[Rezension] Frauenschuh

Frauenschuh – Inge Kleinschmidt
Schardt Verlag
Taschenbuch 2011
148 Seiten

10 €

„…wenn eine Vase einen Sprung hat, hält sie kein Wasser mehr.“ S.46

In einem kleinen Dorf, abgeschieden von Hektik und Stress, leben Susanne und Martin eine friedliche Ehe. Ihre Leben überschneiden sich gelegentlich, normalerweise schlafen sie in zwei Schlafzimmern und gehen getrennten Hobbies nach. Als Zeitvertreib arbeitet Susanne in einem Damenschuhgeschäft. Dort schnuppert sie in die unterschiedlichsten Leben anderer Frauen hinein.
Gerade weil sie der Meinung war, in ihrem Leben wäre alles so in Ordnung, wirft sie eine Eröffnung ihres Mannes völlig aus der Bahn: Er möchte gerne eine Freundin nebenbei habe, weil er plötzlich beide Frauen liebt.
Susanne weiß nicht, wie sie damit umgehen soll. Warum sollte Martin das Vergnügen zweier Frauen haben, und sie immer Angst davor für welche Frau er sich eventuell entscheidet?

„In solchen Fällen kann man nicht mehr von Liebe sprechen. Wahrscheinlich ist die Liebe zu Ende, weil man den anderen durch und durch kennt. Es gibt keine Überraschungen mehr, und man stirbt bei lebendigem Leib.“ S.105

Frauenschuh“ hat einen nicht so guten ersten Eindruck bei mir hinterlassen. Die Geschichte beginnt etwas fad und die Schreibart ist langatmig und detailliert. Die geringe Seitenzahl hat mich aber hoffen lassen, dass das Buch nicht durchgehend so fad ist, weil ich ja auch um die Handlung wusste. Bis aber Martin seine Freundin beichtet, vergehen einige Seiten.

Im Verlauf des Buches habe ich die Schreibweise der Autorin liebgewonnen. Sie hat zwar jede einzelne Kundin von Kopf bis Fuß beschrieben und das immer und immer wieder, aber sie hat in den Formulierungen endlich deutlich und klar geschrieben. Keine überflüssigen Floskeln, keine umgangssprachelichen Sätze usw. Ihre Figuren sprachen, aßen und baten. Angenehm zu lesen – endlich mal wieder eine sprachlich anspruchsvolle Lektüre.

Susanne ist eine junge Frau, die in ihrer Ehe scheinbar glücklich ist. Sie analysiert die Kundinnen und vergleicht häufig mit ihrem eigenen Leben. Als dann Martin das Leben aus den Fugen hebt, überdenkt sie alles und fühlt sich kreuzunglücklich. Ihr Leiden wurde leider etwas abgespickt. Wenn sie vorher in gestochener Sprache über Frauen nachdenkt, „heult“ sie rum und führt sich auf wie eine fünfjährige. Martin wirkt daneben erwachsen und reif, aber auch egoistisch und patriarchaisch.

Zum Ende des Buches war mir die Thematik dann doch etwas fern. Ich bin noch zu jung, um mir Gedanken über eine lange Ehe zu machen und was danach kommt, wenn ich nicht mehr frisch bin. Zum schluss habe ich mich also eher am Sprachstil aufgezogen.

In dem Buch geht es nicht nur um eine Dreierbeziehung, sondern auch um Beziehungen generell. Während des Lesens konnte ich viel vergleichen und wiedererkennen, aber bei manchen Sachen bin ich einfach noch zu jung. Für den Gesamteindruck vergebe ich dennoch vier Sterne.

★★★

Dieses Buch habe ich vom Schardt Verlag über Blogg Dein Buch erhalten. Vielen dank für die Möglichkeit!

Schaut auch die Rezension bei Maxibiene an.

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