[Interview] Michael Zandt

Michael Zandt veröffentlichte letztes Jahr nach seiner Kurzgeschichte „Nazi Zombie Holocaust“ seinen ersten Roman „Hapu Teufel im Leib„. Um ihn etwas besser kennen zu lernen, möchte ich euch den Autor heute vorstellen.
Die Rezension zu Hapu findet ihr HIER.
Seinen ersten Kontakt mit der Literatur hatte Michael Zandt am Zeitschriftenregal des örtlichen Supermarktes, wo er regelmäßig (und taschengeldneutral) die Abenteuer der Schlümpfe verschlang.

Durch Michael Ende entdeckte der Autor von „Hapu“ erstmals seine Liebe zu Büchern, während Jules Verne und H.G. Wells ihm später den Weg in die Welt der Phantastik ebneten. Er bewunderte Leo Perutz und Stanislaw Lem und amüsierte sich leidlich bei Lovecraft. Auch durch den unvermeidlichen „Herrn der Ringe“ hat Michael Zandt sich gekämpft. Eine grandiose Zeitverschwendung wie er heute findet.
Nochmal zur Info: „Hapu“ handelt von einer besonderen Art, den Asartu. Ihre Kultur ähnelt denen der Ägypter.
Wie bist du auf die Idee zu „Hapu“ gekommen?
Ich wollte für mein Buch eine Hauptfigur, die es dem Leser nicht ohne weiteres erlaubt sich mit ihr zu identifizieren. Weder sollte Hapu zur Projektionsfläche romantischer Phantasien taugen, noch einem festen, moralischen Kompass folgen.
Was fasziniert dich an der Thematik?
Einem zumeist attraktiven, gut gebauten Menschen das Blut abzusaugen, ist kein wirkliches Stigma mehr. Sich vom Fleisch eines Unfallopfers, oder einer alten krebskranken Frau ernähren zu müssen dagegen schon.
Ich fand es interessant darüber nachzudenken, wie eine „moderne“ Gesellschaft versuchen würde, die Asartu in ihr Gemeinwesen zu integrieren.
Wie bist du bei der Recherche vorgegangen?
In der Hauptsache habe ich über das Netz recherchiert. Zwischendurch habe ich „Sinuhe der Ägypter“ von Mika Waltari gelesen. Allerdings weniger der historischen Fakten wegen als aus „atmosphärischen“ Gründen.
Hast du dich viel an Mythologie und Ägyptologie gehalten, oder selbst viel ausgedacht?
Was das alte Ägypten angeht, so habe ich mich versucht an die historischen Fakten zu halten. Die Mythologie der Asartu dagegen habe ich mir selbst ausgedacht.
Hast du weitere Projekte in der Richtung?
Im Sommer werde ich in in einem weiteren Roman die Heimatwelt der Asartu besuchen. Natürlich würde ich mich freuen, wenn möglichst viele Leser von „Hapu“ mich dorthin begleiten würden. Mein zweites Buch wird das erste Projekt des „Art-Skript-Phantastik-Verlag“.
Wie kamen die Illustrationen dazu?
Grit Richter, von der die Zeichnungen stammen, wohnt nicht weit weg von mir. Ich habe ihr das Skript von „Hapu“ gegeben und sie gefragt, ob sie nicht ein paar Illustrationen dafür fertigen möchte. Das war der einfache Teil. Der schwierigere Part war, die Vorstellungen der Illustratorin, des Verlages und meiner Wenigkeit unter einen Hut zu bringen.
Wie sieht dein perfekter Tag aus?
Ausschlafen, schreiben, frühstücken, schreiben, zu Mittag essen, schreiben, Kaffee trinken, schreiben, die Tageseinnahmen zählen, schreiben … kurz und gut: meine perfekten 24 Stunden wären wie ein Tag im Leben des Markus Heitz. Das heißt … ein Tag im Leben des Markus Heitz ergänzt um Sex und Alkohol.
Haha! Sorry, Markus, falls Du das hier lesen solltest, das war natürlich nur ein Scherz. Ich bin sicher, Du hast ein phantastisches Sexleben.
Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Ich habe schon immer gerne Geschichten zu Papier gebracht. Einige davon fand ich auch ganz brauchbar. Bis zu dem Tag, an dem ich die gesammelten Werke von Edgar Allan Poe in die Hände bekam. Danach habe ich meine eigenen Werke schamvoll vernichtet. Mein Selbstvertrauen kam zurück, als mir die Buchhändlerin meines Vertrauens aktuelle Fantasyliteratur zu lesen gab. Daher: Vielen Dank, liebe Drachen, Zwerge und Trolle.
Was liest du selbst (generell und aktuell)?
Aktuell lese ich „Lisa“ von Thomas Glavinic. Das Buch ist zwar nicht ganz so unterhaltsam wie „Die Arbeit der Nacht“ oder „Carl Haffners Liebe zum Unentschieden“ aber Glavinic ist mittlerweile in der Position sich auch mal eine durchschnittliche Arbeit leisten zu können.
Generell lese ich sehr gerne russische Autoren. Wladimir Sorokin zum Beispiel oder Venedikt Jerofejev. Es gibt aber auch sehr lesenswerte amerikanische Literatur wie (fast) alles von Stuart O’Nan oder Cormac McCarthy.
Von den (lebenden) deutschen Autoren schätze ich Walter Moers. „Die Stadt der träumenden Bücher“ hat in ihrem Bereich Maßstäbe gesetzt. Die Bücher von Markus Orths („Die Tarnkappe“) gefallen mir ebenfalls.
Wirst du noch weitere Kurzgeschichten schreiben?
Kommenden Herbst wird, ebenfalls im „Art-Skript-Phantastik-Verlag“, eine Anthologie zum Thema Vampire erscheinen, in der ich mit der Kurzgeschichte „Unter dem Nebelmond“ vertreten sein werde. Formulierungen wie: „Ihr verlangender Blick glitt über den muskulösen Oberkörper des geheimnisvollen Fremden“ wird man darin allerdings vergeblich suchen. 
Wie stehst du zu Bloggern?
Blogger sind das, was Guerilla-Literaten anstelle eines Werbeetats haben. „Hapu“ stapelt sich weder im Münchner Hugendubel noch schmückt das Cover Litfasssäulen. Rezensionen in Blogs wie dem Deinen sind für die Autoren kleinerer Verlage eine der wenigen Möglichkeiten ihren Büchern eine Öffentlichkeit zu geben. Daher bin ich jedem Blogger, der eine Rezension zu „Hapu“ schreibt, dankbar. Den Kleinen, wie den Großen.
Lieber Michael, vielen Dank für das Beantworten der Fragen!
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