[Rezension] Geschichten aus dem gefährlichen Königreich



Geschichten aus dem gefährlichen Königreich – J.R.R. Tolkien

Hobbitpresse Klett-Cotta

Gebunden mit Schutzumschlag, 333 Seiten

1. Auflage 2011

19,95 €

Seit gut einer Woche habe ich nun an den „Geschichten aus dem gefährlichen Königreich“ gelesen. Die Lektüre zog sich etwas, weil Tolkien sehr schwer schreibt. Im Vorwort wird darauf hingewiesen, dass die Übersetzer bestmöglich versucht haben, die Sprachspiele einzufangen. Es ist ihnen gelungen, denn ich habe Sätze oder ganze Abschnitte erneut lesen müssen, um sie ganz zu erfassen. Man hätte sicher vieles auch leicht überfliegen können, aber ich würde Tolkien mit genauem Lesen seiner Ideen.

Das Buch beginnt mit der Geschichte vom Bauern Giles, der zufällig einen Riesen in die Flucht jagt, und anschließend auch noch einen Drachen besiegen kann. Es wird sehr niedlich beschrieben, wie die Dorfbewohner sich um den Bauern scharen, weil er scheinbar mit Gefahren umgehen kann. Der König selbst fordert den Bauern auf, mit den Rittern gegen den Drachen in den Krieg zu ziehen.

Aber wie immer hat der Bauer Unmengen an Glück, und macht alles richtig, was ihn zu einem reichen Mann machen kann, der sich letztendlich sogar gegen den König durchsetzen kann.

Es folgt eine Geschichte über einen kleinen Hund namens Rover, der einen Zauberer in die Hose beißt, und dafür in einen Spielzeughund verwandelt wird. Um seine richtige Größe wiederzuerlangen, muss Rover, bald nur noch Roverandum genannt, zunächst auf den Mond, und dann ins Meer. Überall erlebt er spannende Abenteuer, und lernt endlich höflich zu sein. Das hilft ihm letztendlich, als er erneut vor dem Zauberer steht, und zurückverwandelt werden will.

Schön ist die nachfolgende Geschichte von Tom Bombadil, die in Reimform verfasst wurde. Tolkien gibt seinen Figuren etwas mehr Raum, wie schon den Elben im Silmarillion. Tom ist genau so, wie er Frodo und den Hobbit-Gefährten entgegentritt. Leichtfüßig, gutgelaunt und keiner kann ihn so richtig fassen. Es ist schade, dass es nur zwei kleine Geschichten gibt.

Anschließend kommen weitere kleinere Gedichte über Feenhafte Gestalten, Trolle, Kinder und die Natur.

Zum Abschluss beinhaltet das Buch zwei Geschichten über den Schmied von Großholzingen, der bei einem Kinderfest einen Elbenstern geschenkt bekommt, und mit diesem viele schöne Dinge erlebt, und einen Maler, der über ein sich verselbstständigtes Bild seine Umwelt vergisst, und sich erst selbst wieder finden muss.

Jede Geschichte, jedes Kapitel verzaubert einen beim Lesen auf seine eigene kleine Weise. Tolkien hat Zeit seines Lebens nicht nur an Hobbits gearbeitet, sondern sich von allem für winzige Geschichten inspirieren lassen.

Der Mann muss einfach eine phantastische Fantasie gehabt haben! Ich bin dankbar, dass nun auch seine Werke veröffentlich werden, von denen wir sonst vielleicht nie gehört hätten!

Bemerkenswert ist das Facettenreichtum. Mittelerde war seine oberste Priorität, wie es mir scheint, vor allem die Erhabenheit der Elben muss es ihm angetan haben, aber in Tolkiens Kopf hat seine Sprache ein so riesiges, eigenes Land erschaffen, dass weit über Mittelerde und die alten Landen hinausreicht.

Ich bin immer wieder fasziniert, wie sehr ein Mann mit wenigen Worten so viel Muße, so viel Kunst ausdrücken konnte!

Wieder sehr schmuckvoll ist die Aufmachung des Buches. Alan Lee fügt kleine, passende Zeichnungen zu den Geschichten hinzu, die bei keinem der Werke Tolkiens mehr fehlen dürfen. Das goldene Buchbändchen passt zu dem goldenen Rahmen des Covers, dass sich hervorragend in die neuen Tolkienwerke wie „Die Kinder Hùrins“ einreiht.

Fazit: Auch diesmal kann ich jedem Tolkien-Fan nun anraten, dieses zauberhafte Buch zu lesen. Es ist keine leichte Lektüre, die man in wenigen Stunden weg lesen sollte. Man sollte sich hinsetzen, Ruhe haben und die Wörter genießen. Jedes einzelne ist es wert.

Weil ich aber doch ein bisschen viel Ruhe für das Buch brauchte, vergebe ich nur 4 von 5 Sternen. Tolkien ist großartig, ich möchte keines seiner Bücher missen, dennoch sind mir manche Sprachspiele zu schwer für einen einfachen Lesenachmittag.

★★★★☆

Vielen Dank an den Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplares!

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