[Rezension] Sherlock Holmes in Leipzig

Sherlock Holmes in Leipzig – Wolfgang Schüler
KBV Verlag 2011

205 Seiten


ISBN: 9783942446082
9,50 € 

Anfang des 20. Jahrhunderts hat sich Sherlock Holmes eigentlich zurückgezogen. Auf einem kleinen Cottage züchtet er Bienen und schreibt seine Memoiren.
Doch die Pflicht ruft erneut. Gemeinsam mit seinem Freund Dr. Watson reist er nach Deutschland.
Die Hauptdarstellerin einer Theatergruppe benötigt heimlichen Schutz auf der Tournee. Bei besagter Lotte Land, wie sie für die anderen Reisenden heißt, handelt es sich jedoch um keine geringere als die Kronprinzessin von Hannover.
Sie soll entführt werden, munkelt es in Regierungskreisen, um einen Krieg auszulösen. Und einzig Sherlock Holmes und Watson können das verhindern!

Ich bin ja seit Franziska Frankes Romanen über den Meisterdedektiv immer wieder neugierig, was so neues geschrieben wird. Wolfgang Schüler, ein vielversprechender Autor, schien sich etwas neues ausgedacht zu haben. Und nicht wie Franke die Lücken nutzend, ließ er den Dedektiv aus dem Ruhestand erneut antreten. Dabei sollte kein Mord oder kein Geheimnis gelüftet werden, nein. Schüler legte das Schicksal Europas in Holmes‘ Hände (wie übrigens auch in Band 2…).

Schülers Sprachstil in diesem Buch gefiel mir ganz gut.Holmes und Watson unterhalten sich der Zeit entsprechend gehoben. In ihren Dialogen führen sie sich weltgewand historisches Wissen auf.

Manchmal fehlte mir mehr Tiefe und Wärme in der Handlung, die auf 205 Seiten sehr dünn gestrichen ist. Es wird aus Watsons Berichten geschrieben, und aus Sicht der Verschwörer, Holmes‘ Sicht erfährt man ganz wie bei Doyle nur durch seine eigenen Worte. Das passt zu dem Dedektiv, der sehr eigen agiert und dabei vor allem überraschende Details wahrnimmt.
In der gesamten Geschichte entsteht schon eine gewisse Spannung, die jedoch vor allem in kleinen Sprüngen vorkommt, vor allem am Ende. Dann raft sich die Handlung. Wo vorher die Stadt und ihre Besonderheiten, historische Details und Kleinigkeiten wichtig waren, prügeln sich die Männer und der Fall ist gelöst. Das ging ein bisschen schnell, fand ich.

Zeitweilig hatte ich auch das Gefühl, der Verlag hat versucht, die Seiten zu füllen.Die Kapitel werden getrennt von leeren Seiten, auf denen neben den Kapitelüberschriften in einem großen Kasten ein Zitat steht. Das passt dann zwar zur Handlung, aber unterbricht auch den Fluss.

Weil mir selbst ein Urteil sehr sehr schwer fiel, habe ich mal wieder meinen Freund Google gefragt, der mich zu einem Forum führte, in dem angeregt über Sherlock Holmes in Leipzig diskutiert wurde.

Userin chrodechilde123 aus dem Sherlock Holmes Forum fast ihr Fazit so zusammen:
 „Leider ist „Sherlock Holmes in Leipzig“ ein Buch, aus dem man viel mehr hätte machen können. Wolfgang Schüler zählt in Deutschland zu den bekanntesten „Edgar Wallace“ –und Kriminalforschern, der über eine weitreichende Reputation in diesen Gebieten verfügt. Umso unverständlicher ist für mich ein so unausgegorenes Werk, bei dem viel Potential verschenkt wurde.“

Dem Administrator Wiggins dagegen hat das Buch besser gefallen:
„Die Handlung finde ich recht interessant, nur wird sie leider durch die schon erwähnten Erklärungen immer wieder unerbrochen. Manchmal erklärt SH seinem Watson irgendein Umstand, manchmal aber auch der Autor dem Leser (ohne ihn dirket anzusprechen). das wirkt bedauerlicherweise eher aufgesetzt und nur selten mit der Handlung etwas zu tun.
Sehr schade ist auch, dass die Protagonisten erst im letzten Viertel in Leipzig ankommen. Ab dem Moment ist die Handlung auch ziemlich gerafft. Es wird von einem Kapitel zum anderen gehetzt. Zuvor hat sich de Autor noch Zeit gelassen und durchaus stimmungsvolle und lesenswerte Kapitel abgeliefert. Sehr gut gefallen hat mir z. B. die Fahrt über den Ärmelkanal, aber auch das Schlußkapitel der eigentlichen Handlung.
Es gibt auch eine Menge an Anspielungen auf den Kanon, was den Sherlockianer angenehm zu überraschen weiß. Das macht wiederum richtig Spaß.
Wie viele Autoren folgt auch Wolfgang Schüler der Biographie von Baring-Gould, was mir persönlich durchaus zusagt.“

Und User Moritza sagt sogar:
„Überhaupt fand ich die Dialoge (auf Holmes bezogen) sehr holmeslike. Also mir verschaffte das ein Holmes-Feeling, dass nicht jedes Pastiche zustande bringt. Auf jeden Fall ein Pluspunkt!
Watson – als Erzähler – bedient sich allerdings oft einer zu modernen Sprache, beispielsweise bei dem (von Chrodechilde schon angeführten) beinahe Rumgezicke der gefährdeten Dame. Herzhaft lachen musste ich bei: Da hatten wir den Salat!
Allerdings rissen mich dann genau diese Beispiele aus meinem Holmes-Feeling.
[…]
Es ist ein Büchlein, dass durchaus seine Höhepunkte hat. Keinerlei Längen aufweist und sich dadurch schnell runterlesen lässt.
Holmes ist für mich Holmes gewesen – was für mich persönlich wichtig ist. Und wer sich nicht durch eine weitergesponnene Geschichte um IA abschrecken lässt, dem kann man das Buch eigentlich empfehlen.“

So gesehen finden echte Doyle/Holmes-Fans ihr Idol wohl wieder. Für mich, die selbst erst einen Doyle gelesen hat (im September), war die Geschichte ein bisschen dürftig, trotz sehr hochwertiger Schreibkunst.

Ich kann subjektiv leider nur 2 von 5 Sternen vergeben.Krimis sind eben nicht mein Lieblingsgenre, und etwas mehr Humor und Leichtigkeit hätten mir besser gefallen.

                                   ★

Weiteres vom Autor über Sherlock Holmes:
Sherlock Holmes in Berlin

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