[Interview] Sylvia Dölger

Den Anfang der Interviews macht heute Sylvia M. Dölger. Infos über die Autorin könnt ihr hier nochmal lesen, die Rezension zu „Zum Teufel mit Barbie!“ ist hier.
Readandbeyourself: Wie sieht dein perfekter Tag aus?
Sylvia Dölger: Mit meinem Schatz aufwachen, frühstücken, eine Fahrradtour machen und danach schreiben!
Kaffee oder Tee?
Wasser! Im Winter auch Tee.

Wie entspannst du dich zuhause am besten?

In unserem Haus ganz oben im Erker steht ein bequemer Sessel, dann ein gutes Buch und gute Musik oder natürlich in der Sauna.
Hörst du gerne Musik, wenn ja welche?
Insgesamt ja, kommt aber auf die Stimmung an. Sehr gerne höre ich Milow, Katie Melua, Nora Jones und ähnliche Musik
Hörst du Musik beim Schreiben?
Ja, passend zu den Storys, die ich schreibe. Bei „Barbie“ musste es deshalb Pink sein.
Hast du beim Schreiben ein bestimmtes Ritual, wie z. b. Musik hören oder einfach in einem stillen Raum sitzen?
Sobald ich eine Idee habe, schreibe ich sie auf. Wenn ich am Laptop sitze, fällt mir meistens nichts ein. Schreiben müssen, klappt nicht *lacht* Aber wenn ich eine Idee habe, muss ich an den Rechner, um sie fest zu halten.
Wo schreibst du am liebsten?
Auf der Terrasse unter dem Gartenschirm oder im Erker in unserem Haus


Wo holst du dir deine Inspirationen her?

Die fliegen mir so zu. Man muss sich nur mal umsehen, umhören, Menschen beobachten. Manche Ideen finde ich auch, wenn ich durch die Fernsehprogramme zappe.

Wird die Familie mit einbezogen, z. B. als Testleser oder Informationsquelle?
Frag meinen Schatz. Er ist mein kritischster Testleser. Meine Schwester ist Lektorin und schaut sich auch gerne neue Texte an.

Was war dein Lieblingsbuch als Kind?

Hanni und Nanni und Dolly – Kennt man heute wohl nicht mehr, aber Hanni und Nanni kam ja im Kino. Eigentlich habe ich alles von Enid Blyton verschlungen.

Was liest du gerne?
Alles was mir zwischen die Finger kommt. Zurzeit bevorzugt ebooks. Wenn ich nicht arbeiten muss, lese ich gerne Thriller, ansonsten Historische Bücher.
Was ist dein Lieblingsbuch und -autor?
Mein absolutes Lieblingsbuch ist „Die Bücherdiebin“ von Markus Zusak.
Wolltest du schon immer Autorin werden?
Ich habe schon immer davon geträumt ein Buch zu schreiben, aber ich dachte immer eins reicht. Inzwischen sind es mehrere. *lacht* Wenn man einmal anfängt, kann man nicht mehr damit aufhören.
Wolltest du schon immer ein Jugendbuch schreiben?
Seit ich Deutsch in der Schule unterrichte, habe ich darüber nachgedacht, wie ein richtig spannendes Jugendbuch sein könnte. Eines Tages habe ich mich im Schreibmarathon hingesetzt und es geschrieben. *grinst*
Was fasziniert dich an Jugendbüchern?

Jugendliche sind eine schwierige Zielgruppe. Sie lesen eher wenig, so zumindest meine Schüler. Da muss man sich was einfallen lassen, damit sie weiterlesen. Ich sehe mein Ziel darin, Leselust zu wecken.

 Könntest du es dir vorstellen, noch einmal das Genre zu wechseln?
Bei den Kurzgeschichten probiere ich vieles aus, wechsel zwischen verschiedenen Genres, das geht von Modern Fantasy bis Science Fiction (Dystopie), aber bei den Romanen werde ich wohl bei Jugendbüchern bleiben, da ich mit diesem Alter täglich zusammenarbeite.
Entwickeln sich die Charaktere in den Büchern eigenständig, oder ist alles schon am Anfang geplant?
Der Anfang ist geplant, aber es ist tatsächlich so, dass die Charaktere machen, was sie wollen. Sue, zum Beispiel fängt einfach an zu stehlen. Das war nicht mit mir abgesprochen. *lacht*
Durftest du an der Covergestaltung mitarbeiten?

