[Rezension] Die Stadt aus Trug und Schatten

Die Stadt aus Trug und Schatten – Mechthild Gläser
Januar 2012
Loewe Verlag, Hardcover
412 Seiten
17,95 €

Altersempfehlung: 13 – 16 Jahre

Obwohl Flora es in ihrem Leben nicht leicht hatte, blieb sie doch wenigstens im Schlaf verschont. Bis jetzt. Eines Tages taucht nicht nur ein seltsamer schattenhafter Reiter auf, den andere nicht sehen können, sondern auch noch ein finnischer Austauschschüler. Dabei durfte Flora bisher nicht mal ihre allerbeste Freundin in die Wohnung ihres Vaters mitbringen!
Doch Marian ist nicht nur Austauschschüler. Flora trifft ihn eines Nachts im Traum, als sie in einer seltsamen Stadt erwacht. Am Tag erzählt Marian ihr, dass die Stadt Eisenheim heißt, und dort alle Seelen der Welt Nacht für Nacht auftauchen und ein zweites Leben führen. Normalerweise erinnern sie sich aber am Morgen nicht, diejenigen, die es doch können, sind die „Wanderer“.
Flora ist plötzlich eine Wanderin, und soll einen sehr wertvollen, magischen Gegenstand gestohlen haben. Doch das war ihre schlafende Seele, und Flora kann sich an nichts mehr erinnern.

An ihrer Erinnerung sind mehrere Leute interessiert – aber wem kann Flora eigentlich trauen?

Die Stadt aus Trug und Schatten“ ist ein Mammut für ein Debüt. Mechthild Gläser nimmt ein einfaches Thema: Was passiert mit uns im Schlaf. Diesmal wandert die Seele in eine eigens dafür entstandene Stadt: Eisenheim. Die Stadt ist eine Mischung aus Mittelalter, Geisterstadt und Moderne. Verfallene Gegenden, prominente Bauten und verlassene Gebäude reihen sich aneinander.

Die Figur der Flora ist zum einen eine typische Jugendliche, hat aber auch schon viel Verantwortung. Seit ihre Mutter verschwunden ist, schmeißt sie den Haushalt und kümmert sich um ihren Vater. Sie lernt im Laufe des Buches schon ein bisschen dazu und sich selbst kennen, aber noch nicht so viel, dass es unnatürlich wäre.
Marian dagegen ist sowohl verbittert als auch erwachsen. Für ihn gibt es kein „Entweder Oder“ und seine Motive sind klar.
Gestört hat mich der Vater, der so verpeilt ist, dass er nicht mehr mitbekommt, was mit seiner Tochter passiert. Hier hätte ich mir mehr gewünscht!

Bei Amazon wurde die Liebesgeschichte zwischen den beiden ein bisschen bekritelt. Ich muss sagen, dass mich dieser Handlungsstrang weniger gestört hat. Es ist ein Hin und Her zwischen den beiden, und Flora weiß zum einen, wen sie liebt, zum anderen aber nicht, ob sie ihm trauen kann. Das finde ich nachvollziehbar – und Flora ist schließlich auch noch nicht erwachsen! Dass ihre Gefühle schwanken finde ich völlig ok!

Ich sage erneut: Jugendbücher sind heute nicht mehr nur jugendlich. Für mich als Erwachsene (und im Berufsleben und über 20 bin ich das ja wohl) gab es so viel Verstecktes, so viel Paralleles zur eigentlichen Handlung, dass ich das Buch nicht bis 16 Jahre ausschreiben würde.

Teilweise merkte ich auch, dass die Autoren vermutlich selber noch in dem Alter war, als sie mit dem Schreiben angefangen hat. Die Sprache ist authentisch, frisch und nicht so klobig. So wie junge Erwachsene denken und reden ist es im Buch. Das fand ich wesentlich besser als wenn die „alten“ Erwachsenen versuchen, ihren Jugendlichen hippe Worte in den Mund zu legen.

Am Ende des Buches blieben noch wahnsinnig viele Fragen offen – wie ich mittlerweile weiß, ist das alles geplant, aber es regt mich dennoch auf (weil ich halt so bin). Was ist mit Floras Mutter? Ist der Stein für immer verschwunden? Wird Floras Vater mal einen Platz für sie haben? Warum genau ist Christabel noch bei ihnen?
Ich denke, Mechthild Gläser hatte wahnsinnig viele Ideen und Gedanken. Vielleicht sollte für Band 2 aber ein bisschen aufgepasst werden, dass der Leser auch mitgenommen wird. Hin und wieder viel es mir schwer, Dinge nachzuvollziehen und ich fühlte mich überrannt.
Mit Spannung auf Band 2 vergebe ich 4 Sterne.

Lest auch die Rezension von Kerstin.

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3 Gedanken zu “[Rezension] Die Stadt aus Trug und Schatten

  1. Nachdem ich vor dem Lesen dieses Buchs schon etwas recherchiert und gesehen hatte, dass noch eine Fortsetzung geplant ist, haben mir die offenen Fragen nichts ausgemacht.
    Bei einem Einzelband finde ich ein offenes Ende allerdings nicht so prickelnd.

    Schöne Rezi hast du da geschrieben, liebe Sandra. 🙂

    Liebe Grüße
    Sabine

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