es gut finden oder nicht, aber ich fand Zahra sehr bockig. Natürlich habe ich ihren Standpunkt verstanden, und konnte durch die häufigen Gedanken von ihrer Seite und Ausführungen darüber auch ihre Gefühle nachvollziehen, aber ich hätte sie ein weniger nachgiebiger gemacht. Jaime ist ein toller Held, und er liegt seiner Frau zu füßen. Nicht mal nach der Zwangstaufe möchte sie ihn heiraten, obwohl das vieles vereinfachen würde – nein, Zahra tritt mit Händen und Füßen seine Versuche, es für sie und die Familie sicherer zu machen. Stattdessen wird sie krank und weißt einfach alles von sich.

Umrahmt wird das Buch wie auch beim letzten Mal mit einer Personenliste zu Beginn (zum Glück ohne Sterbedaten) und einem Glossar, sowie Karten und einem Stammbaum im Anhang.

Was könnte ich anderes, als dem Buch ebenfalls 5 Sterne zu geben? Ein großartiger historischer Roman, der die Geschichte der Mauren vertieft, anschaulich wiedergibt und sehr lesenswert ist.
Lea, bitte schreib noch mehr über die maurische Familie!

Weitere Bücher der Autorin:
– Die Nonne mit dem Schwert (Rezension)
– Die Maurin (Rezension)
– Sommernacht auf Mallorca (Rezension)

Advertisements

2 Gedanken zu “[Rezension] Das Geheimnis der Maurin

Schreib mir einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s