[Rezension] Mit den Augen meiner Schwester

Mit den Augen meiner Schwester – Julie Cohen
Diana Verlag
Taschenbuch Mai 2012
496 Seiten

8,99 €

Liza und Lee könnten unterschiedlicher nicht sein, obwohl sie eineiige Zwillingsschwestern sind. Die eine liebt das Abenteuer und hat das Hobby als Stuntfrau zum Beruf gemacht. Die andere leitet die mütterliche Eisfabrik, lebt brav in einem Haus und ist die perfekte Freundin, Nachbarin und Chefin.
Aber während Liza ihr Leben aufs Spiel setzt, beneidet sie Lee um dieses perfekte Leben. Gleichzeitig erstickt Lee in ihrer Umgebung, die sie gefangen hält ohne jeglichen Freiraum.

Für eine Wohltätigkeitsveranstaltung läd Lee ihre Schwester in die Heimatstadt ein. Doch als Liza ankommt, ist die ältere Schwester nicht da. Und die Bewohner von Stoneguard halten Liza für Lee – was diese genießt.
Keiner merkt, dass Lee verschwunden ist. Liza schlüpft vorerst in die Rolle ihrer Zwillingsschwester, und hält alles zunächst für einen gelungenen Streich. Zunehmend merkt sie jedoch, wie schwer es ihre Schwester hat und wie wenig Raum ihr gelassen wird…

Wie so ziemlich jeder Mensch, der keinen Zwilling hat, denke auch ich immer, dass es total toll sein muss, so eng mit jemandem verwandt zu sein. Doch Liza, die wenige Minuten jüngere Schwester, zeigt mir mehr und mehr, wie ätzend das ist. Ständig wirst du verglichen (schlimmer noch als mit deutlich älteren oder jüngeren Geschwistern), ständig wird alles halbiert. Darunter leiden beide Kinder, später erwachsene Frauen.

In „Mit den Augen meiner Schwester“ geht es um Neid, Liebe und Missverständnisse, die zwischen den Familienmitglieder stehen. Mehrmals habe ich nur geseufzt oder frustriert aufgeschrien, so nah geht das Buch.

Die Wandlung, die Liza durchmacht, ist wahnsinn. Zum Beginn des Buches fühlte sie sich tough und selbstbewusst, zufrieden mit dem Leben. Aber dann fällt sie in ein Loch und kriecht Stück für Stück wieder hinaus. Das war mitreißend und herzergreifend beschrieben.
Denn anders als in manchen Büchern muss man hier nicht überlegen, wie sie sich entwickelt. Nein, Liza fasst es manchmal selber zusammen. Sie möchte das dann gerne ihrer Schwester sagen, die jedoch nicht da ist.

Die Sprache war überhaupt richtig schön. Leichte, klingende Sätze erleichterten das Lesevergnügen und  obwohl ich das Buch häufig weggelegt habe (weil man ja nie wirklich lange am Stück lesen kann), war ich immer wieder gut drin. Den hohen Seitenumfang von fast 500 Seiten habe ich kaum gemerkt.

Das Ende ist so ganz anders, als ich es erwartet habe. Dazu trug natürlich auch die Entwicklung beider Schwestern bei.

Das Cover hat mir ganz besonders gut gefallen.Verspielt aber nicht zu aufdringlich spiegelt es genau die Stimmung des Buches wieder. Und Eis ist auch drauf 🙂

Mein Gesamteindruck war sehr gut. Die Entwicklung ist genau richtig, und die Geschichte so ein richtig schöner Frauenroman, bei dem man am Ende traurig ist, das Buch zu verlassen aber ebenso froh, dass alles gut ist. Dafür vergebe ich 5 Sterne – und empfehle das Buch wärmstens allen Familiengeschichtenliebhabern weiter!

★★★★★
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4 Gedanken zu “[Rezension] Mit den Augen meiner Schwester

  1. Gut, dass mein Balkon jetzt endlich fertig bepflanzt ist, da macht das Lesen doch noch mehr Spaß! 😉 Schade nur, dass die Autorin es doch nicht nach Berlin schafft, sonst hätte ich mir das Buch (und diverse andere) signieren lassen.

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