[Rezension] Schattenblüte Die Wächter

Achtung: In dieser Rezension besprochene Details setzen voraus, dass Band 1 bekannt ist. Wer „Die Verborgenen“ nicht kennt nimmt sich vielleicht Dinge voraus, wenn er hier weiterliest.

Schattenblüte Die Wächter – Nora Melling
Rowohlt Polaris
Taschenbuch März 2012
320 Seiten

14,95 €
kindle Edition 12,99 €

Rezension zu Band 1.

Draußen im Wald, an Silvester, wollen Luisa und Lars, ihr Thursen, das vergangene Jahr hinter sich lassen. Die Sorgen in den Himmel schießen und einander genießen.
Doch bereits wenige Minuten nach Mitternacht finden sie eine Leiche, die offensichtlich von Wölfen zerfetzt wurde. Luisa ist geschockt – weiß sie doch, dass Norrock jetzt Anführer des Rudels ist. Thursen hätte soetwas niemals befohlen, da ist sie sich sicher!

Gleichzeitig trifft Elias eine Entscheidung. Elias ist ein Shinanim und möchte unbedingt seine Kräfte für das Beschützen der Bewohner Berlins einsetzen. Dazu sammelt er einige wenige um sich, die ihm helfen sollen. Doch in einer Nacht wenig später ist es Luisa, die ihn aus einer verzwickten Situation holt. Und sich damit in sein Herz schleicht.

Doch Luisa ist kein Mädchen für Elias. Sie darf nicht wissen was er ist, und hat ohnehin ihr Herz an Thursen verloren. Als jedoch die Wolfsangriffe zunehmen und Luisa an ihrem Freund zweifeln muss, sieht Elias eine Chance. Denn er bringt das Licht, das Luisa aus der Dunkelheit retten kann…

Nun ist er erschienen, der lang und heiß ersehnte zweite Band von Nora Melling. „Die Wächter“ heißt dieser Teil, und wie auch bei Band 1 weiß ich nicht so recht, was ich davon halten soll.
Erstmal die objektiven Aspekte:
Geschrieben ist abwechselnd aus der Sicht von Luisa und Elias. Luisas Kapitel sind deutlich länger, während Elias manchmal nur kurz eingeschoben wird.
Die Handlung knüpft fast nahtlos an Band 1 an, und das Wissen aus dem ersten Teil wird vorausgesetzt. 

Die Handlung war diesmal nicht ganz so deprimierend. Die Figuren haben sich weiterentwickelt, und stehen über der Trauer, die den ersten Roman ausgemacht hat. Das Lesen war dementsprechend etwas weniger belastend.
Vor allem Luisa findet ungeahnte Kraft (wenn auch, wie weiter unten beschrieben, nicht im Bezug auf Thursen), mit ihren Eltern umzugehen. Dass Trauer nicht so schnell verschwindet, wird sehr gut behandelt. Während Luisa in „Die Verborgenen“ fast untergeht, kann sie sich diesmal aus eigener Kraft über Wasser halten.

Erneut waren mir dennoch einige Dinge etwas fremd. Luisa klammert sich wie in Band 1 mit einer Verzweiflung an die Liebe zu Thursen, dass ich als Leser nur fassungslos davor saß. So sagt sie auf Seite 221 „Ich habe dich so vermisst“ und ignoriert seine Sorgen um ihr Leben. Sie geht gar nicht auf das Gespräch ein!
Und sie ist so blind für das, was sich vor ihren Augen abspielt! Sie sieht einfach nicht, dass Thursen sie nicht vollständig lieben kann, sondern immer im Wald bleiben wird. Er wäre nicht Leitwolf geworden, wenn er nur halb dort gelebt hätte.
Unklar war mir aber, warum er mitkämpft und eine Bedrohung darstellt, sich aber gar nicht mehr verwandeln kann. In der Szene mit Elias und seiner WG, als Luisa ihren Freund beschützen will, sagt sie mit keinem Wort „er ist nicht mehr Leitwolf“ oder „er kann sich gar nicht verwandeln“. Hatte ich da was verpasst?, hab ich mich gefragt. Warum kann Luisa mit Elias seltsame Dinge besprechen, ihm aber nicht sagen dass alles halb so wild ist?

Etwas schade fand ich auch, dass Nora Melling nicht mehr nur die Werwölfe in ihrer Geschichte behandelt, sondern wieder zwei fantastische Wesen gegeneinander ausspielt. In „Die Verborgenen“ war gerade dieses einfache, menschenähnliche noch so schön, und plötzlich ist wieder Fantasy drin. Überwiegend hat mir die Ausführung gefallen, und es ist natürlich Nora Mellings Geschichte. Wenn es mir nicht gefällt, muss ich das ja nicht lesen, ich weiß 😉
Durch die kurzen Kapitel von Elias hat das dann zum Glück weit weniger Überhand genommen, wie ich befürchtet habe.

Wirklich gut fand ich diesmal die Schreibweise. Leise und tiefgründig schreibt Nora Melling ihre Geschichte, mit Worten aus einer Sphäre, die einen beim Lesen umwebt und fängt.

„Das Bettzeug hat sich um meine Arme und Beine geschlungen wie böses, nasses Papier. (S. 29)

Es sind so einfache Formulierungen, die das Lesen erleichtern und die Geschichte vorantreiben. Man stolpert bei keinen Sätzen und muss nichts nachlesen. Was nicht dasteht, wird nicht gebraucht.
Im Vergleich zum ersten Teil hat sich Nora Melling verbessert, finde ich.

Auch sehr gut fand ich das Tempo in dieser Geschichte. Während in Band 1 lange Zeit einfach nichts passierte, muss Luisa diesmal aufpassen, überhaupt Ruhepausen zu bekommen. Regelmäßig wird beschrieben, wie sie schläft, aber es reicht nicht. Auch dem Leser nicht. Die Handlung ist also packend, fesselnd, einnehmend, super 🙂

Mehr über die Handlung und vor allem die Wendung will ich gar nicht sagen. Ich kann nicht fassen, dass wir jetzt bestimmt viele Monate auf den Abschlussband warten müssen, denn das Buch hatte einen bösen Cliffhanger. Das kann ich gar nicht leiden, und auf der Buchmesse kann ich mich bestimmt nicht zusammenreißen, Nora Melling das auch zu sagen 😉

Ich vergebe vier von fünf Sternen, weil das Ende mich ärgert (jaaa, kann auch gut sein, aber ist halt subjektiv) und der Gesamteindruck eben nicht so perfekt war. Weil ich aber das Buch schnell lesen konnte und sehr gespannt auf den 3. Band bin, fällt die Wertung besser aus. 🙂

★★★★☆

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3 Gedanken zu “[Rezension] Schattenblüte Die Wächter

  1. Hey Luminchen, willkommen 🙂 Ich hoffe du wirst hier viel Spaß haben und tolle Anregungen finden!

    @Bianca: Für sowas sind Rezensionen gut – auch wenn wir natürlich hoffen, du willst das Buch danach unbedingt lesen ^^

    Gefällt mir

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