Da mein selbst gestaltetes Cover für den Wettbewerb bei neobooks (DroemerKnaur) nicht übernommen werden konnte, richtete sich der Verlag aber trotzdem nach der Art der Darstellung. Ich wurde auch gefragt, ob es mir gefällt.

Wie schafft man es kind- und jugendgerecht zu schreiben? Ich stelle es mir schwierig vor, nicht immer wieder in zu komplizierte Sätze abzurutschen. Wie sieht die sprachliche Vorbereitung zu einem Jugendbuch aus? Erstmal einige Wochen nur mit Jugendlichen in der Altersklasse sprechen, für die die Geschichte gedacht ist, oder gibt es da spezielle Tricks?
Das ist eine schwierige Frage. Keine Ahnung, ich versetze mich einfach in Sues Lage und schreibe los. Vielleicht liegt es am täglichen Kontakt mit der Zielgruppe in der Schule. Mein vorheriger Chef hat mich nach einer Lesung mal gefragt: „Woher hat Frau Dölger nur diese Begriffe?“ Da meinte ein Kollegin: „Sie hört auf dem Pausenhof gut zu.“ Ab und zu nutze ich aber auch das Internet und meine Testleser waren auch sehr hilfreich. Die kannten einige Begriffe gar nicht. Zum Beispiel Penne für Schule und Pauker für Lehrer.
Was sollte man beim Schreiben von Jugendbüchern am besten vermeiden?
Ich versuche zu vermeiden, Verhaltensregeln direkt aufzuzeigen, oder indirekt. Das wäre, wenn immer etwas Schlimmes geschieht, wenn die Figuren gegen Gesetze verstoßen. Und das tun sie zum Beispiel, wenn sie in Thailand kiffen.

Was ist der große Unterschied zwischen Romanen für Erwachsene und Kinderbüchern, den man beim Schreiben immer im Hinterkopf haben sollte?

In Jugendbüchern geht es um die Probleme Jugendlicher und nicht um die Sorgen, die Erwachsene haben.
Welche Themen sollten in Kinder- und Jugendbüchern öfter behandelt werden?
Ich bin dafür soziale Missstände und Gefahren zu schildern. Deshalb handeln meine nächsten Kurzroman zum Beispiel von Schwangerschaften Jugendlicher und vom Umgang mit Homosexualität.
Findest du es – wie es manche Politiker fordern – wichtig und richtig Kinder schon früh mit Toleranzthemen wir Integration oder gleichgeschlechtlicher Liebe zu konfrontieren?
Auf jeden Fall! Ich erlebe die fehlende Toleranz jeden Tag in der Schule. Da hat sich seit meiner Jugend leider nicht viel geändert.

Was hältst du von Ebooks?
Ich liebe eBooks, weil ich sie unterwegs mitnehmen kann. Außderdem gibt es tolle technische Möglichkeiten, zum Beispiel kleine Hörproben einzubauen oder Songs. Das wird sicherlich noch ausgebaut werden. Spitze finde ich das eBook „Helden“ von einem befreundeten Autor. In diesem kann man verschiedenen Links folgen und so unterschiedliche Leseeindrücke gewinnen.
Dein Buch hat auch einen Verlag für das Ebook gefunden. War das von Anfang an als elektronische Version geplant, oder hättest du lieber ein gedrucktes Buch für dich?
Möchtest du überhaupt mal eine Printversion haben, oder bist du ganz zufrieden mit den Ebooks?
Eigentlich wollte ich nur, dass die Geschichte gelesen werden kann. Wie war mir relativ egal. Natürlich habe ich nichts dagegen, wenn ein Verlag mein Buch drucken will. Das wäre sehr schön.
Worum geht es, mit deinen Worten, in „Zum Teufel mit Barbie“?
Es geht um das Mädchen Sue, das nicht weiß, wo es hin gehört, das innerlich zerrissen und deshalb sehr empfänglich für Manipulationen ist. Sue tritt sehr cool und beherrscht auf, ist aber doch sehr verletzlich. Das mag ich so an ihr.
Was bedeutet Adoption für dich? Warum hast du das als eines der Themen gewählt?
Es ist ein wichtiges Thema für einen Jugendlichen, woher er stammt. Da es aber schon genug Bücher über Jugendliche gibt, die erst mit 14 erfahren, dass sie adoptiert sind, und dann auf Elternsuche gehen, wollte ich es anders gestalten.

