[Rezension] Julischatten

Julischatten – Antje Babendererde
Arena Verlag
Hardcover, Januar 2012
480 Seiten

17,99 €

Jugendbuch (Altersempfehlung vom Verlag 14 – 17 Jahre)

Simona, genannt Sim, ist gerade mal 16, als sie bereits wegen einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus landet. Dieser Exzess ist nur der Gipfel einer langen Quälerei, da Sim ständig das Gefühl hat, sie wäre nichts wert. Ihre ältere Schwester, Merle, sonnt sich dagegen in der Aufmerksamkeit.
Sim will einfach nur auffallen, anders sein, bzw sie selber. Sie kleidet sich in schrillen, kaputten Klamotten und färbt ihre kurzen Haare pink.

Als sie jedoch im Krankenhaus aufwacht (ausgerechnet an ihrem Geburtstag) verkünden ihre Eltern, dass sie zum Entzug nach Amerika muss. Zu ihrer Tante Jo in ein Indianerreservat. Prinzipiell wäre das nicht schlimm, Sim fand vor Jahren Indianer richtig gut und wollte ohnehin zu ihrer Tante. Als Strafe ist die Fahrt jedoch eine Qual – und Sim muss die ganzen 6 Wochen Sommerferien dort verbringen.

Im Reservat Pine Ridge angekommen wird Sim von den zwei Jungen Jimi und Lukas abgeholt – scheinbar Brüder. Lukas ist blind, wie Sim erfährt, und Jimi der absolute Mädchenschwarm. Sim fühlt sich zunächst unwohl, findet jedoch nach ein paar Tagen einen freundschaftlichen Umgang mit den beiden Waisen, die bei einer Pflegemutter wohnen. Die beiden sind nur „Hunka“-Brüder, das heißt nicht blutsverwandt aber zur Treue verpflichtet, die sie sich selbst geschworen haben.

Der Sommer vergeht schnell, und Sim verliebt sich in Jimi. Oder in Lukas? Welcher ist der Richtige für sie? Denn beide Jungen buhlen um ihre Gunst – und haben unterschiedliche Auffassungen des Lebens.
Während Jimi nicht lange fackelt und Sim in ein Chaos der Gefühle stürzt, erfährt Lukas selbst unschöne Dinge über seinen besten Freund…

„Sim hielt das ganze ‚Hab-dich-lieb-Getue‘ für verlogen. Entscheidend war doch, dass jemand einem zuhörte und ausreden ließ, selbst wenn er das Gesagte lieber nicht wissen wollte. Aber das brachte kaum ein Erwachsener fertig, weil alle nur mit ihren eigenen Problemen beschäftigt waren.“ (S.84)

Julischatten“ ist das neuste Werk von Antje Babendererde. Wie auch in einigen anderen Büchern lässt sie ein weißes Mädchen in ein Indianerreservat fahren, wo es mit einem Indianer konfrontiert wird. Sim ist diesmal ein Problemfall, da sie ihr Leben nicht mehr im Griff hat und Schutz beim Alkohol sucht.

Die gerade 16-jährige Sim hat bereits unzählige schlechte Erfahrungen gemacht. Sie ist störrisch, empfindsam und wechselmütig, eben sehr jugendlich. Babendererde fängt schön diesen Zwiespalt zwischen Wollen und Können ein, dem Jugendliche unterliegen.Die Tante Jo ist kein Übermensch und hat selber ihre Fehler und Kanten, und sowohl sie als auch Sim müssen sich noch finden.
Die Indianer Jimi und Lukas sind stark auscharakterisiert. Während Jimi hitzköpfig und sprunghaft ist, denkt Lukas mehr nach. Sehr feinfühlig hat die Autorin hier die Sicht des Blinden dargestellt, sodass ich selber oft genau empfinden konnte, was sie vermitteln wollte.
Anders als bei einem Sehenden sind für Lukas Worte sehr wichtig, und in einem Buch lesen wir und sehen meist nicht (also keine Bilder). Es passten also die unzähligen Beschreibungen, um sich ein eigenes Bild zu machen – ich konnte mich gar nicht sattlesen!

Die Erzählperspektive wechselt zwischen den drei Jugendlichen. Ihre Sichtweisen unterscheiden sich, und man erfährt aus mancher Sicht mehr, als anderer weniger. Wie schon gesagt hört Lukas ja nur, nimmt die Welt also anders wahr. Entsprechend anders fällt diese Sichtweise aus.

Auch schon bei „Indigosommer“ habe ich mich gefragt, wie Babendererde das Ende lösen will. Eine Geschichte, die im Reservat spielt, gut und schön. Aber letzendlich sind es doch zwei Kulturen.
Und wieder konnte mich die Autorin überraschen: Sie hat einen Weg gefunden. Nicht unwahrscheinlich, und einfach schön.

Ich selbst bin ja ein großer Fan der Autorin. So nach und nach kaufe ich mir ihre Bücher, und keines von ihnen hat mich enttäuscht. „Der Gesang der Orcas“ ist ein so träumerisches, tolles Buch (warum hab ich dazu keine Rezension geschrieben), dass ich es fast sofort nochmal lesen wollte. Genauso Indigosommer.
Obwohl diese Bücher fast immer das Thema Indianer + weißes Mädchen beinhalten sind sie doch verschieden, die Figuren so unterschiedlich auscharakterisiert.

Weitere Bücher der Autorin:
Libellensommer
Der Gesang der Orcas
Die verborgene Seite des Mondes
Indigosommer (meine Rezension)
Thalita Running Horse
Rain Song

und weitere mehr.

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2 Gedanken zu “[Rezension] Julischatten

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