[Rezension] Die Gebeine von Avalon

Die Gebeine von Avalon – Phil Rickman

1. Auflage Oktober 2011
Rowohlt Polaris
HArdcover, 654 Seiten

15,95 €

John Dee ist der inoffizielle Hofastrologe der jungen Königin Elisabeth von England. Durch seine geheimnisvolle Arbeit mit den Sternen wird er von den Bewohnern seines Dorfes als Magier bezeichnet. Auch seine Mutter wird öfter schief angesehen – womit beide nur halbwegs leben mögen.
Es kommt John Dee also ganz gelegen, dass er in einem geheimen Auftrag nach Glastonbury gerufen wird, wo schon vor Jahrzehnten der Forscher Leland die Gebeine König Artus‘ vermutet hat. Unter der Hand wird John gemeinsam mit Robert Dudley beautragt, die Knochen zu finden und zur Königin zu bringen.
Doch John befindet sich in einem Gewissenskonflikt. Er ist sich sicher, dass die Knochen nur eine Fälschung sind, und erhofft sich in Glastonbury vor allem Wissen und Neuigkeiten über den Kirchenschatz der ehemaligen Abtei. Nach der Abtrennung von der katholischen Kirche wurde die große Kirche aufgelöst, und alle ihre Wertsachen sind verschwunden, darunter auch die große Bibliothek, die Dees Vorbild Leland in allerhöchstes Entzücken versetzt hatte.

Doch in Glastonbury wird Dudley zunächst schwer krank. Eine junge Heilkundige, deren Vater der örtliche Arzt ist, behandelt den Kranken. Und damit wird eine erneute Hexenverfolgung ausgelöst – denn Nel, die Ärztin, ist die Tochter einer gehängten Hexe. Und John Dee findet sich plötzlich in einem Streit zwischen Glaube und Aberglaube und der Protestantischen und Katholischen Kirche wieder.
Erschreckend muss er feststellen, dass auch die Franzosen nicht weit sind…

Die Gebeine von Avalon“ ist ein historischer Roman mit thrillerähnlichen Zügen. Lügen, Intrigen und Mythen: Phil Rickman verknüpoft die abergläubische Zeit zu den Anfängen der Elisabethanischen Regierung mit düsteren Legenden um König Artus und das Kloster von Glastonbury.

Zu Beginn des Buches (das auch als Leseprobe einzusehen ist) wird eine Szene mit einem Wachsbaby beschrieben. Leider wird auf diese Szene überhaupt nicht mehr eingegangen. John Dee denkt zwar darüber nach, und fragt sich auch, was daraus geworden ist, es wird aber nicht mehr besprochen oder gar aufgelöst.
Die Präsens von Königin Elisabeth ist sehr spärlich. Nach einer wahren Begebenheit beschreibt Rickmann ihren Besuch im Garten von Dee, bei dem über die Königin selbst kaum etwas deutlich wird. Allerdings ist diese Frau auch so facettenreich und ausführlich in anderen Publikationen beschrieben worden, dass Rickman damit keine Lücke füllen muss.
Viel interessanter war die Beschreibung von Dudley und Dee. Robert Dudley, der mir aus Literatur schon bekannt war, soll ja der heimliche Geliebte von Elisabeth gewesen sein. Mehrmal spielt er sogar darauf an, mit der Königin schon vertraulich gewesen zu sein (im Bett…). Was genau zwischen den beiden passiert ist, ist bis heute nicht bekannt – Rickmann behandelt das Thema sehr vorsichtig und meiner Meinung nach genau richtig.

Geschrieben war die Geschichte etwas wirr. Vermutlich lehnte Rickman sich dabei stark an die originalen Tagebücher, aber etwas sprunghaft fand ich die Kapitelanfänge dann schon. Es vergingen zwei bis drei Seiten, bis ich verstanden hatte, wo Dee nun wieder zu erzählen beginnt.
Die Schreibweise (bzw. die Übersetzung) war ansonsten recht gut, es ließ sich sehr flüssig und schnell lesen (jeden Abend hatte ich mit kleinen Unterbrechungen 2 Stunden Ruhe, und ich hab 4 Abende gebraucht).

Nach dem Lesen blieb bei mir ein Gefühl des Respektes für das Ideenreichtum in so einem großen Ausmaß. Die Geschichte war enorm komplex und zeigte neben großem Wissen über Chemie und Medizin auch wirklich viele Details aus der Geschichte auf.

Insgesamt war das Buch nicht ganz so spannend, wie ich dachte. Bei knapp 650 Seiten ist ein großer Handlungsbogen zu erwarten, richtig interessant wurde es aber erst auf den letzten 60 Seiten, als es um die Auflösung ging. Ich bin mit dem Plot vorher nicht unzufrieden, aber auch nicht vollends befriedigt.
Ich vergebe deswegen 4 von 5 Sternen.

★★★★☆

Einen großen Dank an Vorablesen und Rowohlt für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

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2 Gedanken zu “[Rezension] Die Gebeine von Avalon

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