Ich finde das reale Leben sehr inspirierend. Zum Beispiel lebt In meiner Nachbarschaft ein kleines russisches Mädchen mit deutschen Eltern. Und ich habe eine gute Freundin, die von Anfang an wusste, dass sie adoptiert ist. Noch nie hat sie sich für ihre Eltern interessiert.

Kennst du dich selber gut mit Twitter und ICQ aus, oder hast du dir fachkundigen Rat geholt?
Einen Twitteraccount habe ich tatsächlich aus Recherchegründen eingerichtet und musste erst mal die Sprache dort lernen. Das gehört dazu. *lacht*

Ist es dir wichtig, präventiv über Missbrauchsfälle zu schreiben oder zu sprechen?
Ja, sehr. Diese Art Gewalt begegnet uns täglich. Man muss nur die Zeitung aufschlagen. Immer wieder wollen Schüler mit mir darüber reden oder schreiben in ihren Aufsätzen darüber. Es ist für sie gleichzeitig faszinierend und abstoßend.
Warst du selber schon in Bangkok?

Ja! Ich bin mit meinem Mann, damals noch Verlobten, 2005 zwei Wochen durch Thailand gereist. Beweisbilder sind in meinem Blog zu finden. Thailand war für mich eine besondere Reise, die mich sehr beeindruckt hat.

Dein Ebook hat bei Amazon sehr gute Rezensionen. Hast du Angst vor der ersten schlechten Kritik?

Wie gehst du mit Kritik um?
Suchst du selber nach Besprechungen?
O ja, ich mag den Austausch mit Lesern sehr und habe auch schon Leserunden über die Plattform Lovelybooks angeboten. Dabei ist es mir am Wichtigsten, dass die Meinung ehrlich und begründet ist. Ich will doch wissen, was gefällt und was nicht. Anfangs dachte ich auch: Uii, jetzt geht es los, jetzt kann jeder dein Buch bewerten. Inzwischen bin ich ruhiger geworden. Jede Meinung zählt!
Gibt es in deinen Figuren Teile von dir?
Es ist so, dass in jeder Figur Teile von mir bzw. von Menschen stecken können, die ich kenne, aber keine der Figuren ist einem Menschen nachgebildet. Sollte sich jemand wieder erkennen, ist dies reiner Zufall und nicht beabsichtigt. Da diese Frage schon oft gestellt wurde, habe ich viel darüber nachgedacht. Vielleicht ist Sue so, wie ich als schüchterner Teenager gerne gewesen wäre. Denn sie weiß sich gegen die Mitschüler zu wehren. Das gefällt mir sehr.
Liegt dir eine Person deiner Bücher besonders am Herzen?
In meinem Blog gibt es eine Abstimmung: Wen magst du lieber Sue oder Yvo? Die meisten stimmen für Sue. Ich aber mag Yvo unheimlich gerne, vielleicht weil er so unabhängig ist und natürlich Kilian, den Opfertypen. Er hat großes Entwicklungspotenzial. Ich will hier aber nicht zu viel verraten. *schmunzelt*
Wie gehst du mit den neuen Möglichkeiten, mit Lesern in Kontakt zu treten (wie Facebook, Blogs und Amazon) um?
Damit gehe ich täglich um und freue mich über jeden neuen Fan. Die neueste Aktion: Es gibt eine „Streng geheim“-Seite in meinem Blog. Wer diesem folgt, hat besondere Rechte, zum Beispiel kann er das neue Projekt um die „Underdoggies“ mitverfolgen, kritisieren und so schon Einfluss auf ein noch nicht veröffentlichtes Buch nehmen. Auf der Plattform Lovelybooks habe ich die Leser gefragt, welche Themen sie gerne lesen möchten und mich auch dort inspirieren lassen.
Was war das schönste Erlebnis mit „Fans“?
Bisher? Diese Jugendbuchwochen-Aktion.
Wird es von dir noch weitere Jugendbücher geben?
Da ich unter chronischem Zeitmangel leide, schreibe ich gerade an einer Kurzromanserie über zwei 15jährige Mädchen und einen Jungen, die sich von anderen ausgrenzen und die Abenteuer des Lebens meistern müssen.
Vielen Dank für deine Zeit und deine Antworten 🙂
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